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1. FC Union Berlin vs. 1. FC Magdeburg: Entspannte Anfahrt, erhitztes Geschehen im Stadion

 
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MB 13 Mai 2019
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Eventuell ist das Duell 1. FC Union Berlin vs. 1. FC Magdeburg in der Region Nordost eines der unterschätzten Spiele. Also von außen betrachtet. Ältere wissen indes zu berichten, dass es bereits zu DDR-Zeiten hoch her ging. Irgendein Dorffest im Bezirk Potsdam an der Nahtstelle zu Anhalt - es dauerte nicht lange, bis sich Unioner und FCM-Fans mächtig in die Wolle kriegten. Während es in den 1990ern in der NOFV-Oberliga Mitte und in der Regionalliga Nordost zu einigen Duellen der einstigen DDR-Oberligisten kam, gab es im Neuen Jahrtausend bislang nur die Aufeinandertreffen in der Regionalliga Nord von 2006 bis 2008. Beim Spiel am 17. Mai 2008 waren wir sogar vor Ort im Stadion An der Alten Försterei. Vor 11.824 Zuschauern konnte der FCM mit 2:1 gewinnen und im Gästeblock wurde eine große Party gefeiert.

Wenngleich sich Union und Magdeburg seit einem Jahrzehnt nicht mehr im Ligabetrieb begegnet sind, so wissen auch die Jüngeren durchaus was mit der Rivalität anzufangen. Manch eine Ortschaft im Westen Brandenburgs ist heiß „umkämpft“, Aufkleber und Graffiti zeigen an, wer im Ort X das Sagen hat. Im Hinspiel trennten sich Magdeburg und Union 1:1, beim gestrigen Spiel ging es nun um alles. Die Eisernen wollten Rang drei sichern oder womöglich sogar den zweiten Platz erobern, die Magdeburger brauchten jeden Punkt, um eventuell - je nachdem wie Ingolstadt spielen würde - im Abstiegskampf im Rennen zu bleiben.

Auf Seiten der Gästefans wurde der Brunnen auf dem Alexanderplatz als Treffpunkt auserkoren. Von dort aus sollte es gemeinsam nach Köpenick gehen. Sich vor dem Spiel auf dem Alex sammeln - da kamen bei dem einen oder anderen älteren Fan Erinnerungen an die DDR-Zeit hoch. Früher war der Alex allerdings ein heißes Pflaster. Nicht selten kam es zu heftigen Auseinandersetzungen auf dem Platz selbst und auf den S-Bahnsteigen. 

Was den gestrigen Nachmittag betraf, so klang der Treff auf dem Alex spannender / brisanter als er dann wirklich war. Dies lag allerdings auch daran, dass die Berliner Polizei sich angenehm zurückhielt. Von gegnerischen Fans war dort eh kaum was zu sehen. Demzufolge standen und saßen die FCM-Fans entspannt in der Sonne und hielten ein Pläuschchen. Ein Fußball konnte organisiert werden, dieser flog schließlich in hohen Bögen über die Massen hinweg. Was erstaunlich war: Beim Bierkonsum wurde sich sehr zurückgenommen. 

Überpünktlich wurde sich schließlich gesammelt und geschlossen auf Treppe und Rolltreppe nach oben auf den Bahnsteig geschoben. Ohne Probleme konnte die bereitgestellte Sonder-S-Bahn pünktlich in Richtung Spindlersfeld abfahren. Und auch am dortigen Bahnhof gab es keine bösen Überraschungen. Es erfolgten kurze Durchsagen, es wurde sich gesammelt und dann ging es über die Spindlersfelder Brücke vor zur Wuhlheide. „Mensch, hier wird ja sogar kommuniziert!“, bemerkte ein FCM-Fan hoch erfreut. Das sei in Bochum völlig anders gewesen. Unaufgeregt erreichte der blau-weiße Marsch den Zugang zum Gästeblock. Ein paar legten noch einen kurzen Zwischenstopp ein und holten sich an der Tanke ein Bier. Mensch ja, auch diesbezüglich gab es kein Theater. Locker flockig rannte der eine oder andere mit der Bierpulle rum. Die Polizei hielt sich komplett zurück.

Kurz vor Anpfiff, die Tankstelle leerte sich bereits, erreichte noch ein schlagkräftiger Trupp Magdeburger den Ort des Geschehens. Noch rasch in den Shop rein, einmal die Blicke schweifen lassen, dann gingen auch die sportlich Orientierten den Weg zum Gästeblock entlang.

