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De Graafschap vs. Go Ahead Eagles: Wenn der Vater mit dem Sohne die Munten verfuttert

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CL 02 Dezember 2019
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„Wenn der Vater mit dem Sohne einmal ausgeht und dann keiner gern nach Haus geht, dann erleben sie unterwegs die dollsten Sachen...“ Die Worte von Heinz Rühmann sind passend für den gestrigen Ausflug nach Doetinchem. Denn es war mal wieder doll. Und bevor ich jetzt Ärger mit meiner besseren Hälfte bekomme... Natürlich kommen Sohnemann und ich gern nach Hause. Bereits zum Ende der letzten Saison war ein gemeinsamer Besuch bei den Boeren geplant, jedoch wurde das Spiel auf einen Wochentag verlegt, und so war es für Ole nicht möglich mitzufahren. Dieses Mal sollten die Rahmenbedingungen passen. Sonntags, 14:30 Uhr und der „Fanclub Superzebras“ organisiert wieder einen Bus. Da war klar, dass es diesmal keine Hindernisse für den ersten gemeinsamen Ausflug zu de Graafschap gibt.

Normalerweise werden Spiele der zweiten holländischen Liga, auch bekannt als „Keuken Kampionen Divisie“ freitags oder montags ausgespielt, Spiele mit Risikopotenzial allerdings gern an Sonntagen. Zwischen Doetinchem und dem Gast aus Deventer gab es in der Vergangenheit öfters mal Reibereien, was sich unter anderem in Platzstürmen und Rangeleien zwischen Fans und Spielern widerspiegelte. Einzige Auswirkung für uns im Vorfeld war lediglich, dass der Heimverein die Namen der Karteninhaber wissen wollte. Das war aus Datenschutzgründen noch vertretbar. Adresse, Schlüpfergröße oder Augenfarbe wurden nicht abgefragt.

Am Spieltag selbst hieß es dann Abfahrt um 11 Uhr am Wedaustadion. Knapp 40 Leute bestiegen den Bus in Richtung Holland. Ein paar der Mitfahrer kannte ich schon von den letzten Touren, ein paar neue Gesichter waren auch dabei. Alles sehr gemäßigt, außer Ole waren noch drei andere Kinder an Bord. Krawalltouristen sehen anders aus. Lang dauert die Fahrt auch im Bus nicht. Knapp 80 Kilometer liegen zwischen Start und Ziel. Durch ein großzügig geplantes Zeitpolster waren wir dann auch schon über zwei Stunden vor Kick-Off am Stadion de Vijverberg. Die Eintrittskarten in Empfang genommen und rein in die gute Stube. Passiert mir auch nicht so oft, dass ich als einer der ersten im Stadion bin. Mit Ole ging es erstmal auf Erkundungstour. 

Er war natürlich neugierig, wo wir sitzen, konnte gar nicht glauben, dass er ja wirklich bis fast an die Außenlinie laufen konnte. Klar, in Duisburg sitzt er auch recht nah am Spielfeld, aber dass man einem Spieler beim Einwurf oder einer Ecke quasi die Hand schütteln kann, ist eher die Ausnahme. Nachdem die Stadionrunde absolviert und eine Hand voll „Munten“ (Plastikchips, mit denen im Stadion bezahlt wird, wobei eine Munte 2,20 Euro entspricht) organisiert war, hieß es erstmal Hunger und Durst stillen. Ein Broodje Frikandel und einen Kakao für den Junior, ein Pils für mich. Ausgewogene Ernährung ist wichtig. 

Langsam füllte sich auch der Platz vor der Supporters Kantine. Das ein oder andere bekannte Gesicht wurde erspäht und ein kurzer Plausch gehalten. Ich war ja schon öfter vor Ort - das bleibt dann auch bei den Einheimischen nicht unbemerkt. Auch die heimischen Ultras rund um die „Brigada Tifosi“ erreichten das Stadion und kamen geschlossen rein. Klamottentechnisch mit „Stone Island“ & Co - gut dabei die Jungs und Mädels.

Von der Ankunft der Gäste bekamen wir gar nichts mit. Diese erreichten erst kurz vor Anpfiff ihren Sektor. Knapp 550 waren es, die par Kombiticket angereist sind. In den Niederlanden ist es Gästefans oftmals nicht erlaubt eigenständig anzureisen. Mit dem Erwerb einer Karte für ein Auswärtsspiel kauft man gleichzeitig auch die Busfahrt. Da die Gästeblöcke zudem festungsgleich ausgestattet sind und die Busse streng abgeschirmt werden, bleiben Kontakte zwischen den Fanlagern fast immer aus.

Knapp 30 Minuten vor Spielbeginn nahmen wir unsere Plätze in der Ecke rechts der Haupttribüne ein. Von hier aus hatten wir einen guten Blick auf das Spielfeld und die drei Fanblöcke. Die Ultras der BT03 haben einen eigenen Block am rechten Ende der Gegengerade, der Supportersblock der Hausherren befindet sich daneben auf der Hintertortribüne, in direkter Nachbarschaft, abgeschirmt durch einen Sichtschutz und einen kleinen Puffer von vielleicht zwei Metern, befindet sich der Gästeblock.

