Hansa Rostock vs. Eintracht Braunschweig: Legendäre Spiele benötigen Flutlichtausfälle

Hansa Rostock vs. Eintracht Braunschweig: Legendäre Spiele benötigen Flutlichtausfälle

 
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MB 10 März 2020

Als am gestrigen Abend unmittelbar nach Spielbeginn zwei Flutlichtmasten des Rostocker Ostseestadions ausfielen, meinten nicht wenige: Selbst das Flutlicht hat keinen Bock auf Montagsspiele! Nahe liegt die Vermutung, denn es steht außer Frage, dass Montagsspiele seit jeher ein echter Graus sind. Die zweite Bundesliga darf sich bekanntlich bereits seit den 1990ern mit diesen herumschlagen. Und seitdem es diese gibt, gibt es auch den Protest der Fans. Bereits vor über 20 Jahren hallte das „Scheiß DSF!“ über die Plätze unserer Republik. Andererseits muss man sagen: Solch ein Flutlichtausfall hat auch viel schönes, denn somit verankert sich das entsprechende Fußballspiel noch fester im Gedächtnis. Kurioserweise fällt das Flutlicht häufig bei ganz besonderen Partien aus. Wenn es um richtig was geht. Wenn Weichen gestellt werden. Wenn es auf den Rängen richtig knistert.

Unvergessen ist das DFB-Pokalspiel Rot-Weiss Essen vs. TSV Bayer 04 Leverkusen, das am 4. Oktober 1995 im proppenvollen Georg-Melches Stadion ausgetragen wurde. 22.000 Fußballfreunde strömten an die Hafenstraße, sorgten für eine „knallvolle Hütte“ (Zitat Poschmann) und eine Begrüßung, wie der ZDF-Kommentator sie bis dato in 23 Berufsjahren nur in Mexiko Stadt im Aztekenstadion erlebt hatte. Nach der irren Pyroshow gab es einen Stromausfall, in dessen Folge zwei Flutlichtmasten vorerst streikten. Gespielt wurde zunächst im Dämmerlicht, am Ende musste sich RWE nach einem irren Fight im Elfmeterschießen geschlagen geben.

An anderer Stelle wurde vermutet, dass das Licht mal eben mit Absicht ausgeknipst wurde. So beim CL-Duell Besiktas Istanbul vs. RasenBallsport Leipzig. Gerade bei einer Sturm- und Drangphase der Gäste ging das Licht aus. Als es dann zehn Minuten später wieder anging, konnte Besiktas die Partie mit 2:0 gewinnen. Apropos Flutlicht. Der Legende nach legte einst der Schäng (Jean Löring) bei Fortuna Köln selber Hand an, um nach einem Flutlichtausfall einen Spielabbruch zu verhindern. Bei der Frauen-WM 2011 soll indes ein altes DDR-Kabel schuld gewesen sein, dass im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bei der Partie Kanada vs. Nigeria das Licht komplett ausfiel. 

An solche Dinge erinnert man sich doch mit einem Schmunzeln. Stromausfall wegen exzessiver südländischer Stimmung. Ein Vereinspräsident, der selber Hand anlegte. Ein Kabel aus DDR-Zeiten, das an allem Schuld war. Und nun: Ein Ausfall zweier Flutlichtmasten im Ostseestadion, der ein irres Fußballspiel einläuten sollte. Und Mensch ja, was hatte man aus Rostocker Sicht erwartet? Montagsspiel - scheiße. Stimmung auf den Rängen - scheiße. Wetter - scheiße. Ungewissheit wegen Corona - scheiße. Und das erwartete Ergebnis auf dem Rasen? Nicht wenige vermuteten, dass der F.C. Hansa mal wieder versagen würde, wenn es in einem „6-Punkte-Spiel“ drauf ankommen würde und der Abstand zur Tabellenspitze verringert werden könnte. In all den Jahren 3. Liga gab es immer wieder Situationen, in denen die Rostocker ganz nett auf Tuchfühlung waren, es dann aber in wichtigen Spielen vergeigten. 

Anders gestern. Nach der knappen Niederlage bei Preußen Münster zeigte die Mannschaft Reaktion. Und was für eine! Aber zuerst ging nach wenigen Sekunden das Licht aus. Genauer gesagt, das Licht zweier Masten. Auf der Südtribüne gab es sogleich ein passendes Spruchband zu sehen: „Montags hat nicht mal das Flutlicht Bock.“ Alles nur ein Gag? Gab es gar keinen technischen Defekt? Die genaue Antwort dazu werden wir wohl nicht erfahren, und ist auch nicht weiter schlimm. Zuerst war der eine Mast wieder an, mit einer Verzögerung leuchteten dann auch wieder die Lampen am vierten Mast. 

