(Persönlicher) Jahresrückblick: Aufstiegsekstase, auswärts an Krücken, ein ständiges Auf und Ab

(Persönlicher) Jahresrückblick: Aufstiegsekstase, auswärts an Krücken, ein ständiges Auf und Ab

 
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MB 29 Dezember 2021

Das eher durchwachsene Jahr 2021 möchte sich versöhnlich verabschieden. Wurde vor Weihnachten eine Tagestour mit dem größeren Sohnemann an die Ostsee bereits ein voller Erfolg, so war die gestrige Sause nach Rostock das viel zitierte Gelbe vom Ei. Der F.C. Hansa Rostock wurde 56 Jahre alt - und rund 600 Hansa-Fans wussten diesen Geburtstag angemessen zu feiern. Mit großem Getöse - innerlich wurden Erinnerungen an Leipzig 2013 geweckt - ging es vom Doberaner Platz quer durch die Innenstadt zum Neuen Markt, wo am einstigen Kultursaal der Alten Post eine Gedenktafel enthüllt und anschließend ein starkes Feuerwerk gezündet wurde. Das gesungene „Hansa forever“ beim großen Familienfoto ließ Gänsehaut aufkommen, und beim Gedanken an die megageile Aufstiegsparty im vergangenen Mai fragte die innere Stimme: „Ach komm, so scheiße war das zurückliegende Jahr nun doch nicht, oder?“ Sagen wir es mal so: Die Ausschläge nach oben und unten waren mächtig. Also lassen wir das Ganze mal Revue passieren.

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Das Jahr begann mitten im Lockdown. Schotten zu in den Hallen und auf den Plätzen. Keine Sixdays Bremen, keine Hallenturniere, keine zugelassenen Zuschauer beim Fußball an frischer Luft.  So blieben mir nur etliche Rückblicke, die ein wenig das klaffende Loch in unserer Fußballrubrik füllten. Am 21. Februar ging es schließlich endlich einmal wieder zu einem Fußballspiel. Kurz vor dem Spiel Hansa Rostock vs. Waldhof Mannheim hieß es bei Frank Schollenberger „Ester Maximale“, mit explodierten Geschmacksknospen ging es schließlich ins Ostseestadion, wo Hansa die Buben mit 1:0 bezwingen konnte. Die verwaisten Ränge waren allerdings beängstigend, und es fühlte sich überhaupt nicht gut an, so mutterseelenallein auf der Pressetribüne zu sitzen (bei aller Freude, überhaupt dabei zu sein). Gut fühlte sich indes wenig später das Bierchen am erstaunlich sonnigen Strand von Warnemünde an. Ebenso wunderbar fühlte es sich im Februar an, dem Verein mit der Kogge das Ja-Wort gegeben zu haben. 

 

Während ich im März weitere Rückblicke verfasste - Köln Müngersdorf zu Beginn der 90er ließ grüßen -, nahm mein Essener Kollege fast jedes Geisterspiel von RWE mit. Rot-Weiss Essen war auf Kurs, und wir planten bereits eine gemeinsame fette Party, wenn Rostock und Essen aufsteigen würden. Selten hatte ich so viele Fußballspiele vor dem Fernseher bzw. Laptop verfolgt wie im vergangenen Frühjahr. Ich haute mir Obstler rein und zitterte Spiel für Spiel mit dem F.C. Hansa. Gefühlt gab es kein Spiel, das relativ entspannt über die Bühne ging. Allein auswärts bei Türkgücü München konnte man nach einer Stunde sagen: Das werden die jetzt locker nach Hause schaukeln. Bei sämtlichen anderen Spielen durfte fröhlich bis hinein in die Nachspielzeit an den Fingernägeln geknabbert werden.

