Endspurt: Starker Auftritt von Preußen Münster bei Rot Weiß Oberhausen

Endspurt: Starker Auftritt von Preußen Münster bei Rot-Weiß Oberhausen

 
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KH 25 April 2022

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", lautet ein Sprichwort. Aber eine Schwalbe kann eine sportliche Vorentscheidung bringen. So wie gestern, als der Torwart von Rot-Weiß Oberhausen Justin Heekeren in der 75. Spielminute aus Sicht des Schiedsrichter Timo Gansloweit im Strafraum scheinbar Nicolai Remberg von Preußen Münster regelwidrig legte und die Adlerträger dafür einen Elfmeter abstauben konnten. Was der Unparteiische nicht sah: Der RWO-Schlussmann berührte den Ball, aber nicht den Preußen Spieler. Ok, Hand aufs Fußballerherz: Nimmt jeder mit so eine Chance auf ein schnelles Tor, die Preußen Münster aber eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, denn sportlich hatten sie Oberhausen über weite Strecken des Spiels fest in ihren Adlerklauen. 

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Die Regionalliga West steuert auf das Saisonfinale zu und es bleibt hochspannend, da vor allem Preußens ärgster Konkurrent Rot-Weiss Essen einige Matchbälle nicht gewinnbringend nach Hause schaukeln konnte. Mit vermeidbaren Punktverlusten gegen Fortuna Köln, Ahlen, Aachen und der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach bremste sich der Klub von der Hafenstraße in den letzten Wochen selber aus. Von dem idiotischen Böllerwurf und die daraus (richtige) resultierende Punkteweitergabe an Münster mal ganz zu schweigen. Aufstiegs-Konkurrent Preußen Münster raufte sich dagegen eindrucksvoll zusammen und steigerte sich (bis auf das Spiel in Lippstadt) von Match zu Match und hat manchmal halt auch das Schiedsrichterglück auf seiner Seite, beispielswiese wie beim Spiel in Wuppertal, wo lange nachgespielt wurde (96. Minute), bis der Ausgleich für den SCP 06 dann doch noch fiel.



Aber man kann das Schiedsrichterglück auch erzwingen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Im Vergleich zu den Spielen, die wir in dieser Saison von den Adlerträgern gesehen haben (in Velbert gegen Uerdingen, in Wuppertal, in Essen), zeigte der gestrige Auftritt, wie willensstarker und hochmotivierter das Team um Trainer Sascha Hildmann geworden ist. Alle bilden eine Einheit, ob Fans, Spieler oder Staff. Da wird sich gegenseitig gepusht und das nicht nur im Spiel, sondern schon beim Aufwärmen und Warmschießen. Sie haben die Reihen geschlossen, während es in anderen Klubs intern rumort.



Preußen Münster kann dazu auch knappe Siege einfahren und weiß abseits und auf dem Platz trickreich zu bestehen. Okay, Spiele abzusagen (Fortuna Köln) wegen eines gefrorenen Rasen bei 15 Grad und Sonne, obwohl man sich wahrscheinlich eigentlich nur auskurieren wollte, fanden jetzt selbst eingefleischte Preußen-Fans etwas merkwürdig. Alles unnötige Nebengeräusche, genauso wie die Zeit zu schinden nach vermeintlichen Fouls beim gestrigen Spiel, denn Preußen Münster hatte Oberhausen total im Griff. Rot-Weiß Oberhausen schenkte das Spiel natürlich nicht ab, aber hatte vor allem in der ersten Hälfte kaum was gegen die stark agierenden Münsteraner entgegenzusetzen. RWO fand eigentlich gar nicht statt. Folgerichtig fiel in der 21. Spielminute das 1:0 für die Preußen durch Jules Schwandorf. Umjubelt von gut 2.500 mitgereisten SCP Fans unter den insgesamt 5.847 Zuschauern, die in den beiden ihnen zugewiesenen Blöcken im Schatten des Rhein-Herne Kanals ordentlich Alarm machten, auch wenn der Dauersupport phasenweise mit immer dem gleichen Lied etwas eintönig rüberkam. Ach ja: Der Gästeblock blieb gestern ausnahmsweise einmal pyrofrei. Keine Fackeln und kein Rauchtöpfchen wie in den letzten Heim- und Auswärtsspielen unterstützten als Stilmittel den Support.





Frenetisch angetrieben von den eigenen Fans wollten die Preußen direkt nachlegen und spielten Oberhausen fast schwindelig. Nur Dank des glänzenden RWO-Keepers Justin Heekeren ging es mit der knappen Führung in die Pause. Aber kurz vor dem Halbzeitpfiff ein kurzer Schockmoment in der Kanalkurve und wahrscheinlich ein Jubelschrei auf den Lippen der Rot-Weiss Essen Fans vor ihren Streaminggeräten (das Spiel wurde auch mit dem hauseigenen RWE Kommentator ins Internet gestreamt): RWO konnte doch mal einen Angriff kreieren und die Preußen-Abwehr war einen Moment unachtsam, sodass der Ball Jerome Propheter vor die Füße fiel. Dieser wollte den Ball mit Wucht ins Tor zimmern, er traf aber nur die Latte.



