Rot-Weiss Essen: Gerade noch so ein Punktgewinn im Parkstadion bei Schalke 04

Rot-Weiss Essen: Gerade noch so ein Punktgewinn im Parkstadion bei Schalke 04

 
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KH 01 November 2020

Da musste ich richtig im Gedächtnis wühlen: Wann war ich zuletzt im Gelsenkirchener Parkstadion bei einem Spiel. Meine Erinnerungen daran sind schwach. Eines ist sicher zusammen mit turus-Autor Marco war ich auf jeden Fall im April 1994 das letzte Mal in dem weiten Rund das damals noch 70.600 Zuschauern Platz bot. Gegner war damals Bayer 04 Leverkusen und der Endstand 1:1 vor 38.960 Zuschauern. Die Treffer erzielten die immer noch wohlklingenden Namen Youri Mulder und Paulo Sérgio. Jung und fußballbegeistert waren wir Anfang der 1990er Jahre sehr oft im Kessel Parkstadion (wie auch in anderen Stadien europaweit) aber immer nur im Gästeblock, wo es für uns die besondere Atmosphäre gab und Spiele die für uns zu Klassikern wurden (u.a. gegen den 1. FC Köln am „Nikolaustag“ 1992).

Das Parkstadion wurde nach dem Bau der benachbarten Arena zurückgebaut und dient seit diesem Sommer der Regionalligamannschaft von Schalke 04 als Heimstätte. Schalke 04 hatte bislang kein taugliches Stadion für die Regionalliga vorzuweisen und wich für seine Heimspiele immer ins Bottroper Jahnstadion, in die Mondpalast Arena in Wanne Eickel oder auch mal ins Lohrheidestadion nach Wattenscheid aus. Nun ist der Klub auch mit seinen Nachwuchsteams wieder zu Hause. Das umgebaute Parkstadion fasst nun „offiziell“ 2.999 Zuschauerplätze. Wie früher aber ohne Überdachung. Zwar wurde ein Stadiondach angelehnt an das des Münchener Olympiastadions angedacht, aber aus finanziellen Gründen verworfen. Trotzdem: Die Tribüne hat ein besonderes Flair. Wenn man diese sieht kann man sich gut vorstellen, wie diese gerockt werden könnte bei Spielen mit Fans.

Momentan muss aber auf Stimmung und farbenfrohen Aktionen der Fans bei Spielen verzichtet werden. So konnten gestern keine 2.000 Rot-Weiss Essen Fans bei dem Derby ihr Team nach vorne peitschen, wie noch vor einem Jahr in Wanne Eickel, als es auf dem „Acker“ der Mondpalast Arena hoch herging. Diesmal wurden beim Derby Corona bedingt keine Zuschauer zugelassen. 300 wären sicherlich möglich gewesen, aber das wäre keinem Schalke Fan zu verkaufen gewesen, denn am Tag vorher ging das Spiel der Profi-Knappen auch ohne Zuschauer über die Bühne. Ganz ohne Zuschauer fand die Regionalligapartie gegen RWE aber nicht statt, was an dem offenen angrenzenden Trainingsgelände liegt. Gut 50 Zuschauer standen an den Zäunen oder im benachbarten Parkhaus (teils gut vorbereitet mit Klappstühlen und Bier) und verfolgten das Spiel aus der Ferne.



Bitter die aktuelle Situation für alle: Für die Klubs und deren Anhänger. Seit Monaten nur noch Bolzplatzfußball ohne Emotionen. Eines aber war gleich zum vergangenen Jahr: Im Aufgebot der Schalker war wie gewohnt reichlich Unterstützung aus der Profiabteilung. Dies ist halt das Problem, das die Reservemannschaften mitbringen neben den fehlenden Zuschauern im Normalbetrieb. Die U23 Teams können neben ihrer eigenen festen Mannschaft sich auch noch jederzeit am Profikader bedienen und so dann die Liga sportlich durcheinander wirbeln. Das ist eine Art von Wettbewerbsverzerrung, über die wir ja schon oft berichtet haben. Werden die Profis eingesetzt erhöht sich automatisch (jedenfalls vom Papier) die Qualität des Teams, wenn nicht wird diese reduziert. Gestern durften sich gleich vier Spieler aus dem Profikader für die erste Garde empfehlen: Nick Taitague, Levent Mercant, Ahmed Kutucu und Nassim Boujellab. Gut die Spieler sind jetzt nicht so ein Kaliber wie Shinji Kagawa oder Sebastian Rode, die mal bei einem Spiel vor ein paar Jahren vom S04 Rivalen Borussia Dortmund in einem Spiel gegen Rot-Weiss Essen eingesetzt wurden, trotzdem verfügen sie (für die eSportler unter den Lesern) sogar über Karten in der Fußballsimulation FIFA, wenn auch von niedrigen Wert zwischen 60 und 70.

