Wenn der Greif den Adler zähmt. Europapokal beim F.C. Hansa Rostock – das waren nicht nur Nitra, Ostrava und Debrecen. Bereits in den Jahren 1968 und 1969 gaben sich Nizza, Fiorentina, Panionios und Inter Mailand im Rostocker Ostseestadion die Klinke in die Hand … 60 Jahre Hansa Rostock – bereits vom 10. Mai bis 07. September dieses Jahres gab es in der Kunsthalle Rostock die Ausstellung „Rund & Eckig, manchmal dreckig“ zu sehen. Beleuchtet wurde im unteren Geschoss die Geschichte von Empor Rostock und Hansa Rostock von 1954 bis Gegenwart, im Obergeschoss ging es unter anderen um die speziellen Themen Sicherheit & Gewalt und die Rolle der Stasi. Die Ausstellung war ein voller Erfolg und zog tausende Besucher an, und Highlights waren in jedem Fall die Abenden der Legenden. An dieser Stelle habt Ihr nun die Möglichkeit, die von mir verfassten Texte aus dem unteren Rundgang noch einmal ganz in Ruhe zu lesen. In drei Folgen quer durch die Jahrzehnte.

erstes Oberliga-Spiel als F.C. Hansa Rostock (12. Februar 1966)
Mit einem 4:0-Sieg gegen Dynamo Dresden verabschiedete sich der SC Empor Rostock Anfang Dezember 1965 in die Winterpause und mit einem 2:0-Sieg gegen den FC Rot-Weiß Erfurt meldeten sich die Rostocker am 12. Februar 1966 zurück. Allerdings nicht als „SC Empor“, sondern als „F.C. Hansa“. Im Zuge der Ausgliederungen der Fußballsektionen wurde am 28. Dezember 1965 um 18:32 Uhr die Gründungsurkunde im Kultursaal der Deutschen Post unterzeichnet. Als reiner Fußballclub wurde der F.C. Hansa Rostock gegründet, und die Kogge mit dem Rostocker Greif auf dem Segel war ein echter Glücksgriff. Besser konnte man es wohl kaum machen. Kogge und Hansa wurden über die Jahre echte Markenzeichen und wurden von zig tausenden Fans fest ins Herz geschlossen.

Die historische Oberliga-Saison 1965/66 wurde für Hansa sportlich sehr erfolgreich. Am Ende wurde der FCH hinter dem Meister FC Vorwärts Berlin sowie dem FC Carl Zeiss Jena und dem 1. FC Lok Leipzig Tabellenvierter. Einer der Bausteine war der besagte 2:0-Sieg gegen die Erfurter am 12. Februar 1966. Herbert Pankau war es, der in der 24. Spielminute den ersten Oberliga-Treffer in der Historie des F.C. Hansa Rostock erzielte. Nach einer Stunde konnte Wolfgang Wruck vor 6.000 Zuschauern mit seinem Tor zum 2:0-Endstand nachlegen. Herbert Pankau fand in der „Fußballwoche“ sogar seinen Platz in der Rubrik „Helden des Tages“. So war dort zu lesen: „Mit einer großartigen, fehlerfreien Partie wartete Herbert Pankau vom F.C. Hansa Rostock gegen die Blumenstädter auf. Er dirigierte das Spiel nach Belieben, drückte ihm seinen Stempel auf. Und schließlich machte er seiner Angriffsreihe auch noch vor, wie Tore erzielt werden. Die Erfurter konnten jedenfalls von Glück sagen, dass Pankaus Mannschaftskameraden weit unter seiner Leistung blieben, sonst …“

Dass an jenem Tag nur 6.000 Zuschauer den Weg ins Ostseestadion fanden, war wohl dem ungemütlichen Winterwetter geschuldet. Minus drei Grad und Schneeregenschauer waren nun mal nicht das angenehmste Fußballwetter. Als der Frühling einkehrte, waren es mitunter 10.000 Zuschauer, doch sollte es noch ein wenig dauern, bis der neu ins Leben gerufene F.C. Hansa noch größere Massen ins Stadion anziehen konnte. So zum Beispiel zwei Jahre später zu Beginn der Saison 1968/69, als gegen den FC Vorwärts Berlin 25.000 Fußballfreunde ins Ostseestadion pilgerten.

