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FSV „Glückauf“ Brieske/Senftenberg: Grube Marga und Historie statt Bambule

 
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MB 18 November 2019
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Bindestrich oder Querstrich, lautet die erste Frage. Laut Vereinsregister gehört zwischen „Brieske“ und „Senftenberg“ ein Querstrich. Somit wäre das schon mal geklärt. Was das „Brieske“ sei? Ganz einfach, ein Ortsteil der brandenburgischen Stadt Senftenberg, die in der Niederlausitz liegt und die schräggekreuzten Schlägel und Hammer im Wappen hat. Ganz klar, Senftenberg hat eine lange Historie als Bergbaustadt. Und auch zu DDR-Zeiten war den POS-Schülern diese Stadt wahrlich ein Begriff, da im Geographieunterricht recht oft von der „Energiezentrale“ die Rede war. Der dortige Braunkohletagebau und die Brikettfabriken waren große Arbeitgeber und ein wichtiges Fundament für die Energieversorgung.

Den örtlichen Fußballverein FSV „Glückauf“ Brieske/Senftenberg hatte ich logischerweise mit auf der Liste für das in Arbeit befindliche Buch „Fußballheimat Brandenburg“. Zum einen spielte Brieske/Senftenberg in späteren Jahren durchaus eine Rolle im DDR-Fußball, zum anderen - und das ist noch viel wichtiger - war der Verein einst in der ersten DDR-Oberligasaison mit von der Partie! Ja, richtig gelesen, in der Spielzeit 1949/50 ließ man in Senftenberg erstklassig den Ball rollen. Und zwar als BSG Franz Mehring Marga. Damals sah das Feld der DDR-Oberliga noch völlig anders aus als den meisten bekannt aus den 1980er Jahren. Damals in der frisch gegründeten DDR spielten noch die SG Dresden-Friedrichstadt, die BSG Eintracht Hans Wendler Stendal, die ZSG Industrie Leipzig, die BSG Vorwärts Schwerin und die SG Einheit Meerane in der Oberliga. Und schau an, auch die BSG Märkische Volksstimme Babelsberg war mit dabei. 

Der Kreis scheint sich wundervoll zu schließen zum Landespokalspiel am vergangenen Wochenende. Aber halt, aus der BSG Märkische Volksstimme Babelsberg wurde später nicht der SV Babelsberg 03, sondern die BSG DEFA Babelsberg und nach der Wende im Zuge der Ausgliederung der Fußballabteilung Fortuna Babelsberg. 

Zurück jedoch zu den Senftenbergern. Einst am 19. Januar 1919 wurde der FV Grube Marga ins Leben gerufen, fünf Jahre später erfolgte die Umbenennung in SV Sturm Grube Marga. Man kann es sich denken, Namensgeber war der Braunkohlentagebau „Grube Marga“. Im Jahre 1950 wurde das „Marga“ abgelegt, stattdessen ging es nun als BSG Aktivist Brieske-Ost weiter. Im Oktober wurde die Fußballabteilung zum neu gegründeten SC Aktivist Brieske-Senftenberg delegiert. Ja, ich weiß, der DDR-Fußball ist und bleibt ein Buch mit sieben Siegeln. All die Fusionen, Delegierungen und Umbenennungen. Wer kann da noch den Überblick behalten?

Der SC Aktivist Brieske-Senftenberg spielte in den 1950er Jahren in der DDR-Oberliga eine prima Rolle. So wurde man beispielsweise 1958 Tabellendritter hinter dem ASK Vorwärts Berlin und dem SC Motor Jena. 1962/63 erfolgte jedoch der Abstieg in die DDR-Liga, und prompt wurde der Spielbetrieb eingestellt. Weiter ging es wieder als BSG Aktivist Brieske-Ost und 1972 als BSG Aktivist Brieske-Senftenberg. Eine Rückkehr in die DDR-Oberliga gelang nicht mehr. Das Leistungszentrum war ganz klar Cottbus, wenngleich die BSG Energie Cottbus zu DDR-Zeiten auch nicht eine große Nummer wurde.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde am 20. Juli 1990 der FSV „Glückauf“ Brieske/Senftenberg ins Leben gerufen. 1991/92 war der Verein in der Staffel Mitte der NOFV-Oberliga zu finden, ab der Saison 1994/95 ging es in der Südstaffel weiter. Im Jahr darauf erfolgte jedoch als Vorletzter der Abstieg in die Verbandsliga, und fortan wurde in unteren Gefilden weiter gespielt. Landesliga und Brandenburg-Liga waren nun der Stand der Dinge, derzeit ist der FSV „Glückauf“ Brieske/Senftenberg in der Landesliga Süd zu finden, die Saison 2018/19 wurde mit Rang drei abgeschlossen. Auf genau diesem Platz ist der Verein auch aktuell zu finden. Der Rückstand auf Rang eins beträgt sechs Punkte, bei einem Spiel weniger auf dem Konto. Vielleicht geht ja noch was!

In den Fokus rückte der FSV „Glückauf“ Brieske/Senftenberg nun aufgrund des interessanten Landespokalspiels gegen den Regionalligisten SV Babelsberg 03. Endlich mal wieder ein großes Spiel in der Elsterkampfbahn. Mensch ja, als 1953 das „Glück-Auf-Stadion“ eröffnet wurde, fluteten 35.000 Zuschauer die Ränge. Gegner war damals Torpedo Moskau. Das damalige Testspiel ging 0:5 aus. Mit der gleichen Differenz sollte Brieske/Senftenberg nun das Landespokalspiel gegen die Filmstädter verlieren. 1:6 der Endstand.

Im Vorfeld war klar: Unser Fotograf aus der dortigen Region muss zum Spiel! Dass dieses Landespokalspiel nun nur aufgrund der Boxereien in aller Munde ist, war nicht geplant. Nee, dachte ich, ich ziehe das trotzdem durch! Das entsprechende Buchkapitel wird gerade fertig gemacht, ein wenig Historie soll es nun auch an dieser Stelle geben. Natürlich wäre es hübsch gewesen, wenn es sportlich etwas spannender zugegangen wäre. Wurde es aber nicht. Vor 644 Zuschauern gingen die Babelsberger mit 5:0 in Führung, bereits zur Pause war der Drops (4:0) quasi bereits gelutscht. Den Ehrentreffer erzielte Maximilian Schurig in der 69. Minute. Mehr ging einfach nicht. Auf Babelsberger Seite setzte Dimitrios Komnos in der 75. Minute mit 6:1 den Schlusspunkt.

Auf der geteilten Tribüne wurde man bereits während der Partie nicht wirklich Freund. Nach dem Spiel kam es auf dem grünen Rasen zu einem Stelldichein, und Ordner und Polizei hatten alle Hände voll zu tun. Ein Wie, Wer und Warum wird es heute an dieser Stelle nicht geben. Die Bilder sprechen für sich und können in der Fotostrecke eingesehen werden:

Fotos: Los Misenas, Marco Bertram, frontalvision.com

> zur turus-Fotostrecke: FSV „Glückauf“ Brieske/Senftenberg vs. SV Babelsberg 03

 

Spielergebnis:
1:6
Zuschauerzahl:
644

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