Saisonrückblick RL Nordost Teil I: Lok Leipzig, Cottbus, Jena, Chemnitz und BFC

Saisonrückblick RL Nordost Teil I: Lok Leipzig, Cottbus, Jena, Chemnitz und BFC

 
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R 17 Mai 2022

Wir haben es geschafft - die reguläre Spielzeit der Regionalliga Nordost wurde fristgemäß beendet - Zeit für ein Fazit! Nach rekordverdächtigen und sehr turbulenten 38 Spieltagen dürfen wir dem BFC Dynamo zur Meisterschaft, aber leider noch nicht zum Aufstieg, gratulieren - die Gründe dafür sind jedem bekannt. Verabschieden mussten wir uns bereits vorzeitig von Tasmania Berlin und dem VfB Auerbach, die bereits mehrere Spieltage vor Schluss keine Chance mehr auf den Klassenerhalt hatten. 

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"Dank" des direkten Abstieges der Viktoria aus Berlin mussten nun auch noch Optik Rathenow und Union Fürstenwalde die Segel streichen. Die Nordost-Staffel verliert somit ein waschechtes Urgestein der Liga, einen frischen Aufsteiger und die Hälfte ihrer Brandenburger Vereine. Für den FC Eilenburg werden die kommenden vierzehn Tage ein ziemlicher Drahtseilakt, denn die Muldestädter müssen noch auf die Finalergebnisse des BFC Dynamo warten, ehe sie endgültig für die kommende Saison planen können. 

Wir blicken auf eine absolut chaotische Saison zurück, welche geprägt von hunderten Corona-Fällen, dutzenden Spielabsagen und teils völlig verwirrenden Corona-Maßnahmen einige Fans und natürlich auch die Vereine zum Verzweifeln brachte. Am Härtesten traf es hierbei den 1. FC Lok Leipzig und Tennis Borussia Berlin, welche Spielabsagen im zweistelligen Bereich durch die Saison mittragen mussten. 

Genau diesen beiden Vereinen ging am Ende auch etwas die Luft aus. Für reichlich Gesprächsstoff sorgten wie immer die Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Play-Off-Spiele und die Ausführung derer und auch die Verkleinerung der Liga auf die üblichen achtzehn Mannschaften stieß vor allem bei den Abstiegskandidaten böse auf. Wir bleiben unserer Meinung der Hinrunde treu und begrüßen die Verkleinerung der Liga, um auch die Qualität der Liga aufrecht erhalten zu können. 

Erfreulich ist dennoch die Tatsache, dass alle Vereine gleichzeitig am vergangenen Wochenende ihr jeweils 38. Spiel bestreiten durften und wir nicht mehr mit Quotienten-Tabellen arbeiten müssen. Auch die Rückkehr der Fans sorgte für freudige Reaktionen. Besonders hervorzuheben sind hierbei die beiden Leipziger Mannschaften, die über die gesamte Saison hinweg die größten Massen an Auswärtsfahrern mobilisieren konnten. Den höchsten Zuschauerschnitt daheim hat wenig überraschend der FC Energie Cottbus.

Nun wollen wir uns aber die Vereine nochmal einzeln etwas genauer zu Gemüte führen und beginnen standesgemäß mit dem Meister aus Berlin Hohenschönhausen.

 

- BFC Dynamo -

Viel verdienter kann ein Aufstieg kaum sein. Mit der Rekordpunktzahl von 82 und 84 geschossenen Toren sowie der besten Defensive der Liga konnte die Meisterschaft in dieser Saison nur nach Ostberlin gehen. Die Weinrot-Weißen lagen bereits nach dem ersten Spieltag auf dem ersten Tabellenplatz und gaben diesen nur äußerst selten ab. Der Zuschauerschnitt konnte aufgrund der guten Leistungen ordentlich nach oben geschraubt werden und mit Christian Beck verfügen die Berliner nun auch offiziell über den besten Torjäger der Liga. 

Grundsätzlich spielten die Berliner sicherlich nicht den schönsten Fußball der Liga, waren dafür aber auf beinahe jeder Position doppelt gut besetzt und konnten die Ausfälle einiger Stammspieler sehr gut verkraften. Die kommenden Tage und Wochen werden für den BFC nun noch interessanter, denn aktuell stehen nicht nur die zwei Partien gegen den Meister des Nordens im Wege, sondern auch eine sehr hohe sechsstellige Summe, die der Verein als Bürgschaft bereitstellen muss.

 

- Carl Zeiss Jena - 

Etwas überraschend spielte sich der einzige Regionalligaverein Thüringens (edit: selbstverständlich liegt auch Meuselwitz in Thüringen *Zwinkersmiley*) noch auf den zweiten Platz der Regionalliga und hatte bis zum letzten Spiel sogar noch theoretische Chancen auf die Meisterschaft. Aufgrund der wohl wieder sehr hohen Qualität der Spitzengruppe in der kommenden Saison könnte jedem Jenaer Angst und Bange werden, denn der Verein kündigte drastische finanzielle Einsparungen an. Der zweitbeste Torschütze der ganzen Liga, Fabian Eisele, wird den Verein definitiv verlassen und möglicherweise in Cottbus wieder aufschlagen. Auch Kapitän Oesterhelweg wird nicht in Jena bleiben. Abseits des Platzes erfreuen wir uns wieder an der Wiederkehr der Jenaer Ultraszene, die in Lichtenberg ein imposantes Comeback hinlegte und auch der Stadionbau im Paradies verläuft super. 

