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Rückblick 1997 bis 99: Als Tasmania Neukölln (Berlin) das erste Mal NOFV-Oberliga spielte

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MB 13 Juni 2019
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Wem sagen Olaf Nickel und Uwe Bialon noch was? Beide bildeten in der NOFV-Oberliga-Saison 1997/98 beim SV Tasmania Neukölln ein prima Sturmduo und waren am Ende in der Torschützenliste der Staffel Nord auf den Plätzen drei und fünf zu finden. Nickel hatte 17 Treffer erzielt, Bialon traf 13-mal ins Schwarze. Eigentlich hatte Uwe Bialon nach seinem Jahr bei AEL Limassol im Juli 1995 seine Spielerkarriere beendet, doch bei Tasmania sollte dann doch noch eine Runde folgen. In früheren Jahren stand er unter anderen bei der SG Wattenscheid 09, bei Hertha BSC, Tennis Borussia Berlin und beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Auch Dank der Tore von Nickel und Bialon wurde es eine prima Saison des Oberliga-Aufsteigers SV Tasmania Neukölln. Die Spielzeit wurde mit Rang sechs hinter SD Croatia Berlin, Hertha BSC II, dem Greifswalder SC, Eintracht Schwerin und dem Frankfurter FC Viktoria 91 beendet.

Nach sechs Jahren der Tristesse des 1973 ins Leben gerufenen SV Tasmania Neukölln (als inoffizieller Nachfolger für den einstigen Bundesligisten SC Tasmania 1900 Berlin) ging es Dank der finanziellen Unterstützung durch den Immobilienkaufmann und Kunsthändler Horst-Dieter Laurisch Mitte der 1990er wieder aufwärts. Am Ende der Verbandsligasaison 1996/97 durfte der Aufstieg in die NOFV-Oberliga Nord gefeiert werden. Von 1981 bis 1991 hatte Tasmania bereits in der Oberliga Berlin (damals dritthöchste Spielklasse) gespielt. Einen Blick werfen wollen wir jedoch auf die zwei Spielzeiten von 1997 bis 1999 in der NOFV-Oberliga.

Beim Blick auf das Startfeld der Nordstaffel 1997/98 wird deutlich, wie viele Vereine sich inzwischen umbenannt (teils durch Fusion) haben. Aus dem Greifswalder SC wurde zuerst Pommern Greifswald und dann schließlich der Greifswalder FC. Aus dem FFC Viktoria 1991 wurde im Zuge der Fusion mit der Eintracht der 1. FC Frankfurt (Oder). Ebenso wird man in der Gegenwart vergeblich ein Motor Eberswalde suchen. Stattdessen ist in der Brandenburgliga nun der FV Preussen Eberswalde zu finden.  Am 1. Juli 2016 fusionierte der Parchimer FC mit dem Lokalrivalen SV Aufbau Parchim zum SC Parchim. Und der VfB Lichterfelde und Eintracht Schwerin? Erstgenannter ging im FC Viktoria 1889 Berlin auf, Zweitgenannter heißt seit 2013 FC Mecklenburg Schwerin. Und ja, auch der SV Tasmania Neukölln heißt bekanntlich in der Gegenwart ein wenig anders. Nachdem der Verein zwischenzeitlich von 2000 bis 2011 SV Tasmania Gropiusstadt hieß, trägt er seitdem den Namen SV Tasmania Berlin. Mit Sicherheit einer der Namensänderungen, die durchaus erfreulich ist. 

Zurück zur Oberliga-Saison 1997/98. Ins Auge fällt auch die SG Bornim, welche die Vereinsfarben Grün-Weiß-Schwarz hat. Gibt es diesen Verein überhaupt noch? Aber klar! Die SG Bornim aus Potsdam ist aktuell in der Landesklasse West zu finden. Das Oberliga-Feld vervollständigt wurde durch die weiteren Vertreter Köpenicker SC, Hertha BSC II, Türkiyemspor Berlin, Optik Rathenow, SC Charlottenburg und TSG Neustrelitz. Kennen wir alle, muss deshalb nichts weiter zu gesagt werden. Der 1. FC Union Berlin und der FC Berlin (BFC Dynamo) spielten zu jenem Zeitpunkt eine Etage höher in der Regionalliga Nordost.

Für Tasmania Neukölln begann die Saison mit einem 1:1 gegen den Greifswalder SC vor 350 Zuschauern am 2. August 1997. Damals kam ich gerade von einer vierwöchigen Wanderung durch den Südwesten Irlands zurück und warf mich im Anschluss wieder an die Arbeiten an den beiden Segelbooten, mit denen es zwei Jahre später nach Sydney (und auch Tasmanien!) gehen sollte. Apropos, der SV Tasmania wurden in meinem Geburtsjahr ins Leben gerufen. Rund sieben Monate vor meiner Geburt wurde er am 3. Februar 1973 gegründet. Als Vereinsfarben wurden Blau, Weiß und Rot gewählt. Eine wahrlich tolle Kombination, oder nicht? Die Farben des Vorgängervereins SC Tasmania 1900 waren Blau und Weiß. Um sich von Hertha BSC und Blau-Weiß 90 abzuheben, wurde im Februar 1973 das Rot mit dazu genommen.

