Fananwalt René Lau, der einst den BFC rausboxte, geht unter die Autoren

Fananwalt René Lau, der einst den BFC rausboxte, geht unter die Autoren

 
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MB 11 April 2022

Juni 2010. Schauplatz Jahn-Sportpark in Berlin Prenzlauer Berg. Im Berliner Landespokalfinale unterlag der Oberligist BFC Dynamo dem Berliner AK 07 knapp mit 0:1, und nach Abpfiff stürmten rund 200 BFC-Fans den Innenraum und verhinderten die Siegerehrung auf dem Rasen. Nachdem es bereits beim Ligaspiel im Frühjahr 2006 gegen den 1. FC Union Berlin im Sportforum Hohenschönhausen zu einem Platzsturm kam, wollte der Berliner Fußballverband nun klare Kante zeigen und schloss zunächst den BFC Dynamo aus dem Landespokalwettbewerb 2010/11 aus. 

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Der Verein legte gegen das Urteil des Verbands Berufung ein und nahm den Fananwalt René Lau mit ins Boot. Und das mit Erfolg! René Lau, selber seit Jahrzehnten BFC-Fan und seit 1994 anwaltlich tätig, boxte den BFC Dynamo aus der Sache raus. Der BFC Dynamo durfte doch am Berliner Landespokal teilnehmen und gewann diesen sogar am Ende gegen Stern 1900 mit 2:0 und zog somit in die erste Runde des DFB-Pokals ein, in welcher die Weinroten gegen den 1. FC Kaiserslautern antreten durften.

 

Wie lief das Ganze im Juni 2010 eigentlich im Detail ab, lautete die Frage. Lust auf einen Akteneinblick? Klar doch! Bei einer Tasse Kaffee wurde sich in den Räumlichkeiten der Rechtsanwaltskanzlei René Lau & Carsten Meyer GbR in der Schlüterstraße nahe Savignyplatz zusammengesetzt. Knackpunkt des Ganzen, schilderte René Lau beim Gespräch, war das Geschehen vor dem Endspiel. Wie üblich gab es im Vorfeld eine erste Sicherheitsbesprechung, des weiteren folgte eine weitere Sicherheitsbesprechung, an der unter anderen der Vizepräsident des BFC Dynamo und der Geschäftsführer der damals zuständigen Security-Gesellschaft teilnahmen. Der BFC Dynamo hatte angeboten, sich en punto Sicherheit mit zu beteiligen. Beim Einlass der BFC-Fans, eigene Ordner im und vor dem Block, etc. Der Berliner Fußballverband hatte dieses Angebot jedoch abgelehnt und setzte beim Pokalendspiel voll und ganz auf sein ins Spiel eingebrachte Sicherheitsunternehmen. 

 

Mitbringen konnte der BFC alleinig ein paar Ordner, die mit im BFC-Block standen. Nachdem es zum Spielende zum besagten Platzsturm kam, konnte der BFC Dynamo anhand von Videoaufnahmen einige Fans identifizieren, und es wurden einige Stadionverbote ausgesprochen. Ein Großteil der Platzstürmer war dem Verein jedoch nicht bekannt. Der Berliner Fußballverband hatte im Nachfeld als Veranstalter dieses Pokalfinales ein sportgerichtliches Verfahren eingeleitet, im Rahmen der Verfahrensordnung ist dies durchaus möglich. Das Sportgericht des Berliner Fußballverbandes hatte dann einen Termin einberaumt, und das Ganze ging recht zügig über die Bühne. Bereits bei dieser Verhandlung war der Fananwalt René Lau mit vor Ort, der BFV hatte in erster Instanz den Pokalausschluss ausgesprochen und eine Geldstrafe erteilt. Begründet wurde das Urteil damit, dass der BFC Dynamo verantwortlich für seine Fans sei und in jüngerer Vergangenheit häufig solche Dinge aufgetreten seien.

 

Der BFC Dynamo legte postwendend Berufung ein, und diese wurde von René Lau sehr ausführlich begründet. Zuständig war in nächster Instanz das Verbandsgericht. Etwas überraschend wurde recht zügig der Termin für die Verhandlung bekanntgegeben, da die kommende Saison bereits vor der Tür stand. In den Räumlichkeiten des Berliner Fußballverbandes am Eichkamp traten schließlich René Lau als Anwalt und ein paar Vertreter des BFC Dynamo als Zeugen auf. In der mündlichen Verhandlung hatte René Lau zwei Komplexe vorgetragen. Zum einen war entscheidend, dass nicht der BFC Dynamo, sondern der BFV der Veranstalter war. Somit war dieser für sämtliche Dinge verantwortlich. Hinzu kam der Punkt, dass das Spiel später angepfiffen wurde, weil draußen vor den Stadiontoren noch etliche Zuschauer Karten kauften und warten mussten. 

