BFC Dynamo vs. Carl Zeiss Jena: Graupelsturm, Gästesieg und gebrochene Fahne

BFC Dynamo vs. Carl Zeiss Jena: Graupelsturm, Gästesieg und gebrochene Fahne

 
5.0 (7)
MB 11 April 2022

Zugegeben, eine enorme Anspannung war vor dem gestrigen Spitzenspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena in der Konrad-Wolf-Straße vor den Spätis und Imbissläden nicht zu spüren. Dafür war vor der Partie der Vorsprung doch bereits zu groß. Was sollte noch groß passieren? Zumal die Loksche bei den Tasmanischen Teufeln über ein mickriges 1:1 nicht hinauskam. Und eine Niederlage würde es wohl gegen Jena nicht geben, oder? Ja, okay, ein Remis war im Sportforum gegen die recht starken Jungs aus dem Paradies denkbar. Aber gleich eine Niederlage?

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Dass der Zuschauerzuspruch etwas höher war als in den Wochen zuvor, war allerdings auf den Bürgersteigen schon erkennbar. Sämtliche G-Regeln fielen inzwischen weg, und eine Begrenzung auf 2.000 gab es auch nicht mehr. Wäre es etwas wärmer gewesen, hätten es vielleicht 3.500 bis 4.000 Zuschauer werden können. Letztendlich waren es 3.219 Fußballfreunde, die sich auf den Rängen eingefunden hatten. Und diese bekamen auf den windigen Tribünen vor allem in der ersten Halbzeit sämtliche Facetten eines typischen Aprilwetters zu spüren. 

 

Im Vorfeld stand die Zahl von 800 Gästefans im Raum, am Ende waren es wohl schätzungsweise rund 500 Carl Zeiss-Fans, die für Stimmung sorgten. Da die Horda Azzuro seit dem Auswärtsspiel bei Lichtenberg 47 auch wieder aktiv am Start ist, konnte sich das Ganze sehen und hören lassen. Zu Spielbeginn gab es eine große Blockfahne, und nach dem Wegziehen wurden zahlreiche Fahnen und Doppelhalter sichtbar. Untermalt wurde das Ganze von einer Portion blauen Rauch. Der gelbe Rauchtopf wurde indes aus irgendwelchen Gründen auf dem Klo zum Einsatz gebracht. 

 

Auf Heimseite beschränkte man sich auf weinrot-weiße Fähnchen und Luftballons und etwas Konfetti. Das Projekt Aufstieg sollte keinesfalls durch eine große angelegte Pyro-Aktion, wie sie aktuell in zahlreichen anderen deutschen Stadion zu bestaunen ist, gefährdet werden. Gezündet werden kann schließlich immer noch, falls der ersehnte Aufstieg - womöglich gegen Oldenburg - in trockene Tücher gebracht werden könnte. Bis dahin bleibt aber noch ein Stück Arbeit zu erledigen. Jena und Lok Leipzig müssen auf Abstand gehalten werden.

 

Mit Schmackes ging es gleich rein in die Partie! Bereits nach zwei Minuten hätte Christian Beck aus kurzer Distanz frei stehend den Ball unterbringen können. Allerdings war das runde Leder auch schwer unter Kontrolle zu bringen. Halb so wild! Nur zwei Minuten später war schließlich Alexander Siebeck zur Stelle und brachte den Ball zum 1:0 unter. Jubel auf den heimischen Rängen. Das war doch ein Auftakt nach Maß! 

 

Ich wechselte gerade mit dem größeren Sohnemann auf den Rängen die Seite, um ein paar Freunden hallo zu sagen, da fiel bereits der zweite Treffer des Nachmittags. In der achten Minute dribbelte sich Maximilian Oesterhelweg auf der rechten Seite munter durch und spielte schließlich zum völlig freistehenden Fabian Eisele, der wirklich gar nix mehr tun musste. Fuß hinhalten - Ausgleich für Jena. Der Gästeblock kam in Fahrt. Die Reise schien sich gelohnt zu haben.