Im Stadion selbst hieß es auf Gästeseite „für immer 1. FCM“. Weiße und blaue Luftballons wurden hochgehalten, in erster Reihe waberte reichlich weißer Rauch empor. Auf dem Rasen wollten die Magdeburger noch einmal alles in die Waagschale werfen, doch bereits nach acht Minuten brachte Prömel im Nachsetzen per Kopf die Eisernen auf Kurs. Es wurde eine flottes Spiel. Der Einsatz stimmte bei den Gästen, doch fehlten einfach die spielerischen Mittel, um die starke Berliner Abwehr knacken zu können. 

Nach einer halben Stunde konnte Union nachlegen. Der achtsame Andersson nutzte die Gunst der Stunde und stürmte auf der rechten Seite nach vorn. Der Ball wurde hereingebracht und am zweiten Pfosten konnte Polter das Spielgerät mit dem Kopf zum 2:0 unter bringen. Zwei Minuten später hatte auf der Gegenseite Lohkemper eine prima Möglichkeit, doch der Ball ging knapp am Pfosten vorbei.

Nach dem Pausentee zeigte Magdeburg noch einmal Wille, doch ziemlich schnell bekamen die Gastgeber die Partie wieder in den Griff. Hitzig wurde es in der Schlussphase der Partie. Auf der Waldseite wurde blau-weißes Material aus Brandenburg gezeigt, in der Folge brannten im Gästeblock einige Sicherungen durch. Im unteren Bereich gelang es Magdeburger Fans eine Tür aufzustemmen. Für zwei, drei Sekunden stand diese offen, dann drückten sich die Ordner gegen. Mit einem Absperrgitter versuchten nun Vermummte die Tür wieder aufzubrechen. Wie im Film nahmen mehrere Magdeburger das Gitter in die Hand, holten richtig aus und ließen es immer wieder krachen. 

Auch im oberen Bereich, wo sich die Zufahrt für Versorgungsfahrzeuge befindet, kam es zu Auseinandersetzungen. Gegenstände flogen über die Plexiglaswand, und auch hier konnte das Tor kurz geöffnet werden. Die ersten Reihen trafen aufeinander, dem einen oder anderen blutete im Anschluss die Nase. Auch aus anderen Bereichen rückten nun schlagkräftige Unioner nach, um an der Trennwand und den Toren mitzumischen. Im oberen Bereich entstand einen Moment lang eine Pattsituation. Im Trubel hätten locker 50 Fans einen Angriff in den jeweils anderen Block starten können, doch zögerte (verständlicherweise) die zweite und dritte Reihe. Allerdings hätte das Ganze dann ganz bitter enden können.

So aber beruhigte sich das Ganze wieder, die Polizei rückte im Gästeblock vor und sicherte die Trennwand ab, und das Spiel konnte auf dem Rasen fortgesetzt werden. In der Nachspielzeit konnte Polter mit links noch seinen zweiten Treffer des Tages erzielen. 3:0 hieß es am Ende, der 1. FC Union Berlin hat den dritten Platz quasi sicher. Auch das „quasi“ kann man getrost weglassen. Der Hamburger SV wird wohl kaum 20:0 gewinnen, während die Eisernen in Bochum baden gehen. Fakt ist: Kommt der SC Paderborn am kommenden Wochenende bei Dynamo Dresden nicht über ein Remis hinaus, genügt den Eisernen in Bochum ein einfacher Sieg, um direkt aufzusteigen. Im anderen Fall wird es eine Relegation gegen den VfB Stuttgart geben. Alter Schalter!

Und beim 1. FC Magdeburg? Abschied nehmen gegen den 1. FC Köln. Der 1. FCM hatte wahrlich gut gekämpft in der 2. Bundesliga, doch hatte es sportlich einfach nicht gereicht. Fantechnisch gab es indes den einen oder anderen erstligatauglichen Auftritt. Mund abwischen und in der 3. Liga wieder angreifen. Alte Bekannte treffen wie den F.C. Hansa Rostock und den Chemnitzer FC. Neue Gesichter grüßen wie den SV Waldhof Mannheim…

Fotos: Felix, Marco Bertram, Marco Hensel

> zur turus-Fotostrecke: 1. FC Union Berlin

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Spielergebnis:
3:0
Zuschauerzahl:
22.000
Gästefans
2500

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3. Liga
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