Jena in Düsseldorf gegen Uerdingen

Damals keiner, heute viele: Jena in Düsseldorf gegen Uerdingen

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KH 26 Oktober 2019
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Dass ich so schnell noch einmal den KFC Uerdingen in der Düsseldorfer Fußballarena (Ex- Rheinstadion) bei einem Heimspiel sehen würde, hatte ich Anfang Oktober (Heimspiel gegen Magdeburg) nicht gedacht, aber wenn mal wieder ein interessantes Spiel lockt. Für Heimspiele der Fortuna ist das Stadion mit 54.600 Plätzen sicherlich optimal proportioniert, aber für den KFC mit einem Schnitt von 3.200 Zuschauern einfach zu überdimensioniert. Leider ist es so wie es ist und ihre eigentliche Heimstätte, das Kultstadion Grotenburg, bleibt den Uerdinger Fans mindestens noch ein Jahr verwehrt. Immerhin ein Spiel wie heute gegen Carl Zeiss Jena hätte es am Krefelder Zoo nicht gegeben.

Die Partie in der 3. Liga natürlich schon, aber vermutlich wären weniger Jena Fans aufgrund der aktuellen sportlichen Situation mitgereist. So haben Fans und Verein zu einer kreativen Mottofahrt „Damals keiner, heute alle“ aufgerufen in Anspielung an das Europapokalfinale 1981, das Jena gegen den FC Dinamo Tiflis im Düsseldorfer Rheinstadion knapp mit 2:1 verlor und zwar unter den Augen weniger ausgewählter „Jena Fans“. Eine Auswärtsfahrt in den „Westen“ war natürlich dem DDR Außenministerium schwer zu vermitteln, und so wurde damals ordentlich ausgesiebt (Link zu Youtube: Zusammenfassung Finale).



Auch die Zuschauerzahl war die eines Endspiel so natürlich nicht würdig. Reißen sich heute zehntausende um Finaltickets, verloren sich im damaligen Düsseldorfer Rheinstadion gerade einmal 4.750 Zuschauern (manche schreiben 9.000, aber dies ist die Zahl aus Statistiken). Nur das gewonnene Finale des 1. FC Magdeburg gegen den AC Mailand 1974 in Rotterdam wurde von noch weniger Zuschauern (4.641) besucht (aus den gleichen Gründen). Klar, die westlichen Medien haben ihren Teil damals ein wenig dazu beigetragen, dass sich kaum Zuschauer für das 1981er Ostblock-Duell in der NRW-Landeshauptstadt interessierten, zumal auch Fortuna Düsseldorf in der damaligen Europapokalsaison dabei war und im Viertelfinale denkbar knapp an Benfica Lissabon (2:2 / 0:1) scheiterte und das Interesse bei den Fortunen an dem Match auch nicht hoch war.



Jena gastierte nach diesem Europapokal-Finale schon vier Mal (1992,1997,2005,2009) in Düsseldorf auch im alten Rheinstadion sowie 2005 im Paul Janes Stadion und nicht nur in der leicht nach Norden versetzten Arena. Warum gerade heute in diesem Jahr (nicht einmal ein Jubiläum) diese Mottofahrt stattfand, kann man nur erahnen: Die vielleicht letzte Chance auf lange Sicht noch einmal in Düsseldorf zu spielen. Abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz mit nur zwei Punkten auf der Habenseite, der KFC bald wieder in Uerdingen und die Fortuna in ganzen anderen Sphären (wie schon 1981 in der 1. Bundesliga).



Für die Jena Fans sollte es entsprechend keine „normale“ Auswärtsfahrt werden. Zum Stadion fahren, Spiel schauen und wieder nach Hause. Nein, schon ab halb zehn in der Früh lud die aktive Jenaer Fanszene zu Würstchen vom Grill und Bier aus eigens mitgebrachten Fässern in den Düsseldorfer Rheinpark Golzheim. Eine durchaus entspannte Stimmung. Tummelten sich am Anfang vielleicht 50 Fans, wuchs die Gruppe unter der Theodor-Heuss-Brücke am Rhein fast mit jeder Stunde. Die Jogger staunten nicht schlecht obgleich des großen Polizeiaufgebots, das aber bis zum Abmarsch der Fans zum Stadion dezimiert wurde, gab es doch noch ein anderes Spiel in der Stadt (Rot-Weiss Essen bei der zweiten Mannschaft von Fortuna Düsseldorf). Kurz nach 12 Uhr setzte sich dann der Fanmarsch in Richtung Stadion in Bewegung.



Damals keiner, heute alle: Auf 3.500 Auswärtsfans hatte man beim ersten Aufruf gehofft, ganz so viele sind es nicht geworden, was natürlich auch an der sportlichen Situation liegt: Letzter Platz und gerade einmal zwei Punkte auf der Habenseite. Trotzdem: Die Jena Fans legten einen starken Auftritt hin. Insgesamt kamen nur 3.331 Zuschauer in die Düsseldorf Arena, so dass die Stimmung von beiden Seiten vom Stadion irgendwie verschluckt wurde. Man kann sich fast vorstellen wie die Atmosphäre 1981 gewesen sein muss. Einfach schrecklich ohne Support ohne alles, und dann noch verlieren.





Wie auch heute, die Fans setzten zwar stimmliche und farbenfrohe Akzente mit Pyro, Schals und Fahnen. Die Mannschaft von Carl Zeiss Jena konnte aber nicht liefern. Der KFC Uerdingen brauchte sich kaum anstrengen und gewann locker, aber auch nicht unverdient in einem spielerisch sehr ereignisarmen Spiel mit 2:0 (Boere und Kirchhoff). Für Jena wird es nun sehr schwer mit über zehn Punkten Rückstand zum rettenden Ufer, der KFC Uerdingen kann den Blick nach oben richten. Gerade einmal fünf Punkte sind es bis zum Relegationsplatz und in der kommenden Woche reisen die Krefelder zum zweiten der Liga den MSV Duisburg in die MSV Arena. Das Stadion das der KFC mehr als gut kennt, trug er doch in der letzten Saison dort seine Heimspiele, die ja eigentlich Auswärtsspiele sind aus.



Zum 51. Mal in Folge in Liga 3 spielte der KFC Uerdingen damit heute auswärts und weitere 25 Auswärtsspiele werden noch mindestens folgen, wenn nicht sogar mehr. Derzeit verzögert sich die Rückkehr in die Grotenburg Presseberichten zufolge bis 2021. Wie wäre es denn mit dem Lohrheidestadion in Wattenscheid als Übergangslösung? Das Stadion stand ja Anfang diesen Jahres schon einmal in den Überlegungen, kam dann aber als Spielort nicht in Frage. Schade für die Stadt Bochum und damit für die in den letzten Monaten stark gebeutete SG Wattenscheid 09 (die erste Mannschaft wurde ja zurückgezogen) in Bezug auf Mehreinnahmen. Eines ist klar: Spiele gegen Rostock, Magdeburg oder Jena müssen in der Grotenburg-Atmosphäre stattfinden, nicht in einer zwar professionellen aber viel zu großen Düsseldorf Arena in der die Stimmung von den leeren Sitzen geschluckt wird. Das rockt einfach nicht.

Wir sind gespannt auf die kommenden Entwicklungen.

> zu den KFC Uerdingen Fotos

> zu den Carl Zeiss Jena Fotos

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
2:0
Zuschauerzahl:
3.331
Gästefans
1000
Stadionname:
Merkur Spiel Arena
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Stark Jena. Pro Grotenburg

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