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F.C. Hansa Rostock feiert bei RB Leipzig mit 6.000 Fans eine Megaparty

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MB 24 November 2013

Fc Hansa10 Uhr, Leipzig Hauptbahnhof. Rostocker Fans treffen in kleinen Gruppen mit der Bahn ein und werden von den polizeilichen Einsatzkräften vorerst abgefangen. Eine halbe Stunde später füllt sich – wie am Abend zuvor punkt 21 Uhr von den Suptras Rostock ´01  angekündigt – langsam aber sicher der Richard-Wagner-Platz am Einkaufszentrum Am Brühl. Noch ist alles ruhig, der eine oder andere holt sich noch einen Kaffee oder versucht bei einem Gewinnspiel einer Elektro-Kette sein Glück. Raus den Hammer und rein mit dem Ball in einer der ausrangierten Waschmaschinen. Einem Hansa-Fan gelingt sogar dieses Kunststück, unter Gejohle darf er ein Formular ausfüllen. Als noch ein weiterer Schub Rostocker Fußballfreunde den Platz erreicht, kann der Marsch in Richtung Stadion beginnen.

scheiß Bullen

„Scheiß Bullen“. In Großbuchstaben in den Farben Rot und Schwarz auf weißem Banner. Was sonst nicht lange gehalten werden dürfte und von den polizeilichen Einsatzkräften sicherlich in kürzester Zeit abgepflückt wird, ist am heutigen Tag erlaubt. Schließlich geht es (offiziell) um die selbst ernannten „Roten Bullen“ vom RasenBallsport Leipzig. Da kann selbst gegen das übliche „Alle Bullen sind Schweine“ nicht wirklich behördlich vorgegangen werden. Allerdings sieht die Polizei auch ganz andere Probleme. Nachdem der breite Tröndlinring überquert und in eine schmalere Nebenstraße marschiert wird, könnte man meinen, man sei bei einer Übung einer Wehrsportgruppe. Nach einem „Hier regiert der FCH!“ geht das Getöse los. Böller am laufenden Band. Die Rostocker machen es den Anhängern von Partizan Belgrad oder ZSKA Sofia gleich. Einzelne Leuchtkugeln steigen hoch, erste Flaschen klatschen an die Fassaden oder landen zu Füßen der Einsatzkräfte. Wer nun an der Spitze läuft, muss auf der Hut sein.

Marsch

Gegen 11:45 Uhr kommt der Tross zum Stehen. Nichts geht mehr. Die Polizei wertet die angefertigten Aufnahmen aus und versucht einzelne Fans aus der Masse herauszuziehen. Nach mehreren Durchsagen und einer längeren Pause geht es schließlich weiter. Schnell verbreitet sich an der Spitze das Gerücht, dass der Mob zur Seite ausbrechen möchte. Die Polizei ist jedoch gut vorbereitet und bringt die zahlreichen Fans, die sich in zweiter Reihe mit Masken und hochgezogenen Schals unkenntlich machen, auf dem Zöllnerweg durch das dortige Waldstück bis zum Gelände des Sportforums. Noch einmal stoppt der Marsch. Kurz vor der großen Kreuzung steigt orangefarbener Rauch auf. Mehrmals weist die Polizei drauf hin, dass die Vermummten die Schals bzw. Masken abnehmen sollen.

RBL

13:30 Uhr. Die Ruhe vor dem Sturm. Auf den Rängen der Red Bull Arena geht es noch überaus beschaulich zu. Aus der Heimkurve ist ein erstes zaghaftes „Hier regiert der RBL!“ zu vernehmen. Rund 6.000 Gästefans werden erwartet, die Ecke an der Gegengerade ist für sie vorgesehen. Extra für dieses Duell wurde ein feinmaschiges Netz bis unter die Decke des Stadions gespannt. Gehalten wird es unten von schweren Sandsäcken und im Beton befestigen Bolzen. 13:40 Uhr. Ein paar Mitglieder der Suptras versuchen im Unterring einzeln sitzende Fans davon zu überzeugen, am flächendeckenden Boykott der Hansa-Fans teilzunehmen. Die ersten sieben Minuten soll es weitgehend leer und ruhig bleiben im Gästeblock, im Anschluss wollen die Rostocker zeigen, was Fankultur bedeutet. Nicht wenige vermuten einen martialischen Auftritt in Minute acht. Deshalb ja auch das für viel Geld gespannte Netz.