 

Etwas Abwechslung ins Spiel brachte Mitte April 2021 ein Spaziergang durch Eisenhüttenstadt. Es war erstaunlich wie viele blau-weiß-rote Graffiti und Aufkleber gesichtet werden konnten. Alter Schwede! Wenige Tage später schlug ich in einem Bericht vor, der FC Viktoria 1889 Berlin könnte doch im Zuge der Suche nach einer passenden Spielstätte einfach nach Frankfurt (Oder) umziehen. Das würde quasi ein stückweit an alte Traditionen anknüpfen, und an der Oder würde man sich sicherlich über Drittligafußball freuen. Viktoria erhörte mich allerdings nicht, vielmehr war plötzlich das Berliner Olympiastadion im Gespräch. Letztendlich wurde es zur Überraschung aller der Jahn-Sportpark. Welch eine Farce! Vehement wurde betont, dass die Betriebserlaubnis nicht noch einmal verlängert werden könnte. Der BFC Dynamo plante deshalb mit dem Sportforum Hohenschönhausen, die VSG Altglienicke musste sich schon mal mit dem Amateurstadion von Hertha BSC anfreunden. Eine ganz bittere Angelegenheit für die Volkssportgemeinschaft.

 

Anfang Mai griff ich schließlich das erste Mal richtig ins Klo. Am Abend des 7. Mai fuhr ich abends zur Mercedes-Benz Arena, wo die finale Partie des EHC Eisbären Berlin gegen die Grizzlys Wolfsburg ausgetragen wurde. Die Eisbären waren auf dem besten Weg zum Meistertitel, und ich hatte gehofft, dass nach der Partie die Mannschaft auf den Balkon gehen und den großen Henkelpott präsentieren würde. Den Pott bekam ich dann an jenem Abend tatsächlich zu sehen, als ein Spieler nach dem Sieg vor die Tür kam und den wenigen anwesenden EHC-Fans stolz die Trophäe zeigte, doch war nicht mit der Polizei zu spaßen, die gleich zweimal meine Daten aufnahm und Anzeige erstattete. Der Presseausweis hatte in diesem Fall nix genutzt, aufgrund des Verstoßes gegen die Ausgangssperre waren rund 300 Euro Strafe beim Ordnungsamt fällig.

 

Der Herr nimmt, der Herr gibt - und am 22. Mai wurde gleich eine ganze Wanne voll Adrenalin ausgekübelt. Zittern und Beten bis zur letzten Sekunde. Ein 1:1 gegen den bereits abgestiegenen VfB Lübeck genügte, um den lang ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga in trockene Tücher zu bringen. Der F.C. Hansa Rostock hatte es gepackt - und nach Abpfiff brachen sämtliche Dämme. Die Südtribüne wurde mit einem Schlag noch viel voller, und es war auch für mich schwer, all die Gefühle zu ordnen. Ein wenig sprachlos vor Freude stand ich auf der Pressetribüne und starrte auf das muntere Treiben auf dem Rasen und den Rängen. Nach den Monaten der Geisterspiele war diese Partie ein echter Befreiungsschlag im doppelten Sinne. Endlich wieder Fußball vor einer ansprechenden Kulisse - endlich war der F.C. Hansa zurück in Liga zwei! Lang wurde der Abend. Vor der Vereinsgaststätte Rote Erde floss es ordentlich - später im Zug wurden zahlreiche Freunde mit euphorischen Sprachnachrichten beglückt. 

 

Gänzlich ohne Zuschauer musste man indes beim Berliner Landespokalfinale am 29. Mai auskommen. Im Mommsenstadion schlug der BFC Dynamo den Berliner AK 07 mit 2:1, und draußen vor den Toren feierte eine kleine Scharr Fans, denen nach Spielschluss von den Spielern am Zaun der Pokal präsentiert wurde. Dass an frischer Luft nicht einmal 500 Zuschauer zugelassen werden konnten, war mehr als traurig.

Skurril war zudem, dass man als Fotograf permanent seine FFP2-Maske tragen musste, auch wenn man weit und breit die einzige Person hinter der Bande war. Aber gut, wat willste machen? Beim BFC Dynamo hoffte man auf ein gutes Los im DFB-Pokal und auf wenigstens 2.000 zugelassene Zuschauer im Sportforum.

