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Hansa Rostock vs. FSV Zwickau: Biankadi lässt das Ostseestadion dreimal beben

 
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A 01 April 2019
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F.C. Hansa Rostock gegen den FSV Zwickau. Ich könnte jetzt von der langen Historie der Aufeinandertreffen beider Vereine berichten, davon, dass Zwickau 28 der 65 Spiele gewinnen konnte und Hansa nur 23 oder davon dass das erste Duell noch Motor Zwickau gegen Empor Lauter hieß und beide Vereine nur 25 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt beheimatet waren. Aber das Stochern in der Vergangenheit liegt mir nicht sonderlich und bringt auch wenig Erkenntnisgewinn für den Ausgang dieser Partie.

Am 31. Spieltag der Drittligasaison 2018/19 stehen sich nämlich zwei Mannschaften gegenüber, die an die DDR-Oberliga genauso viele Erinnerungen haben wie jemand, der die Wendezeit mit vollen Windeln erlebt hat - nämlich gar keine. Kümmern wir uns also um die Gegenwart und das Geschehen an diesem sonnigen Samstag im März 2019 im Rostocker Ostseestadion.

Hansa geht wie mittlerweile gewohnt recht offensiv und abschlussfreudig in die Partie - bereits in der vierten Minute trifft Marcel Hilßner nach einem sehenswerten Pass von Maximilian Ahlschwede den rechten Pfosten. Es ist im Nachhinein leider nicht mehr hundertprozentig zu klären, ob diese Szene irgendjemand im Stadion wahrgenommen hat, denn die ersten zehn Minuten der Partie gehören der Südtribüne, auf der eine wahnsinnige Choreo aufgezogen wird.

Die Tribüne ist über die gesamte Breite blau und weiß gestreift, über die Querbalken an der Überdachung wird ein Netz mit der Kogge und der Jahreszahl 1965 hochgezogen, davor hängt ein Banner mit der Aufschrift “fc hansa rostock - bis in den tod”. Lautstark hinterlegt wird das Ganze mit dem dazu passenden Gesang. Da kann man schon mal kurzzeitig den Blick vom Spielgeschehen abschweifen lassen.

Als die Streifen wieder eingesammelt und die Kogge heruntergelassen ist, haben wieder alle freie Sicht auf das Feld und können direkt das 1:0 für Hansa durch Merveille Biankadi feiern, der den Pfostentreffer von Oliver Hüsing über die Linie drückt. Als Biankadi keine zehn Minuten später mit dem Kopf nach einer Flanke von Lukas Scherff das 2:0 erzielt, gibt es im Ostseestadion kein Halten mehr. Hansa führt mit zwei Toren, das Bier fliegt durch die Luft, die Sonne scheint. Fußballherz was willst du mehr?

Der Gästeblock, der trotz einer eher enttäuschenden Anzahl an Auswärtsfans bis dahin ziemlich laut war, nimmt erstmal etwas Energie und Euphorie aus dem Support. Von Zwickau ist auch auf dem Feld nach wie vor nicht allzu viel zu sehen, stattdessen hat Hansa in Person von Biankadi noch zwei weitere Chancen, aus denen allerdings nichts Zählbares wird, weshalb es mit 2:0 in die Pause geht.

In der zweiten Halbzeit spielt Zwickau in Richtung Nordtribüne, weshalb der ehemalige Rostocker Johannes Brinkies nun das Tor vor der Süd hütet. Schöne Sache, dass man sich auch nach drei Jahren noch bei jedem Aufeinandertreffen kurz grüßt.

Die erste Hälfte der zweiten Halbzeit plätschert ziemlich uninspiriert vor sich hin. Hansa zieht sich etwas zurück und vergurkt einige vielversprechende Pässe. Zwickau kommt etwas besser ins Spiel und lässt den einen oder anderen Torschuss sehen. 

In der 68. Minute kommt es dann aber wie es kommen muss: Nach einer Ecke steht Davy Frick überraschend frei vor dem Rostocker Tor, hält den Kopf hin, der Gästeblock jubelt, 2:1. Mist. Jetzt wird es doch nochmal eng, jetzt bloß nicht nervös werden, sondern wieder konzentrieren und vorwärts spielen. Ein viertes Unentschieden im fünften Spiel will nun wirklich niemand sehen.

Doch schon eine Minute später sind alle Sorgen wieder vergessen. Merveille Biankadi bekommt mal wieder einen schönen Pass ins Zentrum und macht einfach so weiter wie in der ersten Halbzeit - 3:1, erneut fliegen Arme und Getränke durch die Luft, jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Die Zwickauer Spieler sind unterdessen aufgebracht und protestieren beim Schiedsrichter, denn sie wollen ein Foul von Mirnes Pepic an Frick vor dessen Pass auf Biankadi gesehen haben. In der Wiederholung ist das nicht ganz eindeutig zu erkennen, aber wenn du gefühlte hundert wichtige Fehlentscheidungen in einer Saison gegen dich bekommen hast, ist dir das als Rostocker mal ziemlich egal.

In der Folge hat Zwickau keinen Bock mehr und Hansa keinen Druck. Vor allem Lukas Scherff und Cebio Soukou drängen noch auf das vierte Tor, aber oft scheitern die Versuche daran, dass nicht mehr konsequent nachgerückt wird. Für den überwiegenden Großteil der über 14.000 Zuschauer geht das allerdings in Ordnung, denn der Heimsieg gerät in keiner Minute mehr in Gefahr.

Stattdessen schwappt die Welle ein paar Mal durch das Stadion bevor sie irgendwo auf der Nord versiegt, Schals wedeln durch die Luft, es gibt es paar lieb gemeinte Grußworte in Richtung Dynamo Dresden und dann ist auch Feierabend. Die Rostocker Mannschaft lässt sich zurecht feiern, der Mann des Tages klaut sich einen Spielball und am Ende sieht Platz fünf in der Tabelle deutlich vielversprechender aus als er bei zehn Punkten Rückstand tatsächlich ist.

Fotos: Arvid Langschwager, Anika, Matthias

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Inhalt über Klub(s):
Spielergebnis:
3:1
Zuschauerzahl:
14.184

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