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BFC Dynamo vs. FC Viktoria 1889: Weinrot gibt Sieg aus der Hand, Himmelblau gegen Veilchen im Finale!

 
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MB 11 April 2019
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„Victoria mit uns“ war in großen Buchstaben am Zaun der Gegengerade zu lesen. In der Mitte der Lorbeerkranz, den die römische Siegesgöttin einst in der rechten Hand hielt. Und anfangs schien Victoria in der Tat auf Seiten der Hohenschönhausener zu stehen, doch am Ende wendete sich das Blatt und Victoria warf den goldenen Kranz der Viktoria aus Lichterfelde zu. Für den BFC Dynamo wurde es nichts mit der siebten Finalteilnahme innerhalb von zehn Jahren. 2010 ging das Finale gegen den Berliner AK verloren und es gab auf dem Rasen Bambule. 2011, 2013, 2015, 2017 und 2018 konnte der Pokalgewinn gefeiert werden und wenig später gab es jeweils gute Auftritte im DFB-Pokal vor großen Kulissen.

Der FC Viktoria 1889 Berlin stand zuletzt 2017 im Finale und musste sich dem BFC Dynamo vor 6.700 Zuschauern mit 1:3 nach Verlängerung geschlagen geben. Kai Pröger machte sich damals bei den Weinroten unsterblich. Am 4. Juni 2014 konnte Viktoria 1889 jedoch den Pokal holen, und zwar gegen den SV Tasmania Berlin. Vor 3.468 Zuschauern gab es damals im Jahn-Sportpark einen 1:0-Sieg zu sehen. Insgesamt konnten die Himmelblauen bislang sieben Mal den Pokalgewinn feiern, jedoch liegen die sechs anderen Titel weit zurück. Als BFC Viktoria 1889 konnte am 28. Juni 1953 das Westberliner Pokalendspiel im Poststadion vor 9.000 Fußballfreunden gegen den Berliner SV 92 mit 4:2 gewonnen werden. Die anderen fünf Pokalgewinne liegen noch weiter zurück. Als BTuFC Viktoria 1889 wurde 1907 auf dem Germania-Platz, 1908 auf dem Viktoria-Platz und 1909 auf dem Union-Platz (Sportplatz an der Rathausstraße) gefeiert. Es folgten noch zwei Finalsiege im Stadion am Gesundbrunnen in den Jahren 1926 und 1927.

Und wenn wir schon mal bei der Historie sind, noch ein Blick auf die Pokalgeschichte des BFC Dynamo. In der Nachwendezeit wurde das erste Mal am 11. Mai 1999 der Pokal geholt (damals noch Paul-Rusch-Pokal). 1.888 Zuschauer bekamen einen 4:1-Sieg gegen Türkspor Berlin zu sehen, die anschließenden Feierlichkeiten uferten ein wenig aus. Zu DDR-Zeiten holten die zweite und dritten Mannschaften des BFC Dynamo viermal den Ost-Berliner Pokal: 1968, 1969, 1973 und 1984. Ausgetragen wurden die Endspiele im Hans-Zoschke-Stadion, im Stadion an der Zachertstraße, im Käthe-Tucholla-Stadion und auf dem Sportplatz Kynaststraße. Am 2. Juni 1973 (ich war zu jenem Zeitpunkt gerade im Bauch) war es der BFC Dynamo III, der im Käthe-Tucholla-Stadion vor 300 Zuschauern BEWAG/Turbine Berlin mit 7:2 schlagen konnte. Wo sich das Käthe-Tucholla-Stadion befindet? Am Bruno-Bürgel-Weg in Oberspree. 

Genug Historie. Zurück in die Gegenwart! Immerhin 1.689 Zuschauer hatten sich am gestrigen Abend auf den Rängen des Jahn-Sportparks eingefunden, unter ihnen auch ein paar Anhänger der Himmelblauen. Der Anstoß wurde eine Stunde vorverlegt, da die Flutlichtanlage aufgrund eines elektrischen Schadens ausfiel und auch in naher Zukunft ausfallen wird. Vorstellbar, dass diese erst gar nicht mehr repariert wird, da der Jahn-Sportpark bekanntlich komplett umgebaut werden soll. „Hilfe für den Nächsten“ hieß es am gestrigen Abend.

Das Technische Hilfswerk (THW) hatte eine mobile Flutlichtanlage aufgebaut. Sehr zur Freude der Kinder wurden zudem ein paar große Playmobil-Figuren dazu gestellt. Zum Einsatz kam die Anlage in der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung. Allerdings konnte nicht getestet werden, was das Flutlicht wirklich schafft, da es aufgrund der Anstoßzeit um 18 Uhr am Ende nicht ganz so dunkel wurde wie am vergangenen Abend beim Pokalspiel VSG Altglienicke vs. Tennis Borussia Berlin, wo Verlängerung und Elfmeterschießen unter Funzellicht ausgetragen werden mussten.

