Kloppereien, ausgezogene Buchsen und nun ein 4:3-Sieg: Für Hansa war Schalke immer eine Reise wert

Kloppereien, ausgezogene Buchsen und nun ein 4:3-Sieg: Für Hansa war Schalke immer eine Reise wert

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MB 07 März 2022

Verdammte Axt! Wäre doch nicht diese 2G-Regelung gewesen. Es hätten noch weitaus mehr Hansa-Fans vor Ort in der Veltins-Arena gewesen sein können, die den sensationellen 4:3-Auswärtssieg beim FC Schalke 04 frenetisch feierten. Die Aussagen der Rostocker, die vor Ort in Gelsenkirchen waren, glichen einander. Waren die ersten Torjubel schon episch, so war die Jubelorgie in der Nachspielzeit einfach nur krank. Im positiven Sinne, versteht sich. Die in den sozialen Netzwerken kursierenden Videos sprechen Bände. Fliegende Bierbecher, aufgerissene Augen. Die Arme gen Himmel. Was für eine Befreiung! Ging der F.C. Hansa Rostock beim Hinspiel nach toller erbrachter Leistung leider Gottes mit leeren Händen aus, schaute es am vergangenen Samstag ganz anders aus.

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Dreimal konnte Hansa Rostock in der Veltins-Arena in Führung gehen, dreimal konnte Simon Terodde mit dem Kopf für Schalke 04 ausgleichen. Das Spiel war dermaßen aufregend, sodass sogar kurzzeitig der Live-Ticker der Hansa App durchdrehte. Was für ein Nervenkitzel vor Ort und in der Ferne. Nachdem John Verhoek - zuvor hatte Svante Ingelsson das 1:0 für Rostock klargemacht - in der 40. Minute den zweiten Rostocker Treffer des Tages erzielt hatte, zeigte die Hansa App ein schmuckes 2:0 für Rostock an. Ah nee, doch nicht. „Nur“ das 2:1. In der 56. Minute machte Pascal Breier das 3:2 für den FCH, in der 83. Minute köpfte Terodde das 3:3 für den S04. Verflixt und zugenäht. Wenigstens ein Pünktchen musste mitgenommen werden!

 

In der Ferne rechneten einige bereits mit dem endgültigen 3:3, da schloss Nils Gustav Georg Fröling in der 90.+5. Spielminute nach sensationeller Vorarbeit zum 4:3 für Hansa ab. Irre, einfach nur irre! Hansa Rostock verließ den Relegationsplatz und hat es nun in der Hand am kommenden Freitag im heimischen Ostseestadion gegen Holstein Kiel nachzulegen und sich weiter Luft nach unten zu verschaffen. Zur Feier des Tages werfen wir einen Blick zurück. Das Parkstadion bzw. die Arena auf Schalke waren schon immer eine Reise wert. Zwar stimmte nicht immer das Ergebnis, doch war für den passenden Unterhaltungsfaktor stets gesorgt. Folgend zwei Berichte, die im 512-seitigen Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ abgedruckt sind. Zum einen ein Bericht von Heiko Neubert (Fankogge) von der ersten Sause im Oktober 1991, zum anderen ein Bericht von Klischi vom 2:0-Auswärtssieg auf Schalke im August 2004, als die Hosen ausgezogen und kurzerhand auf die Plexiglaswand gelegt wurden. Anmerkung: Die Fotos vom alten Parkstadion stammen aus der Saison 1999/2000. Viel Spaß dabei!

 

Blutiges Wochenende auf Schalke

(von Heiko Neubert & Fanszähne live)

12. Oktober 1991

1. Bundesliga

Parkstadion Gelsenkirchen

Zuschauer: 52.100

Endstand: 5:0 

Die Vorfreude auf Schalke war groß, denn es erwartete uns - laut Medien - das beste Publikum der Bundesliga. Um 4 Uhr fuhren drei Fanbusse nach Gelsenkirchen. Schon zwei Stunden vor Spielbeginn betraten wir das Stadion. Ein super Souvenirangebot erwartete uns, und auch das Stadion war beeindruckend. Im Gästeblock fanden sich rund 300 Hansafans ein. Im Nachbarblock versammelten sich dann einige Schalker Hools, welche mit Unterstützung von Türken immerzu mit „Asylanten!“ und „Baut die Mauer wieder auf!“ provozierten. Doch wir hielten mit „40 Jahre DDR“ und „DDR unser Vaterland“-Rufen gut dagegen.

