Die Lilie rockt ungemein! SV Darmstadt 98 Fußballfibel als echter Geheimtipp!

Die Lilie rockt ungemein! SV Darmstadt 98 Fußballfibel als echter Geheimtipp!

 
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MB 06 Januar 2021

Pack die Fahnenstange ein, nimm dein kleines Brüderlein - und dann nichts wie ab nach Flieden… Und nicht nur die Auswärtssause zum SV Buchonia Flieden stand einst an der Tagesordnung. Vielmehr hatten die Darmstädter es mit Gegnern wie SC Waldgirmes, RSV Würges und TSG Wörsdorf zu tun. Wann der SV Darmstadt 98, der von 2015 bis 2017 in der 1. Bundesliga gespielt hatte und seitdem immerhin eine feste Größe in der 2. Bundesliga ist, es mit solch skurril klingenden Vereinen zu tun hatte? In den 1990ern? Nein! Der einst bittere Ligaalltag liegt kürzer zurück als man als aus der Ferne schauender Fußballfreund annehmen mag. Okay, 3. Liga und die Regionalliga Süd hat man noch auf dem Schirm. Dass jedoch 2007/08 noch tiefer gekickt wurde, hatte auch ich vergessen. Und es ist ja nicht so, dass es seit 1990 der einzige Aus-/Abrutscher in die Oberliga Hessen war. So spielten die Lilien bereits 1993/94, 1998/99 und 2003/04 in der Oberliga Hessen, doch gelang zumindest jedes Mal die direkte Rückkehr in die Regionalliga.

Den Durchmarsch von der 3. Liga in die 1. Bundesliga im Zeitraum 2013 bis 2015 werden die meisten Fußballfreunde in Nah und Fern noch vor Augen haben. Wann jedoch spielte der SV Darmstadt 98 zuvor im Fußballoberhaus?! Ne Idee? Ich hätte auch passen müssen bei dieser Frage. Mitte und Ende der 1980er hätte ich ausgeschlossen aufgrund der Tatsache, dass mir dieser Vereinsname als Heranwachsender definitiv aufgefallen wäre, als am Ende der Tagesschau der Sprecher mit spröder Stimme die Bundesliga-Ergebnisse aufsagte. Homburg und Waldhof Mannheim. Und auch Blau-Weiß 90 Berlin. Da erinnere ick ma dran. Aber Darmstadt? Lösen wir auf. 1981/82 und zuvor in der Saison 1978/79 hatten die Lilien in der ersten Liga gespielt. Da war ich einfach noch zu klein. 

Bei Wikipedia gibt es ein Kapitel mit der Überschrift „Die Feierabendfußballer vom Böllenfalltor“. Es gab das sogenannte „Darmstädter Modell“ - sprich, die damaligen Spieler gingen unter der Woche tagsüber weiterhin ihrer hauptberuflichen Tätigkeit nach und konnten somit nur abends trainieren. Kein Wunder, dass es beide Male nicht für den Klassenerhalt gereicht hatte. Legendär war diese Epoche in jedem Fall, denn punktuelle Überraschungserfolge gab es zu feiern. So erkämpften die Darmstädter am 11. November 1978 beim FC Bayern München ein 1:1, bei dem Uwe Hahn aus 25 Metern traf. Ein Treffer, der zum Tor des Monats gekürt wurde! Und nun ist es an der Zeit, das Buch ins Spiel zu bringen. DAS aktuelle Buch über den SV Darmstadt 98. 

Zugegeben, ich hatte bislang wenig Berührungspunkte mit diesem Verein. In war zwar schon in meinem Leben in New York, aber noch nicht in Darmstadt. Auswärts hatte ich die Lilien vielleicht drei-, viermal gesehen. Einmal davon beim SV Babelsberg 03. Aus reiner Neugier hatte ich mich damals in der zweiten Halbzeit mit in den Gästeblock gestellt. Mich kannte ja dort keine Sau. Rotzfrech fertigte ich ein paar Fotos von den Fans an und lichtete dabei - wie der Zufall es will - auch den Autor des hier vorliegenden Buches ab. Manchmal schließen sich Kreise auf kuriose Art und Weise. Witzigerweise war Tim Strack damals nicht auf dem Zaun, sondern schaute sich die Partie mit seinem anwesenden Papa einmal „ganz normal“ an. Zu feiern gab es an jenem 28. Juli 2012 leider nix, die Partie wurde mit 0:2 verloren. 

