FC Schalke 04 vs. BSG Chemie Leipzig: Fanparty ohne Restriktionen

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MB 08 September 2013
 
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BSG Chemie

Chemie Leipzig„Sympathie für Schalke und Chemie!“, dieses altes Motto, das zurück in fast vergessene Zeiten führt, wurde nun im September 2013 wieder aufgegriffen. Die Ultras des FC Schalke 04 und der BSG Chemie Leipzig machten es möglich, dass es am Länderspielwochenende zum Zusammentreffen der „Kumpels und Chemiearbeiter“ kam. Welcher Ort würde da besser passen als die in den Jahren 1927 und 1928 errichtete Glückauf-Kampfbahn mit ihrer denkmalgeschützten Haupttribüne?! Dort, wo auf dem Gelände der einstigen Zeche Consolidation auch auf dem grünen Rasen bis 1973 malocht wurde. Gelten doch sowohl der FC Schalke 04 als auch die BSG Chemie Leipzig als echte Arbeitervereine, wenn gleich die jetzige BSG Chemie nur indirekter Nachfolger der einstigen Betriebsportgemeinschaft bzw. des FC Sachsen Leipzig ist.

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Viel wurde bereits über den Leutzscher Fußball geschrieben und debattiert. Und noch immer stellen Nicht-Leipziger wohl zurecht die Frage, was genau denn nun der Stand der Dinge sei. Trauriger Fakt: Das Kapitel BSG Chemie Leipzig bzw. FC Sachsen Leipzig (1990 aus der Fusion mit der BSG Chemie Böhlen hervorgegangen) wurde juristisch im Juni / Juli 2011 aufgrund der Insolvenz und der Löschung im Vereinsregister beendet. Allerdings übernahm die im Mai 2011 gegründete SG Leipzig Leutzsch das Spielrecht der zweiten Mannschaft des FC Sachsen Leipzig und trägt seitdem die Heimspiele im Alfred-Kunze-Sportpark aus.

AKSInteressant: Bereits im Jahr 1997 wurde die Ballsportgemeinschaft Chemie Leipzig ins Leben gerufen, um das aus DDR-Zeiten stammende Vereinslogo zu schützen und die Tradition zu bewahren. Noch vor dem Zeitpunkt, als der FC Sachsen Leipzig in finanzieller Hinsicht in den Dreck gefahren wurde, wandten sich etliche zahlreiche Anhänger des FC Sachsen ab und unterstützen seitdem das Team der BSG Chemie in den Niederungen des sächsischen Fußballs. Unter ihnen die Ultrà-Gruppierung Diablos. Seit 2008/09 nehmen Mannschaften der BSG Chemie am Spielbetrieb teil. Anfangs ganz unten im Ligensystem, seit 2011/12 – Dank der Übernahme des Spielrechts des VfK Blau-Weiß Leipzig – in der Sachsenliga (sechste Spielklasse).

AKSSomit spielten mit der SG Leipzig Leutzsch und der BSG Chemie Leipzig (seit August 2011 wieder offiziell „Betriebssportgemeinschaft“) gleich zwei Vereine, die den Anspruch haben, die Tradition des einstigen DDR-Oberligisten weiterzuführen, in der Sachsenliga. Argwohn und mitunter sogar Hass prägten das Beisammensein im Leutzscher Alfred-Kunze-Sportpark. In diesem Sommer gab es indes weitere Veränderungen. Die SG Leipzig Leutzsch tritt nun als SG Sachsen Leipzig an, um eventuell mehr Zugkraft zu gewinnen, die BSG Chemie Leipzig muss nach dem sportlichen Abstieg in der Bezirksliga antreten, hat jedoch noch immer mehr Zuschauer als der höherklassige Leutzscher Konkurrent.

Jüngst für Furore sorgte das Bezirksligaspiel zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lokomotive Leipzig II, das am 1. September im Alfred-Kunze-Sportpark angesetzt war. Zwar hatte die erste Mannschaft von Lok parallel ein Heimspiel gegen den Berliner AK 07 (Regionalliga Nordost), doch trotzdem wurde mit einer nicht zu unterschätzenden Anzahl an Gästefans gerechnet. Vor allen Dingen aber schien die Sicherheit nicht gewährleistet. Die Wogen schlugen bereits im Vorfeld hoch, beide Vereine plädierten dafür, das brisante Duell zu verlegen. Anfangs bestanden Verband und Polizei darauf, die Begegnung stattfinden zu lassen, später dann stimmten sie jedoch zu und ließen das Spiel auf ein noch unbestimmtes Datum verlegen.