RBL

Der Plan der Suptras geht auf. Fast alle Fans beteiligen sich am Boykott. Im Kernbereich des Gästebereichs liegt die Mitmachquote sogar bei 100 Prozent. Somit hat die Heimkurve vorerst die Bühne ganz allein für sich. Und die RB-Fans wissen die Gunst der Stunde zu nutzen. 23.500 Zuschauer im Stadion, zudem ein deutschlandweites Interesse an dieser mit Spannung erwarteten Drittligapartie. Die Kurve der „Roten Bullen“ präsentiert eine Choreographie, die manch einem Leipziger ein Stich ins Herz bedeuten müsste. „Das Herz der Kurve schlägt im Takt. Allein für die Messestadt.“ Zwei riesige Banner oben und unten. In der Mitte eine lückenlose blaue Fläche mit rotem und weißem Streifen. Und zentral ein rotes Herz mit der weißen Silhouette der Stadt. Dazu das doppelte M der traditionsreichen Mustermesse. Leipziger Messe – die meisten verbinden diese vor allem mit der DDR-Zeit. Tradition, Pulsschlag, Herzschmerz. Müsste das nicht eine Choreographie des 1. FC Lokomotive Leipzig sein? Der Stil der Choreographie erinnert doch glatt an die Probstheider Handschrift.

Hansa

Es ist allerdings nichts zu machen. Der 1. FC Lok dümpelt im Tabellenkeller der Regionalliga, der RasenBallsport Leipzig ist in der 3. Liga auf Aufstiegskurs. Nun mag man die Faktenlage finden wie man möchte, ganz neutral betrachtet muss man eingestehen, dass RB Leipzig genau in die richtige Kerbe haut. Dieser Verein wird schwer aufzuhalten sein. Da ist nichts zu machen? Doch, sich auf das Sportliche konzentrieren! Genau dies hat das Team des FC Hansa Rostock am heutigen Tage vor. Bis in die Haarspitzen motiviert marschieren sie auf den Rasen und gehen von Beginn an munter in das Spiel. Nach den besagten sieben Minuten ist auch die nötige Unterstützung da. Die Rostocker Fans strömen in die Blöcke. Das „Scheiß Bullen“-Banner hängt nun am Oberrang. Daneben ist „In Leipzig wird´s immer nur Lok und Chemie geben“ zu lesen. Das Suptras-Banner wurde zu Hause gelassen, stattdessen hängt unten das ebenso bekannte große Hansa-Rostock-Banner. Mehr nicht.

Hansa

Wer einen wütenden mit Pyrotechnik fuchtelnden Mob erwartet bzw. befürchtet hatte, wird am heutigen Nachmittag überrascht. Keine Böller, keine Bengalos. Aber auch keine Fahnen. Nur verbaler Support – aber der mit immenser Kraft! Geschätzte 4.500 von den 6.000 Gästefans beteiligen sich nahtlos an den Gesang- und Schlachtruf-Einlagen. Fußballstimmung ganz rudimentär – und doch unglaublich beeindruckend! Aus Rostocker Sicht läuft an diesem Tage alles nach Plan. Die Hansa-Elf kann prima gegenhalten und gestaltet die Partie ausgeglichen. Pech für RB Leipzig in der achten Minute. Torhüter Coltorti muss verletzt vom Platz, für ihn kommt Domaschke ins Spiel. Indes ertönt es „Wir haben Heimspiel in Leipzig!“ aus der Gästeecke. Stimmungstechnisch wird dies spätestens in der 37. Spielminute Realität. Haas spielt Blacha an und dieser hebt den Ball am Keeper vorbei ins Netz. Jubelorkan nun beim blau-weißen Anhang.

Hansa

Als sich in der 52. Minute Mendy auf der rechten Seite durchsetzen kann und Plat bedient und dieser zum 2:0 für die Kogge einnetzen kann, gibt es kein Halten mehr. „Ahu!“ ertönt es nun im Gästebereich. Die Mitmachquote beim Support steigt nun auf gefühlte 95 Prozent. Allerdings sind die drei Punkte noch nicht in trockenen Tüchern. RB legt noch einmal ein Schippchen drauf und wird nur acht Minuten später mit dem Anschluss zum 1:2 belohnt. Kaiser zirkelt einen Freistoß in die Maschen und lässt wieder Hoffnung bei den Roten Bullen aufkeimen. Die letzten 30 Minuten werden richtig intensiv. Auf beiden Seiten ergeben sich noch einige Möglichkeiten, doch letztendlich wollen keine weiteren Treffer fallen. Es bleibt beim 2:1 für den FC Hansa, das von Fans und Spielern nach Abpfiff ausgiebig gefeiert wird.

Hansa

Fotos: Marco Bertram

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Was bitte hat Fussball und ein Transparent "Scheiss Bullen" mit einander zu tun? Bestimmt kein Fussball, wozu er eigendlich gedacht ist. Sport mit Füssen der Gewalt getreten. Und sowas wird noch als "cool" und "geil" empfunden. Und dann als Fan sich wundern, wenn mehr Polizei als "Fans" im Stadion sind. Unfassbar =( .
In Deutschland muss langsam ein wechsel in Beziehung auf Fans geschehen. Sitzplätze her, Stehplätze abschaffen. Jeder Einsatz der Sicherheitskräfte kostet Kohle des Steuerzahlers, die bestimmt woanders mehr gebraucht wird.
Einsicht der Clubs? Wohl kaum. die sind bestimmt stolz auf ihre sogenannten "Fans"

W
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Es war utopisch geil!

Z
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