Rot-Weiss Essen: DFB-Schiri Hanslbauer kostet RWE den Derbysieg

Rot-Weiss Essen: DFB-Schiri Hanslbauer kostet RWE den Derbysieg

Eigentlich müsste heute ein Kasten KöPi aus Duisburg in Richtung Zirndorf (Bayern) gehen, denn die Fans des MSV Duisburg konnten es gestern selber kaum fassen noch einen Punkt aus dem Stadion an der Hafenstraße in Essen mitzunehmen. Aber Schiedsrichter Patrick Hanslbauer (Kicker-Note: 4,5) aus Bayern und sein Team ermöglichten den Zebras diese eine Chance, die Moritz Stoppelkamp in der 89. Spielminute raffiniert und gekonnt für seinen Heimatverein nutzte. Dass sich der Schiedsrichter nach dem Spiel bei Rot-Weiss Essen in der Kabine für die Fehlentscheidung noch entschuldigte ist zwar aller Ehren wert, aber erstens war es nicht der einzige spielentscheidende Fehler und zweitens können sich die Mannschaft um Trainer Christoph Dabrowski und die RWE-Fans dafür nichts kaufen, sondern nur den Frust in Stauder ertränken.



Frust liegt an in Essen. Der erste Heimsieg seit 140 Tagen (19. September 2022 gegen den FC Saarbrücken) war greifbar und wäre hochverdient gewesen, wenn man dann aber auch die Chancen besser genutzt hätte. 19.200 Zuschauern ausverkauftes Stadion an der Hafenstraße, aber nur eine Mannschaft spielte: Rot-Weiss Essen. Dagegen waren beim MSV Duisburg nur die mitgereisten 2.500 Fans in Hochform zumindest was die Choreo zu Spielbeginn anging: Erst wurde eine Blockfahne mit dem Schriftzug „You are going down today“ über den Stehplatzbereich der Gästefans gezogen auf der ein Zebra über dem brennenden Stadion thronte. Dann folgte eine blau-weiße Fahnenchoreo und Pyroshow mit ein paar unsäglichen Raketen von denen sich mindestens eine im Block der MSV Fans verirrte. Der DFB Beobachter am Spielfeldrand hatte aber auch während des Spiels einiges an brennenden Fackeln zu zählen, die die Meidericher durchgängig abbrannten.





Während es also reichlich Feuerwerk im Zebra-Block gab, brannte auf dem Rasen der Duisburger spielerisch so gut wie gar nix, auch wenn das Trainer Torsten Ziegner in der Pressekonferenz nach dem Spiel komplett anders sah. Dagegen agierte RWE engagiert und war über weite Strecken des Spiels überlegen. Die erste dicke Chance zur RWE-Führung hatte der neue (nach dem Wechsel von Daniel Heber zum 1. FC Magdeburg) „Kapitän der Hafenstraße“ Felix Bastians. Nach einer Hereingabe von Kefkir landete der Ball direkt vor dem Abwehrspieler, der sein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängerte, sein Schuss ging aber knapp am Tor vorbei. Aber auch der gerade erst von Borussia Mönchengladbach gekommene Torben Müsel wusste zu gefallen. Erst ein paar Tage mit der Mannschaft im Training schon setzte er in der 3. Liga Akzente.



So hatten die Duisburger Probleme ihn in Griff zu kriegen, hatten aber glücklicherweise den Schiedsrichter auf ihrer Seite: Kurz nach der Chance von Bastians drang Müsel in den Duisburger Strafraum ein, so dass sich Caspar Jander nur mit einer Grätsche zu helfen wusste. Schiri Hanslbauer stand zwei Meter entfernt mit sehr guter Sicht auf das Geschehen und entschied auf weiterspielen. Eine unfassbare Entscheidung nicht nur für die RWE-Fans. Darauf ein KöPi ins Weißwurstland. Ja vielleicht ist Torben Müsel dem Schiedsrichter zu theatralisch gefallen. Aber Foul ist Foul. Teilweise wirkte die Kartenvergabe wie die Bewertung beim Casting für einen Schauspielkurs:

Krümmte sich ein Spieler nach einem vermeintlichen Foul auf dem Rasen, zückte Hanslbauer flink den gelben Karton für den Gegenspieler, während der "angeblich" Gefoulte direkt wieder fröhlich durch die Gegend hüpfte. Wird ein Spieler im Angriff vom letzten Mann per Bodycheck gelegt, darf weitergespielt werden (Foul an Ron Berlinski). Mit Fouls und nicht Fouls hat Herr Hanslbauer so seine Probleme übrigens schon einmal in dieser Saison mit Beteiligung von Rot-Weiss Essen: Bei der Partie Borussia Dortmund 2 gegen RWE übersah er ein hartes Foul vom BVB Spieler Franz Pfanne an Meiko Sponsel, der danach verletzt vom Spielfeld musste, während Pfanne statt unter die Dusche zu gehen weiter kicken durfte.





