Machtwechsel im Pott: VfL Bochum nach Sieg in Heidenheim vor Aufstieg

Machtwechsel im Pott: VfL Bochum nach Sieg in Heidenheim vor Aufstieg

 
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KH 22 April 2021

Noch vier Spieltage bis zum großen Traum „anner Castroper“ in Bochum. Nach elf zum größten Teil harten Jahren zwischen Mittelfeld und Abstiegszone in der zweiten Liga ist die erste Liga für den VfL Bochum nun zum Greifen nah. Nur noch vier vermeintlich leichte Spiele dann können die einst „Unabsteigbaren“ wieder im Oberhaus mitmischen und das (aufgrund des Abstieges von Schalke 04) direkt als Nummer 2 im Pott. Mehr geht fast nicht für die leidgeprüften hartgesottenen Bochumer Fans, die wie alle Anhänger in dieser Zeit mehr denn je leiden.

Der Erfolg ist zurück im Ruhrstadion und die Fans müssen aufgrund der Corona-Pandemie statt auf der Ostkurve durchzudrehen, das gekühlte Fiege auf dem Sofa vor dem Fernseher aufploppen lassen. Aber schon wie früher: Bochum kann irgendwie nur spannend. Hatte der Traditionsklub vor wenigen Wochen am 28. Spieltag als Spitzenreiter der 2. Bundesliga die Möglichkeit den Verfolgern aus Hamburg und Fürth davonzuziehen, kassierte man auswärts beim im Mittelfeld platzierten SC Paderborn mal eben eine 3:0 Schlappe. Nicht wenige befürchteten nun den Einbruch, zumal am 29. Spieltag Hannover 96 an der Castroperstraße in Bochum gastierte.



Hannover? Da war doch mal was und zwar öfters.
8. Mai 2010 – 34. Spieltag: Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag, als sich eine rote Karawane von gut 12.000 Fans aus Hannover vom Bahnhof hoch zum Ruhrstadion schlängelte und die Bochumer Ostkurve (wo die Ecken noch Steher waren) die Fans sich aufpeitschten. Endscheidungsspiel um den Verbleib in der ersten Bundesliga. Die besseren Karten hatten die Niedersachsen die eine Woche zuvor Borussia Mönchengladbach mit 6:1 nach Hause schickten, während die Bochumer bei den Bayern verloren. Hannover mit 30 Punkten über dem Strich (15. Platz), Bochum mit 28 Punkten auf dem Abstiegsplatz (17.). Ein Sieg der Heimmannschaft hätte zumindest das Erreichen des Relegationsplatzes bedeutet. Aber es kam anders. Hannover machte schnellen und kurzen Prozess vor den über 30.000 Zuschauern und knipste früh durch Arnold Bruggink (9. Minute) und Mike Hanke (23. Minute). Pech für Bochum das der Schiedsrichter Manuel Gräfe ein Foul an Maltritz im Strafraum nicht sah und der Elfmeterpfiff ausblieb. Ein kurzes Aufbäumen nach dem Pausentee blieb aus, als H96 durch Sérgio da Silva Pinto direkt in der 45. Spielminute die 3:0 Führung und damit den späteren Sieg eintütete. Bochum stieg mit einer „Pitch Invasion“ ab, Hannover blieb drin.

22. Mai 2004 – 34. Spieltag: „Die Nummer eins im Pott sind wir“, sangen die Bochumer Fans im Mai vor 17 Jahren freudetrunken. Denn am letzten Spieltag der Bundesligasaison spielten die Nachbarn aus Dortmund und Gelsenkirchen nur Unentschieden während die Bochumer Hannover 96 mit 3:1 vor 32.645 Zuschauern besiegte. Damit ließ der Traditionsverein schwarz-gelb und Königsblau im Liga-Niemandsland zurück und kletterte selber auf den fünften Rang der die Teilnahme am Europapokal ermöglichte.

Nun am 18. April 2021 also wieder gegen Hannover 96 und das Match hatte genauso wie die beiden genannten traditionsreichen Duelle in sich, leider mit dem großen Unterschied, dass es ohne Zuschauer stattfand. Keine Frage: Diese hätten die Ostkurve und die anderen Tribünen sicherlich zum Explodieren gebracht, spätestens in der zweiten Spielminute der Nachspielzeit, als Robert Tesche den 4:3 Siegtreffer kurz vor Abfiff eintütete. Dabei lief das Spiel erst ganz anders, bevor es nochmal knapp wurde. Trotz frühem Rückstand (Kaiser 22. Spielminute) konnte die Heimmannschaft das Spiel flink drehen und nach Toren von Tesche, Hoffmann und Zoller bis in die 67. Spielminute auf den klaren Zwischenstand von 3:1 erhöhen. Dann erzielte Marvin Duksch für Hannover per Kopf den Anschlusstreffer, und die Niedersachsen drückten weiter und wurden am Ende mit dem 3:3 in der 90. Spielminute belohnt. Ende? Nein! Ein Spiel geht auch mal länger. Nach einer Ecke war es wieder Robert Tesche der netzte und einen Jubelsturm auf dem Platz des Teams von Trainer Thomas Reis freisetzte.



Wer so zurück kommt kann nur aufsteigen. Jetzt heißt es den Pflichtaufgaben nachkommen und auch gegen die vermeintlich schwächeren Gegner der Liga (Darmstadt 98, Jahn Regensburg, 1. FC Nürnberg, SV Sandhausen) weiter punkten. Der Anfang wurde gestern gemacht mit einem Sieg beim Überraschungsteam der vergangenen Saison und auch in dieser Spielzeit stark aufspielenden FC Heidenheim. Im vergangenen Jahr schaffte es der FCH mit einer couragierten Leistung bis in die Aufstiegsrelegation gegen Werder Bremen und scheiterte auf bittere Weise nur an der Auswärtstorregel (0:0 und 2:2). Ein ähnlicher Erfolg könnte trotz sportlichem Umbruch wiederholt werden für den Klub aus Osten Baden-Württemberg, denn nur zwei Punkte trennen Heidenheim vom dritten Tabellenplatz.





Das Spiel gegen Bochum war hart umkämpft vor allem weil sich der VfL-Stammtorhüter Manuel Riemann früh (in der neunten Spielminute) verletzte und der Gast aus dem Ruhrgebiet erst einmal den Schock verdauen musste. Nach einer halben Stunde war es der Matchwinner aus dem Hannover Spiel Robert Tesche der zur Bochumer Führung traf. Aus wenigen Chancen viel gemacht, das ist die Stärke des VfL. Aber auch der gute Rückhalt zwischen den Pfosten mit Ersatztorwart Patrick Drewes wurde am Ende belohnt. In der 82. Spielminute besiegelte dann Herbert Bockhorn den Bochumer Sieg.



60 Punkte auf der Habenseite. Mit dieser Punktzahl wäre man in den letzten drei Spielzeiten immer aufgestiegen. Der VfL Bochum muss sich aber noch viermal durchbeißen bevor am 23. Mai bei Currywurst und Pilsken gefeiert werden kann. Vormerken: Ab dem 13. August startet die neue Bundesliga-Saison und dann kann die Jagd für den VfL Bochum nach dem Titel der Ruhrpott-Meisterschaft  (Nummer 1) beginnen. Vielleicht auch bald wieder vor Fans.

Fotos: Fabian Budde

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