Für den Fußball eine Extrawurst

Für den Fußball eine Extrawurst

 
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BM 13 Mai 2020

Es ist schon nicht mehr schön anzusehen, wie sich alles nur um den Profi-Fußball dreht! Das so unkontrollierbare Coronavirus hat aber offensichtlich mit den Herren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen „gefährlichen“ Gegner gefunden, der mit absoluter Blauäugigkeit nur seine eigenen Interessen durchsetzen will nach dem Motto: Geld regiert die Welt! Nur werden sie als David gegen den unwiderstehlichen Goliath am Ende mit Sicherheit den Kürzeren ziehen.

Die im Vorfeld des Restart in einigen Vereinen bereits nachgewiesenen Infizierten, dazu das unmögliche Video des Herthaners Salomon Kalou, all das sind Zeichen, die den normalen Bürger in dieser schweren Zeit zu denken geben müssen. Viel schlimmer als das Video – der sympathische Kalou schien eigentlich nur erfreut über die negativen Tests und hat in seiner Euphorie die Kontrolle verloren – sind die ihm entgegen gestreckten Hände z.B. eines Vedad Ibisevic, eine Geste, die ebenfalls sanktioniert werden müsste. Pech für sie bzw. eigene Dummheit, dass die modernen Medien ihnen einen Streich gespielt haben. Die Reue des sozial engagierten Kalou kommt zu spät, dennoch sollte man nicht ganz den Stab über ihn brechen. Wer hat nicht schon einmal aus Euphorie oder Verzweiflung etwas völlig Unüberlegtes getan? Es ist eine unsichere Zeit, von der keiner weiß, wie es am Ende der Krise aussehen wird. 

Bislang hat Deutschland die Krise gut im Griff, insbesondere Dank einer überlegt handelnden Bundeskanzlerin, die jetzt von den Ministerpräsidenten-/innen sukzessive ausgekontert wurde. Da hilft auch keine Notbremse gegen Herrn Laschet, der aber den selbst getretenen Elfmeter in die Wolken schießt und die hämischen Lacher auf seiner Seite hat. Frau Merkel hat in der schwierigen Situation kühlen Kopf bewahrt und bewiesen, dass ihr Handeln absolut richtig war. Es wäre zu wünschen, dass sie es sich noch einmal überlegt, eine weitere Regierungsperiode wahrzunehmen! Aber sie ist schlauer als all die anderen und wird dieses mit Sicherheit nicht tun. 

Nachdem die erste Welle der Coronakrise dank harter Maßnahmen, aber mit immenser staatlicher Unterstützung für die meisten noch glimpflich ausgegangen ist, ist eine behutsame Lockerung jetzt durchaus überlegenswert. Die gestern beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung sind unter Gesundheitsaspekten aber diskussionswürdig und das sieht bestimmt auch das Robert-Koch-Institut so, das seine täglichen Pressekonferenzen auch aus diesen Gründen eingestellt haben dürfte?! Die Stimmen aus der Wirtschaft sind zwar nachvollziehbar, aber der Schuss kann ganz schnell nach hinten losgehen. Und ob dann bei einer eventuellen zweiten Welle die Gelddruckmaschine des Bundes  ihren Geist aufgibt, sei einmal dahingestellt. Es dürfte klar sein, dass die Welt nach dieser Krise anders aussehen wird und wir alle kürzer treten müssen.

Und das trifft ganz besonders auf den Profi-Fußball zu! Die verjährten Mauscheleien des DFB um das Fußballmärchen der Weltmeisterschaft 2006, die merkwürdige Handhabung der DFL gegenüber der 3. Liga, die als Profiliga eingeführt wurde und dennoch nicht die gleiche Behandlung erfährt wie die 1. und 2. Bundesliga und die neuerdings teilweise fehlende, finanzielle Unterstützung des reichen DFB in Bezug auf den Jugendfußball, all das wirft kein gutes Licht auf die mächtigen Herren des Profifußballs. Es ist einfach unverständlich, dass jetzt bei Ausbleiben der Fernsehgelder mehrere Vereine die Insolvenz beantragen müssten. Die Frage lautet: wie haben sie eigentlich in der Vergangenheit gewirtschaftet? Neben überhöhte Ablösesummen, exorbitante Spielergehälter sind es aufgeblähte Kader, dazu zu viele Co.- und sonstige Trainer, Physios und Zeugwarte etc., ein Kosten- apparat, der irgendwann dann nicht mehr zu stemmen ist.

Lobenswert bleibt allerdings das Engagement vieler Spieler, die Gehaltskürzungen in Kauf genommen und sogar vereinzelt größere Spenden für soziale Zwecke veranlasst haben. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man die Spieler auch um ihren Rat hinsichtlich der Wiederaufnahme der restlichen Spieltage einmal gefragt hätte! Gesundheit muss nun einmal an erster Stelle stehen und danach sollte dann auch verfahren werden. Darüber hinaus spricht außerdem keiner über den Schutz für die Schiedsrichter, die im bunten Treiben auf dem Feld die wichtigste Rolle einnehmen. Man kennt von den Wissenschaftlern keinen, der ein Ende der Pandemie voraussagen kann, vielmehr sind Zeitpunkte von Ende 2020 bis sogar ins Jahr 2021 im Fokus, die eigentlich nur eines zulassen: zunächst Abbruch in allen Ligen auch unterhalb der Profiligen und Fortführung der restlichen etwa 10 bis 12 Spieltage im Frühjahr 2021. Dann gibt es mal eben keine Meister sowie Auf- und Absteiger für das Jahr 2020, was durchaus zu verkraften wäre. 

Aber dazu bedarf es zumindest auf professioneller Ebene der Einigkeit von Europa und hinzu  kommen natürlich auch die in diesem Jahr auslaufenden Spielerverträge bzw. Neuverträge ab Sommer 2020, die das Restprogramm dann positiv wie negativ beeinflussen könnten. Doch im Hinblick auf seit Jahren schon zwei Wechselperioden im Fußball sollte auch dieses Szenario zu meistern sein. Es wurden viele Möglichkeiten für den Restart erörtert, aber jede lässt immer Gewinner und Verlierer übrig, abgesehen davon, dass bei jetzt ermittelten Auf- bzw. Absteigern dem DFB mit Sicherheit eine Klagewelle drohen würde. 

Die jetzt schon verfügte Sperre bis Ende August dieses Jahres für Großveranstaltungen wird meines Erachtens noch weiter verlängert werden, so dass ein Weiterspielen Anfang nächsten Jahres keine schlechte Option wäre. Das wäre vom DFB und der DFL mal ein gutes Zeichen, das dem kritikwürdigen Image des Profifußballs zugutekommen würde.  Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Übertragungsrechte sind notwendig und die Profiligen sind Wirtschaftsunternehmen, aber der Fußball lebt vor allem in den unteren Ligen nur von den Zuschauern und Fans, die letztlich auch den Profisport erst zu dem gemacht haben, was er heute ist. Das sollte nicht vergessen werden! Geisterspiele sind daher eigentlich undenkbar und ein Schlag ins Gesicht der vielen Fans.    

Bericht: Bernd Mülle 

Fotos: Arne Amberg, Felix, Marco Bertram, Anika

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