Nachruf: Emil Jula, hau drauf!

Nachruf: Emil Jula, hau drauf!

 
5.0 (4)
R 04 September 2020

Lange galt Emil Jula als Chancentod, ehe er bei Energie Cottbus doch noch zum Publikumsliebling wurde. An der Seite des jungen Nils Petersen stürmte er bis ins Pokalhalbfinale, und die Fans widmeten ihm sogar ein eigenes Lied. Nun ist der Mann, der das letzte Bundesligator von Energie Cottbus erzielte, gestorben. Emil Jula, hau' drauf!

Als die Spieler des FC Energie Cottbus am 23. Mai 2009 den Rasen des Stadions der Freundschaft betreten, stehen sie mit dem Rücken zur Wand. Es ist der letzte Spieltag der Bundesligasaison. An diesem Tag wird der VfL Wolfsburg Deutscher Meister werden und der VfB Stuttgart die Saison auf einem Champions League Platz abschließen, doch in der Lausitz hat man zu diesem Zeitpunkt ganz andere Probleme. Mit nur 27 Punkten stehen die Cottbuser auf einem Abstiegsplatz, und wenn der DFB nicht vor der Saison beschlossen hätte, die Relegationsspiele wieder einzuführen, wäre der Abstieg bereits besiegelt. 

Doch trotz dieses Hintertürchens sieht es für den FC Energie zunächst nicht gut aus. Das Spiel gegen Leverkusen plätschert dahin, es steht 0:0, während die direkten Konkurrenten aufspielen und früh in Führung gehen. Zur Pause sind die Cottbuser Letzter. Für die Rettung brauchen sie ein Wunder – und das bekommen sie. 

Die zweite Halbzeit wird zur großen Show eines Rumänen, der ein Jahr zuvor mit hohen Erwartungen in die Lausitz gewechselt ist. Doch anders als zahlreiche andere Osteuropäer aus der damaligen Cottbuser Mannschaft wird Emil Jula in Brandenburg zunächst nicht glücklich. Stets wirkt der über 1, 90 Meter große Mittelstürmer in seinen Bewegungen etwas schlaksig, immer wieder misslingen ihm Ballannahmen, und spätestens seit er im Spiel gegen Hertha BSC einige Monate zuvor aus wenigen Metern das leere Tor verfehlte, gilt er als unverbesserlicher Chancentod.  

Doch an diesem Tag ist alles anders. Kurz nach der Halbzeit wird Jula per Steilpass geschickt, setzt sich im direkten Duell gegen einen Leverkusener Verteidiger durch und trifft unter Mithilfe des Innenpfostens zur Cottbuser Führung. Doch damit nicht genug: Keine zwanzig Minuten später taucht er erneut frei vor dem gegnerischen Tor auf, erzielt das 3:0 und befördert seine Cottbuser damit in die Relegation. Auch den Sportschaukommentator hält es nun nicht mehr auf dem Sitz. „In der Vergangenheit wurde er ausgepfiffen bis zum geht nicht mehr, und jetzt der Doppelpack des Mannes, dem das niemand mehr zugetraut hat!“, ruft er ins Mikrofon. 

Was damals noch niemand wissen kann: Die Relegationsspiele gegen den 1.FC Nürnberg wird der FC Energie blamabel verlieren. Und das sollte erst der Anfang sein, denn im darauffolgenden Jahrzehnt wird den Klub bis in die Regionalliga abstürzen. Das Spiel gegen Leverkusen war das letzte Bundesligaspiel des FC Energie Cottbus, Emil Jula der letzte Torschütze. Am vorvergangenen Samstag ist er verstorben. 

Geboren wurde Jula am 3. Januar 1980 in der zweitgrößten rumänischen Stadt Cluj-Napoca, wo er im Alter von neun Jahren beim örtlichen Erstligisten Universitatea Cluj mit dem Fußballspielen begann. Schon bald zeichnete sich sein Talent ab, sodass er 1998 mit 18 Jahren seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Bis 2006 hielt er seinem Heimatverein die Treue, ehe er innerhalb der rumänischen Liga zu 

Otelul Galati wechselte. Seine Quote von 31 Toren in 65 Spielen ließ schließlich den damaligen Bundesligisten Cottbus auf ihn aufmerksam werden. Der FC Energie war damals eine beliebte Adresse für osteuropäische Kicker. Dimitar Rangelow, Stanislav Angelow, Erwin Skela oder Tomislav Piplica bildeten bereits das Fundament der Mannschaft.