Europapokal gegen Nizza, Fiorentina, Panionios und Inter (1968 und 1969)
Wenn der Greif den Adler zähmt. Nach dem ersten Auftritt des F.C. Hansa Rostock auf europäischer Bühne – am 18. September 1968 wurde im Internationalen Messe-Cup daheim gegen OFC Nizza gespielt -, erklärte Kurt Langer vom DFV: „Ein 3:0 gegen Frankreichs Vizemeister zählt! Hansa war nicht im Bestform. Was jedoch bleibt, ist das Resultat. Und das ist erstklassig!“ Vor 12.000 Zuschauern erzielten Drews und Decker (2x) die Treffer, und sechs Tage später fand Klaus Schlegel in der „Fußballwoche“ viele lobende Worte. So erwiesen sich die Rostocker als gute Adler-Zähmer. Die Physis war ausgezeichnet, die Deckung war enorm stark, und Nizza hätte ein Debakel erleben können. Spannend wurde es beim Rückspiel. „Diesmal auf Herz und Nieren geprüft“, titelte die FUWO. Nizza war nicht wiederzuerkennen und ging mit 2:0 in Führung. Hansa überstand jedoch den Sturmlauf, und in der 71. Minute startete Drews einen Sololauf und schloss aus 16 Metern ab. 1:2 aus Sicht der Rostocker – der Einzug in die nächste Runde war gepackt.

20.000 Zuschauer wollten am 13. November 1968 das Duell gegen AC Fiorentina sehen, und diese staunten nicht schlecht, als Hergesell in der letzten Spielminute den 3:2-Siegtreffer erzielte. Voll des Lobes waren die italienischen Journalisten, die sich an der Ostseeküste sichtlich wohlfühlten. Vielleicht ahnten sie aber auch, dass Fiorentina im Rückspiel die Sache drehen würde. „Selbstbewusste Hansa-Elf!“, titelte die FUWO. In der 25. Minute hatte Kostmann die Rostocker in Führung gebracht, am Ende musste man sich denkbar knapp mit 1:2 geschlagen geben, und nur aufgrund der Auswärtstorregel mussten die Segel gestrichen werden..
Neues Jahr – neues Glück. In der Saison darauf traf Hansa in der ersten Runde des Messe-Cups auf Panionios Athen. Wieder wurde zuerst daheim mit 3:0 gewonnen – und wieder wurde es im Rückspiel spannend. Nachdem Panionios mit 2:0 in Führung ging, wurde es eine wahre Abwehrschlacht. „Mit Mühe den Hafen erreicht“, hieß es am Republikgeburtstag in der FUWO.

Im November 1969 durfte sich Hansa mit Inter Mailand messen, und das Hinspiel im Ostseestadion wollten 30.000 Zuschauer sehen. Es wurde Geschichte geschrieben! Nach Rückstand wurden die Italiener mit 2:1 bezwungen – das Siegtor schoss Sackritz in der 90. Minute! „Hansa durchbrach Inters Catenaccio, suchte den Erfolg mit torgefährlichen Weitschüssen“, schrieb Günter Simon in der FUWO. Mit einem „Wer wagt, kann viel gewinnen“ schloss er seinen Artikel ab. „Hansa schon zur Pause geschlagen“, hieß es leider beim Rückspiel im San Siro. Inter führte nach 45 Minuten mit 3:0, und nach Aussage von David Messina von „Corriere dello Sport“ war es Inters beste Saisonleistung. „Eine Katastrophe!“, stöhnte dagegen Hansa-Kapitän Herbert Pankau. Am Ende blieb es beim 0:3 aus Rostocker Sicht, und es sollte zwei Jahrzehnte dauern, bis Hansa wieder europäisches Parkett betreten durfte.

Katastrophen-Winter und der Abstieg in die DDR-Liga (1978/79)
Nach der 0:3-Niederlage beim FC Karl-Marx-Stadt am 02. Dezember 1978 hing der F.C. Hansa Rostock mit 3:19 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz fest. Es folgten ein 2:2 gegen Chemie Halle und ein 1:1 bei Wismut Aue – dann ging es die Winterpause, die es in sich haben sollte! Zum Jahreswechsel 1978/79 gab es einen Wintereinbruch, der vor allem den Nordbezirken der DDR schwer zu schaffen machte. Kurz vor Silvester fielen die Temperaturen um bis zu 20 Grad Celsius und ein schwerer Schneesturm kam vom Meer heran. Die Folge waren teils meterhohe Schneeverwehungen und von der Außenwelt abgeschnittene Ortschaften. Vielerorts fielen Strom- und Telefonnetze aus, auf offener Straße überraschte Menschen erfroren in Wartehäuschen und unter Bäumen und konnten teils erst Tage später geborgen werden. Der Rügendamm war unpassierbar, und die NVA – glücklicherweise in der Kaserne Prora stationiert – rückte mit Hubschrauber und schwerem Gerät an. Einer inoffiziellen Statistik zu Folge gab es in der DDR 18 Tote und 440 Verletzte zu beklagen, die ostdeutsche Wirtschaft erlitt einen enormen Schaden. Dem nicht genug folgte am 13. Februar 1979 eine weitere Kältewelle mit reichlich Schneefall.

