1. FC Magdeburg vs. Würzburger Kickers: Rang vier vergoldet eine grandiose blau-weiße Saison

 
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MB 15 Mai 2016
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FCMDie 3. Liga ist wahrlich kein Ponyhof. Bis vor kurzer Zeit war die halbe Liga akut abstiegsgefährdet. Und was der Abstieg bedeutet, dürfte klar sein. Der Fall in die Regionalliga ist hart und tief - die Rückkehr in den bezahlten Fußball ist verdammt schwer. Die Magdeburger können ein Lied davon singen, was es heißt, in der Regionalliga festzustecken. Voller Neugier schauten während der Partie zwischen den Magdeburgern und den Würzburgern immer wieder die Zuschauer auf das Display ihres Smartphones. Wie steht es auf den anderen Plätzen? Zum einen wollte man wissen, wer wohl absteigen würde. Zum anderen - und das tangierte die Magdeburger noch viel mehr - was stellt die Konkurrenz um Rang vier an? Für den 1. FCM galt es diesen Platz mit aller Macht zu verteidigen, denn dieser berechtigt zur Teilnahme an der ersten Runde der kommenden DFB-Pokal-Saison. Man weiß ja nie, was beim Landespokalfinale in Halle passieren wird. Von daher: Sicher ist sicher. Was man hat, das hat man. Der Sieg gegen Würzburg sollte her! 

FCMNoch einmal hatten die Magdeburger mobil gemacht. Über 22.000 Fußballfreunde zogen zum Stadion. Die „Old Bones“ nutzten für die Anfahrt sogar zwei Pferdekutschen, die auf dem Vorplatz abgestellt wurden. Noch ein Gruppenfoto („Wo ist eigentlich das ZDF?“ - und ab ging es zu den Bierständen und zu den Plätzen auf den Rängen. Mit voller Kapelle traten beide Mannschaften an. Schonen für die anstehende Relegation? Keineswegs! Die Würzburger Kickers nutzten diese Partie als Härtetest und erwiesen sich als richtig harter Brocken. Unterstützt wurden die Franken von rund 150 Gästefans, die zum großen Teil „Old School“ angereist waren. Manch einer trug sogar 90er-Jahre-Schlappen an den Füßen. Mützen, schräge Trainingsjacken und Sonnenbrillen komplettierten das Antlitz. Zu sehen waren auch eine klassische orange gefütterte grüne Bomberjacke und ein ärmelloses Pitt Bull Shirt. Allerdings war hierbei nicht klar, ob diese Klamotten nicht auch sonst getragen werden. Fest steht, dass es sich um eine fröhliche Truppe handelte, die vor Ort ihr Bestes gab, jedoch stimmungstechnisch selbstverständlich keine Chance gegen die blau-weiße Übermacht hatte.

WürzburgWürzburg ist nicht Halle, und schon gar nicht Dresden, doch auch unter diesen Leuten befanden sich drei, vier Männer, die eindeutige Gesten in Richtung Magdeburger Gegengerade schickten. Lust auf ein Match? Zwar war die Gegengerade im Gegensatz zu manch anderen Partien nicht allzu sehr mit FCM-Anhängern der Alten Garde bestückt, doch wer bittet, bekommt die Antwort. Zwei, drei Magdeburger Brocken zeigten nach draußen und ein paar Würzburger folgten der Aufforderung. Der Zwischenzaun samt Sichtschutz verhinderte ein Aufeinandertreffen. Das wussten die Magdeburger sehr wohl, doch wollten sie sehen, ob die Franken wirklich „Eier in der Hose“ haben. Schließlich wüssten die ja nicht, ob sich im „Wilden Osten“ nicht doch ein Zwischentürchen wie von Geisterhand öffnen würde. Mehr als eine witzige Randanekdote wurde es nicht. Ein späterer Wink mit dem Bierbecher  - und gut war´s. Und was die Eier betrifft, so hatten die Würzburger sogar eine kleine Zaunfahne angebracht: „Beutel Boyz“. Auf so was muss man erst mal kommen, zumal das behaarte Gehänge gleich mit drauf gemalt wurde. 

würzburgGrund zum Feiern hatten die Würzburger auch. Nach einer Ecke nach knapp einer Viertelstunde stand Soriano völlig frei und konnte das 1:0 für die Gäste problemlos einköpfen. Matthias Tischer, der an diesem Tag, noch einmal das Tor hüten durfte, war in dieser Situation machtlos. Auszeichnen konnte er sich jedoch in der Folgezeit einige Male. Die Magdeburger Antwort nach dem recht frühen Rückstand: Eine blau-weiße Schalparade und anschließend das brachiale „Vorwärts Magdeburger Jungs!“ Es entwickelte sich eine intensive, kampfbetonte Partie, die vor allem von der Spannung lebte. Immer wieder der Blick auf die Zwischenstände der anderen Spiele. Was machen der VfL Osnabrück und die SG Sonnenhof Großaspach? Vor allem im Fall VfL Osnabrück erschien ein Heimsieg gegen den SC Fortuna Köln wahrscheinlich. Aber siehe da, zur Pause führte Großaspach mit 1:0 bei der SG Dynamo Dresden. In Osnabrück stand es noch 0:0.

schubiEine bemerkenswerte Aktion gab es nach dem Pausentee im Block U zu sehen. Ein Spruchband wurde hochgehalten: „Landgericht HRO: Im Zweifel für den Innenminister? Freiheit für Schubi!“ In Rostock wird man sich über die gezeigte Solidarität freuen. Das kürzlich bekannt gewordene Urteil von vier Jahren und fünf Monaten sorgte für Kopfschütteln und wurde auch von der Blau-Weiß-Roten Hilfe mit aller Deutlichkeit kritisiert. Es blieb das einzige Spruchband an diesem Tag, in der Folgezeit galt die volle Konzentration dem Spielgeschehen. In der Schlussphase heizte der Vorsänger dem Block U noch mal richtig ein. „Lauter!!“ Und ab ging´s. „F-C-M. FCM Blau-Weiß!“ Magdeburg drückte, doch Würzburg fightete ebenfalls bis zur letzten Minute. Lauter Jubel in der 84. Minute. 1:0? Nein, der Ball traf nur das Außennetz. Der Blick auf die anderen Spielstände. Dynamo Dresden hatte das Spiel gedreht. Und besser noch: Fortuna Köln gewann beim VfL Osnabrück! Die Stimmung wurde immer besser. Etwas aus der Kalten kam der plötzliche Abpfiff. Kurzzeitig ertönte ein „Schweine DFB!“, doch als klar war, dass trotz Niederlage Rang vier in trockenen Tüchern war, kam noch einmal Jubel auf.

FCMEine großartige Saison des Aufsteigers fand einen glücklichen Abschluss. Minutenlang wurde die Mannschaft gefeiert. Anschließend wurden zahlreiche Spieler verabschiedet. Unter ihnen das FCM-Urgestein Matthias Tischer (seit 1996 beim Club) und der von vielen FCM-Fans in Herz geschlossene Ryan Malone. Ganz zum Abschluss wurde indes noch einmal deutlich gemacht, dass eine Aufgabe noch ansteht: „Alle, alle gegen Halle!“ Am kommenden Mittwoch steht schließlich das Landespokalfinale gegen den HFC in Halle an. Am Tag darauf stellt Jente Knibbiche beim Magdeburger Fanprojekt die neue „1. FC Magdeburg Fußballfibel“ vor. In dieser wird auch einiges von den Old-School-Zeiten zu lesen sein…

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Magdeburg

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
0:1
Zuschauerzahl:
22.072
Gästefans
150

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