S.D. Croatia Berlin vs. SV Tasmania Berlin: Licht und Schatten im Friedrich-Ebert-Stadion

MB 21 September 2015
S.D. Croatia Berlin vs. SV Tasmania Berlin: Licht und Schatten im Friedrich-Ebert-Stadion

CroatiaWährend sich heftiger Regen und Sonnenschein stetig abwechselten, ertönte ein zaghaftes „ … bjezite ljudi dok postoji nada jer ovdje igra Hrvatska!“ von den Rängen. Genau jenes Lied, das bei Länderspielen der kroatischen Nationalmannschaft für Furore sorgt. Unvergessen der Auftritt der Jungs mit Trikot und Badekappen auf dem alten Markt in Poznan während der Europameisterschaft 2012. Gänsehaut pur und das „Bjezite ljudi, bjezite iz grada…“ klingt noch immer im Ohr. Nicht ganz so intensiv ging es am Sonntagnachmittag beim Spitzenspiel der Berlin-Liga im Friedrich-Ebert-Stadion in Berlin-Tempelhof zu. Der Sportsko Drustvo Croatia Berlin empfing den SV Tasmania Berlin. Logischerweise verlief alles ein paar Nummern kleiner, aber für einen Hauch Balkan-Atmosphäre war gesorgt. Grillstand mit Ćevapčići, frisch gezapftes Bier, kroatische Fahnen, zwei Trommeln. Kurzum: Es war angerichtet. Bei extrem wechselhafter Witterung konnte um halb drei die mit Spannung erwartete Partie beginnen.

CroatiaSchätzungsweise zwischen 200 und 250 Zuschauer müssen es gewesen, denn als es zwischenzeitlich aus Kübeln goss, drängten sich allein unter der kleinen überdachten Haupttribüne, an deren Wand noch das Logo des FC Viktoria 1889 prangt, rund 150 Fußballfreunde. Eingefunden hatten sich auch etliche Anhänger des einstigen Bundesligisten SV Tasmania Berlin (SC Tasmania 1900 Berlin), der 1973 Konkurs anmelden musste und wenig später als SV Tasmania Neukölln 73 neu gegründet wurde. Von 2000 bis 2011 wurde als Tasmania Gropiusstadt gespielt, seit 2011 läuft die Mannschaft wieder als Tasmania Berlin auf und spielt in der Berlin-Liga eine äußerst gute Rolle. Im Berliner Pilsner Pokal wurde zuletzt zweimal der Einzug ins Finale gepackt. Gegen den FC Viktoria 1889 und den BFC Dynamo trat Tasmania jeweils äußerst couragiert auf, musste sich jedoch am Ende jeweils knapp geschlagen geben.

CroatiaDer Sportsko Drustvo Croatia Berlin wurde 1972 von der kroatischen Gemeinschaft ins Leben gerufen und ging anfangs als NK Hajduk Berlin ins Rennen. Über die Berliner Stadtgrenzen hinaus berühmt ist der Verein jedoch vor allem auf Grund seiner Futsal-Mannschaft. So konnte 2010 und 2011 der DFB-Futsal-Cup gewonnen werden, in Folge dessen betrat der S.D. Croatia sogar internationales Parkett. Aber auch beim Fußball gab es bereits Erfolgsmomente! Wer erinnert sich noch daran, dass Croatia Berlin 1998/99 sogar einmal in der Regionalliga Nordost gespielt hatte?! So kam es unter anderen am 05. Dezember 1998 zum Heimspiel gegen den 1. FC Dynamo Dresden (damals nicht als Sportgemeinschaft am Start). Im Tor von Croatia stand der langjährige Torhüter des BFC Dynamo, Nico Thomaschewski, genannt „Motche“ oder „die Katze“. Im Dresdener Aufgebot war indes Nico Patschinski zu finden. Er spielte später für den FC St. Pauli, den 1. FC Union Berlin und gemeinsam mit „Motche“ beim BFC Dynamo. An jenem Dezembertag 1998 legte „Patsche“ der „Katze“ in der 66. Minute ein Ei ins Netz. Es war der zwischenzeitliche Ausgleich für Dynamo Dresden. Held des Tages wurde Nikica Vrcic, der mit seinen beiden Toren S.D. Croatia vor knapp 500 Zuschauern zum Sieg geführt hatte. 

