Von Ruinen, Playmates und dem Hauch von Ekstraklasa: Warta Poznań II gegen Kępno

Von Ruinen, Playmates und dem Hauch von Ekstraklasa: Warta Poznań II gegen Kępno

 
5.0 (2)
M 05 Oktober 2020

Zum ersten Mal spazierte ich zu Warta Poznań! 2006, 2008 und 2009, als Warta noch nicht zur Elite gehörte, wählte ich dreimal den Zug. Warta war immer für einen kleinen Sonntagsausflug mit dem Zug gut. In der Regel gab es immer etwas Interessantes auf den alten maroden Rängen zu erleben. Beim ersten Besuch zog der kleine Warta-Mob gegen Elana Toruń gleich vier Choreos durch. Auf dem Rückweg im Schienenersatzverkehr belehrten mich sogar noch Potsdamer Studenten über die Gefährlichkeit des polnischen Fußballs. Danach erlebte ich einen gut aufgelegten Trupp von Piast Gliwice. 

Am spannendsten war der Besuch im alten Stadion. Das ist eine riesige Schüssel, die sich gleich neben dem aktuellen Warta-Stadion befindet und eigentlich Stadion im. Edmunda Szyca heißt. In das Teil passten wirklich mal 70.000 Leute. ich wollte unbedingt mal ein Spiel in diesem Stadion sehen. Damals reiste ich zum Freitagabendspiel zwischen Lech und Lubin an, die damals noch eine Freundschaft pflegten. Da ich damals schon total früh in Poznań war und Zeit hatte, fragte ich einfach mal persönlich beim damaligen Präsidenten nach – allerdings war das noch nicht die Zeit von Präsidentin und Playmate Izabella Łukomska Pyżalska, die mit ihrem Einstieg in den Klub zwischenzeitlich für Furore sorgte. 

Dieser meinte damals zu mir, dass ich Glück hätte und am Samstag noch zwei Test-Spiele ausgetragen werden sollten. Also lungerte ich nach dem Abpfiff noch ewig in der Stadt herum, holte mir ein Wochenendticket, fuhr bis Wrocław, stieg aus, fuhr zurück nach Krzyż Wielkopolski, lungerte wieder knapp zwei Stunden auf dem Bahnhof herum und reiste dann weiter zum Ausgangspunkt. Es regnete und war kalt, zudem fegte ein Sturm über das Land, durch welchen viele Spiele abgesagt wurden. 10:00 – alles verwaist, 10:15 – der Regen knallt unerbittlich auf die Blätter der das Stadion zuwuchernden Bäume. Dann war es 10:16. 

Und da tauchten wirklich zwei Mannschaften, Angehörige, der Schiedsrichter und der Platzwart auf. Letzterer hatte eine Schaumstoffmatte in der Hand. Mit dieser nahm er die Pfützen aus den Strafräumen weg! In der Marathonkurve verbrannten damals Obdachlose Möbel, um an Metalle zu kommen. Auch 2019 lebten noch Obdachlose im Stadion, die ich bemerkte, als ich im letzten Jahr mal um das Stadion schlenderte. Das Stadion selbst ist natürlich gesperrt, da es im Prinzip nur noch eine Ruine ist.

Heute empfing die Zweitvertretung des Ekstraklasa-Aufsteigers in der fünften Liga im kleinen Warta-Stadion Polonia Kępno. Warta, der Meister von 1928 und 1947, blieb ziemlich bodenständig. In einem kleinen Fanshop beraten nette Angestellte die heute doch rege Kundschaft. Der Eintritt bei deutschen Zweitvertretungen von Erstligisten ist ja in der Regel schon ziemlich günstig. Egal, ob Arka,Warta oder Szczecin, bisher habe ich eigentlich nie Eintritt gezahlt. Ich denke, dass werden Einzelfälle sein. Die Ordner sprühten nur Desinfektionsmittel in die Hände und schon hat man die Tore passiert. 

Das Stadion hat sich sehr verändert seit dem letzten Besuch. Wie ein L wurden die Ränge angeordnet. Die alten Stufen samt Käfig wurden weggerissen. Dennoch ist der Anblick nett. Ganze 50 Leute wollten den Kick heute sehen. Wartas Reserve ließ nichts anbrennen. Zur Pause stand es schon 3-0, nach 90 Minuten 5-2. In der Pressekonferenz ließ dennoch der Trainer verlauten, dass ein sauberes Gegentorkonto besser gewesen wäre und er nicht zufrieden sei. Ich war zufrieden. Das Wetter hat gepasst, Ausflüge zu Warta sind immer nett und der Spaziergang zum Spiel brachte mir Eindrücke, die ganz zum alten Warta-Stadion passten.

Eine kleine Anmerkung noch zum Warta-Fanblock: Warta ist natürlich die klare Nummer 2 in der Stadt und erhebt auch keine Ansprüche auf den Thron. Dennoch versucht der kleine Haufen alle Auswärtsspiele mitzunehmen! Heimspiele werden zum Leidwesen der Fans aktuell in Grodzisk ausgetragen. Das städtische Stadion wäre einfach eine Nummer zu groß.

Fotos: Michael

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
5:2
Zuschauerzahl:
50
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