Die Sechziger brachten Glück: Irrer Jubel beim 2:0 von Blau-Weiß 90 Berlin gegen Staaken

Die Sechziger brachten Glück: Irrer Jubel beim 2:0 von Blau-Weiß 90 Berlin gegen Staaken

 
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MB 13 März 2022

Welch ein wunderbarer Fußballnachmittag an der Rathausritze! Wer hätte im Vorfeld der Oberliga-Partie gedacht, dass die Sache dermaßen rund werden würde?! Da hatte ja wirklich alles gepasst! Glückliche Gesichter soweit das Auge reichte. Ein etwas überraschender 2:0-Sieg der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin gegen den Angstgegner SC Staaken, bestes Wetter, ein Jubel sondergleichen und zahlreiche neue Fußballbekanntschaften aus München, Cottbus und Wattenscheid. Ganz ehrlich, aus diesem Grund lieben wir einfach den Fußball! Und auch ganz besonders den Amateurfußball. In Zeiten der absoluten Kommerzialisierung ist es einfach dufte, wenn mal eben mit den Spielern halb auf dem Platz gejubelt wird und man locker flockig bei Wurst und Bier kreuz und quer das eine oder andere Pläuschchen halten kann.

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Zwei Fragen mussten jedoch erst einmal geklärt werden: Wann hatte die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin zuletzt gegen den SC Staaken gewinnen können? Das musste verdammt lang her gewesen sein. Man sprach von den frühen 1980ern bzw. den späten 1970ern. Genau wussten das auf Anhieb die wenigsten. Zumindest konnte sich niemand dran erinnern, jemals einen Sieg gegen den Angstgegner par excellence gesehen zu haben. Fakt ist, in der NOFV-Oberliga Nord klappte es erst im fünften Anlauf. Begegnet sind sich die beiden Vereine unter anderen von 1963 bis 1971 in der Regionalliga Berlin, zu jener Zeit konnte sich Blau-Weiß 90 meist durchsetzen. In der (ersten) Oberliga-Berlin-Saison 1974/75 sah es schon mal anders aus. Daheim wurde mit 2:3 verloren, auswärts gab es ein 1:1 zu sehen. Beide Partien gewinnen konnte Blau-Weiß 90 in der Spielzeit 1975/76, in welcher Staaken am Ende absteigen musste. Dies müssten auch die letzten Siege gegen Staaken gewesen sein. 

 

Und wann hatte Blau-Weiß 90 Berlin zuletzt gegen den TSV 1860 München gespielt? Logo, irgendwann vor dem Konkurs im Frühjahr 1992, schießt es einem durch den Kopf. Warum die Frage? Ganz einfach. Gestern hatten einige Fußballfreunde aus München beim Oberligaspitzenspiel auf dem Kunstrasenplatz an der Rathausstraße vorbeigeschaut. Am Abend zuvor hatten diese den 2:0-Auswärtssieg des TSV 1860 München beim FC Viktoria 1889 Berlin im Jahn-Sportpark gefeiert. Rund 2.500 Löwen-Fans hatten dafür gesorgt, dass der Jahn-Sportpark mal wieder mit 3.400 Zuschauern eine ansprechende Kulisse vorweisen konnte. Einige Sechziger blieben das Wochenende in Berlin und schauten bei dem einen oder anderen Amateurspiel vorbei.

 

Das Kommen nach Mariendorf wird keiner von ihnen bereut haben. Auch für drei Cottbuser und ein Freund aus Wattenscheid wurde das Ganze ein echter Volltreffer. Aber wie war das nun mit den möglichen früheren Begegnungen? Womöglich in der 2. Bundesliga irgendwann in den 1980ern? Kurz bevor Blau-Weiß 90 Berlin aufgrund einer aus heutiger Sicht läppischen Schuldensumme aus dem Vereinsregister gelöscht und anschließend als SV Blau-Weiss neu gegründet wurde, hatte im Frühjahr 1991 nach langer Durststrecke der TSV 1860 München den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft, doch spielten Blau-Weiß 90 und die Sechziger in der Zweitligasaison 1991/92 in unterschiedlichen Staffeln (Nord und Süd). 

