Klasse Atmosphäre im AKS: BSG Chemie Leipzig verkauft sich gegen Chemnitz prima

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MB Updated 18 November 2013
diablos

AKS„Und warum seid ihr da?“ Laut ertönte die markante Stimme des Stadionsprechers im altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark in Leipzig-Leutzsch. „Wegen Chemie!!“ schallte es von den Rängen. „Und wer gewinnt heute?“, „Chemie!!“ Und wenig später: „Einer für alle...“ – „... alle für einen!!“ „Alle für die BSG Chemie!“ Es war ein Moment, bei dem manch ein älterer Chemiker ein Tränchen weggedrückt hatte. Knapp 3.000 Zuschauer im AKS, der Geist der alten Tage schwebte wieder über dem Leutzscher Holz. Totgeglaubte leben bekanntlich länger. Der Siebtligist ist ein perfektes Beispiel dafür. Keine Frage: Das Pokalspiel gegen den Chemnitzer FC war stimmungstechnisch eine Wucht! Und die Freizeitkicker aus der Bezirksliga konnten sich gegen den Drittligisten teuer verkaufen.

Rund 400 Fans der Himmelblauen hatten sich am Sonntagnachmittag indes auf den Weg nach Leipzig gemacht, 250 von ihnen waren mit dem Zug über Leipzig Hauptbahnhof angereist. Extrem diszipliniert stiegen die Bahnfahrer auf Gleis 23 aus, sammelten sich und liefen in zwei großen Gruppen rüber zum Anschlusszug nach Leutzsch. Nur nicht den polizeilichen Einsatzkräften irgendeinen Anlass geben, etwaige Maßnahmen zu ergreifen. Das erste Mal laut wurde es nach Ankunft am Bahnhof Leutzsch, als ein Böller detonierte, die Polizei ihre Durchsagen startete und der Mob ein kraftvolles „Chemie-Schweine raus!“ anstimmte. Wenige Meter weiter hielten Polizeibeamte mehrere BSG-Fans fest, die zuvor ebenfalls ein, zwei Böller geworfen hatten.

LeutzschDie CFC-Fans wurden parallel zu den Bahngleisen auf der Straße Am Ritterschlößchen vor bis zum alten stillgelegten Bahnhof Leutzsch geführt. Von dort aus ging es den Weg „Am Sportpark“ hinunter in Richtung Gästeblock des AKS. Welch ein Anblick! Wer war hier nicht schon alles in der guten alten Zeit hinuntermarschiert?! Eigene Erinnerungen wurden wach. Vor Ort bei den Duellen gegen den FC Berlin (BFC Dynamo) und den 1. FC Union Berlin in der Regionalliga-Saison 1994/95. Der Gang durch das waldige Stück bis zum Stadion sorgte für eine extra Portion Adrenalin. Vor dem alten Backstein-Bahnhofsgebäude hielten stets die gelben Ikarus-Busse. Leutzsch war Nervenkitzel pur. Das Stadion mit der hölzernen Haupttribüne und der hohen unüberdachten Stehtribüne der Heimfans. Auf dem Dammsitz verharrend wurde ich damals im Herbst 1994 von älteren Leutzschern angeblökt, weil ich (als Berliner) den Gästeblock mit den „Sau-Preußen“ fotografiert hatte. Nach dem Spiel hatte ich sogar von drei wartenden Leutzschern ein Veilchen verpasst bekommen. Keine Frage, die Sitten im und am AKS waren rau. Und trotzdem liebten auch die Auswärtsfans die Touren zu Chemie bzw. zum FC Sachsen Leipzig!

