1. FC Magdeburg vs. FC Energie Cottbus: Strittiger Elfmeter sorgt für blau-weiße Erlösung

 
4.5 (10)
MB 27 September 2015

FCMAls in der 90. Minute die Magdeburger Spieler beim Stand von 1:2 sorgsam einen Freistoß knapp vor der Strafraumgrenze vorbereiteten, ahnte man: Das würde die letzte Möglichkeit der Partie sein. Die letzte Chance, gegen die überraschend stark auftretenen Lausitzer doch noch ein Pünktchen zu retten. Da zuletzt beim Auswärtsspiel in Rostock ein Freistoß mustergültig in den rechten Winkel platziert wurde, war die Hoffnung bei den Magdeburger Fans sehr groß. Der Freistoß konnte jedoch von FCE-Keeper René Renno zur Seite abgewehrt werden, doch Schluss war lange noch nicht. Der Ball gelangte zu Puttkammer, der im rechten Strafraumbereich Platz nach vorn hatte. Während eine Vielzahl Mit- und Gegenspieler gebannt auf die Situation schauten, kam Energie-Spieler Szarka von schräg hinten und war somit der letzte Mann, der den Drang zum Tor verhindern konnte. Der rechte Arm war nach vorn ausgestreckt, ein wenig wurde vom Tor weg abgedrängt, Puttkammer ging zu Boden. Elfmeter? Ja, meinte Schiedsrichter Florian Meyer, der sich ziemlich schien. Zwar hat man gewiss schon weitaus schlimmere Fehlentscheidungen gesehen, doch geben musste man diesen Elfmeter sicherlich nicht.

BeckHeftige Proteste von Seiten der Cottbuser Spieler. Christian Beck ließ sich nicht beeindrucken und übernahm in dieser hitzigen Schlussphase Verantwortung und trat zum Punkt. Ein konzentrierter Blick auf den Ball und dann haute er diesen recht zentral platziert in die Maschen. Ausbruch der Emotionen. Jubel an der Eckfahne, Jubel auf den Rängen. Grenzenlose Erleichterung. Nach der Niederlage gegen Aalen gab es nun zu Hause wieder einen Punkt. Bitter aus Sicht der Lausitzer, am Ende jedoch ging unter dem Strich das Unentschieden in Ordnung. Gezeigt hatten beide Mannschaften eine überaus flotte Partie, die richtig Freude bereitet hatte und beide Fanlager zu pausenlosem Support animierte.

weißenfels19.435 Zuschauer waren es, die am Samstagnachmittag bei freundlichem Herbstwetter den Weg ins Magdeburger Stadion fanden. Manch einer wertete beim Bier zuvor noch die Ereignisse in Rostock aus. Froh war man, dass man von der Ostseeküste einen Punkt mitnehmen konnte und dass die Vorfälle im Gästeblock keine weiteren Folgen haben. Mit einer Erklärung hatte sich der Verein hinter die Fans gestellt, wenn gleich das Verbrennen von feindlichen Materialien kritisiert wurde. Allerdings seien Emotionen nach einem Wiedersehen nach 25 Jahren halt auch verständlich. Bei weitem nicht ganz so brisant ging es beim Heimspiel gegen den FC Energie Cottbus zu. Sportlich interessant - ja. Eine von Hass geprägte Rivalität - nein. Wie bereits gegen den Chemnitzer FC und den VfL Osnabrück gab es keinerlei Provokationen und auch am Pufferbereich der Gegengerade blieb es völlig ruhig.

energieDass derzeit die Fanszene des FC Energie Cottbus keine Massen mobilisieren kann, dürfte bekannt sein. Erschreckend war die Anzahl der Angereisten beim Auswärtsspiel beim F.C. Hansa. überraschend indes der Auftritt beim FC Erzgebirge Aue. Nach den dürftigen sportlichen Leistungen überraschte es sowieso nicht, dass mal eben keine 2.000 FCE-Fans gen Börde düsten. Die Anzahl der gestern vor Ort gewesenen Anhänger des FC Energie war überschaubar, doch der gezeigte Support war durchaus okay. Mut macht der neue Trainer, der als Spieler von 1998 bis 2002 im Stadion der Freundschaft für Furore gesorgt hatte. Die Rede ist von Vasile Miriuta, der nun die Lausitzer wieder weiter nach oben führen soll. Der charismatische Miriuta wurde damals ein echter Publikumsliebling. In 121 Partien hatte er 23 Treffer erzielt. Groß war damals die Enttäuschung, als er 2003 nach Duisburg wechselte und anschließend zurück nach Ungarn ging. Nachdem er seit 2010 bereits das U19-Team und die zweite Mannschaft des FC Energie Cottbus trainiert hatte, bekam er nun das Vertrauen, die Profis wieder in Schwung zu bringen.