Wer weiß wie das Spiel bei einem Stand von 1:1 weitergegangen wäre, denn nach der Pause agierte Oberhausen mutiger und offensiver, hätte sich aber fast das 0:2 gefangen, als Gerrit Wegkamp aus zehn Metern abzog, aber nur den Pfosten traf. Fast im Gegenzug dann der Ausgleich, aber Jerome Propheter hatte wieder Pech. Sein Schuss ging ebenfalls an den Pfosten. Das Spiel war nun etwas offener, aber auch von Fouls auf beiden Seiten und vielen „schauspielerisch erspielten“ Unterbrechungen auf Seiten der Adlerträger geprägt. Der Schiedsrichter hatte aber kein Interesse, diese Art des Zeitspiels zu unterbinden. So konnten die Preußen zwischen der 60. und 75. Spielminute den RWO- Spielfluss erfolgreich unterbinden und versuchten so das Match für sich über die Zeit zu retten oder halt anders.



RWO drängte auf den Ausgleich und die Schützenhilfe für den Essener Rivalen, aber Münster spielte clever mit feinen Pässen in die Tiefe. In der 70. Spielminute war es Deniz-Fabian Bindemann, der im Strafraum in einer 1:1 Situation seinen Meister im RWO-Keeper fand und dazu noch die gelbe Karte sah nachdem er ohne Rücksicht auf die Verletzung des Schlussmanns einfach durchzog. Fünf Minuten später tauchte dann Nicolai Remberg im Strafraum auf und versuchte den Keeper zu umkurven. Der Keeper berührte den Ball und Remberg nutzte die kürzeste Ausfahrt zur Spielentscheidung, da auch der Schiedsrichter Timo Gansloweit wie eingangs erwähnt nix dagegen hatte.



Schwalbe oder Elfmeter? Keine leichte Entscheidung, in Bruchteilen von Sekunden das Richtige zu tun. Da entscheiden auch Schiedsrichter auf Top-Niveau schon einmal verkehrt. Auch gibt es sowas wie den Videobeweis gar nicht in der Regionalliga. Sollte es aber auch nicht, das zerstört die Emotionalität des Fußballs und dann würde ja die ganze Aufgeregtheit verschwinden. Trotzdem sind manche, wenn auch kleine fehlerhafte Entscheidungen dann so gravierend, dass sie nicht nur einen Spielverlauf, sondern damit auch den Saisonverlauf bestimmen können. Vor zwei Wochen beim Spiel von Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen wurde der Essener Felix Herzenbruch in der dritten Spielminute im Strafraum gelegt. Ein klares Foul, was aber Herr Gansloweit nicht so sah und Herzenbruch für die angebliche Schwalbe noch mit einer gelben Karte bestrafte. Das Spiel endete für RWE mit einem Punktverlust (1:1), was aber nicht am Schiedsrichter, sondern zu 100 Prozent an Essen selber und den vielen vergebenen Chancen lag. Aber die unnötige gelbe Karte des Esseners Spielers, war die fünfte in Folge, sodass er beim RWE Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach pausieren musste. Das Ende ist bekannt: Ein nicht schön anzusehendes 1:1 und der nächste Punktverlust im Aufstiegsrennen für RWE.

Ob Essen mit dem gegebenen Elfer in Aachen gewonnen hätte oder das nachfolgende Spiel gegen BMG2 mit einem Felix Herzenbruch auch positiver hätte gestalten werden können, kann man nicht sagen. Auch kann man nicht sagen, ob der Ausgang des Spiels von Preußen Münster bei Rot-Weiß Oberhausen anders gewesen wäre, wenn Herr Gansloweit den Elfmeter nicht gepfiffen und Henok Teklab diesen nicht verwandelt hätte. „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Am Ende liegt es nicht am Unparteiischen, sondern am Team selber, wie man ein Spiel erfolgreich gestaltet und mit welchen Mitteln auch immer man einen Sieg erzwingt. Der Schiedsrichter sollte nicht als Ausrede für das eigene Unvermögen herhalten.



Preußen Münster wollte den Sieg (am Ende 0:3) gestern unbedingt und sie haben ihn sich mehr als verdient geholt. Noch sind drei Saisonspiele zu gehen. Mit zwei Punkten vor Rot-Weiss Essen haben es die Adlerträger selber in der Hand den Aufstieg in die dritte Liga nach zwei Jahren Regionalliga West festzumachen. Am kommenden Freitag gastiert der schon abgestiegene KFC Uerdingen im Preußen Stadion. Sorry, KFC: Nach dem Auftritt in der Grotenburg gegen den VfB Homberg, bei dem nur die Fans top waren, muss man mit einem großzügigen Ausbau des Torverhältnis der Adlerträger rechnen. Am 6. Mai spielen die Preußen dann in Wiedenbrück, bevor der Saison-Showdown dann im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln (ohne Profis) stattfindet.

Wer braucht schon Bundesliga? Wir bleiben dran an der Regionalliga West, die (aus Sicht des Autors) spannendste Liga in Deutschland ;-)

> zu den Rot Weiß Oberhausen Fotos

> zu den Preußen Münster Fotos

 

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