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Spielabsetzung bei den Füchsen: Zerschnittene Tornetze und ein Trostbierchen am Wackerplatz

 
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MB 30 März 2019
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Die genialste Spielstätte von Berlin? Ein Kandidat wäre sicherlich das Zoschke-Stadion von Lichtenberg 47, doch es geht noch um einiges besser! Gesehen und sofort war es eine Liebe auf den ersten Blick. Als am 1. Juni 2018 der Wackerplatz beim Berlin-Liga-Spiel Füchse Berlin Reinickendorf vs. Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin besucht wurde, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Das dortige Ambiente ist einfach klasse. Über die Geschichte des Stadions und des einstigen Fußballvereins Wacker 04 Berlin, der einst in der 2. Bundesliga unter anderen gegen Göttingen 05 sein Glück versuchte, hatte ich im Bericht über das besagte Spiel gegen Blau-Weiß 90 einiges geschrieben, somit sollte es am gestrigen Abend mehr oder weniger allein über das Abstiegsduell Füchse Berlin vs. SC Charlottenburg gehen.

Bereits seit Monaten hatte ich die Füchse auf der Liste. Da muss ich noch einmal hin! Doch da die Liste stets wohl gefüllt ist, dauerte es bis zum gestrigen Abend, bis ich wieder das größere Söhnchen an die Hand nahm und mit der S-Bahn zum Eichborndamm düste. Ach, herrlich! Abendspiel, Flutlicht, ein Bierchen und eine Cola sowie ein mit Spannung erwartetes Sechstligaspiel. Die akut abstiegsbedrohten Füchse Berlin konnten zuletzt an Form zulegen und wittern nun Morgenluft. Da geht noch was im Fuchsbau! Zuletzt (vor dem Heimspiel gegen Tasmania Berlin) konnte beim Tabellenvierten Berliner SC mit 4:1 gewonnen werden. Was für eine Ansage! Zuvor wurden daheim gegen den SV Empor in Form eines 2:1-Sieges die bitter benötigten drei Punkte eingefahren. Zwei der drei bislang eingefahrenen Saisonsiege gab es somit in den drei vergangenen Partien. Irre! Nun noch ein Sieg gegen den ebenfalls bedrohten SC Charlottenburg und der Abstand zum rettenden Ufer würde sich auf vier Punkte verkürzen. 

Erwartungsfroh trafen kurz nach halb sieben am gestrigen Abend die ersten Zuschauer ein. Allein der Weg zum Wackerplatz hat schon was. Durch eine Kleingartenkolonie folgt man dem schotterigen Wackerweg bis der Einlass des kleinen Stadions sichtbar wird. An diesem bildete sich eine kleine Traube, die Tore waren noch verschlossen. Wie jetzt? War die Dame an der Kasse noch nicht eingetroffen? Ein Stromausfall konnte nicht der Grund gewesen sein, denn die Flutlichter waren bereits an, und in den Lichtkegeln machten sich bereits die Spieler warm. Und auch der Rasen machte einen guten Eindruck. Gewitter wie beim besagten Heimspiel gegen Blau-Weiß 90, als das Ganze eine Viertelstunde unterbrochen werden musste, würde es auch nicht geben.

Umso größer die Überraschung bei den Wartenden. Das Spiel müsse leider ausfallen, erklärte eine Frau. Was, wie, warum das denn? Eine Dreiviertelstunde mit der S-Bahn durch die halbe Stadt gejuckelt - und nun so was?! In Sekundenschnelle spielte ich sämtliche Möglichkeiten im Geiste durch. Der Schiedsrichter wurde beim Warmmachen von einem Fuchs gebissen. Der Schiedsrichter trat beim Warmmachen in einen Maulwurfshügel. Ein Infekt sorgte dafür, dass der SC Charlottenburg keine komplette Mannschaft zusammenstellen könne. Hooligans hatten telefonisch gedroht, den Wackerplatz zu stürmen und das Spiel abzubrechen, wenn die Füchse in Führung gehen würden. 