 

Im Vorfeld hatte der BFC Dynamo den BFV darauf hingewiesen, dass ein Vorverkauf von Nöten sei, da mit zahlreichen BFC-Fans zu rechnen sei. Der Verband hatte daraufhin mitgeteilt, dass ein Vorverkauf so kurzfristig nicht mehr umzusetzen sei. Zweiter entscheidender Punkt war, dass der Verband den Einsatz der BFC-Ordner an Einlass und Zäunen abgelehnt hatte. Weiterhin bemerkenswert: In der damaligen Rechts- und Verfahrensordnung des Berliner Fußballverbandes war ein Pokalausschluss als Bestrafung eines Vereins gar nicht vorgesehen. Punktabzüge und Geldstrafen waren durchaus vorgesehen, ein Wettbewerbsausschluss indes nicht. 

 

Das Verbandsgericht konnte den Ausführungen folgen und hob am Ende den Pokalausschluss des BFC Dynamo auf. Im Berufungsurteil wurde der BFC stattdessen zu einer Geldstrafe von 2.000 verurteilt. Zudem wurde der Verein verpflichtet, bei allen Pokalspielen der kommenden Saison eine bestimmte zusätzliche Anzahl an Ordnern zu stellen. Egal, ob auswärts oder daheim. 

Ganz klar, für René Lau war dies als Fananwalt der bislang größte berufliche Erfolg. Gern erinnert er sich an die verkniffenen Gesichter bei der Übergabe des Berliner Pokals nach dem 2:0-Sieg gegen Stern 1900 im Frühjahr 2011. 

 

Über ein Jahrzehnt später gab es statt des Stelldicheins beim Verbandsgericht eine nette Lesung in der Baiz in der Schönhauser Allee. Gemeinsam mit dem Herausgeber Frank Willmann wurde im Beisein des Verlegers Bernd Oeljeschläger die „Beim Fanwalt Fußballfibel“ den interessierten Zuhörern vorgestellt. Als Band 52 - eingebettet von Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) und Arminia Bielefeld - kam dieses Werk kürzlich aus dem Druck und mit einem ganz anderen Cover daher. Anstatt der bislang üblichen Fahne wurde dieses Mal eine schmucke Grafik von der ELS-Crew verwendet. Fester Blick, verschränkte Arme, offene Hemdknöpfe, lose umgelegter Schal und die Kompassrose auf dem Ärmel. Sport frei!

 

Im 142-seitigen Buch abgedruckt wurden sämtliche Kolumnen, die René Lau für die Zeitung Junge Welt geschrieben hatte. Ergänzt wurden diese Kolumnen mit späteren Anmerkungen, eingeflossen sind zudem die Gedanken von Lesern, die sich nach dem Erscheinen der jeweiligen Kolumne an ihn gewandt haben. Jedoch ist dieses Buch kein juristisches Fachwerk, vielmehr soll es unterhalten und informieren und vor allen Dingen viel Freude bereiten. Zu Beginn gibt es ein ausführliches Interview zu lesen, das Frank Willmann mit ihm führte. Auf diesem Wege erfahren die Leserinnen und Leser einiges aus dem Leben von René Lau und seinem Bezug zum Fußball und zu den Fans. 

 

Worum es in den Kolumnen geht? Querbeet! Um mögliche Konzepte für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik, um szenekundige Beamte, um das Tragen von „ACAB“, um die Fanhilfen, um die Geldgier der FIFA, um die Sammelwut von persönlichen Daten und auch um die 50+1-Regelung. Kurzum: Einmal die gesamte Palette - und das aus der Sicht eines Anwalts, der selber seit Kindheit an begeisterter Fußballfan ist und in früheren Tagen auch schon mal auf der Zaunkrone anzutreffen war…

Fotos: Marco Bertram

> die „Beim Fananwalt Fußballfibel“ von René Lau bei CULTURCON medien

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Guter Artikel über einen sehr guten Anwalt! Egal ob Jeton, das bekannte TeBe-Spiel, Kaiserslautern, immer war er für Fans und Verein da. Und nicht nur bei seinem Verein wird er sehr geschätzt, es geht weit über die Berliner Stadtgrenze hinaus!

O
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