Rot-Weiss Essen entzaubert: VfB Homberg gewinnt überraschend bei RWE

Rot-Weiss Essen entzaubert: VfB Homberg gewinnt überraschend bei RWE

 
5.0 (2)
KH 14 Dezember 2019

Bittere Erkenntnis für die Rot-Weiss Essen Fans und das an einem Freitag den 13. (Dezember): Es braucht keinen Acker von einem Spielfeld, es braucht kein parteiisches Schiedsrichtergespann, es braucht nur eine disziplinierte Abwehrleistung, etwas Glück im Spiel und Kampf bis zum Krampf sowie ein wenig Schauspielkunst am Ende um an der Hafenstraße zu bestehen. Fazit des Abends: Der Abstiegskandidat VfB Homberg aus Duisburg gewinnt beim überlegenen Aufstiegsaspiranten Rot-Weiss Essen mit 2:0 und muss dafür kaum was tun.

Essen entzaubert? Ja, aber nur für diesen einen Augenblick an diesem nasskalten Winterabend an der Hafenstraße vor 8.495 Zuschauern (nicht mehr als 50 Gästefans). Auch wenn die Kritiker aus Foren, sozialen Medien und vom regionalen Sportblättchen ihre Chance wittern und aus ihrem Keller kommen und jeden Grashalm umdrehen, um an der Mannschaft herumzukritteln, als ob sie nur darauf gewartet hätten: Das eine vermurkste Spiel macht nicht eine bisher „zauberhaft“ gespielte Saison kaputt. Hand aufs „rot-weisse“ Herz, wann wurde zuletzt so eine „geile“ Spielzeit an der Hafenstraße und auswärts zelebriert?



Lange ist es her: Vor fünf Jahren lief es bei Rot-Weiss Essen ähnlich gut bis zum Spitzenspiel gegen Alemannia Aachen (Foto unten) im Februar 2015. Noch besser lief es in der Saison 2010/2011 (NRW Liga) kurz nach der Insolvenz. In der Folge stieg RWE dann auf und hängt seitdem in der Regionalliga West fest. Was gestern fehlte war dieser eine besondere Moment, den es diese Saison schon oft gab und beispielsweise auch 2010 an einem Freitag den 13. an der Hafenstraße 97A. Damals der erste Spieltag der Saison, Gegner wie gestern der VfB Homberg. Matchwinner war ein gewisser Alexander Thamm, der in der 89. Spielminute den Siegtreffer (1:0) für Rot-Weiss mit dem Tor des Monats (August) ablieferte. Ein prägendes Spiel für die weitere Saison.



Das gestrige Spiel wird sicherlich auch prägen und verlangt nach Aufarbeitung. Gefühlt über 90 Prozent Ballbesitz und kaum eine zwingende Torchance, dafür zwei Glückstore für den hoch motivierten Gegner. Dabei begann das Spiel sehr besinnlich mit Spendensammeln für die Kleinsten und einem Wunderkerzenmeer auf der West. Jeder im Stadion rechnete mit einem Heimsieg. Zwar war das Hinspiel schon denkbar knapp ausgegangen und der VfB Homberg konnte auch den SC Verl besiegen, aber alles andere als einen Heim-Dreier sollte nicht unter dem RWE-Baum liegen. Es kam anders und es gab statt einer Essener Bescherung eine vorzeitige Weihnachtsüberraschung für die Duisburger vom Rheindeich.

Während die Essener eine Offensivaktion nach der anderen in Richtung Gästetor vorantrieben, reichte ein Glücksmoment für die komplette Ekstase der Gästebank. Patrick Dertwinkel nahm sich nach einem Konter, der irgendwie nicht unterbunden wurde, ein Herz und zog einfach mal aus 25 Metern ab und traf in den Winkel. Marke Tor Glückstor des Monats. Die Essener kaum geschockt fuhren ihr Spiel fort, hatten mehrfach Möglichkeiten zum Ausgleich, aber die Homberger standen gut und fläzten das runde Leder immer wieder aus dem Strafraum. Der VfB kam kaum raus aus der eigenen Hälfte. Einmal dann aber doch. Ein Gewusel im Essener Strafraum reichte den gelb-schwarzen für die (für sie selbst) unfassbare 2:0 Führung durch Dennis Wibbe.



Unfassbar für alle im Stadion. Nach der Halbzeit wurde nochmal durchgewechselt (der Autor hätte schon gerne einen Enzo Wirtz gesehen) und es begann ein „ideenloses“ Spiel auf ein Tor. Die RWE Spieler tänzelten in bester Handball-Manier um den Strafraum herum, aber die Homberger standen gut und immer war ein Bein eines Spielers oder die Faust des Keepers dazwischen. Es wurde sich in jeden Ball geworfen, so dass die Essener keine Lücke fanden. Dazu kam auch noch Pech (Latte) und eigenes Unvermögen dazu. Die Hoffnung schwand noch zwei oder drei Tore zu schießen, zumal die eigentlich bis dahin sympathischen Gäste sich vor allem in der zweiten Halbzeit auch (wie viele anderen Vereine vorher) zu unsportlichem Verhalten hinreißen ließen. Die Taktik: Per Zeitspiel den Gegner aus dem Spielrhythmus bringen und ihm so den letzten Nerv rauben.



Da wurde sich einfach auf den Boden gelegt, um dann wie ein angeschossenes Reh vom Platz zu humpeln und wenig später dann quietschfidel wieder herumzuspringen. Macht man inzwischen so, um über die Zeit zu kommen. Hier hätte man sich dann vom eigentlich sehr guten Schiedsrichter (muss ja auch mal geschrieben werden nach der Kritik der letzten Wochen) noch ein gewisses Farbenspiel gewünscht. Das blieb aber aus. Sicherlich waren die Homberger auch körperlich am Ende, üblich wird gegen Essen gefightet wie bei einem Pokalspiel. Wenn der VfB sonst so spielen würde, würde der Abstieg sicherlich kein Thema sein.



Am Ende blieb es bei dem Homberger Sieg und Rot-Weiss Essen geht mit einer Niederlage in den Weihnachtsurlaub. Es gibt viel aufzuarbeiten. Vor allem im Hinblick darauf auch eine taktische Antwort auf Gegner zu finden, die tief stehen und eine Mauer rund um ihr Gehäuse aufbauen. Auch sollte im Kader die eine oder andere Position nochmal nachgebessert werden, wie beispielsweise in der Abwehr. Das erste Spiel steigt am 24. Januar bei der Reserve des 1. FC Köln. Es sind noch einige Spiele zu gehen und noch ist (anders als in den vergangenen Jahren) die Saison nicht gelaufen. Getreu dem Motto der "West" am gestringen Abend: "Niemals aufgeben". Rot-Weiss Essen kann und wird auch wieder „zaubern“.

> Rot-Weiss Essen Fotos

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