FC Vaduz mischt in Schweizer Super League munter mit

MB 12 März 2015
 
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FC Vaduz mischt in Schweizer Super League munter mit

VaduzDas zwischen Österreich und der Schweiz gelegene Fürstentum Liechtenstein, das seit dem Jahre 1806 unabhängig ist, hat fast exakt so viele Einwohner wie die baden-württembergische Stadt Ostfildern - nämlich rund 37.100. Und wenn wir schon in Baden-Württemberg sind: Auch Sinsheim hat eine ähnlich hohe Einwohnerzahl. Und diese Stadt wurde deutschlandweit bekannt aufgrund des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim, der seit 2009 in der dortigen Wirsol Rhein-Neckar-Arena seine Heimspiele austrägt. In den Genuss von erstklassigem Fußball kommt man auch in Liechtenstein, genauer gesagt in der Hauptstadt (Hauptort und Residenzstadt) Vaduz, die von gerade einmal 5.400 Menschen bewohnt wird. Zum zweiten Mal nach der Saison 2008/09 ist der Fussball Club Vaduz mit in der Schweizer Super League dabei. Damals konnte der FC Vaduz in 36 Saisonspielen gerade einmal fünf Siege einfahren und stieg demzufolge als abgeschlagener Tabellenletzter in die zweite Schweizer Liga ab.

Nur sieben relevante Fußballklubs existieren im Fürstentum Liechtenstein. Neben dem FC Vaduz sind dies der FC Schaan, der FC Balzers, der FC Triesen, der USV Eschen-Mauren, der FC Ruggell sowie der FC Triesenberg. Zwei dieser Vereine sind derzeit in der 1. Liga Gruppe 3 (dritthöchste Spielklasse der Schweiz) zu finden. Ein eigener Ligabetrieb existiert aufgrund der geringen Anzahl der Vereine im Fürstenstein Liechtenstein nicht. Allerdings wird jährlich ein eigener Pokalwettbewerb ausgespielt. Immerhin seit 1946 wird der Liechtensteiner Cup ausgetragen und es dürfte nicht verwundern, dass der FC Vaduz - insbesondere in den vergangenen 20 Jahren - diesen Wettbewerb klar dominiert. Der Pokalsieger darf an der Qualifikationsrunde der Europa League teilnehmen. 

VaduzWomit wir wieder beim Dauer-Pokalsieger FC Vaduz wären. Keineswegs waren die Liechtensteiner in den vergangenen Jahren reines Kanonenfutter. Durchaus hatte es ab und zu für einige Überraschungen gereicht. So erlebte der in Budapest beheimatete Ujpest FC in der Saison 2006/07 sein Liechtensteiner Wunder. Mit sage und schreibe 0:4 musste sich der ungarische Hauptstadtklub vor heimischen Publikum geschlagen geben, in der zweiten Partie hieß es 1:0 für Ujpest. In der zweiten Qualifikationsrunde war damals der FC Basel der Gegner. Allein Dank der Auswärtstorregel (0:1 und 2:1) kamen die Schweizer eine Runde weiter. Federn lassen mussten in den vergangenen Jahren zudem in den ersten Runden der schottische Vertreter Falkirk FC (1:0 und 0:2 n.V.) und FK Vojvodina Novi Sad aus dem Norden Serbiens (2:0 und 1:3). In der laufenden EL-Qualifikation konnte der College Cosmos FC aus Gibraltar mit 3:0 und 1:0 bezwungen werden. Anschließend scheiterte der FC Vaduz denkbar knapp am polnischen Verein Ruch Chorzów (2:3 und 0:0).

Nach dem besagten Erstligaabenteuer in der Spielzeit 2008/09 startete der FC Vaduz in der zurückliegenden Saison einen zweiten Angriff. Locker flockig zog Vaduz als Tabellenführer der Challenge League durch. Mit einem Vorsprung von neun Punkten konnte am Ende der Aufstieg vor dem FC Lugano in trockene Tücher gebracht werden. Gerade einmal fünfmal gingen die Liechtensteiner als Verlierer vom Platz. Eine Leistung, vor der definitiv der Hut gezogen werden musste. Und wer dachte, Vaduz würde im Fußballoberhaus sein Wunder erleben, sieht sich getäuscht. Der Stand der Dinge: Rang sieben mit 23 Punkten. Der Grasshopper-Club Zürich hat die gleiche Punktanzahl auf dem Konto. Der Abstand zum Tabellenletzten FC Aarau beträgt fünf Punkte. Noch längst ist nichts gesichert, doch es schaut gut aus. Zumal die Mannschaft des FC Vaduz echte Moral beweist. 

FCZSo lagen die Liechtensteiner zuletzt im heimischen Rheinpark Stadion vor 4.216 Zuschauern (rund die Hälfte drückte den Gästen die Daumen) zweimal gegen den FC Zürich zurück, doch beide Male konnte ausgeglichen werden. Als Gavranovic in der 86. Minute das 2:1 für den FCZ erzielte, dachte wohl jeder, dass der Sieg der Zürcher so gut wie sicher sei. Doch denkste, nur eine Minute später lochte der österreichische Mittelfeldspieler Manuel Sutter zum 2:2 ein. Punktgewinn gegen den Tabellendritten! Nach den zwei Niederlagen zuvor sicherlich Balsam für die Seele. 

Und was sagen die Zuschauerzahlen im Rheinpark Stadion, von wo aus man einen phantastischen Blick auf das Bergpanorama hat? Diese können sich durchaus sehen, wenn gleich es keine große Fanszene in dem Sinne gibt. Weniger als 2.000 Zuschauer kamen in der laufenden Saison nie. Gegen den FC St. Gallen und den FC Basel war das Stadion mit jeweils 6.733 Zuschauern gefüllt, was selbstverständlich auch an den zahlreichen Gästefans liegt, die gern die Sause ins benachbarte Liechtenstein starten. Dass der FC Vaduz im Fürstentum durchaus Rückhalt hat, beweisen auch die Zuschauerzahlen aus der zurückliegenden Zweitligasaison, als in der Regel zwischen 1.300 und 2.100 Fußballfreunde ins Rheinpark Stadion kamen. 

Eine aktive Fan-Gruppierung hat der FC Vaduz jedoch. Die "Sektion Nord Vaduz" (bestehend seit 2008) organisiert zum Beispiel Auswärtsfahrten und greift daheim auch mal zu pyrotechnischen Erzeugnissen in Form von rotem und weißem Rauch wie zuletzt gegen den FC Aarau Ende letzten Jahres. Aktuell heißt es: "Alli uf Luzern!" Für 30 Schweizer Franken kann ein Plätzchen im Bus gesichert werden. 

Fotos: Frank Langkabel, Glenn Dawson

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in der Schweiz und in Liechtenstein

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In zwei Wochen kommt der FC St Gallen zum "Derby", da wird bestimmt wieder 6.000er Marke geknackt!

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