 

Anfang Juni ging es schließlich rüber ins Ruhrgebiet, wo nach Möglichkeit mit RWE der Aufstieg in die 3. Liga gefeiert werden sollte. Das Blöde nur: Obwohl Rot-Weiss Essen eine sensationelle Saison gespielt hatte und insgesamt 90 Punkte holen konnte, war man am letzten Spieltag auf Schützenhilfe angewiesen. Und das ausgerechnet vom Erzrivalen Wuppertaler SV, der zeitgleich gegen die „Amateure“ von Borussia Dortmund punkten musste. Die Fahrt nach NRW hatte sich so oder so gelohnt, denn an der Hafenstraße verabschiedeten rund 2.000 RWE-Fans die Mannschaft vor dem Auswärtsspiel beim FC Wegberg Beek - und das mit viel Gesang und Pyrotechnik. Mein größerer Sohnemann verschwand kurz im roten Rauch, und an diesem Tag war der Mund-Nasen-Schutz an frischer Luft mal wirklich nützlich. Gemeinsam mit rund 250 angereisten RWE-Fans standen wir vor dem Stadion und fieberten mit. Vor der Pause war Essen zwischenzeitlich sogar kurz aufgestiegen, doch wenig später machte Dortmund II in der Ferne alles klar. Mund abwischen und auf die kommenden - sprich jetzige - Saison hoffen. Essen gehört einfach in den Profifußball! 

 

Eine Aufstiegsfeier ging aber noch! KS Karkonosze Jelenia Góra spielte in Hin- und Rückspiel gegen Lechia Dzierżoniów um den Aufstieg in die III Liga (vierthöchste Spielklasse). Gemeinsam mit ein paar Cottbusern fuhr ich zunächst auswärts nach Dzierżoniów, wo ich mich direkt neben den Gästekäfig stellte. Meine beiden halb-polnischen Kinder haben mütterlicherseits ihre Wurzeln in Jelenia Góra, und somit drücke ich seit Jahren auch den Jungs mit dem Hirsch auf der Brust die Daumen. 135 Karkonosze-Fans samt ihrer Freunde boten im Gästekäfig einen soliden Support inklusive Pyro-Einlage und feierten das 2:2 vor insgesamt 600 Zuschauern. 

 

Zum Rückspiel reiste ich allein mit dem Zug an und nahm mir ein Zimmer im Sporthotel. Mittags wanderte ich etwas wehmütig auf die Burg Chojnik, am Abend bekam ich im Städtischen Stadion das Nervenflattern. Normal ging auch hier nicht. Was für ein emotionales Auf und Ab vor rund 1.000 Zuschauern (keine erkennbaren Gästefans). Per Elfer brachte Paweł Niemienionek die Jungs aus Hirschberg mit 2:1 in Führung, und mir wurden die Augen feucht vor Freude. Die rund 50 aktiven Fans ließen es gut krachen, und ich drückte den mitgebrachten hellblau-weißen Balkenschal. Und dann! Nach einer Ecke machte Bartosz Rzepski aus der Kalten das 2:2 für die Gäste klar. Meine Nerven! Verlängerung? Pustekuchen! Es ging direkt ins Elfmeterschießen. Hoffen, Beten, feuchte Stirn. Am Ende konnte Karkonosze die Nerven bewahren und den Aufstieg perfekt machen. Ich dachte an meine beiden Kinder, welche wenige Kilometer entfernt in Cieplice ihre Ferien verbrachten, und ließ den Abend in der Altstadt bei zwei, drei Bier gemütlich ausklingen.

 

Aufgestiegen war auch die SG Dynamo Schwerin, und so ließ ich es mir nicht nehmen, zum Testspiel gegen den 1. FC Phönix Lübeck II hochzufahren. 400 Fans feierten den Aufstieg nach - und das 3:5 auf dem Rasen wurde zur Nebensache. Es floss gut in Strömen - und wieder einmal konnte nur betont werden: Paulshöhe erhalten! Und um zurück auf Polen zu kommen: Aller guten Dinge sind drei, heißt es doch immer. Zum dritten Mal im vergangenen Sommer reiste ich ins östliche Nachbarland, dieses Mal ging es gemeinsam mit der Mannschaft des FC Polonia Berlin zum Polonia-Turnier nach Leszno.

