1. FC Magdeburg vs. VfL Osnabrück: Traumtor von Beck sorgt für blau-weiße Jubelorgie

 
4.9 (7)
MB 16 September 2015

FCMWoran werden die meisten Magdeburger Fans denken müssen, wenn sie den Namen VfL Osnabrück hören? Richtig, an das bittere Saisonende 2006/07. Der 1. FC Magdeburg befand sich damals auf Aufstiegskurs. Die 2. Bundesliga war greifbar nahe. Am 02. Juni 2007 stand der letzte Spieltag der Regionalliga Nord an. Fernduell zwischen dem 1. FCM und den Jungs von der Bremer Brücke. Magdeburg musste gegen den FC St. Pauli ran, der VfL hatte es mit Rot Weiss Ahlen zu tun. Mit den Sankt Paulianern tat sich der 1. FCM schwer, mehr als ein 1:1 wollte nicht herausspringen. Da jedoch Osnabrück in der 80. Minute 0:1 zurücklag, war das Ganze halb so wild und die Magdeburger Fußballfreunde stellten schon mal den Sekt kalt. Magdeburg drückte, schaffte es aber nicht, den erlösenden Siegtreffer zu erzielen. Stattdessen machten Cichon und Reichenberger in der Ferne zwei Buden und ließen Osnabrück vor Freude ausrasten. Knapper konnte Magdeburg nicht scheitern. Kein Wunder, dass tausende Tränen flossen. Der Rest der Geschichte dürfte bekannt sein und muss nicht noch einmal aufgewärmt werden. Es dauerte weitere acht lange Jahre, bis endlich der Sprung in den Profifußball klappte. Da der VfL Osnabrück die 2. Bundesliga nach unten wieder verließ und seit 2011 in der 3. Liga beheimatet ist, kam es nun am Dienstagabend zum Duell im Magdeburger Stadion.

OsnabrückNeben dem SC Preußen Münster gehört der VfL Osnabrück ganz klar zu den lukrativsten Vereinen in der 3. Liga, die bei all den Nordost-Vertretern ihre Visitenkarte abgeben. Schade nur, dass der Auftritt in Magdeburg nun aufgrund der Spielverlegung unter der Woche stattfand. Wären am Wochenende durchaus rund 1.000 VfL-Fans angereist, so waren es nun zirka 300 bis 400, die im unteren Sitzplatzbereich hinter dem Tor ihre Mannschaft unterstützten. Da hätte man gut und gern den eigentlichen Gästeblock öffnen können. Zumal nicht wirklich Brisanz zu spüren war. Beide Seiten konzentrierten sich auf den Support ihres Teams. Außer einem zwischenzeitlichen „Wessi-Schweine!“ gab es keine Provokation in Richtung Gäste. Allein dem Sportlichen auf dem Rasen galten Aufmerksamkeit und Interesse der Magdeburger Fans. 

FCMAngesagt war mieses Wetter, doch die Realität sah weitaus erfreulicher aus. Blauer Abendhimmel über dem gut gefüllten Stadion. 15.324 Zuschauer wollten das Nachholspiel sehen. Nach den unglücklichen Niederlagen beim SC Fortuna Köln (1:2) und bei den Stuttgarter Kickers (0:1) sollte der Weg zurück in die Erfolgsspur gefunden werden. Da Osnabrück nach durchwachsenem Start zuletzt 3:2 gegen Holstein Kiel und 4:0 gegen den SV Wehen Wiesbaden gewinnen konnte, erschien die Aufgabe auf dem Papier als nicht allzu leicht. Und in der Tat ließen die Gäste aus Niedersachsen in der ersten halben Stunde erahnen, dass ein Magdeburger Sieg kein Selbstläufer werden würde. Großartige Chancen sprangen für den Gastgeber in der Anfangsphase noch nicht heraus. In der 18. Minute versuchte es Nicolas Hebisch von schräg links, doch VfL-Keeper Marvin Schwäbe hatte keine Mühe den Schuss zu halten. 

VfLOsnabrück versuchte Akzente zu setzen, hatte jedoch auch selber nur wenige Möglichkeiten zu verbuchen. Auf Magdeburger Seite brachte in der 27. Minute Burak Altiparmak einen Freistoß in den gegnerischen Strafraum, doch für Gefahr sorgte dieser nicht. Drei Minuten später präsentierte der Block U eine Botschaft für den beim Auswärtsspiel im Kölner Südstadion schwer verletzten Felix Schiller, der für die komplette Saison ausfallen wird: „Das kann doch eine Maschine nicht erschüttern! Gute Besserung Felix!“ Weitere fünf Minuten später kam Nicolas Hebisch nach weit nach vorn gespielter Flanke nicht mehr an den Ball. Kurz darauf befand sich Christian Beck nach feinem Zuspiel in Abseitsposition. Die Gäste, welche in den ersten 30 Minuten mitunter das Spiel bestimmen konnten, taten sich nun schwer, nach vorn zu kommen. 

