Mecklenburg Schwerin vs. Blau-Weiß 90 Berlin: Olé, Olé, drei Punkte gehen mit an die Spree

Mecklenburg Schwerin vs. Blau-Weiß 90 Berlin: Olé, Olé, drei Punkte gehen mit an die Spree

 
5.0 (3)
MB 16 August 2021

Schulterklopfen. Biste bei, gibt es drei Punkte! Auch ohne Kinder. Die waren am Samstag ein paar Kilometer weiter nordöstlich am Strand von Warnemünde. Ich hatte das nicht so sehr auf dem Schirm gehabt, aber wenn ich so drüber nachdenke, dann bleibt in der Tat der Fakt, dass ich den Blau-Weißen aus Berlin Mariendorf auswärts recht häufig Glück gebracht hatte. Unvergessen der erste Saisontreffer in der ersten Oberliga-Saison 2018/19 bei Hertha Zehlendorf, der zugleich zum ersten Saisonsieg geführt hatte! Den genialen Torjubel hatte ich sogar auf Video festhalten können. Und dann wären noch unter anderen der 5:1-Sieg bei Brandenburg Süd und der 2:0-Sieg in Ludwigsfelde. Und dieses Mal? Die Mannschaft der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin ließ sich nicht lumpen und bescherte den rund 30 mitgereisten Fans einen phantastischen Nachmittag in Schwerin. In Form eines 4:3-Sieges wurden die ersten drei Punkte in der noch jungen Saison eingefahren.

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Was morgens in Berlin-Spandau noch recht behäbig begann, entpuppte sich im Laufe des Tages zu einer 1a-Fußballsause. Zu sechst ging es kurz vor zehn im knüppeldicke vollen Regionalexpress in Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Nach einer Stunde auf der Treppe lichtete sich jedoch das Ganze und es konnte oben Platz genommen werden. Ein jüngerer neben mir sitzender Mann fragte prompt einen aus der blau-weißen Reisegruppe, ob er ein Bierchen verkaufen würde. Verkaufen nicht, aber verschenken. Seine mit ihm reisende Mutter zeigte sich wenig begeistert: „Junge, so früh am Morgen schon ein Bier?“ Die Antwort war klar und deutlich: „Maaaaama, sei mal ruhig. Es gibt doch nix Besseres als ein kühles Bier zu dieser Uhrzeit!“

In Schwerin angekommen, ging es dieses Mal hinten raus, denn schließlich war nicht die allseits beliebte Paulshöhe, sondern der nordwestlich liegende Sportpark Lankow das Ziel der heutigen Reise. Positiv hervorzuheben ist, dass die Anbindung mit der Straßenbahn gar nicht mal so übel ist und mich persönlich überraschte. Aus dem gedachten „Am Arsch der Welt“ wurde dann doch ein „Geht ja sogar“. Nach ein paar Metern Fußweg wurde die Sportanlage erreicht, auf welcher der FC Mecklenburg Schwerin beheimatet ist. Geht es nach den meisten Stadt:Obererinnen (*Zwinkersmilie* Dat is nur nen Witz), so soll auch in Zukunft die SG Dynamo Schwerin statt auf der Paulshöhe auf dem Nebenplatz in Lankow ihre Heimspiele austragen. Die beiden Anlagen nun jetzt miteinander zu vergleichen, wäre jedoch unfair. Logisch, dass die traditionsreiche Paulshöhe zigmal mehr Charme und Charisma hat. Allerdings weiß auch die moderne Haupttribüne des Sportparks Lankow zu überzeugen. Sie erinnert von der Bauart her ein wenig an die in Ludwigsfelde, und zudem erwies sich der FC Mecklenburg als entspannter Gastgeber und ließ die rund 30 angereisten Gästefans auf der Haupttribüne Platz nehmen.

Die Blau-Weißen befestigten unten ihre mitgebrachten Zaunfahnen und probierten sogleich Bier und Grillgut. Nach der Auftaktniederlage in Staaken sollten nun beim Aufsteiger aus Schwerin nach Möglichkeit drei Punkte her. Insgesamt fanden sich 420 Zuschauer ein, um dieses Duell zu sehen. Zeitgleich trug die SG Dynamo Schwerin ihr Verbandsliga-Heimspiel gegen Schönberg vor 430 Zuschauern aus. Ein Indiz dafür, dass der heimische Fußball in der Landeshauptstadt derzeit recht gut angenommen wird. Immerhin überstrahlt der nun in der 2. Bundesliga spielende F.C. Hansa Rostock in Mecklenburg-Vorpommern alles. Von daher ist es schön zu sehen, dass auch der regionale unterklassige Fußball besucht wird. 