Ganz so fern lag die letzte Vermutung gar nicht. In der Nacht zuvor wurden von Unbekannten sämtliche Tornetze zerschnitten. So was habe man noch nie erlebt in all den Jahren! Dies wurde zu spät bemerkt, auf die Schnelle konnte kein Ersatz besorgt werden. Die Netze der Trainingstore würden eh nicht passen, und auch der Staffelleiter fand so schnell keine Lösung. Die Drähte liefen heiß, die meisten Spieler und auch das Schiedsrichtergespann waren bereits auf dem Weg zum Fuchsbau. Mit Schnüren das Ganze flicken und zusammen knüpfen? Das sagte sich so leicht. An allen drei Seiten wurden jeweils fein säuberlich große Teile herausgeschnitten. Somit waren die Löcher viel zu großflächig um mit Strippen mal eben zusammengeflickt zu werden. 

Ungläubig wurde im Dämmerlicht die Schandtat begutachtet. Die Spieler der Füchse Berlin machten sich weiter warm, die Spieler des SC Charlottenburg hatten bereits den Heimweg angetreten. Was für ein Mist. Da hatten die Füchse zuvor den viel zitierten Knoten platzen lassen und hatten nun einen Lauf und richtig Bock, das enorm wichtige Spiel anzugehen, und dann kommt nachts ein Idiot daher (oder halt mehrere Idioten) und richtet solch einen Schaden an. Zwei Spieler der Füchse hatten sich extra Urlaub genommen, um antreten zu können, wurde mir später am Tresen erklärt. Ein paar Zuschauer vermuteten, dass der Täter aus dem Umfeld des SC Charlottenburg kommen müsse, doch war dies leicht daher gesagt. Kriegen wird man den oder die Täter kaum. Zwar ist das Vereinsheim an sämtlichen Ecken und Kanten kameraüberwacht, doch die Tore stehen halt in der kompletten Dunkelheit. Wobei mir jetzt einfällt, dass ich hätte fragen müssen, warum nachts überhaupt die Netze an den Toren hingen. Oder wurden sie gar im Lagerraum zerschnitten?

Fakt ist, dass die Netze am gestrigen Abend traurig an den Toren hingen. Theoretisch hätte man die Netze irgendwie provisorisch zusammen schustern können, doch im Fall eines Füchse-Sieges würde der mögliche (berechtigte) Einspruch der Gäste als Damoklesschwert über dem Ganzen hängen. Ich fertigte ein paar Fotos an, und mein Sohn ging indes auf Spurensuche. „Hier Papa, hier ist eine Fußspur, die nicht von uns ist!“, erklärte er, nachdem er einen Rundgang auf den flachen Stufen hinter dem Tor gemacht hatte. Nachdem diese angeschaut wurden, ging es ins gemütliche Vereinsheim. Wenn man schon mal da war: Her mit Cola, Bier und der süßen Gummischlange! Etliche andere taten es uns gleich. Alle bedauerten, dass das Spiel ausfallen musste und nun irgendwann unter der Woche nachgeholt werden muss. Noch eine Runde!

Draußen trainierten die Spieler der Füchse und machten ein kurzes Trainingsspiel. Mein Sohn schaute draußen zu und nutzte die Gunst der Stunde, sämtliche Ecken des Stadions zu erforschen. Später gab es als Trost noch weitere Süßigkeiten und eine Spielfigur, die aufs Haus gingen. Als Trost für den vermurksten Abend. Aber sagen wir es so. Wir alle hatten das Beste draus gemacht. Nach dem Training wurden den Spielern paar Tabletts mit Bierbechern in die Kabine reingetragen. Für mich auch noch ein Bierchen, ein weiterer Smalltalk am Tresen - und dann ging es zurück gen Rixdorf. Und eins ist klar, beim Nachholspiel werde ich vorbeischauen - völlig egal, ob es unter der Woche ist! Drei Punkte für die Füchse!

Fotos: Marco Bertram

> zur turus-Fotostrecke: Wackerplatz der Füchse Berlin Reinickendorf

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3.0
Ausgefuchster Zug

Komisch... nicht einmal das Spielfeld war gekreidet. Auch scheint es unmöglich aus einer anderen der zahlreichen Reinickendorfer Spielstätten 2 Netze zu Organisieren... Auch wurde meiner Quelle nach das Spiel schon abgesetzt, als weder der Schiedsrichter noch ein Verantwortlicher der Gästemannschaft vor Ort waren... Böse Zungen könnten behaupten, es kam manch ausgefuchsten Verantwortlichen ganz recht, den Abend lieber im Casino zu verbringen...

S
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Idioten ey
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