Heller als die wenigen spartanischen Lichter auf dem Sportplatz des Köpenicker SC an der Wendenschloßstraße wird die mobile Anlage des THW jedoch garantiert sein. Schade allerdings, dass die Beleuchtungsstärke nicht genügt, um ein DFB-Pokalspiel auszutragen. Statt die teuren Flutlicht-Trucks aus dem englischen Bolton zu holen, hätte im vergangenen Sommer die BSG Chemie Leipzig ganz einfach auf die mobile Anlage des THW zurückgreifen können. Och nö, wenn man daran wieder denkt. Logisch, dass gestern Abend diese Geschichte wieder Thema beim Bierchen war. „Schön“, wie der DFB, der ja soooo ein großes Herz für den Amateurfußball hat, die Leutzscher auflaufen und abends gegen den SC Paderborn 07 spielen ließ. Ihr habt kein Flutlicht? Allein Euer Problem! Macht Euch nen Kopp! 

Nen Kopp machen müssen wird man sich auch beim BFC Dynamo, wenn eines Tages der Umbau des JSP an der Tagesordnung steht. Rückkehr ins Sportforum Hohenschönhausen. Und um abends spielen zu können, könnte doch gleich ein Abo mit dem THW abgeschlossen werden. Aber nicht nur darüber muss sich nen Kopp gemacht werden. Zuletzt stand immer wieder die Frage im Raum, wie es denn generell beim BFC Dynamo weitergehen solle. Wichtiger Punkt: Die mickerigen Zuschauerzahlen im Regionalligaalltag. Und zudem: Die Finanzierung. Umso wichtiger wären der Einzug ins Berliner Pokalfinale und der folgende mögliche Einzug in die erste DFB-Pokalrunde gewesen. 

Und anfangs schaute es richtig gut. Nach 17 Minuten machte Kemal Atici nach einer Flanke von Chris Reher das 1:0 für  die Weinroten klar. Es wurde kurzfristig laut auf den Rängen, und man konnte sich wieder ausmalen, wie es werden könnte, wenn im Finale wieder rund 5.000 BFC-Fans auf der Gegengerade für Stimmung sorgen. Im Laufe der ersten Halbzeit wurde es auch auf dem Oberrang der Haupttribüne laut. Feucht fröhlich wurden dort Gesänge angestimmt, die Pokalwettbewerbe sind einfach das Ding der weinroten Anhängerschaft. Es bleibt ein Rätsel, weshalb in der Regionalliga gegen halbwegs lukrative Gegner nicht solch eine Stimmung aufkommen kann.

In der 20. Minute hatten die Himmelblauen eine Antwort auf den frühen Rückstand parat. Solomon Junge-Abiol gab einen guten Schuss ab, doch BFC-Keeper Bernhard Hendl konnte diesen abwehren. Ein weiteres himmelblaues Ausrufezeichen setzte Timo Gebhart in der 38. Minute, als er einen Kopfball an die Latte setzte. Spätestens jetzt musste klar gewesen sein: Der BFC musste unbedingt nachlegen, um sicher ins Pokalfinale einziehen zu können. Die Möglichkeiten dazu gab es. Kurz vor der Pause hätte Atici das 2:0 machen können, ja, müssen!

Kurz nach der Pause schoss David Malembana einen direkten Freistoß an die Latte. Das hätte ebenfalls die 2:0-Führung sein können, doch stattdessen klingelte es sieben Minuten später auf der Gegenseite. Timo Gebhart konnte einen Freistoß rechts im Gehäuse unter bringen. Der BFC-Torwart hatte eine Sekunde vorher einen Schritt in die andere Richtung gemacht und kam somit nicht mehr an den Ball. Ausgleich für Viktoria 1889 - und das Bauchgefühl sagte: Das Ganze wird aus Sicht des BFC in die Hose gehen. Und richtig, wenig später hätte Timur Gayret das 2:1 für die Gäste machen können, doch das Aluminium war im Wege. 

Viktoria 1889 wirkte nun entschlossener. Nachdem in der regulären Spielzeit jedoch keine weiteren Treffer fallen wollten, musste die Verlängerung her. In dieser hatte Gebhart in der 102. Minute eine fette Möglichkeit, doch der Ball wurde am Gehäuse vorbeigeschoben. Fünf Minuten später war es jedoch soweit. Nick Scharkowski bekam die Chance und wusste sie zu nutzen. 2:1 für Viktoria 1889. Gelutschter Drops. So schien es. Aber dann: In der 118. Minute kam Patrick Brendel an den Ball und zog ab. Was getroffen wurde? Das Lattenkreuz! Bitter für den BFC, aber Victoria war am gestrigen Abend nun mal bei Viktoria. 

Am Ende nicht unverdient zog der FC Viktoria 1889 Berlin ins Pokalfinale ein und wird in jenem auf Tennis Borussia Berlin treffen. Vom Namen her keine schlechte Sache und es dürfte mit einer ähnlichen Kulisse wie bei den Endspielen BFC Preussen vs. Lichtenberg 47 oder Viktoria 1889 vs. Tasmania Berlin zu rechnen sein. Auch wenn etliche aktive TeBe-Fans dem Finale fernbleiben werden, so wird TeBe in jedem Fall mehr Zuschauer mobilisieren können als beispielsweise die einstigen Finalisten Berliner AK 07 und SC Gatow…

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
1:2
Zuschauerzahl:
1.689

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Tja...
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Schade Marmelade

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