Irres Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Eintracht Trier und Wormatia Worms

Irres Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Eintracht Trier und Wormatia Worms

 
5.0 (2)
MB 25 Mai 2022

In der Meisterrunde der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar steht ein ähnlich spannendes Saisonfinale an wie zuletzt in der Regionalliga West, in der Dank des besseren Torverhältnisses Rot-Weiss Essen vor dem SC Preußen Münster endlich den lang ersehnten Aufstieg in Liga 3 gepackt hatte. Während RWE froh ist, die dortige „Kirmes-Liga“ endlich verlassen zu dürfen, möchten der SV Eintracht Trier 05 und Wormatia Worms liebend gern mal wieder Regionalliga-Fußball schnuppern.

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Eintracht Trier spielte zuletzt von 2008 bis 2017 in der Regionalliga West bzw. Regionalliga Südwest. Von 1976 bis 1981 sowie von 2002 bis 2005 war man sogar dabei in Liga zwei. Sich einen Namen machte konnte Eintracht Trier in der Saison 1997/98, als im DFB-Pokal zum einen der UEFA-Pokal-Gewinner FC Schalke 04 und zum anderen der Weltpokal-Gewinner Borussia Dortmund bezwungen und ins Halbfinale eingezogen wurde. Am 18. Februar 1998 musste man sich daheim dem MSV Duisburg denkbar knapp mit 1:1 n.V. und 9:10 im Elfmeterschießen geschlagen geben. Berlin war zum Greifen nahe ...

 

Auch Wormatia Worms war zweimal in der 2. Bundesliga am Start. 1974/75 wurde Worms in der Staffel Süd nur Vorletzter und musste nach dem einjährigen Abenteuer wieder direkt absteigen. Besser lief es im zweiten Anlauf, immerhin von 1977 bis 1982 spielte Wormatia Worms zweitklassig. Mitte der 90er Jahre stürzte der Verein ab in die Verbandsliga Südwest, von 2008 bis 2019 war Wormatia Worms eine feste Größe in den jeweiligen Regionalligen.

 

Am vergangenen Samstag nutzte Eintracht Trier die Gunst der Stunde und konnte mit einem 2:1-Sieg gegen Worms in der Tabelle nach Punkten gleichziehen. 4.400 Zuschauer hatten sich im altehrwürdigen Moselstadion eingefunden, und beide Fanblöcke zeigten sich von ihrer besten Seite. Großalarm im Südwesten! Auch die Polizei war mit Hund und Helm im Innenraum reichlich vertreten.

 

Und nun war es nicht nur einfach ein 2:1. Vielmehr wurde es zu einem Szenario schlechthin! „Gemeinsam zum Ziel - Aufstieg“, hieß es zu Beginn in großen Lettern in der heimischen Fankurve. Den ersten Treffer des Tages erzielten jedoch die Gäste aus Worms. Nach einer Ecke bugsierte Tevin Erich Ihrig in der 13. Minute den Ball ins Gehäuse. Und nun haltet Euch fest! Die Nachspielzeit lief. Und exakt nach 90 plus 3:35 Minuten machte Kevin Heinz aus spitzem Winkel den Ausgleich klar. Was für ein Jubel unter den knapp 4.000 Heim-Fans! Kollektives Durchdrehen par excellence. 

 

Und es kam noch besser! In der fünften Minute der Nachspielzeit wurde der Ball weit nach vorn geschlagen, Jan Brandscheid kam an den Ball und konnte ihn am Wormatia-Torwart vorbeischieben. Das Moselstadion explodierte - die Zuschauer drehten völlig durch vor Freude. Nach Punkten (73) ist Trier nun gleichgezogen mit Worms. Allein das Torverhältnis trennt beide Vereine in der Tabelle. Man darf gespannt sein, wie das Ganze ausgehen wird. Am 4. Juni wissen wir mehr!

Buchtipp: Im vergangenen Jahr kam die ‚SV Eintracht Trier 05 Fußballfibel‘ (Verlag Culturcon medien) auf den Markt. Geschrieben wurde dieses Buch von Vertretern der Fanszene. Mit ihren 218 Seiten ist dieses blau-schwarz-weiße Werk eine der dickeren Fußballfibeln in der Reihe. Folgend eine kleine Leseprobe:

Als Platzwart Hanni Oberhausen die Punkte rettete

von Matthias Röcke

Das Moselstadion hat einen Pfostenbruch erlebt – und ich war dabei. Es geschah lange vor dem berühmt gewordenen Pfostenbruch auf dem Mönchengladbacher Bökelberg. Dort wurde am 3. April 1971 die Partie der Borussia gegen Werder Bremen anschließend abgebrochen. Im Spiel der Regionalliga Südwest (zweite Liga) am 29. November 1964 gegen die SpVgg Mainz-Weisenau lief die Sache mit dem Pfostenbruch anders ab: In der 69. Minute ging die Eintracht mit 2:1 in Führung durch Dieter Brozulat. Peter Scholtes rannte vor Freude ins Tor und „bremste“ sich im Netz ab. Das reichte, um das Gebälk – es war wirklich noch ein Gebälk aus vierkantigen Balken – zum Einsturz zu bringen. Scholtes, der Weisenauer Torwart und der Ball blieben unbehelligt. 

Ein Spielabbruch wäre die logische Folge gewesen – und der Gegner wollte das auch so. Der Schiedsrichter aber gab der Eintracht eine Chance – und somit Platzwart Hanni Oberhausen das Signal, zur Tat zu schreiten. Oberhausen kannten viele Zuschauer aus seiner Zeit als Spieler der ersten Mannschaft in den 1950er Jahren, fast alle kannten ihn, weil er im Krieg einen Arm verloren hatte. 

Dieses Handicap hinderte ihn nicht daran, zusammen mit Helfern und unter dem Beifall der Zuschauer an den unten gebrochenen Torpfosten von hinten Bretter zu nageln (!), bis das Tor wieder stabil war. Der Schiedsrichter war mit Oberhausens Arbeit zufrieden, der Weisenauer Torwart allerdings gar nicht. Er rüttelte an dem Pfosten, was wütende Proteste aus der gut besetzten Westkurve nach sich zog. Es half ihm nichts, das Spiel wurde fortgesetzt, es gab zwei weitere Tore für die Eintracht zum 4:1-Endstand. Im „Trierischen Volksfreund“ hieß es am nächsten Tag, nur noch die weiße Farbe hätte zuvor das Tor zusammen gehalten…

Das Tor wurde in Holz wiederaufgebaut und der Platzwart wird öfter mal nach dem Zustand der Pfosten geschaut haben…. Erst den Pfostenbruch von Mönchengladbach gut sechs Jahre später nahm der DFB zum Anlass, auf Aluminiumtore mit runden Segmenten umzustellen.

Fotos: Dominik Stürmer

> zur turus-Fotostrecke: SV Eintracht Trier 05

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Spielergebnis:
2:1
Zuschauerzahl:
4.400
Gästefans
500

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