Sonst noch wat? Nee, von meiner Seite aus eher nischt. Umso mehr jedoch von Tim Strack, der 1987 in Siegen geboren wurde und über den Umweg Ostsee (!) im Jahre 1998 - sprich pünktlich zum 100. Geburtstags des Vereins - nach Südhessen kam. Das innere Feuer war rasch entfacht, bereits in jungen Jahren gründete er mit Mitstreitern eine Ultra-Gruppierung, deren Vorsänger er im Alter von 17 Jahren wurde. 13 lange Jahre lang erlebte Tim Strack sämtliche Höhen und Tiefen von der Zaunkrone aus mit. Und wie bereits eingangs erwähnt, es war alles dabei von der Oberliga bis zur 1. Bundesliga. Vom 1. FC Schwalmstadt bis zum FC Schalke 04 war somit die ganze Palette am Start. Auch der F.C. Hansa Rostock, zu dem im März 2014 mit einem eigenen Flieger angereist wurde. 189 Lilien-Fans saßen an jenem Tag in der Boeing 737-800 von SunExpress und erfreuten sich an den liebevoll gestalteten Details im Innenraum. Bei Ankunft am Flughafen Rostock-Laage ertönte dann ein lautes „Wer nicht fliegt, ist Offenbacher!“

Apropos Hansa Rostock. Beim ersten Schmökern in der neuen Lektüre stieß ich doch sogleich auf Seite 94 auf eine interessante Passage. Auf dieser beschreibt Tim Strack, wie er einst mit seinen Freunden neue Zaunfahnen gemalt hatte. Damals hatte er auf dem PC mit Paint einen recht simplen Entwurf für eine Heimzaunfahne angefertigt. Genutzt hatte er rein zufällig eine Windows-Systemschrift - die gleiche, welche die Suptras aus Rostock nutzen. Ebenso genutzt hatte er einen Al-Capone-Kopf, ähnlich wie es beim Gruppenlogo des Wuhlesyndikats der Fall ist. Ach kiek an, dat soll der Al Capone sein? Okay, macht Sinn. Okay zum zweiten, man lernt halt niemals aus. 

Und es blieb nicht das einzige Aha-Erlebnis beim Lesen dieses Buches! Zugegeben, wenn man sich sowohl beruflich, als auch privat quasi jeden Tag mit Fußball beschäftigt, kann man schon mal ein wenig müde werden, wenn ein Buch XY nicht gerade der Oberhammer ist. Von Müdigkeit war beim Lesen der Darmstädter Fußballfibel nichts zu spüren. Nicht mal eine Spur. Ganz im Gegenteil. So wie lange nicht mehr saugte ich die Seiten regelrecht auf. Als Autor ist es Tim Strack mustergültig gelungen, den Bogen von der Historie zum Geschehen in der Fankurve zu spannen. 

Beides ist irre interessant zu lesen. Die Zeilen von der Geburtsstunde und die Zeilen von den jüngsten Wundern. Als Leser fiebert und leidet man regelrecht mit und schnuppert die Nostalgie, die Wehmut, die Leidenschaft und die große Tradition, die zwischen den Zeilen herauszuströmen scheinen. Lilien. Heiner. Böllenfalltor. Das ist echt ne Hausnummer. Ganz nach meinem Geschmack. Und da ich mir absolut sicher bin, dass nicht nur mir dieses Buch munden wird, spreche ich hier an dieser Stelle eine absolute Kaufempfehlung aus! Neben Fortuna Köln, dem FC Rot-Weiß Erfurt, dem 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt ist die Darmstädter Fußballfibel nun in meiner persönlichen Top 5 der bisherigen Reihe zu finden. Und dat soll wat heißen! 

Fotos: Marco Bertram, Arne Amberg, Felix, K. Hoeft

> die „SV Darmstadt 98 Fußballfibel“ beim Verlag CULTURCON medien

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