 

Dann begann das Spiel. Hansa hatte erste kleine Chancen, und Schalke machte das Tor. Im unmittelbaren Anschluss daran passierte das Unglaubliche, denn Ordner von Schalke entfernten drei Hansatransparente vom Gästezaun und schmissen sie in den Schalker Block. Hier wurden sie zerrissen und verbrannt, ohne dass die Polizei eingriff. Auch die schuldigen Ordner wurden nicht zur Verantwortung gezogen.

In unserem Gästeblock wurde es unruhig, und nach weiteren Gegentoren marschierte die Polizei in unseren Block und nahm einen Hansafan fest. Gegenproteste wurden mit Gummiknüppeln und Tränengas unterdrückt. Auch nach der 0:5-Niederlage kam es zu weiteren Übergriffen von Polizei und Schalker Hools. 

Einiges zu lesen gab es von jener Partie auch in der Nullnummer des Heftes „15:30 Uhr - jetzt geht´s los!“, das wenig später wieder eingestellt wurde. Dirk aus Rostock vom „Fanszähne live“ schilderte den abenteuerlichen Nachmittag auf Schalke. Die Polizei, die im Programmheft den Aufruf „Gelsenkirchen gewaltfrei“ abdruckte, ließ am Ende ihre Parole selbst ad absurdum führen. Überrascht zeigte man sich, dass es am Zugang des Parkstadions keine Leibesvisitationen oder sonstige Kontrollen gab. Wie bereits im Vorfeld befreundete Hamburger vorausgesagt hatten, stellten sich bereits eine Stunde vor Anpfiff rund 200 Schalker Hools neben dem Gästeblock in der Südkurve. Unter ihnen etliche Türken, die mit Rufen „Wir sind Deutsche und ihr nicht!“ auf sich aufmerksam machten. 

Als sich einige Schalker in den Gästebereich einschleichen konnten, setzten sich die Hansafans - Rostocker Hools waren an jenem Tag nur wenige vor Ort - zur Wehr, woraufhin die Polizei mit Reizgas und Knüppel den Block stürmte. Verletzt wurden einige Unschuldige, unter ihnen ein Mitglied des Rostocker Fanprojektes. Als ein Polizeibeamter um Hilfe für einen arg lädierten Hansafan gebeten wurde, gab es nur die dreiste Antwort: „Leck mich am Arsch!“ 

Dirks Fazit: Man nannte uns „Ossi-Schweine“ - und so wurden wir auch behandelt. Reine Provokation durch die Polizei und die Schalker „Huuls“!

 

Rollt er nach links… Auswärtssieg auf Schalke!

(von Klischi)

28. August 2004

FC Schalke 04 vs. F.C. Hansa Rostock 

1. Bundesliga

Arena Auf Schalke

Zuschauer: 60.790

Endstand: 0:2 (Tore: Antonio di Salvo 2x)

Da mein Chef sehr spendabel ist und mir ein freies Wochenende aufdrückte, entschloss ich mich dieses auszunutzen, um Hansa live auf Schalke zu sehen. Die Transportmöglichkeiten wurden im Vorfeld schnell geklärt, und so bestiegen in Bremen elf Hansafans (drei Sturmvögel aus Hamburg, fünf Weserhaie und vier Sympathisanten der Weserhaie) die Abteile der Deutschen Reichsbahn. „Uns Thorsten“ erzählte was von 4 gewinnt (Anspielung auf die Niederlage gegen Bremen) und so ganz nebenbei, dass er Opa wird.


Pünktlich halb zehn Uhr morgens in Deutschland nahmen dann die meisten ihr zweites Frühstück in Form von Hopfenkaltschalen ein. Die flüssigen Brötchen ließen unsere Kreativität schnell ansteigen, so dass ein Lied von Jürgen von der Lippe umgedichtet wurde. Rollt er nach links, ist alles in Ordnung, rollt er nach rechts, ist auch nicht schlimm, nur wenn der Ball zu Rade läuft, dann ist der Wurm drin!


Auch waren Sätze von Louis de Funes am heutigen Tag schwer angesagt. NEIN! DOCH OOOOHHHHH! Schwachsinn ist Trumpf! Unter diesem Motto erreichten wir dann sehr schnell Gelsenkirchen. Auf dem Hauptbahnhof wurden wir gleich von der dortigen Transportpolizei gebeten die U-Bahn zum Stadion zu nehmen. Da die meisten jedoch feste Nahrung zu sich nehmen wollten, wurde eine Broiler-Bar geentert. Die Trapo wirkte nun etwas hektisch und drohte uns Verhaftungen an, falls wir nicht schnellst möglichst verschwinden würden. Nachdem in Ruhe aufgegessen wurde, begab man sich mit besagter U-Bahn in Richtung Stadion. Unsere Reisegruppe machte noch einen Rundgang um die Aral-Tankstelle auf Schalke, bevor das Stadion betreten wurde.


