Der BFC Dynamo verkauft sich gegen Stuttgart leider unter Wert

Der BFC Dynamo verkauft sich gegen Stuttgart leider unter Wert

 
4.2 (5)
MB 09 August 2021

Der Abpfiff ertönte, die mechanische Anzeigetafel des Sportforums zeigte ein 0:6 an, zahlreiche BFC-Fans trabten still gen Ausgang - und mir war klar: Dies ist eines jener Spiele, bei denen man auf Anhieb partout nix schreiben kann. Ja, wacker gekämpft! Durchaus einige gute Chancen gehabt. Phasenweise war die Atmosphäre wirklich passabel. Am Ende jedoch steht aber nun mal dieses trockene 0:6 zu Buche, und die Stimmung nach dem Spiel glich der einer Trauerfeier. Das Wetter war so oh la la, alkoholfreies Bier gab es an den Ständen eh nicht mehr, und viel zu erzählen gab es auch nicht direkt nach der Partie. Stumm warteten zahlreiche Heimfans darauf, dass endlich die Stadiontore geöffnet wurden und man den Heimweg oder den Marsch zum nächsten Späti antreten konnte.

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Klingt nicht so erbaulich? Wohl wahr. Vorwürfe an die Mannschaft konnten keine gemacht werden. Es war eher eine gewisse Enttäuschung, dass der heiß erwartete Pokaltag in der neuen alten Heimat Sportforum Hohenschönhausen unter den Erwartungen blieb. Ein Treffer des BFC - und die Sache hätte ganz anders ausgesehen. Zudem fehlte das, was nun mal das Sportforum ausmacht. Das Vereinsheim, das Sitzen auf den Stühlen und Bänken, das gemeinsame Seele-Baumeln-Lassen nach der Partie, das frisch gezapfte Bierchen, das Gelächter der Fans zu fortgeschrittener Stunde, die drinnen eingelegte Mucke. Aufgrund der Corona-Regeln war daran leider nicht zu denken. Draußen vor den Stadiontoren wurde sich jedoch an diversen Punkten - Imbisse, Biergärten, Spätis - getroffen, und die Laune hellte sich wieder auf.



Begonnen hatte der Tag standesgemäß in einschlägigen Lokalitäten. Die Vorfreude auf das Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart war groß. Gegen die ersatzgeschwächten Schwaben dürfte doch im engen, lauten und auch teils „ekeligen“ Sportforum was möglich sein. Ein Treffer für den BFC Dynamo - und die Luzie würde ähnlich wie im Ligaspiel gegen den FC Energie Cottbus abgehen. Das hat bei den Weinroten eine lange Tradition. Diese Explosion bei einem wichtigen Tor. War es vorher noch still auf den Rängen, weil die Partie dahinplätscherte, so kann die Spielstätte auf einen Schlag zum Hexenkessel mutieren.



Während die jüngeren aktiven Fans des BFC Dynamo vor der Partie geschlossen zum Sportforum zogen und ein wenig Pyrotechnik zündete, humpelte ich mit dem größeren Sohnemann von der „Laube“ in der Kleingartenkolonie an Krücken rüber zur Spielstätte. Willkommen in Plattenbau Ost! Drei jüngere VfB-Fans mussten sich nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn erst einmal orientieren. Tja, da kiekste, wa? Hat nen bissel wat von Osteuropa, oder? Die rund 250 Gästefans hatten jedoch ihren eigenen Zugang und dürften stressfrei ihren Block erreicht haben. Auf Heimseite staute es sich indes massiv am Eingang. Die Kontrolle der erforderlichen Papiere dauerte nun mal eine gewisse Zeit.



2.631 zahlende Zuschauer hatten den Weg auf die Ränge gefunden, die Heimfans mussten für das Ticket stolze 40 Euro bezahlen. Mit enthalten waren allerdings die Softgetränke und das alkoholfreie Bier. Der Gerstensaft in Light-Version floss gut die Kehlen runter, sodass bereits vor der Pause auf Seiten der Haupttribüne sämtliche Fässer leer waren. Hätte die Sonne bei 30 Grad volle Granate geknallt, wäre dies eventuell bereits bei Anpfiff passiert. So aber blieb das große Murren aus. Was zählte, war der erhoffte Treffer auf dem Rasen. Los jetzt hier!