CFCUnd auch 18 Jahre später scheint einiges beim Alten zu sein. Das ganze Drumherum, das Stadion und auch das Gemecker einzelner Fans in Richtung Fotografen, die Bilder von den Chemnitzer Fans anfertigten, als diese beim Einlaufen der Mannschaften eine Portion Pyro gezündet hatten. Auf Heimseite gab es indes eine hübsche Choreographie aus weißen und grünen Fähnchen, die sich über die gesamte Hintertorseite erstreckte. Zu buntem Rauch und Bengalos wurde erst später im Verlauf des Spiels gegriffen. Während sich der Siebtligist auf dem Rasen alle Mühe gab, um die Partie so lange wie möglich offen zu halten, legten die Chemie-Fans – unterstützt von einigen befreundeten Ultras von Eintracht Frankfurt – einen klasse Support hin. Die Chemnitzer Spieler taten sich erstaunlich schwer mit den Freizeitkickern. Zwar konnte Kolja Pusch die Himmelblauen in der 17. Minute mit einem flachen Schuss links unten mit 1:0 in Front bringen, doch in der Folgezeit wollte vorerst kein weiterer Treffer gelingen. Zwar kam Chemie zu keinen wirklichen Tormöglichkeiten, allerdings kämpfte der krasse Außenseiter in bester Manier und konnte bis zur 75. Minute einen deutlichen Rückstand verhindern. So lange es nur 0:1 stand, durfte auf einen glücklichen Konter gehofft werden. Und dann, ja vielleicht...

ChemieHalbzeit zwei wurde mit einer bunten Pyro-Einlage der Chemie-Ultras eingeläutet. Zaghaft wies der Stadionsprecher drauf hin, dass dies nicht erlaubt sei. Für den leidgeprüften Chemie-Anhang war dieses Pokalmatch gegen ein namhaftes Team ein Festtag – und da gehörten ein paar optische Akzente aus Sicht der Fans nun einmal dazu. In der Schlussviertelstunde konnte Chemnitz mit drei weiteren Toren alles klar machen. Kolja Pusch, Tino Semmer und der zuvor eingewechselte Benjamin Förster erhöhten auf 4:0 und ließen den Chemnitzer Anhang aufatmen. Auf Heimseite wurde stimmungstechnisch sogar noch einmal ein Schippchen draufgelegt, überaus enthusiastisch wurde die Mannschaft gefeiert. Mit der Niederlage in dieser Höhe konnte man in Leutzsch durchaus leben.

Nachdem die Gästefans nach Abpfiff noch einige Minuten im Block verharren mussten, wurden sie schließlich von einem großen Polizeiaufgebot zurück zum Bahnhof Leutzsch geführt. An der Kreuzung Am Ritterschlößchen / Leipziger Straße wurde es kurz hektisch, als die vorbeilaufenden CFC-Fans von hinter den Polizeiabsperrungen stehenden Chemie-Anhängern „begrüßt“ wurden. Pferde bäumten auf, einige Chemnitzer und Leutzscher versuchten durchzubrechen. In leicht hitziger Atmosphäre wurden die Gästefans schließlich Stück für Stück in Richtung Bahnsteig geführt. Motivierte Leutzscher versuchten auf der anderen Seite auf die Gleisanlagen zu gelangen, wurden jedoch von Einsatzkräften davon abgehalten. Als kurz vor 17 Uhr die Regionalbahn einfuhr, beruhigte sich schließlich wieder die Lage und Ruhe kehrte über den Leipziger Stadtteil Leutzsch ein. Mit der Straßenbahn begleiteten etliche Chemiker ihre Frankfurter Freunde zum Hauptbahnhof. Vorbei am Sportforum und am einstigen Zentralstadion, auf dessen Dach nun ein beleuchtetes Red-Bull-Logo prangt.

ChemieApropos: Am kommenden Samstag wird diese Arena für Gesprächsstoff sorgen, wenn der FC Hansa Rostock in der 3. Liga bei RB Leipzig zu Gast ist. Und die BSG Chemie? Ist derzeit Tabellenzweiter der sächsischen Bezirksliga Nord (mit zwei Spielen weniger) und tritt am gleichen Tag auswärts bei der SG Leipziger Verkehrsbetriebe auf der Sportanlage „Neue Linie“ an. Wann endlich das verlegte Spiel gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig II nachgeholt wird, ist indes immer noch offen. Kurzzeitig war im Gespräch, dieses überaus brisante Duell am kommenden Samstag zeitgleich zum RL-Spiel 1. FC Magdeburg vs. 1. FC Lok Leipzig auszutragen – in der Hoffnung, dass der RL-Kracher den Großteil der aktiven Lok-Fans binden würde. Von der Überlegung wurde jedoch wieder Abstand genommen und noch ist kein fixer Termin zu finden...

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BSG Chemie Leipzig

> zur turus-Fotostrecke: Chemnitzer FC

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Artikel wurde veröffentlicht am
18 November 2013
Spielergebnis:
0:4
Zuschauerzahl:
3.000
Gästefans
400

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Landespokal

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