Meckern hilft nichts man muss die Zwoten halt nehmen wie sie sind. Zudem ist ja Rot-Weiss Essen ebenfalls ein Profiteam nur seit zwölf Jahren irgendwie verloren im Amateurfußball. Um bei FIFA zu bleiben: Ein Dennis Grote hatte in der 2018er Version des Spiels auch mal einen Wert von 66 und ein Oğuzhan Kefkir in der 2019er Version einen von 65. Kein Problem eigentlich die kleinen Blauen aus ihrem Stadion zu fegen, zumal deren Trainer Torsten Fröhling RWE auf der Vereinswebseite mit Bayern München der Regionalliga verglich. Diesen Vergleich kennt man und manch ein Team legt gegen Essen nochmal eine Schippe mehr drauf, trotzdem gab es gestern keinen standesgemäßen 8:0 Auswärtssieg für diese lobenden Worte. Am Ende kam alles anders und das obwohl aus Essener Sicht alles so gut anfing.

Das Spiel begann bei schönstem Sonnenschein und der Einsatz der besagten Profis war in der ersten Hälfte überhaupt nicht spürbar. Die U23 von Schalke 04 sah gegen gut aufgestellte Essener kaum Land. Starkes Pressing zwang S04 zu Fehlern und das direkt von Beginn an: In der zweiten Spielminute schlug Oğuzhan Kefkir den Ball als Befreiungsschlag aus der eigenen Hälfte weit nach vorne. Der Schalker Florian Flick verschätzte sich bei einer Kopfballrückgabe und RWE-Stürmer Simon Engelmann stand goldrichtig und fing den Ball ab. Aber anstatt am Torwart vorbei zu schlenzen oder eventuell noch einen Schritt vorbei zu gehen, versuchte er es mit einem Heber der über das Tor ging. Von einem Stürmer (auch in der vierten Liga) kann man erwarten, dass er diese Bude macht. Nicht die erste hochkarätige Chance die der Neuzugang aus Rödinghausen für Essen vergibt, es folgten weitere im Spiel unter anderem in der 43. Spielminute als sein Schuss nur an den Pfosten ging.

Essen war in der ersten Halbzeit klar besser, machte aber aus besten Chancen kein Tor. Die zweite Halbzeit begann fast zehn Minuten verspätet, da der Weg aus den Umkleidekabinen des Stadions weit ist. Die Schalker Reserve war nun besser auf RWE eingestellt, trotzdem kamen die Gäste zu besten Chancen. In der 46. Spielminute stand Alexander Hahn nach einer Ecke perfekt, traf den Ball nicht richtig mit dem Kopf, ansonsten wäre es die hochverdiente Führung gewesen. Nur eine Minute später tankte sich der schnelle Isiah Young durch den Strafraum, hängte (S04-Profi) Nick Taitague ab und wurde von ihm zu Boden gestoßen. Den berechtigten Strafstoß verweigerte der Drittliga-Schiedsrichter Markus Wollenweber den Essenern aber.

Die Sonne verschwand langsam in der Ferne hinter der Ruhrgebietskulisse aus Tetraeder (Bottrop) und Gasometer (Oberhausen) und die minimale Beleuchtung tauchte das Spielfeld in ein Funzellicht. Leider passte sich das Spiel der Beleuchtung an es wurde passend zu Halloween gruselig auf beiden Seiten. Glänzte die erste Hälfte noch mit schönen Fußball war die Zweite ein müder Kick der auf ein 0:0 hinauslief. Spätestens als Cedric Harenbrock in der 66. Spielminute verletzungsbedingt gegen Marcel Platzek ausgewechselt wurde nahm das Grauen seinen Lauf. Warum der RWE-Trainer den agilen Isiah Young gegen den sich in einer nicht guten Form befindlichen Joshua Endres einwechselte bleibt das Geheimnis von Christian Neidhart. In der 84. Spielminute war es dann wieder Engelmann der es nach einem Zuckerpass von Platzek mit einem Direktschuss auf das Tor versuchte, anstatt weiterzulaufen. Da muss mehr kommen.

Nur drei Minuten später wurde es noch bitterer für RWE. Nicht nur die vielen vergebenen Chancen nagten am Team und den Fans vor den Bildschirmen, nun gingen die Schalker auch noch in Führung. Nach einem vermeintlichen Foul vom Essener Daniel Heber an Ezeh gab es Freistoß für die Heimmannschaft. Dann war es der für Ahmed Kutucu eingewechselte Matthew Hoppe der nach einem Gewühl und einer Parade von Davari zum 1:0 abstaubte. Etwas unverdient, aber so ist Fußball. Anstatt sich hängen zu lassen, gab Essen aber nochmal alles und zwar ordentlich „Langholz“ nach vorne. Sogar Torwart Daniel Davari mischte im gegnerischen Strafraum ordentlich mit. Dann in der 94. Minute nach einer Ecke machte der Spieler des Tages seinen vorherigen Fehler wieder gut: 1:1 Endstand durch Daniel Heber per Kopf.

Die Tabellenführung musste Essen mit dem Unentschieden erstmal an die Zweitvertretung von Borussia Dortmund abgeben. Am Mittwoch geht es vom Plan her gegen Rödinghausen weiter, vielleicht. Aufgrund des von der Bundesregierung beschlossenen Lockdowns auch für sportliche (und eigentlich Gesundheit fördernde) Aktivitäten im Amateurbereich, könnte die Liga unterbrochen werden. Eine Zwangspause wäre bitter für alle. Ob die Regionalliga zum Amateur- oder doch Profisport zählt und damit weiterspielen darf, entscheidet sich endgültig am kommenden Montag. Eine schwierige Zeit.

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Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:1

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Stadionname:
Parkstadion Schalke
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