Die ersten beiden Tage waren wunderbar, am Abend des dritten Tages folgte jedoch das große Unglück. Auf dem Weg zum Hotel brach ich mir bei einem sehr unglücklichen Zwischenfall das linke Wadenbein und zerrte mir im Fuß sämtliche Bänder. Anfangs dachte ich noch, etwas Kühlung über Nacht würde das Schlimmste beheben, doch war am kommenden Morgen klar, dass ich in ein Krankenhaus müsste. Ich ließ mich von zwei guten Freunden (Tausend Dank an Salto und den Dynamo-Bär! Was hätte ich ohne Euch nur gemacht?) aus Berlin abholen und ins Unfallkrankenhaus Marzahn fahren. Nach mehreren Untersuchungen verließ ich gegen drei Uhr nachts ich mit einem Gipsbein an Krücken das Krankenhaus und ließ mich von einem Taxi nach Hause bringen.

Es war das erste Mal, dass ich mir etwas gebrochen hatte, und schnell durfte ich feststellen, wie hinderlich solch ein Gipsbein ist. Es ist nicht einmal ohne weiteres möglich, in der Wohnung einen Gegenstand von A nach B zu bringen. Ich haderte mit mir selbst, lag auf der Couch, schwitzte vor mich hin und musste mir abends selber eine Spritze gegen Thrombose in eine Bauchfalte jagen. Glück im Unglück: Da das Sprunggelenk heil bleib, durfte nach einem weiteren Check beim Chirurgen der Gips abgenommen werden. Stattdessen durfte ich in einen Spezialstiefel steigen, der einem weitaus mehr Freiraum gewährte. Vielleicht würde es ja doch was werden mit dem Hansa-Spiel in Hannover!

Am 29. Juli testete ich beim Landespokalspiel SV Bau-Union Berlin vs. Cimbria Trabzonspor gleich bei mir um die Ecke zaghaft an. Man stellte mir einen Stuhl an die Eckfahne, im Sitzen fertigte ich die Fotos an und verfolgte gewissenhaft das Spiel. Ganz schlüssig war ich mir nicht, was einen Stadionbesuch betraf, doch holte ich mir einen Corona-Test und fuhr mit einem Freund im Auto nach Hannover. Wenigstens etwas drumherum schnuppern und mit meinem Großcousin ein kühles Blondes zischen gehen. Kaum stieg ich vor Ort aus dem Auto und humpelte mit den Krücken den Bürgersteig entlang, hielt ich bereits ein Ticket in der Hand. Berliner Hansa-Fans munterten mich auf. Los jetzt hier! Rein ins Stadion! Ich hatte mächtig Schiss vor der großen Treppe, doch am Ende nahm ich das Angebot an und fand mich in der Gästekurve wieder. Mein lieber Herr Gesangsverein! Was hätte ich verpasst! Mit 3:0 fegten die Rostocker die 96er vom Platz, nach dem Spiel schmeckte das Bierchen umso besser. Ich war zurück im Leben - ich war glücklich!

 

Ebenso an Krücken ging es zum DFB-Pokalspiel BFC Dynamo vs. VfB Stuttgart - immer wieder haben Ost-Vereine (BFC, Cottbus und Hansa) mit den Schwaben zu tun -, doch wurde diese Partie vor 2.631 Zuschauern keine berauschende Sache. Trocken mit 6:0 zog der VfB problemlos in die nächste Runde ein. Ganz anders ging es am nächsten Tag beim Pokalspiel Rostock vs. Heidenheim zu. Ich verfolgte die Partie in einer Kneipe des Vertrauens und musste in der 119. Minute beim Jubel aufpassen, mir nicht noch einmal die Beine zu brechen. Was für ein Torjubel im fernen Ostseestadion - was für ein Ausbruch der Gefühle in der Kneipe. Irre! Mega!

Nun denn, auch an Krücken musste das Leben schließlich weiter gehen. Darauf noch ein Eierlikörchen! Mit Stefan, der mich einen Monat zuvor aus der misslichen Lage im polnischen Leszno befreit hatte, ging es im Auto nach Meuselwitz, um das Ligaspiel gegen den BFC Dynamo zu begutachten. Wenig später fuhr ich mit den Jungs von Blau-Weiß 90 Berlin im Zug nach Schwerin, um dort einen Berliner 4:3-Sieg zu sehen. 