FCMMagdeburg versuchte vor der Pause, den Druck zu erhöhen. Als Pulido Farrona in der 39. Minute im Strafraum einen Gegenspieler anschoss, wollte manch einer Hand gesehen haben, doch Schiedsrichter Patrick Schult ließ weiter spielen. Nachdem er Sekunden später an anderer Stelle einen Freistoß für Osnabrück pfiff, kam kurzzeitig Unmut beim Publikum auf. Kurz vor der Pause ermöglichte ein quer gespielter Magdeburger Fehlpass eine Möglichkeit für die Gäste, doch der Ball landete nur auf dem oberen Netz. 

FCMEs dämmerte und der Himmel färbte sich rötlich, als die zweite Halbzeit bei angenehmer spätsommerlicher Witterung angepfiffen wurde. Manch ein Magdeburger nahm gerade nach dem Bierholen noch seinen Platz ein, als Sowislo nach einem Einwurf den Ball zum 1:0 im Gehäuse unterbrachte. Jubel auf den Rängen, das „Olé FCM, du bist mein Verein …“ ertönte lautstark. Gefolgt von einem „Vorwärts Magdeburger Jungs!“ Der 1. FCM spielte nun, lautstark angetrieben vom Publikum, befreit auf und setzte die Gäste permanent unter Druck, so dass diese quasi gar nicht mehr ins Spiel kamen. Nachdem bereits Jan Löhmannsröben auf 2:0 hätte erhöhen können, war es Christian Beck, der in der 61. Minute per Rückfallzieher die Führung ausbauen konnte. Was für ein Tor! Er mochte es selber kaum glauben und ließ sich an der Eckfahne von seinen Mitspielern umarmen. Auf den Rängen gab es eine regelrechte Explosion. Besser hätte es nicht kommen können. Der Jubel war äußerst ausgelassen und kaum jemand zweifelte noch am vierten Sieg im vierten Heimspiel.

Beck„Einmal Blau-Weiß, immer Blau-Weiß!“, war nun zu hören. Im Wechsel hallte anschließend das „FCM!“ über den Platz. Aus Heimsicht die Sache rund machte in der 72. Minute nochmals Christian Beck, der nach Flanke von Tarek Chahed freistehend zum 3:0 einlochen konnte. Ein kurzer Blick zum Linienrichter, dann durfte wieder gefeiert werden. Der Sieg war in trockenen Tüchern. Die restlichen 15 Minuten gab es im Block U nur noch Party. Der übliche Tanz quer durch den Block konnte nun bereits in der 75. Minute vollzogen werden. Zehn Minuten vor Schluss hätte der eingewechselte Niklas Brandt auf 4:0 erhöhen können, doch sein Schuss ging über das Gehäuse. Wenig später wurde sich schon mal auf das in einer Woche anstehende Auswärtsspiel beim F.C. Hansa Rostock eingestimmt. Ein „Hansa-Schweine!“ war zu vernehmen, allerdings in nicht allzu großer Intensität. 

Block USchluss war auf dem Platz noch immer nicht. Magdeburg war noch hungrig. Nachdem in der 83. Minute Osnabrück eine gute Kopfballmöglichkeit hatte, versuchte es der ebenso eingewechselte Ryan Patrick Malone mit einem satten Fernschuss, den jedoch VfL-Keeper Schwäbe abwehren konnte. In der 90. Minute war es noch mal Malone, der eine gute Chance hatte. Allein vor dem gegnerischen Torwart konnte er nicht den Ball unterbringen, Schwäbe konnte zur Ecke klären. Nach genau dieser versuchte sich noch einmal Jan Löhmannsröben aus beachtlicher Entfernung, doch auch dieser Schuss konnte zur Ecke geklärt werden. Am Ende blieb es beim 3:0, der von Mannschaft und Fans ausgiebig gefeiert. Nach den Erfolgen gegen Rot-Weiß Erfurt, den Halleschen FC und den Chemnitzer FC war dies vor heimischen Publikum der vierte Streich in Folge. Bevor es zum mit Hochspannung erwarteten Duell gen Ostsee geht, empfängt der 1. FCM daheim am kommenden Freitag den VfR Aalen. Osnabrück muss einen Tag später wieder gen Osten reisen. Ziel der Reise ist dann die Spielstätte des Spitzenreiters SG Dynamo Dresden.

Fotos: Marco Bertram

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Mein FCM ist, war und wird immer meine Liebe sein.
Einmal Blau Weiß, immer Blau Weiß

AR
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Rostock wegwalzen!

F
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G
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Auf fünf Positionen umgestellt und dann solch eine Leistung. Grandios für einen Aufsteiger! Das ist sowieos eine sehr sympathische Mannschaft. Glückwunsch!!

S
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Ein großartiger Treffer! Tolle Leistungssteigerung nach der Pause! Gegen Aalen dann der fünfte Sieg! Und dann nach Rostock!

VG Rolf

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