 

Nach jener Saison musste der TSV 1860 München in der Bayernliga noch einmal Anlauf nehmen, um dann tatsächlich den Durchmarsch zu packen. Also gut, im Ligabetrieb gab es keine Begegnungen, aber nun haltet Euch fest, im Tschammerpokal 1938 (vergleichbar mit dem heutigen DFB-Pokal) trafen in der „Ausscheidungsrunde Altreich“ am 6. November 1938 die Blau-Weißen aus Berlin-Mariendorf auf den TSV 1860 München. Vor 10.000 Zuschauern brachte Junge (ja, der Spieler hieß so) in der Rathausritze Blau-Weiß 90 in der 22. Minute mit 1:0 in Führung, Engelbert Schmidhuber und Georg Burger konnten jedoch die Partie zugunsten der Münchner Löwen drehen. 

 

Somit ist auch dies geklärt. Fakt ist, dass man sich gestern prächtig verstand und wunderbar gefachsimpelt wurde. Was das gestrige Spiel betrifft, so schauten die meisten Blau-Weißen mit gemischten Gefühlen auf die kommenden 90 Minuten. Zwar entsprach das bittere 0:6 bei Hertha Zehlendorf nicht ganz der gebrachten Leistung, doch bleibt nunmal ein 0:6 ein hässliches 0:6. Dazu wurde jüngst das Heimspiel gegen den RSV Eintracht 1949 verloren. Und die Sache mit dem Angstgegner aus Staaken hatten wir ja bereits. Erwartungsfroh hatten sich die angereisten Gästefans vor dem Spiel schon mal einen Humpen Bier für schlappe 2,50 geholt und vor das Vereinsheim gesetzt. 

 

Es wurde allerdings ein Tag, der für die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 bombig laufen sollte. Bei strahlendem Sonnenschein erzielte Niklas Wiebach bereits in der neunten Minute aus über 16 Metern das 1:0 für die Mariendorfer. Die Gastgeber blieben am Drücker, kurze Zeit später hatte Guilherme Henrique Lopes de Oliveira das 2:0 auf dem Fuß. Bis zur Pause sollten jedoch keine weiteren Treffer fallen. Im zweiten Spielabschnitt wollte Blau-Weiß unbedingt den Sack zumachen und drängte auf das Staakener Gehäuse. Tobias Göth hatte die Möglichkeit, doch noch musste gezittert werden. Staaken kam auch zu Möglichkeiten, es blieb spannend bis kurz vor Schluss.

Von schräg rechts konnte schließlich Oliveira zwei Minuten vor Schluss zum 2:0 nachlegen - und im Anschluss gab es kein Halten mehr. Ab zum Jubeln zum harten Kern der Blau-Weiß-Fans, die stets nahe der Eckfahne ihr Plätzchen haben. Knuddeln, Umarmen, fliegende Bierbecher, ein kurzes Stoßgebet gen Himmel. Das hatte was und erwärmte auch die Gäste aus München. 

 

Als wenig später der Abpfiff ertönte, wurde mit der Mannschaft gefeiert wie lange nicht mehr. Blau-Weiß 90 Berlin bleibt oben mit im Geschäft und rangelt gemeinsam mit Hertha Zehlendorf, dem Rostocker FC, dem SC Staaken, dem CFC Hertha 06 - der heute gegen die Amateure des F.C. Hansa Rostock verloren hatte - und dem Greifswalder FC um den Aufstieg in die Regionalliga Nordost. 

 

Bei herrlichem Sonnenschein wurden nach Abpfiff vor dem Vereinsheim gemeinsam noch ein paar Bier getrunken, bevor es dann in kleinen Gruppen zum nächsten Späti oder in die Kneipen der großen bunten Stadt ging. In meinem Fall ging es mit dem Wattenscheider Fußballfreund nach Neukölln und Kreuzberg. Vielen Dank dafür und besten Gruß nach München, Cottbus und Wattenscheid. Nach exakt zwei Jahren Corona-Krise tut solch ein Fußballnachmittag wirklich gut.

 

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin

> ein Video auf der turus-Facebook-Seite (externer Link)

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Spielergebnis:
2:0
Zuschauerzahl:
150

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