Babelsberg 03 II vs. Stahl Brandenburg: Wilde Schlussviertelstunde mit Happy End für Stahl

Babelsberg 03 II vs. Stahl Brandenburg: Wilde Schlussviertelstunde mit Happy End für Stahl

 
4.0 (3)
MB 26 Oktober 2020

Inneres Ringen. Schreibste noch oder legste das Spiel zu den Akten? Ausgelaugt „wie Sau“ nach der Fertigstellung eines 512-Seiten-Wälzers, und zudem hielten mich die Kinder auf Trab. Es waren ja Herbstferien. Nun ist der Auftritt des FC Stahl Brandenburg bei der zweiten Mannschaft des SV Babelsberg 03 bereits eine Woche her, doch gab ich mir innerlich grünes Licht, da am vergangenen Wochenende das Heimspiel des FC Stahl gegen die Concordia aus der Märkischen Schweiz Corona-bedingt ausfiel. Ey, komm, hau in die Tasten! Los jetzt hier, den inneren Schweinehund besiegen! Schließlich hatte die Mannschaft die 70 mitgereisten Stahl-Fans vor einer Woche in der Filmstadt glücklich gemacht. Und am kommenden Samstag geht es zum Nachbarschaftsduell nach Premnitz. Fahren wir hin - die beiden „Bambule-Kinder“ und icke! Der FC Stahl Brandenburg ist immer ne jute Option für ne nette Fußballsause. Stahl Feuer!

Ob wir in den „Nudeltop“ fahren, wurde ich vor einer Woche in der S-Bahn vom größeren Sohnemann gefragt. Jenau! Das Lied „Babelsberch 14482“ gefiel ihm außerordentlich gut, als wir mal vor drei, vier Jahren zusammen zu Gast im KarLi waren. „Mein Scheißhaus ist ne halbe Treppe tiefer… im Nudeltop da bin ick ouf jewachsen… war manchmal traurig und manchmal froh…“ In der Tat ein sensationell cooler Song.

Und wenn ich so überlege, wird es höchste Zeit, dass die beiden Kids auch mal ein Fußballspiel im Stadion am Quenz sehen, denn der beim Einlaufen der Mannschaften abgespielte Song „Stahl Feuer“ von Fauxpas ist ebenso ein Knaller, der für Gänsehaut sorgt. „Ich war noch ein Junge, als das Fieber über mich kam… Ob Dresden oder Rostock, Leipzig oder beim BFC, in jedem Stadion im Osten hat man unsere Fahnen gesehen.“ Geilomat! Mensch ja, der FC Stahl Brandenburg muss wieder höher spielen! Zumindest sollte es in dieser Saison mit dem Aufstieg von der Landesliga zurück in die Brandenburg-Liga klappen. Vom Schlachtruf „Stahl Feuer!“ sind die Söhne eh schon angefixt. Gut so, denn neben dem Herzensverein kann man ruhig einer ganzen Palette Vereine die Däumchen drücken. Vor allem, wenn es sich hierbei um echte Amateurvereine handelt!

Ich staunte selber, es ist bereits sechseinhalb Jahre her, als das Duell SV Babelsberg 03 II vs. FC Stahl Brandenburg auf dem Hauptplatz des Karl-Liebknecht-Stadions ausgetragen wurde. Damals spielten beide Mannschaften in der Brandenburg-Liga, und 449 zahlende Zuschauer fanden sich auf den Rängen des KarLi ein, unter ihnen rund 100 Gästefans. Damals gab es im Gästeblock das Spruchband „Schalke, Hamburg, Potsdam - Dialog statt Pfefferspray“ zu sehen. Kinder, wie die Zeit vergeht! Legendär war auch das Spiel im Jahr zuvor, als Stahl Brandenburg mit einem 4:0 auf der legendären „Scholle“ den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte.

