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Hertha BSC II vs. FC Energie Cottbus: Gut Dampf drin, prima Kulisse, das Bier ging aus!

Keine Frage, das Stadion auf dem Wurfplatz (Amateurstadion) ist wahrlich einen Besuch wert, solange der Gegner attraktiv und der Gästeblock gut gefüllt ist! Hertha BSC II gegen Energie Cottbus am zweiten Spieltag unter der Woche? Kannste wahrlich machen! Kind geschnappt und in die Bahn gestiegen. In der Chausseestraße / Ecke Tieckstraße noch ein kühles Blondes mit einem guten Freund gezischt, dem Nachwuchs eine Limo spendiert, ein wenig über Fußball gefachsimpelt und dann gegen 17 Uhr nichts wie los in Richtung Olympiastadion. Am Bahnhof Bellevue ging plötzlich gar nix mehr. Stillstand. Der S-Bahnverkehr war unterbrochen, weil es am Bahnhof Zoo (mal wieder) zu einem Notfalleinsatz kam. Ein Blick auf die Uhr - wir waren bedient. Eine Station hinter uns hing ein Stralsunder Freund fest. Während er in Form des Regionalexpress nach Spandau sein Glück versuchte, eilten wir zum Hansaplatz, um mit U9 und U2 ans Ziel zu kommen.

Vom Zoo mit der U-Bahnlinie 2 gen Olympiastadion zu düsen, würde mir sonst ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, weil solch eine Sause immer so schön an alte 90er-Jahre-Zeiten erinnert, doch heute war ich einfach nur genervt, weil wir viel zu spät das Spiel erreichen würden. Während der Cottbuser Freund recht bald den Zugang zum Gästeblock erreichte, mussten mein Sohnemann und ich (trotz höflicher Nachfrage) eine ganze Runde ums Areal marschieren. Immerhin wurde die Partie zehn Minuten später angepfiffen, so dass wir in der 25. Spielminute die Haupttribüne des Amateurstadions erreichten. Ein wenig verwundert zeigte ich mich in Anbetracht der Tatsache, dass auch Kinder einen Eintritt löhnen müssen. Ey kommt, Hertha wird doch echt nicht den letzten Taler benötigen. Für Kids unter 12 Jahre könnte - wie bei zahlreichen anderen Vereinen - der Eintritt frei sein. Schließlich möchte man doch den Nachwuchs in die Stadien locken, oder nicht? In den ersten Drittligaspielzeiten kostete zum Beispiel die Kindereintrittskarte beim 1. FC Magdeburg null Euro. Nur mal so zum Vergleich. Aber egal, der größere Sohnemann hat sein Herz eh bereits vergeben…

Es soll jedoch nicht nur gemeckert werden. Die positiven Überraschungen: Die Haupttribüne war gut gefüllt. Insgesamt fanden 2.225 Zuschauer den Weg zu diesem Dienstagabendspiel, unter ihnen befanden sich knapp 800 Fußballfreunde des FC Energie Cottbus. Eine gute Hausnummer für eine Partie unter der Woche. Erstaunlich war vor allem, dass so viele Hertha-Fans beim Spiel der Amateure vorbeischauten. Unter ihnen befand sich das eine oder andere ältere Kaliber, und auch die jüngere Generation, die ansonsten aktiv die erste Mannschaft unterstützt, ließ sich nicht lumpen. Angenehm überraschte auch das Catering. Zwei Euro für eine Bulette oder eine Wurst, ein schmaler Euro für ein Stück Kuchen, zwei Euro für leckere Pommes sowie drei Euro für einen halben Liter Bier oder einen beachtlichen Becher Slush Eis - das ging voll in Ordnung. Einziger Wermutstropfen: In der zweiten Halbzeit ging das Piwo aus. Ich zeigte mich schon erfreut über die endlich kleiner werdende Schlange und lechzte nach einem kühlen Gerstensaft, doch aus diesem wurde nichts. Es blieb beim großzügig spendierten Schluck Cola aus dem Becher des Sohnemanns.

Kurz bevor wir das Stadion erreicht hatten, fielen bereits zwei Tore. In der 18. Minute brachte Rico Morack Hertha II mit 1:0 in Führung, vier Minuten später legte Muhammed Kiprit zum 2:0 nach. Ein wenig verwundert betrachtete ich die Anzeigetafel. Sollte Cottbus wirklich nicht zum Favoritenkreis in der jungen RL-Saison gehören? In der Lausitz stapelte man ja zuletzt aufgrund des äußerst schmalen Spielerkaders sehr tief. Kurz vor der Pause kam der FC Energie allerdings zurück ins Spiel. Dimitar Rangelov legte den Ball für Berkan Taz vor, und dieser erzielte mit einem flachen, kräftigen Schuss den 1:2-Anschlusstreffer. Jubel im gut gefüllten Gästeblock. Da ging noch was! Unmittelbar vor der Pausenerfrischung nutzte Felix Brügmann die Gunst der Stunde und staubte zum 2:2 ab. Mit ein, zwei Sekunden Verzögerung ertönte der laute Torjubel des Gästeanhangs. 

Richtig bitter wurde es jedoch nach der Pause für Energie Cottbus. Ei der Daus! Brügmann und Rangelov vergaben jeweils eine richtig fette Chance. Ja, als Außenstehender hätte man eine brachiale Jubelorgie im Gästebereich sehen und hören wollen - einfach, um richtig Würze ins Spiel zu bekommen. Doch kaum war die zweite Hundertprozentige versiebt, machte Palko Dardai auf der Gegenseite das 3:2 für die Hertha Amateure klar. Unten an der Bande kam es zu einem sehenswerten Gefühlsausbruch. Die heran eilenden, jubelnden Spieler wurden von der ersten Reihe geherzt und umarmt. 

Nur die zweite Mannschaft? Gegen Cottbus hatte auch der Sieg der Amateure einen hohen Stellenwert. Das 3:2 war schlichtweg die Schlüsselszene. Fortan bestimmte Hertha II das Spiel. Cottbus kam nicht wieder zurück, stattdessen schossen Florian Krebs in der 62. und Maximilian Pronichev in der 81. Minute zwei weitere Tore. Auf Heimseite wurde gut gefeiert, auf Gästeseite war man zurecht bedient. Relaismus forderte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach Abpfiff ein. Man solle die jungen Spieler nicht zu sehr unter Druck setzen, die Mannschaft sei einfach noch nicht reif genug. Was für Energie als nächstes ansteht? Das Heimspiel gegen den FC Rot-Weiß Erfurt!

Fotos: Marco Bertram

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> zur turus-Fotostrecke: FC Energie Cottbus

Artikel wurde veröffentlicht am
31 Juli 2019
Spielergebnis:
5:2
Zuschauerzahl:
2.225
Gästefans
800

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