Um auf den ersten Spieltag der OL-Saison 1997/98 zurückzukommen: Gute Zuschauerzahlen gab es bei TSG Neustrelitz vs. Optik Rathenow (800) und FFC Viktoria 91 vs. Motor Eberswalde (500) zu verzeichnen. Am zweiten Spieltag musste Tasmania beim Parchimer FC eine 1:2-Niederlage verschmerzen. Als dann noch daheim eine 2:4-Klatsche gegen Eintracht Schwerin (Steffen Benthin machte drei Buden) folgte, schien es, als sei die Oberliga für Tasmania eine Nummer zu groß. Der viel zitierte Knoten platzte am 23. August 1997 auswärts in Rathenow. Dirk Kamin und Jörg Wolfram (zwei Treffer) sorgten für den 3:0-Sieg. Daheim folgte vor 350 Zuschauern ein 2:0-Sieg gegen Türkiyemspor. Gästespieler Michael Fuß musste in der 90. Minute mit Rot vom Platz.

Am Ende der Hinrunde gab es daheim vor 433 Zuschauern eine 1:4-Niederlage gegen Tabellenführer SD Croatia Berlin, das sportlich richtig am Rad drehte und zu jenem Zeitpunkt bereits acht Punkte Vorsprung auf den Verfolger aus Greifswald hatte. Am 30. November 1997 ließ Tasmania ein 2:0 beim Köpenicker SC folgen. Beide Treffer erzielte Olaf Nickel. Derbes gab es am 7. Dezember 1997 zu vermelden. Tasmania unterlag in Greifswald mit 0:6. Das neue Jahr startete am 24. Januar 1998 mit einem 1:1 gegen den Parchimer FC. Ein dolle Zuschauerzahl gab es wieder in Neustrelitz zu verzeichnen, im Parkstadion bekamen 850 Zuschauer den 2:0-Sieg gegen Türkiyemspor zu sehen. 

Den ersten Sieg des SV Tasmania im Jahr 1998 gab es am 15. Februar auswärts bei Türkiyemspor zu feiern, Olaf Nickel erzielte den Treffer des Tages. Am 05. April 1998 sorgte Tasmania dafür, dass beim SC Charlottenburg mal eine dreistellige Zuschauerzahl erreicht wurde. Waren es sonst meist zwischen 40 und 50, so waren es an jenem Tage immerhin 109 Fußballfreunde, die ein torloses Remis zu sehen bekamen. Die Saison beendete Tasmania Neukölln mit einem mageren 0:1 gegen den Köpernicker SC, das allerdings auch nur noch 78 Zuschauer sehen wollten. Egal, sportlich war die Saison 1997/98 durchaus erfolgreich.

Ganz anders sah es dann in der Folgesaison aus. Mit dabei waren nun auch Tennis Borussia Berlin II, der F.C. Hansa Rostock II, der FC Schönberg 95, Hertha Zehlendorf und die Reinickendorfer Füchse. Am Ende der Spielzeit waren die Hertha-Bubis auf Rang eins zu finden, Schlusslicht wurde mit gerade einmal elf Punkten der SV Tasmania Neukölln. Das letzte Oberligaspiel der Tasmanen war - schau an, schau an! - am 6. Juni 1999 das Auswärtsspiel bei Hansa Rostock II. Vor 150 Zuschauern im Volksstadion konnten die Hansa Amateure mit 3:0 gewinnen.

Und wie die Saison begonnen hatte? Nach einem 1:1 in Rathenow folgten neun Niederlagen in Folge. Erst am 8. November 1998 konnte in Form eines 1:0 gegen Eintracht Schwerin der erste Saisonsieg gefeiert werden. Aber gut, was heißt feiern. Es war zu erahnen, dass auch weiterhin der letzte Tabellenplatz fest gebucht sein würde. Es sollten nur noch zwei Siege folgen: Ein 4:3 gegen den Köpenicker SC am 21. Februar 1999 und ein 2:1 gegen den SC Charlottenburg am 9. Mai 1999. Nur 87 Zuschauer sahen im Schnitt die Heimspiele im Werner-Seelenbinder-Sportpark. Kein Wunder bei der damaligen sportlichen Situation.

Andere Zuschauerzahlen wird es gewiss in der kommenden Saison zu verzeichnen geben. Nach über 22 Jahren ist der SV Tasmania Berlin zurück in der NOFV-Oberliga! Vor dem SV Sparta Lichtenberg konnte der Meistertitel in der Berlinliga gefeiert werden. Die Vorfreude ist groß, es wird ein Wiedersehen mit Tennis Borussia Berlin, mit der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin, mit Hertha Zehlendorf, mit dem Greifswalder FC und dem F.C. Hansa Rostock II geben. 

Am Dienstagabend durfte sich die Mannschaft des SV Tasmania Berlin im Rathaus Neukölln ins Goldene Buch eintragen, im Anschluss wurde auf dem Rathausbalkon ganz im Stil der Großen den anwesenden Fans und Neugierigen der Meisterpokal präsentiert. Es wurde ein Abend, wie man es sich wünscht. Im lockeren Rahmen wurden auf dem Vorplatz Gespräche geführt, für ausreichend Freigetränke war gesorgt - und alle waren sich sicher: Wir alle sehen uns wieder zum ersten Oberliga-Heimspiel des SV Tasmania Berlin nach über 22 Jahren. Wir sind auch dabei, versprochen! Ra-, Ra-, Tasmania!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: SV Tasmania Berlin

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