Rot-Weiss Essen: Später Doppelschlag der Schanzer bringt RWE um verdienten Lohn

Rot-Weiss Essen: Später Doppelschlag der Schanzer bringt RWE um verdienten Lohn

 
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KH 20 August 2022

Das muss man sich eigentlich merken: Gehe nie nach einem Besuch an der Hafenstraße nach einem Spiel von Rot-Weiss Essen ins Internet. Lese keine Kommentare in Fanforen oder sozialen Netzwerken. Denn das bereitet nur Kopfschmerzen. Ein paar wenige sind dort während des Spiels und kurz danach unterwegs und kritisieren in ihrer Anonymität alles und jegen egal wie das Spiel ausgegangen ist. Da wird der Kopf des Trainers schon nach dem ersten Spieltag gefordert und der Torhüter wegen einem Fehler schon in die zweite Mannschaft, die in der Kreisliga spielt, diskutiert. Vielleicht sind es auch die gleichen (wenigen) Fans, die die Ultras beim heutigen Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 mit einem Spruchband adressierten: „Wer vorm Abpfiff geht, braucht zum Anpfiff nicht kommen.“

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Auch heute gab es ein paar Fans, die nach dem Ausgleich des FC Ingolstadt in der 88. Spielminute nicht die letzten fünf Minuten (inklusive Nachspielzeit) mehr abwarten konnten und aus dem Stadion flüchteten. Ja der späte Doppelschlag der Schanzer war bitter, da Rot-Weiss Essen über weite Strecken des Spiels den Absteiger aus der zweiten Bundesliga spielerisch voll im Griff hatte. Die gefühlte Niederlage nach einer überragenden 2:0 Führung ertränkten die meisten Fans aber in einem Schluck Bier, blieben im Stadion und applaudierten dem Team um Christoph Dabrowski zu. Vor allem die "West" beeindruckte wieder einmal mit einem über das ganze Spiel durchgängigen starken Support mit der Einbindung aller Tribünen.



Richtig so. Die Fans sind von Beginn an da und die Mannschaft inzwischen auch. Anders als zum Saisonstart sind deutliche sportliche Fortschritte erkennbar. Trotzdem: Vor dem heutigen Spiel hätten nicht wenige einen Punkt liebend gerne mitgenommen. In Foren und den sozialen Netzwerken wurde teilweise nur über die Höhe der Niederlage gegen die Schanzer diskutiert. Immerhin hatte der Wiederaufstiegsaspirant aus Bayern vor dem Spiel drei Siege und ein Unentschieden auf seinen Konto und in den bisherigen vier Begegnungen keinen Gegentreffer erhalten. Wie sollte RWE dagegen halten und ein Tor erzielen. Ganz einfach: Per Elfmeter und ("Fußballgott") Simon Engelmann.



Elfmeter? Ja ein Wunder passierte in der neunten Spielminute, als nach einem Handspiel (Patrick Schmidt bekam den Ball an den Arm) Felix Bastians den Strafstoß im Tor versenkte und damit erstmal wieder den Elfmeterfluch brechen konnte. Die erste Führung in der dritte Liga und das ganze Stadion mit 13.507 Zuschauern (100 Gästefans abgezogen) lag sich in den Armen. Der FC Ingolstadt, der von 2015 bis 2017 noch in der ersten Bundesliga kickte, hatte nichts dagegen zu setzen. Essen zeigte sich gut und stabil aufgestellt, agierte zwar wie in Dortmund vorsichtig und zurückgezogen fast bis in die eigene Hälfte, konternte dafür aber über den schnellen Lawrence Ennali und Isiah Young sehr gefährlich. Über einen dieser Angriffe konnte RWE dann in der 32. Spielminute in Führung gehen. Simon Engelmann krönte seine gute Leistung mit seinem zweiten Treffer in Liga. Die Vorlage kam von Young, der nach einem schwierigen Start in die Liga nun zu seiner alten (spektakulären) Form zurückfindet.





Hochverdient ging Essen mit dieser Führung in die Pause und ließ die Schanzer etwas kommen. Viel passierte aber nicht. Ingolstadt wirkte ungefährlich und RWE kam nur noch selten vor das Tor der Gäste, blieb aber bissig. Als Niklas Tarnat einen Angriffsversuch der Ingolstädter mit einer eindrucksvollen Grätsche unterband, sprang die Haupttribüne auf und das ganze Stadion jubelte. Gänsehaut. Eine grandiose Stimmung. In der Schlussphase wechselten beide Teams durch und da verschaffte sich Essen leider einen kleinen Nachteil, da nicht alle Spieler momentan scheinbar auf dem gleichen Leistungsniveau agieren. Erst hatte aber Ron Berlinski (er kam für Simon Engelmann) die 3:0 Führung auf dem Fuß, scheiterte aber in der 80. Spielminute am Schlussmann von Ingolstadt Marius Funke. Das wäre es gewesen. Es kam aber anders und zwar in Form eines schnellen Doppelschlags in der 84. und 88. Spielminute von Tobias Bech Kristensen, bei der die Essener Abwehr alles andere als gut aussah.



Am Ende blieb es beim 2:2. Klar der späte Ausgleich und Punkteverlust ist bitter. Aber während manch ein RWE Fan schon die Geschichtsbücher wälzt und sich mit Vergleichen zu früheren Spielen und ebenfalls spät verlorenen Punkten sowie negativ verlaufenen Spielzeiten in Tristesse stürzt, ist aktuell eine gute Entwicklung zu sehen um nicht zu sagen eine starke. Wurde Rot-Weiss Essen beim Auftakt gegen den SV Elversberg einmal richtig (negativ) geerdet, zeigte man in Duisburg (2:2) zwar noch Schwächen, aber vor allem eines: Willensstärke und Moral. Die 1:4 Niederlage gegen Viktoria Köln war ein paar Tore zu hoch und die Niederlage in Dortmund war total überflüssig, da man über weite Strecken des Spiels ein ebenbürtiger und teilweise besserer Gegner war. Zwar steht man immer noch im Tabellenkeller, aber man hat sich gefangen und stark gesteigert. Es ist eine verrückte Liga und es sind erst fünf von 38 Spieltagen gespielt. Kein Grund Trübsal zu blasen und im Internet zu „moppern“. Besser die Mannschaft feiern und zwar so:



Nächste Woche geht es zum Mitaufsteiger Bayreuth. Da könnte dann der erste Dreier drin sein. Unter der Woche kann sich Essen dafür schon einmal Warmschießen in der ersten Runde des Niederrheinpokals im Lokalduell beim SV Burgaltendorf. Das nächste Heimspiel steigt dann am 2. September gegen Erzgebirge Aue, vielleicht auch mit funktionierenden Lautsprechern. Manch einer vermutet schon eine Verbindung zwischen kaputten Boxen auf der West und unnötigen Punktverlusten: „Erst wenn der Opa (Luscheskowski) richtig läuft, dann läufts auch auf dem Rasen“,  munkelt der/die eine oder andere. Wir werden sehen und bleiben dran.

Fotos: Alle Fotos frontalvision.com Sport Photo Agency

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Spielergebnis:
2:2
Zuschauerzahl:
13.507
Gästefans
100

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