Und es schaute phasenweise ja gar nicht mal so übel aus. Der BFC versuchte zu Beginn mal gleich Druck zu machen, doch die erste richtig fette Chance hatten die Gäste. Nach einer Balleroberung im eigenen Strafraum schickte Atakan Karazor seinen Mitspieler Hamadi Al Ghaddioui, der kurz hinter der Strafraumgrenze den Abschluss suchte. BFC-Torwart Stajila war jedoch auf dem Posten und konnte den strammen Schuss abwehren. Aber dann! Fix kam der BFC über die rechte Seite, scharf brachte Steinborn den Ball in den Strafraum, doch Christian Beck und Alexander Siebeck kamen nicht mit ihren Füßen ran.



Trocken machte der VfB dann in der 26. Minute die Führung klar. Ito spielte den Ball zu Borna Sosa, und nach seiner Flanke köpfte Al Ghaddioui das Spielgerät in die Maschen. 1:0 für Stuttgart. Ein Spielzug wie aus dem Lehrbuch, ein Kopfball wie im lockeren Training. Ebenso locker flockig machten die Stuttgarter unmittelbar vor dem Pausenpfiff den zweiten Treffer. Roberto Massimo flankte von der rechten Seite unbedrängt den Ball in die Gefahrenzone, und der ebenso unbewachte Borna Sosa stürmte heran und schloss pupstrocken ab. Einen blöderen Zeitpunkt für das 0:2 hätte es aus Sicht des Gastgebers nicht geben können. Die Hoffnung auf das mögliche Wunder schwand.



Aber eine Sache passte in jedem Fall - und zwar die Moral! Nach der Pause flankte Alexander Siebkeck das Leder in den Strafraum, und Christian Beck setzte den Ball mit dem Kopf über das Gehäuse. Das Glück war jedoch an diesem Tag nicht auf der Seite der Hohenschönhausener. Nach einer Ecke köpfte Konstantinos Mavropanos zum 3:0 für den VfB Stuttgart ein. Der viel zitierte Drops war gelutscht. Nun ging es aus Sicht der Berliner um die Schadensbegrenzung. Um den Ehrentreffer. Um den zweiten Treffer in diesem Wettbewerb überhaupt!



Es sollte jedoch nicht sein. Ganz im Gegenteil. In der 68. Minute nahm Mateo Klimowicz an der Strafraumgrenze Philip Schulz das Spielgerät ab und machte ganz easy das 4:0 für den VfB. Der BFC gab sich jedoch nicht auf. Es folgte die größte Möglichkeit der Weinroten. Andor Bolyki flankte prima den Ball rein, und Matthias Steinborn zog volle Granate ab. Dieses Törchen wäre wahrlich verdient gewesen, doch der Ball klatschte nur an die Latte. Im Nachsetzen köpfte Christian Beck den Ball neben das Gehäuse. Verdammte Axt! Die Fans waren noch einmal da, dieses Tor hätte dem Ganzen wahrlich gut getan.



Weniger gut tat ein weiterer Kopfballtreffer des VfB Stuttgart. In der 82. Minute war es Mohamed Sankoh, der das 5:0 klarmachte. Den letzten Treffer des Tages erzielte schließlich Danko Churlinov, der nach einem schnellen Gegenstoß nur noch einschieben brauchte. 0:6 der Endstand. Ein mögliches 2:4 hätte dem BFC wahrlich besser zu Gesicht gestanden. Was soll´s. Der Ganze musste erst einmal verdaut werden. Am Mittwoch steigt im Sportforum das Landespokalspiel gegen die SpVgg Tiergarten, die ihr eigentliches Heimspiel an dortiger Stelle austrägt. Klingt öde? Auf den ersten Blick mag das zutreffen. Allerdings sollte die Gelegenheit genutzt werden. Noch ist Sommer. Schön nach der Arbeit um 19 Uhr mal vorbeischauen. Und ja, es wird auch richtiges Bier geben. Das, was nach dem DFB-Pokalspiel fehlte, wird es am Mittwochabend geben. Gemeinsam ein, zwei Bierchen zischen. Gemeinsam ein Pläuschchen halten. Einfach entspannen und gemeinsam die besagte Fußballseele baumeln lassen. Sport frei!


Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
0:6
Zuschauerzahl:
2.631
Gästefans
250

Ligen

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DFB-Pokal
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Fokus voll auf die Liga nun. Und den Berliner Pokal nicht vergessen.

T
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2.0
2:4?

2:4 ein gerechtes Ergebnis? Da musst Du ein anderes Spiel gesehen haben, wenn dann vielleicht 2:11.

K
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