Jahn Regensburg vs. Wacker Burghausen: Grenzüberschreitung? Das passiert halt mal!

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D 28 September 2015
 
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Jahn Regensburg vs. Wacker Burghausen: Grenzüberschreitung? Das passiert halt mal!

Während im Osten der Republik in dieser Saison „Derbys“ ausgetragen werden, auf die die Anhänger schon seit 10 Jahren oder sogar noch länger warten, stand an diesem Samstag in Ostbayern ein Duell auf dem Programm, auf welches vor allem die Fans des SSV Jahn wohl gerne länger als nur eine Saison verzichtet hätten. An einem grauen Dienstagabend im März 2014 trafen die beiden Vereine das letzte Mal aufeinander und während der SV Wacker nach dieser Spielzeit den bitteren Gang in die Regionalliga antreten musste (der aus Sicht vieler nicht unverdient war, zumal man sich zuvor zweimal nur durch Lizenzentzüge anderer Clubs retten konnte), plante man in Regensburg schon für die Zukunft. Dumm nur, dass das neue Stadion gerade dann fertig wurde, als auch der SSV als abgeschlagener Tabellenletzter den Abstieg verdauen musste. 

Nun also ein Neustart in der Regionalliga Bayern, mit neuem Stadion, neuer Mannschaft (allein drei Spieler kamen vom Drittligisten aus Chemnitz) und neuen Zielen. Und bis jetzt sieht das auch ganz gut aus für den Jahn, mit 28 Punkten aus 11 Spielen ist man schon jetzt unangefochtener Spitzenreiter und fährt mit Volldampf Richtung Relegation. Die Zuschauer wissen das zu schätzen und so liegen die Rot-Weißen auch in der Zuschauertabelle weit vorne und haben mit knapp 7.500 Besuchern pro Spiel einen mehr als doppelt so hohen Schnitt wie die Zweitvertretung der Münchener Bayern, die auf dem zweiten Platz liegen. Dazu konnte im Oberpfalzderby gegen den FC Amberg auch ein neuer Zuschauerrekord für die Regionalliga Bayern aufgestellt werden, als sich 12.689 Menschen im neuen Stadion einfanden und einen knappen 4:3-Sieg sahen – wie lange dieser Rekord Bestand haben wird gilt es abzuwarten, denn zum nächsten Heimspiel sind die kleinen Bayern zu Gast, die traditionell viele neutrale Zuschauer anziehen und auch selbst einen relativ großen Anhang im Schlepptau haben. 

Perfekte Vorzeichen also für dieses Duell, in das der SSV als klarer Favorit geht. Etwa 600 Burghausener lassen sich davon nicht abbringen ihre Mannschaft zu begleiten und legen schon vor dem Spiel recht lautstark fest, dass hier nur der „SVW“ regieren würde. Die Heimseite straft die Gesänge fast komplett mit Ignoranz, nur ab und zu schickt man einen Gruß an die ungeliebten Gäste, beschäftigt sich sonst mit der Vorbereitung der anstehenden Choreo. „Herzblut, Stolz und Leidenschaft schenken unserer Jahnelf heut die Kraft!“ verkündet ein großes Spruchband und pünktlich zum Einlaufen der Teams wandert ein großes Jahn-Trikot über die Köpfe hinweg nach oben und wird von einigen großen Schwenkfahnen in Rot-Weiß abgerundet.

Die Gäste belassen es dagegen bei einem per Regencapes dargestellten Schwarz-Weiß-Schwarz Muster und präsentieren die eigens für das Spiel hergestellten Schals, von denen ein großes Exemplar auch am Zaun vorne hängt. Optisch also ein guter Start in dieses Spiel, das schon früh erkennen lässt, dass der Jahn die etwas bessere Mannschaft stellt. Das 1:0 nach 11 Minuten durch den Ex-Chemnitzer Lais ist die logische Konsequenz dessen und alle Hoffnungen in Rot-Weiß, dass man heute einen deutlichen Sieg sehen wird, erhalten dadurch frische Nahrung. 

Beide Seiten unterstützen ihre Mannschaft übrigens gut, auch wenn gewisse Vorteile auf Burghausener Seite zu erkennen sind, was schlicht und ergreifend am kompakten Gästeblock liegt. Die „Hans Jakob Tribüne“ hat dagegen mit den leider obligatorischen Problemen der Verbindung „Überschaubare Szene – großes Stadion“ zu kämpfen, die man z.B. auch in Chemnitz beobachten kann. Der Stimmungspulk ist zwar im Vergleich zum alten Stadion deutlich größer, wirkt auf der großen Tribüne aber trotzdem relativ überschaubar und nur selten stimmt der Rest der Zuschauer mal in die Gesänge der Regensburger Ultras mit ein. Das wird auch nicht durch das überraschende 1:1 besser, welches zudem noch glücklich fällt, denn der direkte Freistoß des Wacker-Kapitäns Christoph Burkhard wird noch abgefälscht und landet somit unhaltbar für Philipp Pentke im Tor des SSV. 