 

- FC Energie Cottbus -

Die Brandenburger konnten sich in der gesamten Spielzeit auf ihre eigenen Fans verlassen - knapp 4.100 Zuschauer verfolgten die Heimspiele ihrer Männer. Zum Angriff auf den ersten Platz reichte dies aber in der ganzen Saison nicht wirklich. In der Rückrunde ließen die Cottbuser vor allem gegen die direkten Konkurrenten zu viele Punkte liegen und konnten sich schon frühzeitig auf eine weitere Saison in der Regionalliga vorbereiten. Die Poweroffensive, bestehend aus Erik Engelhardt und Maximilian Pronichev, platziert sich schlussendlich auf dem ersten und dritten Platz der Scorerliste, konnten aber nicht mehr ganz an die Leistungen der Hinrunde anknöpfen. Im Großen und Ganzen spielten die Rot-Weißen trotzdem einen der attraktivsten Spielstile der Liga und verzauberten zumindest den neutralen Zuschauer des Öfteren. Mit Erik Engelhardt steht zumindest ein hochkarätiger Abgang bereits fest und auch Janik Mäder wird wohl in seine Leipziger Heimat zurückkehren. 

 

- VSG Altglienicke -

Was wäre die VSG Altglienicke nur, wenn sie gegen die Teams aus dem unteren Mittelfeld und der Abstiegszone regelmäßig ihre Normalform abgerufen hätte? Vergleichen wir die direkten Duelle der Top-Sieben, dann sind die Randberliner mit Abstand das beste Team des oberen Tabellendrittels. Den möglichen Aufstieg verspielte Altglienicke aber bereits in der Hinrunde und stellte somit auch gar keinen Antrag für die dritte Liga mehr. Zwar konnte Altglienicke die Schwäche gegen vermeintlich leichtere Teams im Jahre 2022 etwas mildern, aber dennoch stehen Niederlagen gegen Eilenburg und Chemie Leipzig zu Buche. Wiederum bügelte Altglienicke nacheinander die Teams aus Probstheida, Cottbus, Moabit und Chemnitz ziemlich eindrucksvoll aus dem Weg. Der Verein zeigt sich mit der Kaderplanung der kommenden Saison noch ziemlich bedeckt, aber es ist davon auszugehen, dass auch in der Spielzeit 2022/2023 eine schlagfertige Mannschaft auf dem Rasen stehen wird.

 

- Chemnitzer FC - 

Auch die Chemnitzer verzichteten auf die Lizenzunterlagen für die dritte Liga. Die ziemlich durchwachsene Hinrunde ließ auch nur sehr wenig Handlungsspielraum. Nach der bitteren Hinspielniederlage gegen den 1.FC Lok folgten allerdings beeindruckende fünfzehn Spiele ohne Niederlage, die hauptsächlich für die gute Platzierung am Ende der Saison verantwortlich sind. Zum Erstaunen einiger Leute wurde während der sehr guten sportlichen Phase Trainer Berlinski beurlaubt und von Christian Tiffert ersetzt. Das sportliche Highlight wird also wie so oft das Sachsenpokalfinale sein - Gegner an der Gellertstraße ist die BSG Chemie Leipzig.

 

- 1. FC Lokomotive Leipzig -

Lange war der 1. FC Lok der größte und fast einzige ernsthafte Konkurrent für den BFC Dynamo. Zahlreiche Spielausfälle und dazugehörige englische Wochen störten den Spielfluss der Leipziger ungemein und ließen den ersten deutschen Meister sogar noch auf den sechsten Platz abrutschen. Der kleine Kader konnte den Strapazen nicht mehr Stand halten und wirkte in den letzten Wochen ziemlich platt, ließ Punkte gegen Abstiegskandidaten liegen, verlor auch die 50/50 Spiele gegen Chemnitz und Chemie und steht vor einem kleineren Umbruch im Sommer. Stammspieler wie Berger, Sievers und Sirch werden den Verein verlassen und hinterlassen enorm große Lücken. Zuschauertechnisch gehört man in der Regionalliga weiterhin zu den besten Vereinen, verliert aber immer mehr den Anschluss an die Rivalen aus Leutzsch.

 

- Berliner AK -

Eine rabenschwarze Rückrunde erwischten der Berliner Athletik-Klub. Der Trainerwechsel im Winter wog offenbar doch schwerer als erwartet und hinterließ ein ziemlich großes Loch. Im Monat Februar holten die Jungs aus Moabit gerade mal einen einzigen Punkt aus vier Spielen und verloren extrem schnell den Anschluss an die Tabellenspitze. Leistungsträger wie El-Jindaoui konnten in der Rückrunde gar nicht mehr an ihre Leistungen und Statistiken aus der Hinrunde anknüpfen und auch vermeintliche Startransfers, wie Änis Ben-Hatira sorgten nicht zwingend für eine Leistungssteigerung. Immerhin beendete der BAK die Saison mit einem Knall und verabschiedete sich mit einem 7:5-Erfolg gegen Rathenow von den eigenen Fans. Die 462 Zuschauer im Poststadion zeigten allerdings auch eindrucksvoll, dass der Hype um den Berliner AK nur von kurzer Dauer war. Kamen zu Beginn der Saison noch regelmäßig über 1.500 Zuschauer, so pendelte sich die Zahl schlussendlich bei 500-800 Zuschauern ein. 

Bericht: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Fotos: Los Misenas, Marco Bertram, Benjamin Barsig

> zu Teil II des Regionalliga-Saisonrückblicks

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