FCMUnd das Ganze schien bereits Wirkung zu zeigen. Die Mannschaft um Torsten Mattuschka zeigte sich beim gestrigen Spiel in guter Verfassung und bestimmte die Anfangsphase. Die erste dicke Chance hatten jedoch die Magdeburger. So ging ein Schuss von Brandt in der 12. Minute knapp am rechten Pfosten vorbei. In der Folgezeit entwickelte sich eine sehenswerte Partie, die zu begeistern wusste. Gut aufgelegt zeigte sich auch wieder einmal das Magdeburger Publikum. Was nach 20 Minuten im Block U begann, wurde von Minute zu Minute immer lauter und intensiver. „Vorwärts Magdeburger Jungs, schießt ein Tor für uns!“, ertönte es wieder und wieder von den Rängen. Der Block U wurde dazu zweigeteilt. Mal wedelte die eine Hälfte mit den Schals, mal legte die andere Hälfte eine Wipp- oder Tanzeinlage hin. Wippen, Marschieren, Arme hoch, Schals hoch. Manch einer im Block hatte bereits den Oberkörper freigelegt. Rekordverdächtige Ausmaße nahm das Ganze kurz vor der Pause an, als sowohl Gegengerade als auch die Haupttribüne mit einstiegen. Was für eine Intensität! Die Kollegen von „Sportfotos MD“ ließen eine Kamera mitlaufen, das Mikrofon hatte echte Schwierigkeiten, den Lärm vernünftig aufzuzeichnen. Umso größer ist natürlich der Kultcharakter des veröffentlichten Videos. 

energieUnd auf dem Platz? Verärgerung beim FC Energie nach einer halben Stunde. Sukuta-Pasu kam in aussichtsreiche Position und versuchte es aus spitzem Winkel, doch Jan Glinker konnte den Ball parieren. Da Sukuta-Pasu jedoch zuvor am Arm festgehalten wurde, hätte es durchaus Elfmeter für die Lausitzer geben können. Auf der Gegenseite hatte kurz vor dem Pausentee Sowislo die Magdeburger Führung auf dem Kopf, doch das Spielgerät senkte sich nur auf das obere Netz. Richtig was los war schließlich im zweiten Spielabschnitt. Was in der ersten Halbzeit noch fehlte, bekamen die Zuschauer in der Zweiten zu sehen: Tore. 

FCMNach einer ersten richtig fetten Möglichkeit von Cottbus waren es schließlich die Hausherren, die in der 56. Minute den viel zitierten Knoten platzen ließen. Nach einem Fehler von Mimbala legte Fuchs den Ball rüber zum frei stehenden Beck. Souverän ließ er die sich bietende Möglichkeit nicht ungenutzt. Kurz geschaut und reingehauen. 1:0 für den 1. FC Magdeburg. Wie so oft in der laufenden Saison stand das Stadion Kopf. Von Jung bis Alt wurde gehüpft und sich umarmt. Wenig später sogar fast das 2:0, doch der Schuss von Sowislo ging ans Außennetz. 

CottbusEs ging nun Schlag auf Schlag. Nur vier Minuten nach der Führung des 1. FCM trat Mattuschka auf der Gegenseite zum Freistoß an. Wie immer schaute er ganz genau, wie er den Ball reinzubringen hat. Hoch rein das Ding. Nach einer Abwehrparade von Jan Glinker konnte Sukuta-Pasu aus kurzer Distanz den Ball in die Maschen dreschen. 1:1 nach 60 Minuten. Frenetischer Jubel nun im Gästebereich. Und es ging weiter! Chance für Magdeburg nach einer Ecke und eine weitere knifflige Situation, bei welcher der Energie-Keeper Renno außerhalb des Strafraumes klärte. Und dann! Schneller Spielzug des FC Energie über die rechte Seite. Vorn wurde der Ball hereingebracht und Mattuschka stand mutterseelenallein bereit und machte die Gästeführung klar. Ein totaler Ausbruch der Gefühle nun im Gästeblock. Komplettes freudiges Durchdrehen. War dies die Wende?

FCMEs blieb extrem spannend. Logisch, dass nun Cottbus versuchte, das Tempo rauszunehmen. Magdeburg drückte indes zum Ausgleich. In der 84. Minute war es fast soweit. Ei, ei, ei, was für eine Möglichkeit! Fast das 2:2. Nur kurze Zeit später hätte Cottbus mit einem 3:1 den Sack zumachen können. Und dann die Schlussphase, die eingangs geschildert wurde. Als der Schiedsrichter den Freistoß pfiff, wurde es im Stadion kurzzeitig ganz ruhig. Nur das Gemurmel der Zuschauer war zu hören. Als eine Minute später Christian Beck den umstrittenen Elfmeter versenkte, wurde es umso lauter. Frenetisch wurde das 2:2 gefeiert, doch auch im Gästeblock feierte man die Mannschaft von Miriuta für die gezeigte Leistung. Bereits am Freitagabend - ja, wieder einmal ein Auswärtsspiel am Freitag - tritt der FC Magdeburg bei Holstein Kiel an. Am Sonntag empfängt der FC Energie den SV Wehen Wiesbaden. Genau diesen Verein empfängt der 1. FCM beim nächsten Heimspiel am 24. Oktober. Davor geht es noch nach Aue, danach zur SG Dynamo Dresden. 

Fotos: Marco Bertram

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Spielergebnis:
2:2
Zuschauerzahl:
19.500
Gästefans
705

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Macht weiter so. Seid ihr auch bei Rostock gegen Dresden und Dresden gegen Magdeburg und Chemnitz gegen die Schachter?

G
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Das war never ein Elfer!!! :-/

G
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4.0
TT
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G
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