Doch nur wenige Minuten später ist der alte Abstand wiederhergestellt, als Markus Ziereis einen Lupfer im Strafraum vorbildlich mit der Brust annimmt und zum 2:1 trifft. Nun ist die Heimseite wieder obenauf, während man im Gästeblock kurz Ruhe herrscht, die aber quasi mit dem Halbzeitpfiff wieder ihr Ende findet, denn da pfeift Schiedsrichter Ostheimer auf Anraten seines Assistenten einen Handelfmeter, auch wenn er vermutlich der einzige im Stadion ist, der dieses Handspiel gesehen haben dürfte. Christoph Burkhard nimmt das Geschenk natürlich gerne an und trifft zum 2:2, was auch die letzte Aktion dieser ersten Halbzeit sein sollte. 

Zur zweiten Spielhälfte ist dann Schmunzeln angesagt, entrollen die Regensburger doch ein Spruchband mit dem Inhalt „Das letzte Mal bei UBS – die Pannenshow: Choreo verkackt & euer Treffpunkt in unserer Hand! Was kommt heute?“ und beziehen sich damit auf das eingangs erwähnte Derby im März 2014, dass den Anhängern des SVW aus mehreren Gründen wohl unfreiwillig länger im Gedächtnis bleiben wird. Zumindest der Wirt einer bestimmten Kneipe in Burghausen schien sich aber damals über die ungewohnten Besucher aus der Domstadt zu freuen…

Spielerisch fällt das Duell von nun an aber ab, dafür geht es auf den Rängen umso heißer her. Eine kleine Blockfahne mit einem Wildschein, dass ein SSV-Wappen zerdrückt ist der Startschuss und erwartungsgemäß haben sich die darunter stehenden auf wundersame Weise optisch angeglichen und zünden diverse Rauchfackeln sowie Bengalos, was ein schönes Bild ergibt, in der B-Note aber Punktabzüge wegen Werfens von Böllern und Pyrotechnik auf den Platz erhält. Wie man später erfährt, steht das Spiel wohl auch kurz vor dem Abbruch, was Wacker-Trainer Wolf nicht wirklich verstehen kann, wie man an seinen Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem Spiel hören kann: „Kompliment an die Unterstützung der Wacker-Fans – die haben auch alles gegeben, sind vielleicht mal ein Stück weit darüber hinweggegangen über die Grenze, aber das passiert halt mal.“ Das erklärt dann vermutlich auch, warum er während der Pyroshow mehrere Fotografen am Gästeblock anbrüllte, beleidigte und der Provokation bezichtigte. 

Die kurze Spielunterbrechnung hat aber nicht die erhoffte Wirkung für Wacker, denn im Nachhinein hört man immer wieder, dass sie die Gäste aus dem Konzept brachte, auch wenn man nicht so richtig weiß, wie dieses Konzept ausgesehen haben soll, waren die Gastgeber hier doch fast immer die bessere und überlegenere Mannschaft. Und so ist das 3:2, erneut durch Ziereis, nicht unverdient und auch wenn Wacker nun noch einmal drückt und sogar noch den Pfosten trifft, bleiben die drei Punkte am Ende in der Domstadt. Die Hans-Jakob-Tribüne feiert die Derbysieger, aber auch im Gästeblock spendet man der zwar spielerisch unterlegenen, aber zumindest kämpfenden Mannschaft Applaus. Nähere Kontakte beider Fanszenen sind nicht auszumachen, ein klares Zeugnis des bayerischen Sicherheitskonzepts, welches man etwas später beim Transfer der Gäste zum Bahnhof eindrucksvoll beobachten kann: man nehme etwa 10 Polizeiwagen, einen Shuttlebus, erneut vier bis fünf Einsatzwagen, einen zweiten Shuttlebus, wieder etwa 10 Einsatzwagen sowie ein Gefährt des Rettungsdienstes und des THW – fertig ist der sich zum Bahnhof schlängelnde Lindwurm bayerischer Art. 

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass bei diesem Derby zwar immer noch ein paar Prozent zu den großen Duellen dieses Landes fehlen, es aber gemessen an der Größe beider Fanszenen ein durchaus reizvolles Duell ist, dass seine Stärken hat und das man sich gerne anschauen kann. Denn die Emotionen dabei sind genau so ehrlich und spürbar wie bei den anderen Derbys, die sonst immer gerne genannt werden.

Fotos: DKZ

Text: DKZ

> zur turus-Fotostrecke: SSV Jahn Regensburg

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Spielergebnis:
3:2
Zuschauerzahl:
6.628
Gästefans
600

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Mal schauen, ob Regensburg im Rückspiel auch so einen Auswärtssupport zustande bringt!

D
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NR
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Wolf ist der beste Mann!! Mehr von solchen Männern!! Nicht solche Heulsusenmemmen die gleich beim ersten Rauchtopf die Krise kriegen.

NR
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Tip top.

G
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Burghausen hatte übrigens zaunfahnen und choreo verbot... Weil du "belassen es" schreibst ;)

E
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