 

Wieder ins Krankenhaus ging es am 21. August in Brandenburg an der Havel. Noch eben bestaunten meine beiden Söhne und ich die coole Choreo der Stahl-Fans zum nachgeholten 70. Geburtstag, und schon gab es Alarm in der Kurve. Mein Größerer drehte flitzend eine Runde, stolperte auf den Stufen und machte sich lang. Sanitäter eilten herbei - Verdacht auf Armbruch - der Krankenwagen wurde gerufen. Zu dritt ging es zur Notaufnahme, wenig später wurde Dominiks Arm geröntgt. Felix fand das Ganze fürchterlich spannend, ich indes fühlte mich ein wenig wie im falschen Film. Allerdings stellte sich heraus, dass es nur eine Prellung war. Mit einem engen Verband durfte der Große mit uns wieder das Krankenhaus verlassen, in der Altstadt wurde am Wasser bei Bockwurst und Limo erst einmal der Schreck verdaut.

 

Ende August ging es mit dem Auto nach Bremen, wo ein arg enttäuschendes 0:3 verdaut werden musste. Zwei Wochen später ging es mit beiden Kindern zum Ligaspiel BFC Dynamo vs. BSG Chemie Leipzig. Nach Abpfiff kochten die Emotionen hoch, die Polizei rannte über den Platz, im Gästeblock wurde reichlich Pfefferspray verteilt - als Überschrift hatte ich sofort das „Alte Liebe rostet nicht“ parat. Spiele gegen Chemie sind wahrlich nicht 0815. Da geht immer was! Für mich eine echte Hass-Liebe. Schönen Gruß nach Leutzsch! 

Am Freitag, den 18. September ging es mit dem Mietwagen nach Nürnberg. Für mich war jenes Auswärtsspiel des F.C. Hansa im Frankenstadion etwas ganz Besonderes. Knapp drei Jahrzehnte zuvor hatte ich dort das Auswärtsspiel des TSV Bayer 04 Leverkusen vor ausverkauften Rängen gesehen. Es war ebenfalls ein Freitagabend, und in der Nordkurve wurden auf dem Zaun zahlreiche Bengalen angerissen. Beim 1:0 des Glubb nach einer Stunde dachte ich damals, das Stadion würde gleich zusammenbrechen. Was für eine Wucht! Dieses Mal war indes der Gästeblock ein Wucht. Rund 2.000 Hansa-Fans hatten sich eingefunden, legten einen geilen Support hin und fieberten der Führung entgegen. Es war jedoch wie geiler Sex ohne Absch(l)uss. Rostock präsentierte eine 1a Leistung, konnte jedoch den Ball nicht unterbringen. Am Ende ging es mit einer sehr enttäuschenden 0:1-Niederlage heim.

 

Die Krücken konnte ich inzwischen ablegen, spontan ging es Ende September rüber zum Duell Celuloza Kostrzyn nad Odrą vs. Stilon Gorzów. Mitnehmen, was mitzunehmen war. Man wusste schließlich nicht, was Corona im kommenden Herbst und Winter wieder so alles mit sich führen würde. In der Folge beließ ich es allerdings mehr oder weniger bei Fußballspielen in Berlin und machte stattdessen mit den Kids den einen oder anderen Ausflug ins Grüne. Zudem ging es das eine oder andere Mal rüber nach Frankfurt (Oder), da im vergangenen Herbst ein Buch in Romanform über den ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) fertiggestellt wurde. 

 

Eine etwas größere Sause ließ ich mir jedoch nicht nehmen. Zwar verzichtete der F.C. Hansa Rostock aufgrund der 2G-Regel auf Gästekarten, doch wollte ich trotzdem unbedingt vor Ort in Hamburg sein, wenn Hansa beim FC St. Pauli antritt. In aller Frühe ging es mit dem Zug nach Hamburg, und immerhin meinte es der Wettergott gut mit uns. Sportlich betrachtet wurde das Ganze ein Desaster, und es tat verdammt weh, von draußen das Jubelgeschrei der Heimfans zu hören. Kurz nach Anpfiff gelangten rund 250 Hansa-Fans in den Kiez und wurden dort von der Polizei gekesselt. An der Ecke Detlev-Bremer-Straße / Clemens-Schultz-Straße konnte ich mit einem Auge das Spiel auf einem Fernseher in der dortigen Kneipe verfolgen, mit dem anderen Auge beobachtete ich das weitere Vorgehen der Polizei. Geschlossen wurden die Hansa-Fans zurück zum Bahnhof Reeperbahn gebracht. Immerhin gab es an diesem Tag doch noch einen blau-weiß-roten Gesang in Hamburg zu hören. Die erschrockenen Gesichter der Passanten waren göttlich!