Keine „Scholle“, kein Hauptplatz - dieses Mal wurde auf dem Kunstrasen-Nebenplatz gespielt. Aber auch dieser hat etwas. Auf der einen Seite kann man oben am Geländer der Nordkurve stehen, auf der anderen Seite steht es sich recht nett auf einer leichten Anhöhe. Hinter einem kann ein weiterer Nebenplatz bestaunt werden, bei dem die Außenlinie einen Knick macht. Für die Kinder ist diese Anlage sowieso ein Highlight. Vor dem Spiel wurde an einem Zwischenzaun der Nordkurve „Bambule“ geübt - eine Trockenübung sozusagen -, während der Partie lockten ein Erdhaufen und ein altes abgestelltes Auto. Schnell hatten sich vier, fünf Kinder zusammengefunden und ließen es sich auf dem weichen Erdhaufen gut gehen. Die Hände und die Kombi des Kleinen sahen nach Abpfiff richtig dufte aus. Ejal!

Ich zischte indes ein Bierchen und staunte, dass man mitunter immer wieder die gleichen Leute trifft. Der Oberhammer: Zwei von ihnen schauten aus dem Nichts gestern auch beim Kreisligaspiel SV Nord Wedding II vs. FC Polonia Berlin vorbei. Und ja, in Premnitz wird man sich erneut wiedersehen. Die Welt ist wahrlich klein. Und ja, sie wird wohl in den kommenden Wochen noch kleiner. Sprich: Die Auswahl an Spielen, die nicht ausfallen und bei denen Zuschauer zugelassen sind, wird wohl immer kleiner werden. 

Auf dem Platz gab es folgende Ausgangslage: Babelsberg 03 II war vor der Partie mit null Punkten und einem Torverhältnis von 0:16 auf dem letzten Platz zu finden. Leichtes Ding also für den Tabellenführer?! Man ahnte es bereits vorher. Eine leichte Sache würde es nicht werden. Hoch motiviert gingen die Babelsberger, aufgestockt mit ein paar Spielern aus dem RL-Kader, auf dem heimischen Kunstrasen zu Werke. Zwar trafen die Brandenburger bereits nach zwei Minuten ins Schwarze - der Treffer wurde jedoch wegen (angeblichem) Abseits nicht gegeben -, doch in der Folge wussten die Hausherren ihr Terrain zu verteidigen. Verrückt: Von Minute zu Minute wurden die Babelsberger besser, und nach der Pause wurde es zunächst nicht besser. Ähnlich wie in Brieselang schien es wieder auf ein 0:0 hinauszulaufen, denn vorn hatte der FC Stahl Brandenburg zu wenig Durchschlagskraft. 

Verrückt wurde es in der 73. Minute. Der Babelsberger Spieler Dominik N`Gatie regte sich maßlos über einen nicht gegebenen Elfmeter auf und brachte somit auch die angereisten Stahl-Fans in Wallung. Als man dachte, nun müsste mit der Meckerei auf dem Platz mal gut sein, legte N`Gatie noch weiter nach. Er lieferte sich Wortgefechte mit Stahl-Spielern und ließ sich zu einer Tätlichkeit hinreißen. Lautstark forderten die Stahl-Fans die Rote Karte, und nachdem sich der Schiedsrichter mit beiden Linienrichter beraten hatte, zückte er den Roten Karton. Frustabbau beim Gang in die Kabine, und auch die Eckfahne musste noch kurz dran glauben.

Nur zwei Minuten nach dem Tumult schoss der FC Stahl Brandenburg dann doch noch den Treffer des Tages. Nach Vorarbeit von Alexander Mertens und Nicholas Engel machte Torjäger Lukas Hehne seinen elften Treffer im elften Spiel. Stabile Leistung! Jubel bei den zirka 70 Stahl-Fans, doch musste noch bis in die Nachspielzeit gezittert werden. Am Ende waren die drei Punkte in trockenen Tüchern, und zu Fuß ging es gen Bahnhof Babelsberg. Dort ließ sich zwar der Babelsberger Nachwuchs auf der anderen Straßenseite sehen, doch am Ende tiefenentspannt fuhren alle nach Hause. Wir sehen uns in Premnitz im Stadion der Chemiearbeiter! Chemie gegen Stahl - mehr Ostalgie geht wohl nicht!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: FC Stahl Brandenburg

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0:1
Zuschauerzahl:
121
Gästefans
70

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2.0
Rot

Der Spieler wollte keinen Elfmeter sondern wurde von der Nummer 13 beleidigt. Geh in dein Land schwarzer und lern erstmal richtig Deutsch waren die Worte. Er darf sich sicher nicht so provozieren lassen und auch nicht schubsen, aber ...... Das passte auch zu einigen Zuschauern.

I
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