Das Spiel konnte nach 20 Minuten fortgesetzt werden, und die Rostocker legten los wie die Feuerwehr! Hansa kam über die linke Außenbahn, der Ball wurde locker reingebracht, und Nikolas Nartey zog einfach mal ab. John Verhoek brachte noch seinen rechten Fuß ins Spiel und somit den Ball in die passende Richtung. Für den Braunschweiger Keeper Jasmin Fejzic gab es nichts zu halten - 1:0 für Hansa Rostock nach nicht einmal zwei Minuten! Doller Jubel auf den Rängen und reichlich Grüße vom Torschützen in Richtung jene. 

Als wenig später sich auf der Gegenseite Nick Proschwitz mit einem Schuss versuchte, dachte man noch, dass es eine ausgeglichene Partie werden würde. Der Tabellenstand ließ dies ja auch vermuten. Doch denkste, Rostock erspielte sich fortan ein Übergewicht und bestimmte ganz klar die Partie. Und es wurde sich auch selbst belohnt! In der 14. Minute hieß es 2:0. Daniel Hanslik bekam die Kugel von der rechten Außenbahn und überlegte kurz, was nun zu tun sei. Umringt von drei Gegenspielern stand er anfangs mit dem Rücken zum Tor, dann wurde sich gedreht, der Gegner getunnelt und abschließend der Ball im Gehäuse untergebracht. Was für eine tolle Einzelleistung - was für ein toller Treffer! Aber klar, die Abwehrleistung der Braunschweiger war auch alles andere als drittligatauglich.

Gut, so kann es weitergehen, dachte sich wohl der F.C. Hansa Rostock. Wie wäre es denn mit einem klasse Freistoßtreffer? Aus geschätzten 20 Metern legte sich Aaron Opoku den Ball zurecht und haute diesen dann ans Aluminium. Mein lieber Scholli! Das hätte gesessen! Und es ging munter weiter. Opoku hatte wenig später aus dem Spiel eine prima Möglichkeit, doch war der Gästekeeper zur Stelle und konnte Schlimmeres verhindern. Es folgten weitere Möglichkeiten der Gastgeber, und unmittelbar vor dem Pausentee wurde ein Treffer von Opoku nicht gegeben, weil der Schiedsrichter zuvor ein Stürmerfoul an Robin Becker gesehen hatte.

Zweite Halbzeit - gleicher Anblick. Hansa Rostock bestimmte das Spiel. Allerdings sehnten sich die Fans nach dem dritten Treffer. Nur nicht das Ganze wieder einmal in der Schlussphase vermasseln. Ein blödes Gegentor aus dem Nichts, und Braunschweig hätte eventuell wieder Morgenluft gewittert. Aber keine Sorge. Dieses Mal ließ Rostock wahrlich nichts anbrennen. Immer wieder griffen sie an und ließen Eintracht Braunschweig einfach nicht ins Spiel kommen. Schüsse aus allen Lagen, inzwischen hätte Hansa gut und gern 5:0 oder 6:0 führen können. 

In der 65. Minute holte Aaron Opoku den Ball runter und bediente mustergültig Nils Butzen, dessen guter Schuss allerdings nur die Latte traf. Es dauerte bis zur 90. Minute, in der endlich der dritte Treffer fallen wollte. Nach prima Vorarbeit von Nikolas Nartey und Korbinian Vollmann konnte John Verhoek von schräg links gekonnt abschließen. 3:0 für Hansa Rostock - und dabei sollte es schließlich bleiben.

„Rostock war in allen Belangen überlegen. Enttäuschende Leistung, verdient verloren“, schrieben die Braunschweiger auf ihrer FB-Seite. Dank dieses Sieges konnte Hansa Rostock mit Eintracht Braunschweig gleichziehen. Der Rückstand auf die Plätze zwei und drei beträgt nur noch drei Punkte. Das Ganze ist inzwischen dermaßen zusammengerückt, so dass inzwischen die halbe Liga um den Aufstieg mitspielt. Gegen den Abstieg spielt indes der FSV Zwickau - und zu diesem muss der F.C. Hansa Rostock am kommenden Wochenende reisen. Wenn, ja wenn das Ganze nicht abgeblasen wird. Im Raum stehen Geisterspiele oder eine Verlegung der Drittligapartien. Ob mit Publikum oder ohne Publikum, im Falle eines Sieges in Westsachsen wäre Hansa Rostock richtig gut dabei, da es oben drei Partien gibt, bei denen sich gegenseitig die Punkte abgenommen werden. Aus Rang acht könnte somit ganz schnell Platz sechs oder fünf werden. In der Woche darauf kommt es am Mittwochabend zum Duell mit dem SV Waldhof Mannheim. Wie gesagt, wenn es nicht zu Absagen bzw. Verlegungen kommt…

Fotos: Ulf Lange / fusballfotografie, Marco Bertram, Arvid Langschwager

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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Spielergebnis:
3:0
Zuschauerzahl:
12.500

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Nur kein Saisonabbruch jetzt...

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