Polnischer Fußball vor 40 Jahren: Als Górnik Wałbrzych ein Zugpferd war

Polnischer Fußball vor 40 Jahren: Als Górnik Wałbrzych ein Zugpferd war

 
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MB 25 Mai 2022

In der Saison 2015/16 gab es noch das brisante Duell Górnik Wałbrzych vs. Karkonosze Jelenia Góra zu bestaunen, in der Folgezeit trennten sich die Wege und Górnik Wałbrzych musste 2019 einen sportlichen Neubeginn in der Klasa A wagen. Ein Jahr musste sich erst einmal gesammelt und geschüttelt werden, bis am Ende der Spielzeit 2020/21 der Aufstieg in die Klasa okręgowa gelang. Auch in der laufenden Saison sind die Jungs aus der Bergbaustadt auf Rang eins zu finden. Bitter genug, in welchen Niederungen der einst so stolze Verein aktuell zu finden ist. 

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Man glaubt es kaum, aber vor rund 40 Jahren war Górnik Wałbrzych in der ersten polnischen Liga der Zuschauermagnet schlechthin. So kamen in der Saison 1983/84 bis zu 40.000 Zuschauer zu den Heimspielen ins Stadion 1000-lecia. So geschehen am 27. August 1983, als Szombierki Bytom mit 2:0 bezwungen wurde. Nur die Heimspiele des späteren Meisters Lech Poznań gegen Widzew Łódź und Pogoń Szczecin zogen genauso viele Fans ins Stadion. 

 

Mit dabei in jener Spielzeit 1983/84 waren auch Zagłębie Sosnowiec, Ruch Chorzów, Motor Lublin, Łódzki KS und Bałtyk Gdynia, und auch damals gab es wie heute recht extreme Unterschiede, was die Zuschauerzahlen betrifft. So spielte Szombierki Bytom häufig vor gerade einmal 1.000 Zuschauern, während Górnik Wałbrzych gegen Łódzki KS rund 30.000 Fußballfreunde begrüßen konnte. 

 

Die ganz großen Erfolge blieben jedoch beim 1946 gegründeten Klub Sportowy Górnik Wałbrzych aus. Rang sechs in den Saison 1983/84 und 1985/86 waren der Höhepunkt in der Historie der Weiß-Blau-Schwarzen, die im einstigen Waldenburg der Stolz der Region waren und - trotz des sportlichen Niedergangs - immer noch sind. Genau zu jener Zeit, in der Górnik Wałbrzych seine Hochphase hatte, erreichte auch Lech Poznań zum ersten Mal den Zenit und fuhr seine ersten Meistertitel (1983 & 1984) ein.  

Während jedoch Lech Poznań zu Beginn der 90er Jahre seine zweite Hochphase hatte, geriet Górnik Wałbrzych in arge Turbulenzen. Notgedrungen musste mit dem Stadtrivalen Zagłębie Wałbrzych, der Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre erstklassig spielte, fusionieren. Nach einer sportlichen Talfahrt wurde das Ganze jedoch wieder aufgetrennt und als Górnik Wałbrzych weitergespielt. Von 2010 bis bis 2015 wurde immerhin in der II Liga (dritthöchste Spielklasse) gespielt, und zu den Heimspielen gegen Miedź Legnica und Polonia Słubice kamen immerhin bis zu 3.000 Zuschauer. Nachdem in der Saison 2018/19 in der IV Liga Gruppe Niederschlesien hinter Śląsk II Wrocław der Aufstieg in die III Liga verpasst wurde, war sprichwörtlich Schicht im Schacht. Alles auf Anfang in der untersten Liga.

 

Zagłębie Wałbrzych ist jedoch nicht der einzige Vertreter aus der Erstliga-Saison 1983/84, der später arge Probleme bekam. So war ŁKS Łódź 2013/14 nach einem finanziellen Kollaps plötzlich in der IV Liga zu finden, nachdem zwei Jahre zuvor noch in der Ekstraklasa gespielt wurde. Inzwischen hat sich der Verein jedoch wieder halbwegs erholt, die zurückliegende Saison wurde in der I Liga mit einem Mittelfeldplatz abgeschlossen. Ebenso einen Rückschlag hinnehmen musste Ruch Chorzów, das von 2019 bis 2021 nur viertklassig spielte. 

 

Vor teils exzellenter Kulisse wurde Ruch Chorzów in der zurückliegenden Drittligasaison Dritter und nimmt am heutigen Tag an der Play-off-Runde teil. Zu Gast ist Radunia Stężyca, angepfiffen wird die Partie um 17:45 Uhr.

 

Und was macht der einstige Erstligist Szombierki Bytom, der 1979/80 polnischer Meister wurde und anschließend im Europapokal der Landesmeister mal eben Trabzonspor raushaute, dann aber an CSKA Sofia scheiterte? Seit 2016 spielt Szombierki Bytom nur noch fünftklassig und scheiterte 2020 in der Aufstiegsrunde zur III Liga mit 0:2 an LKS Goczałkowice Zdrój. Die Zuschauerzahlen waren eh nicht mehr der Rede wert, der Glanz alter Tage ist völlig verblasst. Unvergessen die Zeiten, als in der Meister-Saison 1979/80 rund 20.000 Zuschauer den 2:1-Sieg gegen Górnik Zabrze sahen (wenngleich die Mehrheit der Zuschauer den Gästen die Daumen drückte) …

Fotos: Marco Bertram, Haderlump, Los Misenas

> zur turus-Fotostrecke: Impressionen vom polnischen Fußball

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