Im Gästekäfig waren zum Anpfiff 2.000 Hanseaten versammelt. Im Stadion selber herrschte ein suptropisches Klima. Und zack, schon flogen die ersten Jeans und Jogger im hohen Bogen an die Plexiglasscheibe. 1, 2, 3, Oberhosenfrei!  Schon geil zu sehen, wie plötzlich zirka 20 bis 30 Leute nur noch in Unterbüxen da standen. Einfach herrlich!

Die Anfangsphase des Spieles gehörte den Schalkern. Ein wichtiger Rückhalt war zu diesem Zeitpunkt der Ex-Schalker Matthias Schober, der gegen Bordon und Altintop zwei gefährliche Freistöße glänzend parierte. Bei Schalke machte sich Mitte der ersten Halbzeit Ratlosigkeit breit, und der FCH kam immer besser ins Spiel. So hätte Uwe Möhrle fast die Rostocker in Führung gebracht, aber ein Frank Rost hatte was dagegen und hielt den technisch perfekten Schuss. Aber kurz danach klingelte es im Kasten der Schalker! Ein genauer Pass von Marcus Latz auf Antonio di Salvo, der verfolgt den Ball energisch, dringt in den Strafraum ein, wartet auf die Reaktion von Rost und vollstreckt im richtigem Augenblick zum 1:0. Der Block der Weiß-Blauen war völlig aus dem Häuschen. Die Stimmung war von nun an einfach fantastisch.


Eine Minute vor Abpfiff watschte der Stürmer-Star Ailton nach einem verloren Zweikampf Möhrle und Persson ab und sah logischerweise die rote Karte. Ailton wohoho, Ailton wohohoho? So kann man auch seinen Abgang von Schalke provozieren. Nach dem Seitenwechsel gingen die Königsblauen trotz Unterzahl volles Risiko aufs Rostocker Tor zu. Wieder einmal fanden sie in Schober einen Weltklasse-Torhüter, der haufenweise die guten Einschussmöglichkeiten der Schalker zunichte machte.


In der 77. Minute war dann abermals unser Antonio zur Stelle. Nach einem präzisen Pass von Rydle bugsierte er den Ball in Max-Manier über die Linie. Alles war nun außer Rand und Band im Gästeblock. Thomas Rasmussen hatte kurz vor Schluss sogar das dritte Tor auf den Füßen, scheiterte jedoch am Pfosten. Der Nachschuss ging denkbar knapp ans Außennetz. Schiri Meyer, der eine gute Leistung zeigte, pfiff kurz danach ab und der erste Sieg in dieser Saison war perfekt. Fans und Spieler feierten zusammen diese wichtigen drei Punkte.


Nach dem Spiel wurden für die Rostocker Fans vier Schlenki-Busse zur Verfügung gestellt. Diese brachten den Auswärtsmob - begleitet von Einsatzwagen mit Blaulicht - zum Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Dort kehrten wir mal wieder in die Broiler-Bar ein, um für flüssigen und festen Nachschub zu sorgen. Die Rückfahrt verlief wieder getreu dem Motto „Schwachsinn ist Trumpf“. Bei einigen Leuten schlauchte der Tag ziemlich. So bekamen gewisse Herren starke Niesattacken und legten sich schlafen (Namen nenne ich mal keine, da jeder weiß, wer gemeint ist).


Gestört wurde die Nachtruhe urplötzlich durch vier, fünf junge Mädels aus der Sowjetunion, die ihren Junggesellinnen-Abschied im Zug feierten. Der schlaftrunkene Herr wusste gar nicht, ob Tag oder Nacht ist und schon gar nicht wie ihm geschah. Nachdem die üblichen Sachen wie Fetzer, Joker und Märchenlandriegel an den Mann bzw. Frau gebracht waren, verließen diese Hüpfdohlen unter lautem Geschrei und Getöse unser Abteil und man hatte seine Ruhe. Alsbald rollte der Zug in Bremen ein und der einfach nur geile Tag neigte sich dem Ende zu. Sport frei! 

Fotos: Heiko Neubert, Keili, Klisch, Heiko Baumann, Tobi

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

> das Buch „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ auf www.marco-bertram.de

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Jetzt ein Heimsieg und wirklich mal Kapital draus schlagen.

K
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Impfen statt motzen

IS
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