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100 Jahre SV Laubusch: Die Grube Erika, der Aktivist und die Pyro-Freunde von Ultima Erika

 
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MB 09 Juli 2019
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Der SV Laubusch. Im Februar 2016 hatte ich mich das erste Mal mit diesem Verein etwas ausführlicher beschäftigt, als ich die uns zugesandten Fotos vom Pokalspiel SV Laubusch vs. SC 1911 Großröhrsdorf hochlud. 60 Zuschauer, ein dunkler Hartplatz und viel gelber Rauch. Mit Freude schaute ich mir die Bilder an. „Macht das Unmögliche machbar!“, „Auf geht´s SV Laubusch, kämpfen und siegen!“ Die Fans hatten einiges auf die Beine gestellt, doch sportlich sollte es nicht reichen. 1:4 lautete der Endstand in jenem Sparkassenpokalspiel. Im Juni 2018 trudelte dann Bildmaterial vom Kreisligaspiel FSV Lauta vs. SV Laubusch rein. Auf den Rängen war für Kreisligaverhältnisse einiges los. Rund 250 Fußballfreunde wollten dieses Derby sehen. Auf Pyrotechnik wurde an diesem Nachmittag verzichtet, doch für Rabatz wurde gesorgt. „Macht unseren Traum heute wahr, Derbysieger auch in diesem Jahr!“ Trotz gutem Support der anwesenden Fans ging das Stadtduell aus Sicht des SV Laubusch mit 1:2 verloren.

Ins Auge fiel das Banner mit der Aufschrift „Ultima Erika“. Wie geil ist das denn, dachte ich. Mensch, ich brech gleich weg vor Lachen. Logisch, dass ich sogleich an die Cottbuser Gruppierung „Ultima Raka“ denken musste. Einfach nur ein Wortspiel? Der Name der kleinen Truppe bezieht sich jedoch auf die „Grube Erika“, die einst das Kraftwerk Lauta und die Brikettfabrik Erika mit Braunkohle versorgte. Und mehr noch: Im Jahre 1919 wurde der heutige SV Laubusch als 1. FC Schwarz-Weiß 1919 Grube Erika gegründet. 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Verein als SG Johnny Schehr Grube Erika neu gegründet. Der 1896 in Altona geborene John Schehr war von 1933 bis 1934 Vorsitzender der KPD und wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1934 am Berliner Kilometerberg „auf der Flucht erschossen“. Wer zu DDR-Zeiten die POS besucht hatte, wird sicherlich schon mal von diesem Namen gehört haben. Das Gedicht „John Schehr und Genossen" von Erich Weinert hatten wir mal im Unterricht durchgenommen. „… Da liegen sie mit erloschenem Blick, jeder drei Nahschüsse im Genick, John Schehr und Genossen.“ 

Aber gut, zurück zum Fußball. Im Jahre 1950 wurde aus der SG Johnny Schehr Grube Erika die Betriebssportgemeinschaft Aktivist Laubusch. 1958 wurde die BSG Aktivist Laubusch Meister der Cottbuser Bezirksliga und stieg somit in die II. DDR-Liga (dritthöchste Spielklasse) auf. In der II. DDR-Liga wurde in fünf Staffeln gespielt. Aktivist Laubusch hatte es in der Staffel 4 unter anderen mit Motor Karl-Marx-Stadt, Aktivist Zwickau, Wismut Plauen, Chemie Schwarzheide und Motor Brand-Langenau zu tun. Die BSG Aktivist Laubisch hielt sich bis 1962/63 wacker in dieser Spielklasse, doch wurde diese dann leider abgeschafft. Statt der fünf Staffeln der II. DDR-Liga gab es nun 16 Bezirksligen als Unterbau der DDR-Liga.

Ein paar Mal spielte die BSG Aktivist Laubusch im FDGB-Pokal, 1962 schaffte es der Verein sogar bis in die dritte Hauptrunde. Der SC Dynamo Berlin war dann jedoch eine Nummer zu groß, 2:6 lautete der Endstand. 1977 stieg Aktivist Laubusch in die Bezirksklasse Cottbus Staffel Mitte ab, kehrte jedoch drei Jahre später zurück. 1990 wurde aus der BSG der SV Aktivist Laubusch, zwei Jahre später wurde (leider) das „Aktivist“ im Vereinsnamen gestrichen. Nachdem in den 90ern in der Bezirks- und Stadtliga gespielt wurde, war im Neuen Jahrtausend zunächst die Bezirksklasse der Stand der Dinge. Ende der Saison 2007/08 ging es als Tabellenletzter wieder runter in die Stadtliga. Nach der Umstrukturierung wurde dann ab 2010/11 in der 1. Kreisliga (ewag-Kamenz Liga Nord) gespielt. 

Die zurückliegende Saison wurde mit Rang 12 beendet, am letzten Spieltag gab es vor 105 Zuschauern einen versöhnlichen 4:2-Sieg gegen den Hoyerswerdaer FC II. Zwischen der 30. und 35. Minute klingelte es gleich dreimal im Gästegehäuse. Immerhin 247 Zuschauer waren es am vergangenen Samstag, die den Weg ins Glück-Auf-Stadion fanden. Gefeiert wurde der 100. Geburtstag des Vereins, zu Gast war an diesem Tag der Oberligist Freie Turnerschaft Braunschweig. Als im Jahre 1955 das Stadion eingeweiht wurde, war FT Braunschweig ebenfalls zu Gast. Somit war dies ein prima Anknüpfen an die Historie.

„Ultima Erika“ ließ sich am Samstag nicht lumpen und legte eine meterlange schwarz-gelbe Folie aus. Dazu gab es ein paar Fahnen und eine ordentliche Portion Rauch in den Vereinsfarben. In Fässern und auf Tabletts wurde das Bier herangeschleppt. Nach Abpfiff - das Spiel ging 0:7 aus - konnten schließlich alle zusammen feuchtfröhlich den Tag ausklingen lassen. Prost, Erika!

Fotos: Los Misenas

> zur turus-Fotostrecke: Impressionen vom Testspiel gegen FT Braunschweig

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
0:7
Zuschauerzahl:
247

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