Kurz nach dieser zweiten Welle ging am 17. Februar 1979 der 14. Spieltag über die Bühne. Hansa Rostock konnte Dank des frühen Tores von Christian Radtke mit 1:0 bei Union Berlin gewinnen, und auch das kommende Heimspiel gegen Zwickau konnte mit 2:0 gewonnen werden. Neue Kraft nach der Winterkatastrophe? Am 03. März 1979 gab es bei Lok Leipzig ein denkwürdiges 5:5 zu sehen, und nach dem 3:2 gegen Stahl Riesa schien es weiter aufwärts zu gehen. Jedoch ging es zum Saisonende hin wieder runter von Rang neun auf den letzten Tabellenplatz. Der 2:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Wismut Aue vor nur noch 3.000 Zuschauern nutzte nichts mehr. Die vier Niederlagen zuvor am Stück brachen Hansa Rostock das Genick. Trotz zwischenzeitlichem Höhenflug blieb es unter dem Strich eine Katastrophen-Saison, die überschattet wurde von Kälte und Schnee, die es seitdem in Deutschland in der Form nicht mehr gab.

Sensationeller Start in die Bundesliga-Saison 1991/92
„Um die Liebe zur Heimat, zum Meer und zum Strand mit dir zu verbinden, wirst du Ostseestadion genannt!“ (Zitat vom 27. Juni 1954) Mit diesen Worten begann eine TV-Reportage, die sich mit der aufregenden Zeit im Sommer und Herbst 1991 befasste. Das Abenteuer 1. Bundesliga konnte starten! Gemeinsam mit Vizemeister Dynamo Dresden war Hansa Rostock einer der beiden ehemaligen DDR-Oberligisten, die an der ersten gesamtdeutschen Bundesliga-Saison 1991/92 teilnehmen durften.

Mit Gerd Kische an der Spitze befand sich Hansa Rostock finanziell auf recht solidem Fundament, der Saisonetat betrug rund 11 Millionen DM, und als neuer Trikotsponsor wurde das Bauunternehmen ELBO präsentiert. In Sachen Marktwirtschaft musste zwar noch einiges dazugelernt werden, doch was das Sportliche betraf, so ging es gleich in die Vollen!

Los ging’s am 03. August 1991, und die 17.500 Zuschauer, die für eine Karte statt der einst üblichen 2,10 Ostmark nun zwischen 15 und 25 Westmark hinlegen mussten, bekamen gegen den 1. FC Nürnberg einen sensationellen 4:0-Sieg zu sehen. Florian Weichert erzielte die ersten beiden Bundesligatreffer, Roman Sedlacek und Michael Spies legten nach. Der Wahnsinn nahm seinen Lauf, und die Hansa-Fans fühlten sich wie in einem wunderbaren surrealen Traum. Am 10. August drehte Hansa beim FC Bayern die Partie und gewann am Ende mit 2:1! Nicht wenige der 2.000 anwesenden Hansa-Fans vergossen ein paar Freudentränen. Vier Tage später durfte gegen Borussia Dortmund ein ausverkauftes Ostseestadion verkündet werden – und Hansa ließ es richtig krachen. Mit einem 5:1-Sieg wurde die Tabellenführung gefestigt! Mit 11:2 Toren und 6:0 Toren grüßte der FCH vor dem Hamburger SV und Eintracht Frankfurt vom Platz an der Sonne. Ein Selbstläufer? Nicht ganz! Es folgten erste Niederlagen, und zwischen Hansa-Boss Gerd Kische und Trainer Uwe Reinders knirschte es im Herbst 1991. Zwar konnte sich Reinders noch bis zum März 1992 halten, doch nach dem 0:0 gegen Duisburg musste Reinders gehen. Bereits beim folgenden Auswärtsspiel in Karlsruhe stand Erich Rutemöller an der Seitenlinie. Die Klasse halten konnte auch er nicht. Zwar konnte am letzten Spieltag der Frankfurter Eintracht mit einem 2:1-Sieg die Meisterschaft vermasselt werden, doch musste Hansa den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit antreten.

Nach drei Jahren in der 2. Bundesliga gelang unter Trainer Frank Pagelsdorf schließlich am Ende der Saison 1994/95 die gefeierte Rückkehr in die 1. Bundesliga, in der sich stolze zehn Jahre in Folge gehalten werden konnte!