Auf dem grünen Rasen gab es in der ersten Halbzeit nicht die allerbeste Fußballkost zu sehen, und die Tormöglichkeiten waren (noch) an einer Hand abzuzählen. Nach knapp einer Viertelstunde ergab sich für Blau-Weiß 90 eine erste fette Chance, doch sollte der Ball noch nicht das Ziel finden. Anders kurz vor der Pause, als beide Mannschaften ins Schwarze trafen. Mecklenburg Schwerin eroberte im Mittelfeld den Ball, spielte über die rechte Seite, und nach prima Anspiel konnte Tino Witkowski allein vor dem Gehäuse zum 1:0 einschieben. Ausgelassener Jubel auf Heimseite, der viel zitierte Knoten schien geplatzt zu sein. Allerdings fanden die Berliner prompt die passende Antwort und erzielten nur zwei Minuten später ihren ersten Saisontreffer. Nach einer Ecke bekamen die Mecklenburger den Ball nicht aus der Gefahrenzone, und Florian Kohls schlenzte das Spielgerät aus rund 20 Metern am rechten Pfosten rein. Das war wahrlich wunderbar anzusehen, und den anwesenden Blau-Weiß-Fans schmeckte das Pausengetränk nun noch mehr.

Auch Sicht der blau-weißen Reisegesellschaft wurde der Nachmittag noch viel besser. Nach einer Ecke ging der Ball noch über zwei, drei Stationen, am Ende brachte Rico Steinhauer den Ball aus kurzer Distanz zum 2:1 für Blau-Weiß 90 unter. An der Trainerbank wurde im Anschluss ausgiebig mit Cocaj Elvir gefeiert, der den gesperrten Cheftrainer Marco Gebhardt vertreten musste. Und wenn es erstmal läuft, dann läuft es. Zehn Minuten nach der 2:1-Führung legte Shean Mensah zum 3:1 nach. Und wie! Von der rechten Außenbahn aus arbeitete er sich in Richtung Strafraum vor und zog dann ab. „Allein das 3:1 war die Fahrt hierher bereits wert!“, erklärte einer der Berliner Fußballfreunde hocherfreut.

Noch war jedoch nix in trockenen Tüchern, auch wenn die Fans lautstark „Hier regiert Blau-Weiß Berlin!“ riefen. Nur drei Minuten gab es bei Schwerin wieder solch einen starken Pass in die Spitze, und Arne Borchardt konnte routiniert zum 2:3-Anschlusstreffer abschließen. „Da sind wir wieder!“, rief der Stadionsprecher und die Heimzuschauer applaudierten. Nachdem es nur eine Minute später nach einem Mecklenburger Angriff etwas knifflig wurde, machte die Blau-Weißen in der 85. Minute den Sack zu. Mustergültig wurde sich nahe der rechten Eckfahne durchgesetzt, ebenso mustergültig wurde der Ball weitergegeben, und der heran eilende Tobias Göth konnte völlig unbedrängt das 4:2 aus Sicht der Berliner klarmachen. 

Zwar schaffte es Mecklenburg Schwerin in Form des Treffers von Tino Witkowski noch einmal zum 3:4 heranzukommen, doch waren da bereits 90 plus zwei Minuten gespielt. Die Fans und Spieler der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin feierten nach Abpfiff ausgiebig den Auswärtssieg, und noch eine Viertelstunde nach Abpfiff ertönten die Gesänge. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto fuhr schließlich der Mannschaftsbus mit mehrmals getätigter Hupe davon, und die noch anwesenden Blau-Weiß-Fans suchten erst einmal eine Lokalität auf, um sich mit gekühltem Bier zu versorgen.

Locker flockig ging es im mäßig gefühlten Regionalexpress zurück nach Berlin, und die Gespräche führten wieder zurück in die guten alten Zeiten, in denen Blau-Weiß 90 Berlin in der 2. Bundesliga und ein Jahr sogar in der 1. Bundesliga gespielt hatte. Interessant zu hören war auch die Anekdote vom Europapokalspiel am 6. September 1988 zwischen dem BFC Dynamo und dem SV Werder Bremen. Als West-Berliner Jugendliche überlegten sie damals, wem sie wohl die Daumen drücken würden. Am Ende war klar: Dem BFC Dynamo! Dieser komme schließlich aus Berlin und würde als einzige Berliner Mannschaft die Stadt auf europäischem Parkett vertreten. Berlin war Berlin. Trotz Mauer und Stacheldraht. Kurzum wurde ein Tagesvisum beantragt, doch nachdem die Begründung des Ausflugs „Besuch einer sportlichen Veranstaltung von Dynamo“ gelesen wurde, lehnten die Ost-Berliner Behörden die Anträge ab. Es blieb das Schauen vor der Flimmerkiste.

Wie klein zudem die Welt sein kann, zeigte sich wenig später im Zug. Paar Sitze weiter weilten zwei Sportsfreunde aus Fürstenwalde, die das Heimspiel der SG Dynamo Schwerin besucht hatten. Mit Beiden hatte man in der Vergangenheit bereits mehrfach Kontakt über Mail und die sozialen Medien - und nun traf man sich durch Zufall im Waggon wieder und schnabulierte erst einmal gemeinsam eine von ihnen gekaufte Schweriner Kräuer-Spezialität. Beste Grüße an dieser Stelle!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin

 

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Spielergebnis:
3:4
Zuschauerzahl:
420
Gästefans
30

Ligen

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Oberliga
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