Doch auch als das Team nach dem Bundesligaabstieg 2009 auseinander fiel und die genannten Spieler den Verein verließen, hielt Jula dem FC Energie die Treue und schoss in der zweiten Liga plötzlich Tor um Tor. Als mittlerweile erfahrener Profi bildete er zusammen mit dem jungen Nils Petersen ein famoses Angriffsduo, insbesondere in der Saison 2010/11 stürmte die Mannschaft durch die zweite Liga. Gegenüber der Lausitzer Rundschau äußerte sich letzterer bestürzt über den Tod seines einstigen Mitspielers: „Ich bin zutiefst schockiert, traurig und entsetzt. An Emils Seite konnte ich mich entwickeln, weil er einer der liebsten, hilfsbereitesten und demütigsten Mitspieler war, die ich in meiner Karriere kennenlernen durfte. Ich habe jetzt noch Gänsehaut und kann es nicht glauben. Nein – ich möchte es nicht glauben.“

39 Tore erzielten die beiden Angreifer in einer Saison, und die Fans auf der Nordtribüne widmeten ihrer Nummer neun sogar ein eigenes Lied. „Emil Jula, hau drauf!“ schallte es fortan von der Nordtribüne, wenn sich der Publikumsliebling mal wieder in aussichtsreicher Position befand. Und um ein Haar hätte er 2011 sogar das DFB-Pokalfinale erreicht, doch der FC Energie verlor das Halbfinale in Duisburg unglücklich.

Ausgerechnet Duisburg wurde dann auch Julas nächste Station, doch an seine Leistungen im rot-weißen Trikot konnte er dort nicht mehr anknüpfen. In 23 Spielen schoss er nur noch vier Tore, er wurde zwischendurch nach Zypern und Osnabrück verliehen, ehe er 2013 zurück in seine Heimat ging. Doch auch bei seinem einstigen Jugendverein gelangen ihm keine Treffer mehr und 2015 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er in der Landes- und Oberliga seine Karriere ausklingen ließ.

Am Morgen des 22. August 2020 klagt Jula über starkes Unwohlsein. Er ruft einen Notarzt, von dem er sich Tabletten geben lässt. Daraufhin legt er sich ins Bett – und erleidet eine halbe Stunde später einen tödlichen Herzinfarkt. Emil Jula wurde nur 40 Jahre alt. 

Text: Yannic Lacombe

Foto: Los Misenas

Inhalt über Klub(s):

Ligen

Inhalt über Liga
1. Bundesliga
Artikel weiterempfehlen / teilen:

Benutzer-Bewertungen

4 Bewertungen
Kommentar & Artikelbewertung:
 
5.0(4)
Hast du schon ein Konto?
Ratings
Kommentar & Artikelbewertung:
Datenschutz
Durch das Anhaken der folgenden Checkbox und des Buttons "Absenden" erlaube ich turus.net die Speicherung meiner oben eingegeben Daten:
Um eine Übersicht über die Kommentare / Bewertungen zu erhalten und Missbrauch zu vermeiden wird auf turus.net der Inhalt der Felder "Name", "Titel" "Kommentartext" (alles keine Pflichtfelder / also nur wenn angegeben), die Bewertung sowie Deine IP-Adresse und Zeitstempel Deines Kommentars gespeichert. Du kannst die Speicherung Deines Kommentars jederzeit widerrufen. Schreibe uns einfach eine E-Mail: "kommentar / at / turus.net". Mehr Informationen welche personenbezogenen Daten gespeichert werden, findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ich stimme der Speicherung meiner personenbezogenen Daten zu:
Kommentare
Kommentar & Artikelbewertung:
 
5.0
J
War diese Bewertung hilfreich für dich? 1 0
Kommentar & Artikelbewertung:
 
5.0
G
War diese Bewertung hilfreich für dich? 1 0
Kommentar & Artikelbewertung:
 
5.0
G
War diese Bewertung hilfreich für dich? 2 0
Kommentar & Artikelbewertung:
 
5.0
G
War diese Bewertung hilfreich für dich? 1 0