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VSG Altglienicke vs. 1. FC Lok Leipzig: Glühwein, Punkteteilung und gute Unterhaltung

 
5.0 (4)
MB 30 November 2019
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Zum zweiten Mal in drei Tagen gingen am Abend im Berliner Jahn-Sportpark die neu installierten Lichter an. Nach der RL-Partie BFC Dynamo vs. Wacker Nordhausen stand am gestrigen Abend das Spitzenspiel VSG Altglienicke vs. 1. FC Lok Leipzig auf dem Programm. Während man sich am Mittwochabend noch fragte, wo denn wohl zwei Tage später die Gästefans aus der Messestadt untergebracht werden (die Ränge waren wahrlich düster), klärte sich das Ganze gestern rasch auf. Die Gegengerade war erstaunlich gut beleuchtet, und genau dort durften die nach und nach anrückenden Lokomotive-Fans ihre Plätze einnehmen. Da es immer wieder eine Wonne ist, mit dem Auto im Berufsverkehr quer durch die Stadt zu tingeln, traf manch ein Gästefan erst nach Anpfiff ein. 

Insgesamt waren es 579 Zuschauer, die das Duell der Spitzenmannschaften sehen wollten, locker die Hälfte von ihnen drückten der Loksche feste die Daumen. Aber wie gesagt, manch ein Leipziger traf zu spät im weiten Rund ein und verpasste somit den ersten Treffer des Abends. Paul Schinke brachte den Ball hoch rein, und Robert Zickert köpfte ein. Gespielt war gerade einmal eine Minute. Was für ein Auftakt! Zu jenem Moment war der 1. FC Lok Leipzig an der Tabellenspitze zu finden.

Gute Laune auf der Gegengerade, auf der Haupttribüne wurde erst einmal der Imbissstand aufgesucht. Angeboten wurde heißer Glühwein, der am gestrigen kalten Abend auch wirklich nötig war. Manch einer beließ es indes beim Bier. Bis minus zehn Grad bleibe man standhaft, erklärte einer der Anwesenden und schlürfte am kalten Gerstensaft. Wer sich ein Getränk holte, kam auch in den Genuss das Fanartikel-Angebot der VSG Altglienicke zu bestaunen. Zum einen gibt es einen roten Mattuschka-Schal zu kaufen. Des weiteren gibt es zwei Schals, die an die Freundschaftsspiele gegen den SV Werder Bremen und den F.C. Hansa Rostock erinnern. „Die Kogge in Berlin“ und „Werder Bremen hautnah in Berlin“ heißt es auf den blauen Schals. Und klar, auch einen klassischen blau-weißen Fanschal der VSG Altglienicke gibt es zu erwerben. „Tradition seit 1883“. Bereits am 25. Juli 1883 wurde der Verein als MTV Spieß ins Leben gerufen, nach etlichen Namensänderungen erhielt der Verein am 1. Juli 1952 den Zusatz „Volkssport Gemeinschaft“. 

Zu DDR-Zeiten pendelte die VSG Altglienicke zwischen der Bezirksklasse und der 1. Kreisklasse. Bemerkenswert: Einen Trägerbetrieb gab es nicht, die VSG war einer der wenigen privaten Vereine. Kurz vor dem Mauerfall gelang erstmals der Aufstieg in die Bezirksliga. Während man Mitte der 1990er Jahre noch in der Landesliga gespielt hatte, erfolgte später der Absturz in die Kreisliga B. Seit 2005 ging es dann - mit einem kurzen Rückschlag 2014 - nonstop nach oben. Inzwischen ist die VSG Altglienicke bereits zum dritten Mal in Folge in der Regionalliga Nordost mit von der Partie, und in der laufenden Saison wird ganz oben angegriffen. Mit Rang eins habe man keine Probleme, erklärte nach dem Spiel VSG-Trainer Karsten Heine. Man darf gespannt sein, ob im Fall der Fälle tatsächlich das Abenteuer 3. Liga gewagt wird. 

Auf dem Platz schien es am gestrigen Abend jedoch, als würde sich der 1. FC Lok Leipzig vorerst Rang eins schnappen. Nach einem fixen Konter schloss in der 40. Minute Matthias Steinborn aus vollem Lauf routiniert ab. Nur zwei Minuten später kam jedoch die VSG zurück ins Spiel. Johan N´zi spielte Christian Skoda an, und dieser brachte den Ball rüber zu Tom Scheffel, der am zweiten Pfosten stand und nur noch einnicken musste. 1:2 - das Spiel war wieder offen. Unten am Zaun der Haupttribüne drehten nun ein paar jüngere Berliner Fußballfreunde am Rad, die sich den Spaß machten, einfach mal so bei der VSG vorbeizuschauen und Party zu machen. Bierchen her, eine kleine Berlin-Fahne gezeigt und munter gepöbelt. 

Richtig was zu jubeln hatte diese kleine Truppe, nachdem in der 63. Minute Kevin Kahlert nach einem Freistoß den Ausgleichstreffer erzielen konnte. Ein paar ältere Lok-Fans, die mit oben auf der Haupttribüne standen, überlegten schon halb im Scherz, ob sie mal fix runtergehen und die Sache klären sollen. Dies wäre jedoch keine prima Idee gewesen, da direkt auf Augenhöhe ein paar Beamte in einem der dunklen Räume hinter der Scheibe saßen und alles genau beobachteten. 

Zu Problemen kam es im weiteren Verlauf nicht, ein kleiner Junge nutzte indes die Gunst der Stunde und rutschte immer wieder das Geländer hinunter. Während bei BFC-Heimspielen sofort die Ordner einschreiten würden, gab es gestern freie Fahrt. Als dann auch noch ein Besen ins Spiel kam, wurde es auch für ihn ein knorke Fußballabend. Und ja, für Lok Leipzig hätte der Abend auch richtig prima enden können. Nach einer Ecke in der 88. Minute hätte der Siegtreffer fallen können, ja sogar müssen! Der Ball gelangte zu Robert Zickert, und dieser zog aus kurzer Distanz ab. Es roch nach dem Tor, doch das Spielgerät zischte denkbar knapp am linken Pfosten vorbei. Auf der Gegengerade stieg noch etwas grauer Rauch auf, wenig später war schließlich Schluss. 

Vor dem Spiel hätte man aus Leipziger Sicht gewiss mit einem Remis leben können, doch nach eigener 2:0-Führung fühlte sich das Ganze ein wenig wie eine Niederlage an. Nun denn, verloren ist wahrlich nichts. Die laufende Regionalliga-Saison ist wahrlich spannend, und jeder lässt oben mal den einen oder anderen Punkt. So kam Hertha BSC II am gestrigen Abend gegen den FC Rot-Weiß Erfurt nicht über ein 0:0 hinaus. Gespannt sein darf man, wie am morgigen Sonntag der FC Energie Cottbus beim starken Aufsteiger SV Lichtenberg 47 auftreten wird. Theoretisch könnte noch die Tabellenführung erobert werden. Aber nur theoretisch. Ein zweistelliger Sieg ist wohl kaum zu erwarten. Dran denken: Gespielt wird morgen nicht im „Zoschke“, sondern im Poststadion! Wir werden vor Ort sein!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: VSG Altglienicke

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lok Leipzig

Spielergebnis:
2:2
Zuschauerzahl:
579
Gästefans
300

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Regionalliga
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