Dynamo Schwerin vs. Hansa Rostock: Ein Fest der Flitzer und Autogrammjäger

Dynamo Schwerin vs. Hansa Rostock: Ein Fest der Flitzer und Autogrammjäger

 
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MB 20 Juni 2022

Nachdem vor zwei Wochen beim Aufstiegsspiel gegen Anker Wismar auf der Sportanlage Paulshöhe eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden konnte, dass die SG Dynamo Schwerin zuschauertechnisch aktuell die klare Nummer eins der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ist, konnte nun am vergangenen Freitag nachgelegt werden. Kamen beim Duell gegen Anker Wismar, in dessen Rahmen mit weinenden Augen die 100 Jahre alte Sportstätte Paulshöhe verabschiedet wurde, knapp 2.300 Zuschauer, so wurde diese Zahl beim Freundschaftsspiel gegen den F.C. Hansa Rostock noch einmal erhöht.

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Über 3.000 Fußballfreunde fanden bei bestem Wetter den Weg ins Stadion Lambrechtsgrund, das einst im Zeitraum 1953 bis 1956 errichtet wurde und zu DDR-Zeiten unter anderen den Fußballern des SC Traktor Schwerin (später BSG Motor Schwerin) als Spielstätte diente. In jüngerer Vergangenheit ließen der FC Eintracht Schwerin bzw. der FC Mecklenburg Schwerin in diesem weitläufigen Stadion den Ball rollen. Am 23. Mai 2014 trug der FC Mecklenburg Schwerin erstmals ein Heimspiel auf der neuen Sportanlage Lankow aus. In der Saison 2016/17 wurde noch einmal in den Lambrechtsgrund zurückgekehrt, da in Lankow die neue Haupttribüne gebaut wurde.

 

Nichts zu tun mit Lambrechtsgrund hatte indes die SG Dynamo Schwerin. Die Heimat war bis jetzt stets die altehrwürdige Paulshöhe. Der drohende Abriss dieser Sportanlage und die geplante Bebauung sind eine echte Tragödie, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Am Nachmittag vor dem um 18 Uhr beginnenden Freundschaftsspiel gegen Hansa Rostock, drehten wir noch einmal eine Runde über das Gelände und ließen uns einige historische Details erklären. Ein letzter Blick, ein paar letzte Fotos - Wut im Bauch. Wut auf die Stadtvertreter, die für den Abriss und die Bebauung mit Wohnungen gestimmt hatten. Die Wut verflog erst ein wenig, als in Sponi’s Schnitzelbude eingekehrt und wir rustikal begrüßt wurden. Regnet’s draußen? Nö! Aber drinnen ist es so schön gemütlich! Auf DDR-Tellern mit den berühmten dunkelgrünen Rändern bekamen wir die Schnitzel auf Brot serviert. Dufte, knorke - empfehlenswert!

Was das Stadion Lambrechtsgrund betrifft, so gab es nach dem Mauerfall am 13. Juli 1997 einen Zuschauerrekord zu verzeichnen. Rund 8.000 Zuschauern bekamen einen 4:0-Sieg des FC Bayern gegen Eintracht Schwerin zu sehen. Die Treffer erzielten damals Carsten Jancker (2x), Dietmar Hamann und  Mehmet Scholl. 

 

Generell sind ja Freundschaftsspiele nicht der Oberhammer, zumal bei einem Duell zwischen einem frisch gebackenen Oberligisten und einem Zweitligisten der spielerische Unterschied dann doch zu deutlich ist. Was soll’s! Am Freitag stand der Spaß an erster Stelle. Zum einen konnte sich die SG Dynamo Schwerin noch einmal positiv in die Schlagzeilen bringen, zum anderen gab es die Hansa-Spieler nach Abpfiff auf dem grünen Rasen zum Anfassen. Last but not least konnte beim Bier für faire drei Euro auf den Rängen geplauscht werden. Des weiteren nutzten ein paar Flitzer die Gunst der Stunde und enterten während der Partie den Rasen. 

 

Den Anfang machte ein Junge mit einer Fahne in der Hand. An einer Eckfahne testete er zuerst einmal an, wie achtsam die Dynamo-Ordner sind. Da viele Kids eh auf der Tartanbahn saßen und umherliefen, störte sich eh niemand dran. Also dann! Tempo aufgenommen in Halbzeit zwei - und rauf auf den Platz! Drei-, viermal drehten Flitzer lachend eine Runde auf dem Rasen. Schiedsrichtergespann, Ordner und Spieler quittierten das Ganze mit einem Lächeln.

 

Was das Sportliche betrifft, so schufen die Profis des F.C. Hansa Rostock gleich zu Beginn Fakten. Hansa baute in aller Ruhe auf, und bereits in der vierten Minute brachte Behrens die Rostocker mit 1:0 in Führung. Locker wie bei einem Trainingsspielchen legte Munsy nur drei Minuten mit einem flachen Schuss zum 2:0 nach. Juut, so einfach wollten es die Schweriner den Rostockern eigentlich nicht machen. Klassenunterschied hin, Klassenunterschied her. Nach einer Viertelstunde machte Verhoek nach einer Hereingabe von Fröling mal eben das 3:0 für den FCH klar. Es schien, als könnte es für die SG Dynamo Schwerin ein Debakel werden, doch schalteten die Gäste nun einen Gang runter, und somit kamen die Gastgeber deutlich besser in die Partie.

 

Kurz vor der Pause verhinderte nur der Pfosten den 1:3-Anschlusstreffer, und das „Dynamo! Dynamo!“ hallte nun durch das weite Rund. Nach der Pause waren es jedoch die Rostocker, die den nächsten Treffer erzielten. Theo Martens war in der 47. Minute zur Stelle. In der 64. und 69. Minute waren es schließlich Breier und Martens, die auf 5:0 bzw. 6:0 erhöhen konnten. Laut wurde es noch einmal eine Viertelstunde vor Schluss, als Roubut zum 1:6 für Dynamo Schwerin einköpfen konnte. 

 

In der Schlussphase standen schließlich vor allem die besagten Flitzer im Fokus, und nachdem das Spiel abgepfiffen wurde, nutzten Jung und Alt die Gunst der Stunde und fertigten unten auf dem Rasen das eine oder andere Erinnerungsfoto an. Richtig frech: Während Hansa-Spieler Svante Ingelsson gerade Autogramm- und Fotowünsche erfüllte, wurden ihm seine weißen Fußballschuhe geklaut. Wie in sozialen Netzwerken zu lesen ist, wurde inzwischen ein Schuh gefunden. Der zweite wird derweil noch vermisst.

 

Wir hatten indes großes Glück, denn als bei einer geselligen Bierrunde gegen 21 Uhr noch einmal sicherheitshalber auf bahn.de geschaut wurde, durfte festgestellt werden, dass bereits in einer Viertelstunde der Bus des Schienenersatzverkehrs nach Holthusen abfahren würde. Drei, vier Tage zuvor war davon noch nix zu lesen. Egal! Beine in die Hand genommen und den Bus erreicht, in dem Dank der Jungs von Empor Grabow bereits gute Stimmung herrschte. Besten Gruß an dieser Stelle!

Fotos: Marco Bertram

> Infos zum Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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Spielergebnis:
1:6
Zuschauerzahl:
3.000

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