1. FC Frankfurt vs. Energie Cottbus: Pfifferlinge, kleiner Fanmarsch und viel Piwo

1. FC Frankfurt vs. Energie Cottbus: Pfifferlinge, kleiner Fanmarsch und viel Piwo

 
5.0 (3)
MB 27 Juli 2020

Jeszcze raz! Piwo, prosze! Zurücklehnen, entspannen und das zweite Bier des Tages genießen. Auf der Terrasse des Restaurants fühlte man sich ein wenig auf den Balkan versetzt, doch statt Cevap gab es „Kurki“ zu futtern. Pfifferlinge auf angeröstetem Weißbrot - wahrlich eine überaus leckere Angelegenheit. Ein Blick auf die Uhr - noch war reichlich Zeit. Es ist doch klar, dass man vor dem Spiel im Frankfurter Stadion der Freundschaft einmal in Słubice vorbeischauen musste. Das dachten sich auch 30 sportliche Energie-Fans, die wie der Zufall es wollte wenig später genau im gleichen Restaurant aufschlugen. Schnitzel, Bier und gute Laune. Endlich wieder Fußball! Wenngleich noch nicht ganz im normalen Rahmen. Aber immerhin! Exakt 540 Zuschauer waren für das Freundschaftsspiel 1. FC Frankfurt vs. FC Energie Cottbus zugelassen. Unter normalen Umständen hätte diese Partie gewiss rund 2.000 Fußballfreunde angezogen, denn vor allem in der Lausitz zeigte man großes Interesse am Ausflug nach Frankfurt/Oder. 

Zu DDR-Zeiten traf man als FC Vorwärts Frankfurt und BSG Energie Cottbus dreimal im FDGB-Pokal aufeinander, hinzu kamen zehn gemeinsame Spielzeiten in der DDR-Oberliga. 1978/79 wurde zudem in der Aufstiegsrunde zur Oberliga gegeneinander gespielt, beide Duelle konnten die Frankfurter für sich entscheiden. Beim letzten Aufeinandertreffen im Ligabetrieb am 23. März 1991 hieß der Gastgeber bereits FC Victoria '91 Frankfurt, und in den Reihen stand noch Thomas Rath, der vor 1.300 Zuschauern beide Treffer erzielte. Der Endstand lautete 2:2. Noch war das Vereinswappen Gelb-Rot gestaltet, doch wenig später wurde der Name in Frankfurter FC Viktoria 91 umgewandelt, und das Wappen war fortan Rot-Weiß-Grün. Am 1. Juli 2012 entstand im Zuge der Fusion mit dem MSV Eintracht schließlich der 1. FC Frankfurt. Die Kräfte sollten in der Oderstadt gebündelt werden, doch nicht wenige Fans, die früher bereits zum FC Vorwärts gepilgert waren, wandten sich nun endgültig vom Verein ab.

Bedauernswert ist es in jedem Fall, dass die Frankfurter nicht in der Regionalliga spielen. Mensch, das wäre ein Ding! Immer erfreut man sich als mit dem Regionalexpress Angereister am Fußweg vom Bahnhof runter in die Stadt. Und das Stadion als solches, das wahrlich einen besonderen Charme versprüht! Leider sind jedoch inzwischen drei der vier alten Flutlichtmasten demontiert. Die Stahlträger habe man wohl gleich nach Eisenhüttenstadt zum Einschmelzen gebracht, erklärte mir später ein Zuschauer im Stadion. Nur ein Mast blieb stehen, denn dieser dient bereits seit etlichen Jahren als Funkmast. Den Aufbau für die Flutlichter wurde bereits entfernt. 

Und Energie Cottbus? Beim Piwo in Słubice wurde noch rasch über die kommende Saison gefachsimpelt. Man sei gespannt, wie im dortigen Stadion der Freundschaft das Hygienekonzept aussehen wird. Zudem sei man sich noch nicht sicher, ob man aufgrund der Maßnahmen überhaupt ins Stadion gehen wird. Fragen über Fragen - noch sei alles völlig offen. Gläser leer? Geschlossen marschierten die rund 30 Cottbuser anschließend zur Oderbrücke, fertigten vor dieser ein Erinnerungsfoto an und steuerten schließlich die Frankfurter Spielstätte an. 

