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Sehenswert: Netflix Serie "Sunderland 'til I Die"

 
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KH 12 April 2019
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Die Zeiten des linearen Fernsehens sind für mich längst vorbei. Spätestens als vor zwei Jahren die alte DVB-T Antenne auf dem Schrottplatz landete, schwenkte ich komplett auf die Mediatheken und Streaming Anbieter um. Genau die Reportagen, Filme und Serien sehen, die ich möchte und vor allem wann ich möchte – ein Traum. Kein stumpfsinniger Schwachsinn der privaten Sender und aufgezwungene Inhalte der öffentlich rechtlichen Sender. Man merkt schnell, dass einem das lineare Fernsehen nicht fehlt, wenn man im Urlaub im Hotel durch 30 sinnlose Programme und Inhalte switcht.

Klar, auch bei den Streaming Angeboten gibt es viel unbrauchbaren Mist, manchmal muss man sich auch begeistern und überzeugen lassen, vor allem, wenn es um das Thema „Fußball“ geht. Zu viele überaus schlecht gemachte Filme und Reportagen musste ich in den letzten Jahren ertragen, da hatte die Serie „Sunderland 'til I Die“, die seit Ende des letzten Jahres beim Streamingdienst Netflix abrufbar ist, zum Start einen schwierigen Stand. Vorher hatte ich schon die Sportdokumentarfilm-Serie „All or Nothing: Manchester City“ beim Konkurrenten Amazon Prime gesehen, die den Erfolg des Klubs in der Saison 2017/2018 wiedergibt und zwar ganz nett ist, aber mir zu weichgespült und positiv daherkommt. Auch der „moderne Fußball“ ist kein „Friede, Freude, Eierkuchen“ Business wie in der Serie aus dem „All or Nothing“ Franchise, wo alles schön glänzt und glitzert.

Fußball ist hart und dreckig!

Annähernd genauso ist die Serie „Sunderland 'til I Die“. Die acht Folgen dauernde Show erzählt die Geschichte des Fußballklubs Sunderland A.F.C. der nach dem Abstieg aus der Premier League 2017 sich durch die zweitklassige EFL Championship in der Saison 2017/18 kämpft und eigentlich den direkten Wiederaufstieg plant. Erzählt wird die Geschichte der Saison, des Klubs, der Stadt, des Stadium of Lights und der Fans in vielfältigen sehr nahen Facetten. Für mich eine der besten Fußballdokumentationen der letzten Jahre, perfekt abgestimmt, was nicht nur das Intro (Link zu YouTube) in jede Folge zeigt. Normalerweise betätigt man den "Intro überspielen" Button bei Serien, aber nicht bei diesem Intro: Ein melancholische Song Shipyards von Martin Longstaff (The Lake Poets), der die Geschichte seines Großvaters erzählt: Ein Werftarbeiter und bis zu seinem Tod Anhänger der „Black Cats“.

„Sunderland 'til I Die“.

Eine wirtschaftlich stark gebeutelte Stadt und Fans, die zu ihrem Verein auch in schlechten Zeiten stehen. Das alles kommt einem bekannt vor. Spieler und Trainer kommen und gehen, Fans bleiben getreu dem Motto "support your local team" egal wie "Scheiße" es läuft. Gezeigt wird ein umfassender Blick hinter die Kulissen mit Trainings- und Spielszenen, Interviews mit dem Stab und den Fans. Das Produktionsteam (Fulwell 73 Productions) begleitet die Anhänger zu Auswärtsspielen und muss auch einstecken. Gezeigt werden auch die Schattenseiten des „modernen Fußballs“: Was passiert, wenn der Investor plötzlich kein Interesse mehr an seinem Spielzeug hat und den Geldfluss stoppt. Der Spruch „in guten wie in schlechten Zeiten“ gilt im Fußballgeschäft nicht, das zeigt sich in der Serie, in der nichts beschönigt wird. Das Geld ist knapp und kein neues kommt rein, da es auch Spieler gibt, die sich dem System angepasst haben und lieber die Zeit mit gutem Geld im Portemonnaie absitzen, als ihrer Karriere einen sportlichen Schub zu geben.

Ohne zu viel zu verraten, es wird eine sehr frustrierende Saison für alle, auch für den Zuschauer vor dem Fernseher. Obwohl kaum eine Verbindung zum Klub, fiebert man mit und wünscht, dass es am Ende Hollywood-Like ein Happy-End gibt. Wie das Ganze ausgeht? Wer es sonst nicht so mit dem unterklassigen britischen Fußball hält, könnte kurz spoilern und die Saisonergebnisse recherchieren, aber empfehlen würde ich das nicht. Denn so bleibt die Spannung hoch. Ich kann die Serie „Sunderland 'til I Die“ empfehlen (ohne Werbung für Netflix zu machen, man kann ja auch erstmal ein kostenloses Probeabo abschließen) und freue mich auf die Fortsetzung, denn die zweite Staffel von der aktuellen Saison wird gerade gedreht. Kleine Kritik: An den deutschen Untertiteln (also die, die man extra einschalten kann) sollten die Übersetzer aber mal etwas arbeiten, die sind dann doch etwas zu frei übersetzt. Vielleicht gibt es auch bald mal eine Serie über einen deutschen Verein auf ähnlichem Niveau abseits des üblichen Schrotts und der zum Marketing passenden Verherrlichung der entsprechenden Klub-Philosophie.


> Link zur Netflix Seite mit Trailern

Foto: Pixabay

Stadionname:
Stadium of Light
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