Rot-Weiss Essen drückte auf die Führung, die dann in der 53. Spielminute auch fiel und wie: Oguzhan Kefkir zirkelte einen Freistoß auf den Kopf von José-Enrique Rios Alonso, aber der starke Duisburger Schlussmann Maximilian Braune war zu Stelle und konnte den Kopfball abwehren, ebenso wie den sehenswerten Fallrückzieher von Ron Berlinski. Die Abwehr landete dann aber vor den Füßen von Alonso, der zur umjubelten Führung einnetzte. Das Tor wirkte wie eine Kopie einer Torchance im Spiel beim SV Elversberg in der Vorwoche, wo RWE in drei Versuchen den Ball aber nicht im Tor versenken konnte.

Kurz nach der hochverdienten Führung hatte Torben Müsel wieder nach einer Flanke von Kefkir das zweite Tor auf dem Fuß, setzte den Ball aber ans Außennetz. Und Duisburg? Sie kamen nun mit wenigen mutigen Angriffen. Eine Flanke vom späteren Torschützen Stoppelkamp auf Phillip König konnte der RWE-Keeper Jakob Golz entschärfen. Essen verteidigte gut, zeigte aber auch Schwächen im Abschluss. Simon Engelmann fehlte aufgrund eines „grippalen Infekts“ und Ron Berlinski mühte sich wie immer, aber war auch meistens ein bis zwei Schritte zu spät. Wenn man die Chancen nicht nutzt und Angriffe schlecht ausspielt, da kann man dann auch dem Schiedsrichter nicht die alleinige Schuld für den Punktverlust geben.





Es hätte gut und gerne schon 3:0 für RWE stehen können, aber so ging es mit einem knappen 1:0 in die aufregenden Schlussminuten: In der 88. Spielminute setzte sich Andreas Wiegel fair gegen den gerade eingewechselten Duisburger Niklas Kölle durch, der aber die Gunst der Minute zu einem „Diver“ nutzte, den wiederum der Schiedsrichter mit einem („unberechtigten“) Freistoß belohnte. Moritz Stoppelkamp trat an und er nutzte einen Fehler in der kleinen Essener Mauer, die wahrscheinlich mit einer Flanke rechnete und verwandelte direkt ins kurze Eck. Aber es hätte noch schlimmer kommen können für Essen. In der 94. Spielminute bediente Stoppelkamp Chinedu Ekene, der aber erfolgreich von Alonso gestört werden konnte.

Für Duisburg ein glücklicher Punktgewinn, für Essen eine gefühlte Niederlage. Irgendwie das Muster des Hinspiels. Damals gingen die Meidericher mit 2:0 in Front und waren eigentlich am Anfang des Spiels überlegen. RWE konnte sich aufraffen und schaffte den Ausgleich und hatte ebenso noch den Sieg auf dem Fuß. Manchmal gleicht sich Fußball aus, vielleicht auch die Schiedsrichter-Fehlleistungen.



Beide Teams haben zwar ein paar Punkte Abstand zur den Abstiegsrängen, müssen aber zulegen um die Klasse zu halten. Dann gibt es auch in der kommenden Saison wieder ein Derby, hoffentlich dann aber ohne diesen Duisburger „Bölleridoten“, der meinte nach dem Spiel aus dem Gästeblock einen Kanonenschlag in den benachbarten Familienblock werfen zu müssen.
Für Rot-Weiss Essen geht es am kommenden Montag weiter. Dann gastiert RWE bei Viktoria Köln. Der MSV Duisburg erwartet am Samstag den FSV Zwickau zum Kellerduell.

Fotos: (c) Bildagentur frontalvision.com

> turus Fotostrecke Rot-Weiss Essen

> turus Fotostrecke MSV Duisburg

 

Stadionname:
  • Stadion an der Hafenstraße
Artikel wurde veröffentlicht am
06 Februar 2023
Spielergebnis:
1:1
Zuschauerzahl:
19.200
Gästefans
2500

Ligen

Inhalt über Liga
3. Liga

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4 Kommentare
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Kommentare
Hier hätte der VAR vielleicht geholfen. Aber beim nächsten Mal gleicht sich das wieder aus. Schon komisch, das der gleiche Schiri gegen den gleichen Verein zweimal so ein Fehler unterläuft. Kommt ja aus der Nähe von Nürnberg ... vielleicht ein Schalker Freund ;-)
G
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G
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