SC CroatiaDie größte Zuschauerzahl konnte Croatia Berlin in der damaligen RL-Saison - es dürfte kaum verwundern - gegen den 1. FC Union Berlin verzeichnen. 1.336 Zuschauer bekamen einen klaren 4:0-Erfolg der Eisernen zu sehen. Am Ende stieg Croatia Berlin als Tabellenletzter wieder in die NOFV-Oberliga Nord ab. Nach Rang zehn in der folgenden Spielzeit 1999/2000 folgte eine desaströse Oberliga-Saison. So konnten 2000/01 nur zwei Siege eingefahren werden, als abgeschlagenes Schlusslicht ging es runter in die Verbandsliga. 2004/05 fand sich S.D. Croatia in der Bezirksliga wieder, aus der jedoch auf Anhieb in die Landesliga zurückgekehrt wurde. Von 2010 bis 2013 musste die erste Mannschaft von S.D. Croatia allerdings wieder mit der Bezirksliga Vorlieb nehmen. Als Meister der Staffel 1 gelang 2013 der Sprung in die Landesliga, zwei Jahre später konnte der Aufstieg in die Berlin-Liga gefeiert werden. Zum Abschied gab es einen 12:1-Sieg gegen den BSC Eintracht Südring zu feiern. 

TasmaniaZum Auftakt der laufenden Saison gab es sogleich einen echten Achtungserfolg, mit 2:0 wurde bei Eintracht Mahlsdorf gewonnen. Es folgten ein 2:0 gegen den BFC Dynamo II, eine 0:1-Niederlage beim SV Empor, ein 3:2 gegen den Berliner SC und ein 6:1 beim Köpenicker SC. Da auch der SV Tasmania Berlin erwartungsgemäß gut in die Spielzeit gestartet war, kam es am Sonntag zu einem echten Spitzenspiel. Die Kulisse passte, nur das Wetter wollte phasenweise nicht so recht mitspielen. Immerhin ließ zwischendurch die durchbrechende Sonne die Klamotten trocknen. Die gemütlichsten Plätze waren wie immer auf der Gegenseite zu finden. Dort stehen leicht erhöht drei Bänke, von denen man einen guten Blick auf das Geschehen hat. Praktischer waren gestern indes ganz klar die Plätze auf der kleinen Haupttribüne - und diese waren nach dem ersten aufkommenden Regenschauer komplett belegt. Nebenan harrten derweil die Gästefans hinter einigen Fahnen der Dinge.

CroatiaEs wurde eine flotte Partie, bei der Mario Kis den Gastgeber in der 22. Minute in Führung brachte. Elf Minuten später konnte Arafa El-Moghrabi für die Tasmanen ausgleichen. „Ra, ra, ra, Tasmania!“, ertönte es nun aus dem Gästeblock. Auf der anderen Seite der Haupttribüne wurde weiter fleißig getrommelt. „Hrvatska! Hrvatska!“ Selbst als wieder mal der Regen einsetzte, wurde unermüdlich die Trommel betätigt. Nicht unverdient konnte Marin Lezaic kurz vor der Pause S.D. Croatia mit 2:1 in Front bringen. Im zweiten Spielabschnitt hätte Croatia - begleitet vom „Bjezite ljudi, bjezite iz grada…“ - die Führung ausbauen können, doch am Ende war es der SV Tasmania, der noch einmal ins Schwarze traf. Der Regen hatte aufgehört und Philip Januschowski machte in der 87. Minute das 2:2. Enttäuschung bei den Kroaten. Wortlos wurden Trommel und Fahnen eingepackt. Verständlicherweise besser mit dem Remis leben konnten die Tasmanen, die mit den wackeren Fans nach Abpfiff abklatschten. 

Kurzum: Beide Vereine hätten durchaus Potential, in absehbarer Zeit in der Oberliga zu spielen, und zu gönnen wäre es Beiden sowieso. 

Fotos: Marco Bertram

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2:2
Zuschauerzahl:
250
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50

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War Ende der 90er

Noch nicht die große Fußballeuphorie da und außerdem waren es auch bei Dynamo dunkle und grausige Jahre.

R
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Warum kamen damals gegen Dresden nur 500 Zuschauer?

G
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Bald ein Derby gegen FK Srbija. Sehr gut!

M
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