Aus der Ferne konnte bereits die Stadionmusik vernommen werden, doch leider grüßten einen nicht wie früher zwischen den Bäumen die dunklen Flutlichtmasten, die so schön an Osteuropa erinnerten. Im Stadion zeigte man sich als überaus entspannter Gastgeber. Völlig unaufgeregt ging es am Einlass zu. Erstaunlich, denn wann kamen zuletzt mal schätzungsweise 300 Gästefans? Ein paar Cottbuser staunten nicht schlecht, als sie quasi gar nicht kontrolliert wurden. Wie jetzt? Schon drin?! Doch man wusste sich zu benehmen. Sämtliche Anwesenden wollten einfach nur tiefenentspannt endlich mal wieder ein Fußballspiel sehen. Und nicht zu vergessen: Im Nachwuchsbereich verbindet beide Vereine eine feste Kooperation. Von daher wurden im Vorfeld auch Freundschafts-T-Shirts verkauft, die für Außenstehende auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig wirkten.

Werden im Ligaalltag bei der einen oder anderen Partie einige rot-gelbe Stoffe an den Zäunen befestigt, so blieb beim Spiel gegen Cottbus leider der nostalgische Hingucker aus. Die Heimzuschauer - zwei trugen hübsche rot-gelbe Schals - saßen und standen größtenteils auf Seiten der Haupttribüne, den Energie-Fans überließ man die komplette Gegengerade. Aufgebaut wurden zwei Bierstände, und auch der Preis von drei Euro ging in Ordnung. Gab es eigentlich auch einen Grill? Aufgrund des mit Pfifferlingen gefüllten Magens hatte ich darauf gar nicht geachtet. Dafür wurde am Getränkestand für Umsatz gesorgt. Hey, das musste schon sein, wenn man mal wieder in diesem genialen Rund zu Gast war.

Auf dem Rasen ging der Regionalligist aus der Lausitz bereits in der 11. Minute Dank des Treffers von Felix Brügmann mit 1:0 in Führung. Der Klassenunterschied wurde zwar schnell deutlich, doch spielten die Frankfurter erstaunlich mutig nach vorn. Man hielt dagegen und ließ sich nicht unterbuttern. Und siehe da, in der 37. Minute wurde die Mühe in Form eines gegebenen Elfmeters belohnt. Zum Elfmeterpunkt trat das Eigengewächs Sandro Henning, souverän wurde verwandelt. Für ihn war es ein geniales Abschiedsgeschenk, denn in wenigen Tagen wird er Dank eines Sport-Stipendiums in die USA wechseln. Das 1:1 konnte jedoch nicht mit in die Pause genommen werden, denn in der 44. Minute machte Brügmann seinen zweiten Treffer des Tages.

Erfreuliches gab es wenig später auf Gästeseite zu sehen. Der von Union Fürstenwalde gekommene Nils Stettin machte von der 56. bis zur 66. Minute mal eben drei Buden. Lupenreiner kann ein Hattrick nicht sein! In der Folge wurde es ruppiger, nach einer Notbremse musste der Frankfurter Verteidiger Sebastian Lawrenz mit Rot vom Platz. Den Schlusspunkt des Tages setzte Felix Geisler, der in der 88. Minute zum 6:1 für Energie Cottbus traf. Die Frankfurter hatten sich teuer verkauft, doch am Ende war der Klassenunterschied allzu deutlich erkennbar. Was bei der Wärme auch wenig überraschend war. Konditionell hatte der Regionalligist ganz einfach mehr zu bieten.

Noch ein letztes Bier in kleiner Runde im Stadion, danach ging es für uns zu zweit noch einmal die Oder entlang, um in Słubice noch ein wenig mit dem einen oder anderen Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Als zu später Stunde sogar ein Musiker vor einer Kneipe zu spielen begann und teilweise mitgetanzt und gesungen wurde, kam wieder das eingangs erwähnte Balkan-Feeling auf. Solch ein Gesamtpaket kann ich wirklich jedem nur wärmstens empfehlen! Einfach mal in den Spielplan schauen, wann der 1. FC Frankfurt ein halbwegs interessantes Heimspiel hat. Vielleicht zieht die Losfee im Herbst ja mal ein dolles Los, und Energie Cottbus oder der SV Babelsberg 03 reisen im Rahmen des Landespokals an die Oder…

Ein Gruß an dieser Stelle an alle Gesprächspartner! Es war dufte mit Euch! 

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Frankfurt vs. FC Energie Cottbus

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Spielergebnis:
1:6
Zuschauerzahl:
540
Gästefans
300

Ligen

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