 

In Fahrt kam auch das Aprilwetter. Hinter der Gegengerade dunkelte sich der Himmel bedrohlich ab, wenig später warf eine Windböe die Werbebanden die um. Da lag sie nun flach - die Bande der Malerfirma BärTo. Aufgestellt wurde sie nicht mehr. Zu unberechenbar erschien die fiese Witterung. Sekunden später ballerten einem die Graupelkörner in den Nacken und in den Bierbecher. Schön ist anders. Aber nun denn, das ist halt Fußball wie zu alten Zeiten. Ohne Schnittchen, Heizstrahler, Sitzkissen und sonstigem Schnickschnack. Man fühlte sich gleich erinnert an an richtig räudige Spiele, als 350 wackere BFC-Fans bei brachialem Mistwetter in der NOFV-Oberliga gegen Lichterfelde & Co. wacker ausharrten. Einst in der Saison 1995/96 verließ ich sogar einmal früher das Spiel. Und das gegen Erzgebirge Aue. Zu trostlos was das Gekicke auf dem nassen Rasen (0:0), zu derb war die eisige Brise.

 

Gestern jedoch verzogen sich rasch die grauen Wolken und die Sonne lugte wieder hervor. Und das Spiel war keinesfalls vergleichbar mit dem traurigen Gegurke vor 25 Jahren. Jena kam nach dem Ausgleichstreffer zu weiteren Möglichkeiten und hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel. Eisele versuchte es mit dem Kopf, BFC-Keeper Dmitri Stajila streckte sich und bekam die Finger an den Ball. 

 

Im zweiten Spielabschnitt versuchte sich mal gleich auf Gästeseite der schnelle Maximilian Krauß, doch sein Abschluss ging knapp über das Gehäuse. Aber dann! In der 73. Minute setzte sich Matthias Steinborn auf der rechten Seite prima durch, traf dann jedoch nur das Außennetz. Wenig später versuchte er es aus vollem Lauf mit einem Lupfer, doch rutschte der Ball wohl etwas vom Schlappen. Vor dem BFC-Gehäuse gefährlich wurde es wenig später, als Stauffer abzog und Stajila den Ball nur abklatschen konnte und Drinkuth nochmals abschloss. Jedoch ging auch dieser Schuss drüber. 

 

Zwischendurch sorgte der Schiedsrichterassistent für große Erheiterung. Seine Fahne brach, und Ersatz lag nicht bereit. Als würde es massiv auf der Blase drücken, rannte er durch den Spielertunnel hurtig in die Kabine und kehrte wenig später mit einem hölzernen Köfferchen wieder. Als dieser Koffer vor lauter Schreck noch fallen gelassen wurde, war das Gelächter gleich noch lauter. Der Schiedsrichterassistent nahm es mit einem Lächeln und stand wenig später mit seinem neuen Arbeitsgerät wieder an der Linie. 

 

Die meisten Zuschauer rechneten bereits mit dem Remis, als in der 82. Minuten Oesterhelweg einen Freistoß in der BFC-Mauer schoss. Der Ball ging an Steinborns Arme, die er reflexartig gehoben hatte, und der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Eisele trat an und verwandelte routiniert zum 2:1 für den FC Carl Zeiss Jena.

Die Betriebstemperatur auf den Rängen erhöhte sich nun schlagartig, und zwischen dem äußeren Bereich der Haupttribüne, wo die sportlichen Jungs anzutreffen sind, und dem Gästeblock kam es nun zu einem verbalen Austausch. Auf Heimseite mit am Start waren ein paar Anhänger von Pogon Szczecin, die phasenweise sogar einen eigenen dynamischen Support anstimmten. Das „Dynamo Berlin!“ brachte mal etwas Abwechslung ins Ganze.

Satte acht Minuten wurde nachgespielt, und der BFC drückte nun aufs Tempo. Logischerweise wurde noch einmal alles probiert - und fast hätten die Heimfans das 2:2 bejubeln können. Nach einer Ecke traf der zuvor eingewechselte Max Klump nur den linken Pfosten. Das hätte es sein können. Am Ende brachten die Gäste jedoch die knappe Führung über die Runden, und an an der Pufferzone zwischen Gästeblock und Haupttribüne wurde es noch einmal ein bisschen hitzig. Der Rest der Zuschauer verließ recht schnell die Ränge. Mund abputzen und in Auerbach möglichst gleich wieder einen Sieg einfahren. Nicht dass Lok Leipzig doch noch einmal rankommen würde, wenngleich die Loksche selber noch ein hartes Programm zu absolvieren hat.

 

Bericht: Marco Bertram in Zusammenarbeit mit Abteilung Utzki

Fotos: Marco Bertram

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Geiles Ding

Wie immer - erste Sahne!

H
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