Ein Spiel, das alles veränderte: Als aus der Strafe ein Hauptgewinn wurde (28. Oktober 1995)
„ … und außerdem war es kein Tränengas!“, erklärte Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf dem ran-Reporter. „Was war es denn?“ – „Na, wahrscheinlich ´ne Rauchbombe!“ Am 23. September 1995 tränten beim Erstligaduell Hansa Rostock vs. FC St. Pauli einigen Gästespielern arg die Augen, doch der Schiedsrichter ließ die Partie trotz erhitzter Atmosphäre und Unterbrechungen weiterspielen und der FCH brachte die drei Punkte in trockene Tücher. Hart durchgreifen wollte im Anschluss der DFB. Das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt sollte aufgrund der Ausschreitungen als Strafe in mindestens 200 Kilometern Entfernung ausgetragen werden. Hansa wurde schnell fündig und durfte im Berliner Olympiastadion gegen Frankfurt spielen. Die Fans machten mobil und fuhren in beeindruckenden Karawanen gen Hauptstadt. Da so schnell keine neuen Eintrittskarten gedruckt werden konnten, war auf diesen „Ostseestadion“ zu lesen. 20 Mark musste für ein Ticket in den Kurven hingelegt werden – und „Höffner“ ließ schön grüßen.

Im weiten Rund sitzend traute man seinen Augen kaum. Immer mehr Hansa-Fans strömten in die Schüssel und schon bald durfte man mit locker 40.000 Zuschauern rechnen. Und noch war längst nicht Schluss! Die Partie war bereits angepfiffen, als immer mehr Blöcke geöffnet wurden und diese sich nach und nach füllten. Am Ende waren es sagenhafte 58.492 Zuschauer, die dieses Bundesligaspiel sehen wollten. Unter den zehntausenden Hansa-Fans befanden sich auch zahlreiche Berliner und Brandenburger, die einfach mal Erstligafußball genießen wollten. Und eins ist sicher! An jenem Oktobertag schloss manch ein bis dato neutraler Fußballliebhaber den F.C. Hansa in sein Herz! Nachdem Augustine „Jay Jay“ Okocha mit einem satten Schuss kurz vor der Pause die Eintracht mit 1:0 in Führung bringen konnte, drückten zunächst die Gäste weiter. Flehen und Beten gen Himmel im zweiten Spielabschnitt. Die Latte und eine Parade von Hansa-Keeper Perry Bräutigam verhinderten das 0:2. Und dann kam DER Moment! In der 75. Minute kam Carsten Klee an den Ball und brachte gegen die Laufrichtung von Andy Köpke den Ball im Gehäuse unter! Auf den Rängen brachen alle Dämme, in der Ostkurve flammten zwei Bengalos auf. Was für ein emotionaler Jubel – was für ein Ausbruch der Gefühle! Gänsehaut und tausende Tränen der Freude! Am Ende blieb es beim 1:1 und Hansa Rostock gewann zahlreiche neue Fans dazu!

Das legendäre 4:4 beim Karlsruher SC (20. November 2006)
Verrückte Spiele gab es in der Historie des F.C. Hansa Rostock viele, doch sollte sich das 4:4 im Karlsruher Wildparkstadion ganz besonders fest im Gedächtnis der Fans einbrennen. Am Montagabend trat Hansa als Tabellenzweiter der 2. Bundesliga beim Tabellenführer aus Baden an. Das DSF übertrug das Spitzenspiel – und die Hansa-Fans mussten zu solch undankbarer Anstoßzeit einmal quer durchs Land fahren. Jedoch war in diesem Fall jeder Kilometer die Sache wert! Und dabei schien es zunächst aus Rostocker Sicht ein gebrauchter Abend zu werden. Mit 3:0 führte der KSC zur Pause. Karlsruhe hatte richtig Lust, spielte großartig auf und wollte wohl aus Rostock ein Valencia machen.