NordkurveBewegte Zeiten gab es zuletzt auch in der Fanszene des FC Schalke 04. Zuerst die ausgeprochenen Stadionverbote gegen etliche Mitglieder der Ultras Gelsenkirchen nach den Vorfällen am Dortmunder Flughafen (Empfang der befreundeten Ultras aus Skopje), kurze Zeit später der mehr als fragwürdige Polizeieinsatz in der Schalker Nordkurve beim CL-Qualifikationsspiel gegen PAOK Saloniki. Und auch in sportlicher Hinsicht ist der königsblaue Himmel von grauen Wölkchen getrübt. Zwar wurde der Sprung in die Gruppenphase UEFA Champions League gepackt, doch in der Bundesliga schaut es richtig trüb aus. Gerade mal ein Sieg konnte in den ersten vier Saisonspielen eingefahren werden. Mit vier Pünktchen auf dem Konto stehen die Knappen auf dem dreizehnten Platz.

SchalkeBesser steht die U23 des FC Schalke 04 in der starken Regionalliga West da. Inmitten von Viktoria Köln, Rot-Weiß Oberhausen, Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen sind die Schalker Bubis auf Rang fünf zu finden (zehn Punkte aus fünf Partien). Und die Bilanz hätte noch besser sein können, wenn es nicht zuletzt eine knappe 1:2-Niederlage gegen den SC Fortuna Köln vor 350 Zuschauern in der Mondpalast-Arena (Wanne-Eickel) gesetzt hätte. Einen Prachtstart hingelegt hatte die BSG Chemie in der sächsischen Bezirksliga Nord. Zwei Spiele, zwei Siege. 9:1 Tore. Dass jedoch rein sportlich betrachtet für die Chemiker eher wenig beim Regionalligisten in Gelsenkirchen zu holen sein würde, war zu erwarten.

ChemieAllerdings ging es ja auch weniger um das Rasengeschehen als solches, sondern um das Ausleben der Fankultur. Und zwar mal völlig ohne Auflagen und Restriktionen. Organisiert wurde das Freundschaftsspiel allein von den Fans beider Vereine. Ähnliches geschah in jüngerer Vergangenheit bei den Freundschaftsspielen FSV Zwickau vs. BSG Chemie Leipzig und BSG Chemie Leipzig vs. 1. FC Magdeburg III. Bei letzterem durfte bei schönstem Winterwetter ein klasse Support von beiden Seiten und eine beachtliche Pyroshow auf Chemie-Seite bestaunt werden. Etwaige Probleme gab es nicht, denn die Polizei war nicht vor Ort.

ChemieÄhnlich sah es am Sonntagnachmittag auf der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn aus, wo allein die Fangruppierungen (Ultras Gelsenkirchen und Diablos Leutzsch) für die Sicherheit verantwortlich waren. Freie Ränge für die Ultras beider Seiten. Und das wussten diese auch zu nutzen. Pyrotechnik-Einsatz sowohl bei den Chemikern als auch bei den Schalkern. Apropos: Einlass und Catering wurde in beiden Bereichen von den jeweiligen Fangruppierungen übernommen. Uniformierte Beamte wurden indes nicht gesichtet.

SchalkerInsgesamt sahen über 2.000 Zuschauer das Freundschaftsspiel, unter ihnen rund 400 bis 500 angereiste Anhänger der BSG Chemie. Bei phantastischer Stimmung auf den Rängen ging die Heimelf in der 12. Minute Dank eines Treffers von Philip Türpitz in Führung. Nachlegen konnten die Knappen in der 36. Minute, als Dennis Erdmann nach Vorarbeit von Axel Borgmann mit dem Kopf einlochen konnte. Nach dem Pausentee gelang den Gästen aus Sachsen der Anschlusstreffer durch Erik Bader (54. Minute), doch nur vier Minuten später konnte Dren Hodja wieder den Zwei-Tore-Vorsprung herstellen.

6:1In der Schlussviertelstunde konnten die Schalker Bubis das Chemie-Bollwerk endgültig knacken. Pierre Schilling, Dario Schumacher und Philipp Max machten jeweils ihre Bude und hatten somit Anteil am 6:1-Endstand. Zum Schluss wurde unter frenetischen Jubel der Schalker Publikumsliebling Gerald Asamoah eingewechselt. Doch wie gesagt, für die Zuschauer war das Ergebnis eher zweitranging. Wichtig war es, zu zeigen, dass Fankultur auch in dieser Form ausgelebt werden kann. Ganz ohne Ordner- und Polizeieinsätze. Ohne Pfefferspray, Knüppel und totaler Videoüberwachung. 

Fotos: turus.net Redaktion Essen, tr-fotos (S04 - Paok)

 

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
6:1
Zuschauerzahl:
2.000
Gästefans
400

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Ja war damals geil, auch wenn jeder für sich seine Show abgezogen hat

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