Zum ersten Advent gab sich auch Sinter Klaas, das niederländische Pendant zum Nikolaus (oder zum Weihnachtsmann?) die Ehre. Gemeinsam mit einem als Swaarte Piets verkleideten Spielmannszug drehte er eine Runde durch das Stadion, verteilte Spekulatius und zelebrierte sowohl mit den Heim- als auch den Gästefans eine La Ola. Vorm Weihnachtsmann sind alle gleich.

Im Block der Brigata waren bereits vor dem Spiel Seile gespannt, man konnte also von einer Choreo ausgehen. Diese wurde dann auch pünktlich zum Einlaufen der Teams hochgezogen. Ein Ultra am Oldschool PC nebst Drucker, dazu das Spruchband „Een voor allen – allen voor een“. Ich dachte erst, aus dem Drucker kommt noch was, aber entweder hat da was gehakt, oder es war ein Schnelldruck und ich habe es nicht mitbekommen. Im Gästeblock gab es eine Blockfahne mit dem Logo der Go Ahead Eagles. Schlicht, aber gut. Überhaupt immer wieder überraschend, was auch in den Niederlanden inzwischen an Tifo so geht. Der Support aus allen drei Blöcken war von der ersten Minute an lautstark und abwechslungsreich. Mitunter im Heimbereich etwas durcheinander, da unterschiedliches Liedgut zum besten gegeben wurde. 

Das tat der Atmosphäre im Ganzen aber keinen Abbruch. Nach ungefähr einer viertel Stunde leuchteten dann auch einige Bengalos im Gästeblock auf. Recht unaufgeregt verlas die Stadionsprecherin daraufhin den Standardtext, welcher auch in deutschen Stadien immer wieder zu hören ist. Es sollte so ziemlich das einzige Highlight während der ersten 45 Minuten bleiben. Lediglich ein Gästeanhänger sorgte noch für Aufsehen, als er sich auf die Plexiglaswand schwang, im Fangnetz rumturnte und provozierend sein blankes Gesäß in Richtung der Heimzuschauer zeigte. Die Ordner ließen ihn gewähren, wahrscheinlich haben sie ihn später rausgefischt.

Auf dem Platz passierte nicht viel. Beide Teams neutralisierten sich und gute Szenen waren Mangelware. Außerdem ließ der Schiri viel durchgehen, so dass es ein durchaus körperlich geführtes Spiel wurde. Langsam aber sicher machte sich auch die Kälte bemerkbar. Zeit also für einen weiteren Kakao für Ole, während die Spieler am Pausentee genascht haben. Der bekam den Gästen aus Deventer besser und so konnten sie in der 48. Minute in Führung gehen. 

De Graafschap ließ sich dadurch allerdings nicht das Heft aus der Hand nehmen und rannte weiter an. Insgesamt war das aber alles ziemlich kopflos und meist war es der letzte Pass der nicht zum Ziel fand. Zwischendurch ging vorm Supportersblock ein Böller hoch, kurz darauf sah es so aus, als gab es kleine Zwistigkeiten. Genau erkannt habe ich es nicht, es war auch auf der anderen Seite und mit meinen 4,5 Dioptrien nicht wirklich ersichtlich. Die Situation schien sich auch schnell wieder beruhigt zu haben. 

Weniger ruhig ging es auf dem Platz zu. Insgesamt 17 Fouls zählten die Statistiker, jedoch nur drei gelbe Karten. In der 83. Minute brandete nach einem Angriff der Hausherren Jubel auf, es war allerdings (noch) nicht der Ausgleich. Aber einen Elfmeter bekam man zugesprochen. Und dieser wurde dann auch zur Freude der 10.573 Besucher, die es mit den Boeren hielten, verwandelt. Am Ende war das 1:1 auch der Endstand. Verdient aus neutraler Sicht, war doch keine der beiden Mannschaften wirklich besser.

Da es inzwischen wirklich richtig kalt war, ging es für Ole und mich direkt in die Supporter-Kantine. Aufwärmen und die letzten Munten ausgeben. Die Ausgangstore waren noch verschlossen. Erst sollten die Gäste abreisen, dann durften auch die Heimfans ihrer Wege gehen. Unser Bus stand direkt vorm Stadion, 17:15 Uhr ging es wieder in Richtung Duisburg. Ole war begeistert, der Ausflug hat seine Erwartungen erfüllt, der nächste ist in Planung.

Bericht: Christian Lenke

Fotos: Christian Lenke

> zur turus-Fotostrecke: Fußball in der Niederlande

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:1
Zuschauerzahl:
11.123
Gästefans
550
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Bitte mehr Vater Sohn Geschichten!!!

T
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Toller Bericht, macht doch mal mehr aus Holland oder Belgien

G
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Super Bericht war auch vor Ort. ?Noch anzumerken die Torhymne war auch gar nicht mal so verkehrt. ?

G
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Bitte mehr aus BeNeLux

Stark, bitte mehr Berichte aus Benelux.

H
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