Nachdem in der Halbzeitpause eine Wildsau als neues Maskottchen mit einem Fallschirm vom Himmel flog und etwas holperig auf dem Rasen landete, zeigten die KSC-Fans auf einem großen Doppelhalter die Botschaft „Wir spielen heute ‚Schiffe versenken!‘“ Leider sah es auch im zweiten Spielabschnitt zunächst so aus. Nachdem Amir Shapourzadeh den 1:3-Anschlusstreffer für Hansa erzielt hatte, erhöhte Sebastian Freis nach etwas über einer Stunde auf 4:1 für den KSC.
Dann holte Shapourzadeh in der 78. Minute den Hammer raus und zog aus 20 Metern ab! „Was ist das für eine verrücktes Fußballspiel!“, rief DSF-Kommentator Uwe Morawe. Noch schaute Hansa-Trainer Pagelsdorf am Spielfeldrand arg skeptisch drein, doch sollte sich dies wenig später ändern. Es folgte ein kluger Aufbau von Hansa, der Ball wurde auf Christian Rahn gespielt, und der zog einfach mal ab! Der hatte gesessen! Nur noch 3:4 aus Sicht des FCH!
„Die waren doch schon tot! Die krabbeln aus der Kiste!“, rief Uwe Morawe und sollte damit recht behalten. Die süße Kirsche auf der Torte gab es in der 87. Minute. Dordije Cetkovic wollte an jenem Montagabend im Wildpark auch ein Wörtchen mitreden. Geschwind kam Rostock über den linken Flügel, perfekt wurde Cetkovic angespielt, und gegen die Laufrichtung des KSC-Keepers Markus Miller schob er die Kugel mustergültig in die Maschen! Ausgleich für Hansa Rostock. Totale Ekstase in der Gästekurve, und Uwe Morawe brüllte in sein Mikro: „Cetkovic, der Joker, sticht! Das war so ein phantastisches Fußballspiel! Verbeugung an alle Beteiligten!“ Zugegeben, das DSF war aufgrund der verhassten Montagabendspiele bei Fußballfans nicht allzu beliebt, doch blieb jener kühler Novemberabend bei allen Hansa-Fans – vor Ort im Stadion und daheim vor dem Fernseher – in allerbester Erinnerung.

Blau-weiß-rote Ekstase – Aufstieg gegen Lübeck! (22. Mai 2021)
Neun Jahre 3. Liga am Stück waren wahrlich genug! Von 2012 bis 2021 machte Hansa schwere Zeiten durch – 2015 drohte sogar der Absturz in die Regionalliga -, umso größer war die Freude, als die von den Corona-Maßnahmen geprägte Saison 2020/21 sportlich erfreulich verlief. Am 29. April 2012 stand nach dem 4:5 bei Union Berlin der Sturz in Liga drei fest – am 22. Mai 2021 sollte gegen den VfB Lübeck ein Pünktchen genügen, um die so lang erhoffte Rückkehr in die 2. Bundesliga feiern zu können. Während in Fußball-Deutschland weitgehend vor leeren Rängen gespielt werden musste, konnte in Rostock eine Sonderregelung ermöglicht werden. Immerhin 7.500 Zuschauer waren zugelassen, weitere tausende Zuschauer versammelten sich auf Straßen, Vorplätzen und im benachbarten Leichtathletikstadion.

Es wurde gegen Lübeck keine klare Angelegenheit. Stattdessen Hoffen und Zittern. Ausgerechnet Soufian Benyamina, der einst drei Jahre in Rostock unter Vertrag stand, brachte nach knapp einer halben Stunde die „Marzipanstädter“ mit 1:0 in Führung. Hansa wollte es wohl spannend machen. Wie so oft in jener Spielzeit. Gedrehte Spiele gegen Verl und Kaiserslautern, ein gehaltener Elfmeter von „Krake“ Kolke beim KFC Uerdingen, ein Zittersieg in Unterhaching.
In der 41. Minute die erste Erlösung. Bentley Baxter Bahn verwandelte den fälligen Elfmeter. Ausgleich für den FCH! Kollektives Durchatmen. Kampf pur in Halbzeit zwei. Szenenapplaus, als kurz vor Ende Löhmannsröben wie einer Berserker einen vor stürmenden Lübecker hinterherrannte und schließlich den Ball erkämpfte. Ein Blick auf die Uhr. Sekunden wurden zu Stunden. Banges Warten. Und dann der Schlusspfiff! Tausende lagen sich in den Armen, Raketen stiegen gen Himmel, das „Ahu!“ ertönte, und von außen drängten zahlreiche Hansa-Fans auf die Südtribüne, die nun so voll war wie noch nie zuvor. Schalke, Nürnberg, Bremen, HSV und St. Pauli konnten kommen, und mit einem langen Transparent bedankten sich die glücklichen Spielern bei ihrer treuen Anhängerschaft: „Danke für Euren Rückhalt! 3. Liga endlich vorbei – der FCH in Liga zwei!“


zu Teil 1 des Rückblicks 60 Jahre F.C. Hansa Rostock
Fotos: Heiko Neubert, Marco Bertram, Keili, Klischi, Hansa-Fanclub Udopia Zwickau, Dick Turpin, Anika, Hansa-Fanclub Piranhas, frontalvision.com