 

Sehr unterhaltsam waren die beiden Abende, als Feyenoord Rotterdam zu Gast in Berlin war. Am Abend vor dem Spieltag hatte ich ein gutes Näschen und begutachtete in der Oranienburger Straße die feiernden Feyenoord-Fans. Am Tag darauf sorgte jedoch permanenter Regen dafür, dass es am Treffpunkt am Hackeschen Markt und auch später im Olympiastadion nicht noch hitziger wurde. 

Damit der größere Sohnemann in diesem Jahr auch noch mal seinen Spaß hatte, ging es am 7. November zum Oberligaspiel Eintracht Mahlsdorf vs. Hansa Rostock II. Rund 120 Hansa-Fans unterstützten auf dem Sportplatz Rosenhag die Amateure, und eine kleine Pyro-Einlage in der 65. Minute sorgte für leuchtende Augen beim Nachwuchs. Dazu noch ein solides 2:2 und ein Gruppenfoto mit der Mannschaft - der Nachmittag wurde eine runde Sache.

 

Eine Woche darauf schnupperte ich beim Landespokalspiel Grün-Weiß Ahrensfelde vs. SV Babelsberg 03 vorbei. 780 Zuschauer (150 Gästefans) bekamen eine unterhaltsame Partie zu sehen, welcher der Regionalligist aus der Filmstadt mit einer Rumpf-Elf mit 2:0 gewinnen konnte. Nach dem Spiel verspürten ein paar Babelsberger großen Bierdurst und bogen am Bahnhof Ahrensfelde in das dortige Plattenbaugebiet ab, um eine Kneipe aufzusuchen. Aus dieser wurden sie jedoch wenig später von Ahrensfeldern vertrieben. Eine beim Fußball nicht unübliche Aktion, die jedoch im Nachgang für hohe Wellen sorgte. 

 

Das Jahr ging langsam zur Neige, Corona bestimmte noch mehr die Schlagzeilen, und ich ließ im Fuchsbau am Wackerplatz und beim SV Sparta Lichtenberg das Ganze allmählich ausklingen. Ende November fand ich mich beim Kreisligaspiel 1. Traber FC Mariendorf II vs. Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin II ein und erfreute mich an der kleinen Scharr Blau-Weiß-Fans, die den 6:0-Sieg zu feiern wusste. „Wir sind heiß auf Blau-Weiß!“ In der Folge sollten ein weiteres Spiel von Sparta Lichtenberg sowie die Heimspiele des BFC Dynamo gegen die VSG Altglienicke (was für ein umjubelter Sieg) und gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig (es wurde etwas überraschend verloren) meinen persönlichen Fußball-Abschluss.

 

Nun denn, nicht ganz. Die gestrige Sause zum 56. Geburtstag des F.C. Hansa Rostock ließen den einen oder anderen Tiefpunkt des zurückliegenden Jahres ein Stückweit in Vergessenheit geraten. Wenngleich der Beinbruch und vor allem die endlosen Diskussionen um die Corona-Problematik arg ermüdeten und mich im Herbst teils körperlich und seelisch richtig platt werden ließen, so darf trotzdem ein positives Fazit gezogen werden. Die Aufstiegsfeiern mit Karkonosze Jelenia Góra und selbstverständlich vor allem mit dem F.C. Hansa Rostock waren einfach geniale Meilensteine. Wunderbare Momente, an die man sich ewig gern und voller Sehnsucht erinnern wird. Gleiches gilt für den gestrigen Tag!

Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch ins Jahr 2022! Bleibt gesund! Macht stets das Beste aus der Situation! Bleibt uns treu!

Infos zu meinen bisher veröffentlichten Büchern findet Ihr auf meiner Webseite. 2022 werden zwei, drei Bücher hinzu kommen: www.marco-bertram.de

Fotos: Marco Bertram, Tobi, K. Hoeft, Christian Krohn

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Juten Rutsch?

Danke für deine stets sehr guten Artikel! Macht immer Laune zu lesen! Rutsch gut rein??WrW Grüße aus Neustrelitz

AB
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