Im Schatten des Hooligan-Wandbilds - Jarosławiec fegt Avia vom Platz

Im Schatten des Hooligan-Wandbilds - Jarosławiec fegt Avia vom Platz

 
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M 14 September 2021

Willkommen zum wochenendlichen Kuriositätenkabinett! Jarosławiec sollte das Ziel sein, welches sich unweit vom kulturellen Zentrum Kórnik befindet. Sportlich sind wir bei der Begegnung zwischen Orkan und Avia Kamionki auf Ebene 7, was so ungefähr der deutschen Landesklasse bzw. Bezirksliga entspricht. Man muss also nicht auf Rumpelfußball treffen. 

Ein Treffen einer ganz anderen Art gab es zunächst beim Abzweig nach Jarosławiec. Dort stehen seit dem 18. Jahrhundert drei sehenswerte Windmühlen. Der Zahn der Zeit nagt unentwegt, aber doch sind sie weiterhin ein Blickfang für diejenigen, die von Poznań aus gen Katowice per Landstraße wollen. Diesen Platz wählte auch ein junges Brautpaar für das Fotoshooting nach der Hochzeit aus. Sie war groß und absolut nicht unterernährt. Der Bräutigam dagegen wirkte, wenn wir es mit der Farbenlehre vergleichen, wie eine Komplementärfarbe zu ihr. 

Nun gibt es im näheren Umkreis ein paar schöne Ecken, insbesondere Parks, aber sie wählten die Windmühlen. Hier ist es wirklich spannend zu wissen, was der Fotograf aus der Situation gemacht hat. Willst du wenigstens eine Windmühle ins Bild integrieren, dann wirkt selbst diese Braut wie ein Zwerg auf dem Foto, da das Bauwerk nicht das kleinste ist. Legst du den Fokus auf die Personen, dann hast du ein ungleiches Brautpaar vor einer verranzten Bretterwand, von der man ohne Hintergrundwissen nicht weiß, ob es sich um einen Hühnerstall handelt oder ein wertvolles historisches Gebäude. Gehen wir also einfach davon aus, dass das Windmühlentrio für das Paar wahrscheinlich eine sehr emotionale Symbolfunktion hat und der Fotomacher ein echter Zauberer ist.

Weiter geht es im Programm. Plötzlich wechselte sich der Asphalt mit einem Feldweg ab. Man darf nicht vergessen: Jarosławiec ist wie ein Vorort vom wirtschaftlich emsigen Städtchen środa Wlkp. Im Norden bist du fix auf der Autobahn gen Frankfurt, Bydgoszcz oder Warszawa. Nur aus Richtung Westen kommend hoffst du auf einen baldigen festen Untergrund. Dann war ich schon im Ort und damit fast am Ziel. Doch was war das?! Ein Hotel, ein Reiterhof, ein Privatanwesen? Nein! Eine Seniorenresidenz! Das war bisher die zweite, die ich wirklich wahrgenommen habe. Auch diese liegt relativ weit ab vom Schuss. Solche Einrichtungen sind nicht die Norm so wie in Deutschland. Der soziale Umgang und das gesellschaftliche Zusammenleben verhindern bis dato, dass sich solche Einrichtungen für Einheimische rentieren.

Die Spieler machten sich noch warm, als ich den Platz erreichte. Der Hingucker ist hier das Graffito mit dem Hooligan-H und dem Zusatz Jarosławiec. Ein Blick auf die erst wenigen Zuschauer. Ja, das Wandbild hat seine Berechtigung! Am Ende sollten es dann 40 Zuschauer werden, die alle locker einen Sitzplatz auf dem Mini-Tribünchen gefunden hätten.

Avia hätte heute den Fehlstart korrigieren können, Orkan sich an die Tabellenspitze schieben. Nach 18 Minuten stand es schon 0-2 für Avia. „0-0, noch 0-0, Leute.“, das kennen wir aus Deutschland auch. Das Spiel war wirklich schon auf einem höheren Niveau. Alle Achtung. Dann gelang es Orkan das Spiel gar zu drehen. Und wieder: „0-0, 0-0.“ Nur halt von der anderen Seite. Ob das nun eine Provokation sein sollte, weiß ich nicht. Die Avia-Spieler bekamen in der Pause dann den Anschiss ihres Lebens. Schimpfwörter der unfeinen Art waren bestimmt bis Poznań zu hören. In der zweiten Hälfte spielte nur Avia. 

Am Ende beorderte Trainer noch den Torwart in den Sturm. Und dann kam, wie es kommen musste. Ein Sprint über 40 m auf das leere Tor zu. Warum dann aber der Trainer dermaßen austickte, ist mir schleierhaft. Das Risiko geht man doch wissentlich in solchen Situationen ein! Der Torwart wurde jedenfalls für die Aktion rund wie ein Buslenker gemacht. Das Spiel wurde gar nicht mehr angepfiffen und endete somit 4-2.

Ganz nebenbei erfragte ich bei der Gelegenheit die Bedeutung von Avia. Avia war die Firma des Gründers, der aber schon längst nicht mehr aktiv ist. Dann hätten wir dieses Geheimnis auch gelüftet! 

Fotos: Michael

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