Rot-Weiss Essen in Frühlings-Euphorie, RWE-Fan gibt Millionen für Etat

Rot-Weiss Essen in Frühlings-Euphorie, RWE-Fan gibt Millionen für Etat

 
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KH 29 März 2019
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In der Fantasie hat wohl jeder Fußballfan für sich schon einmal durchgespielt, was er machen würde wenn er plötzlich zu viel Geld kommen würde. Klar erst einmal sich selber und der Familie was Gutes tun, aber auch seinem Heimatverein etwas mehr vielleicht als sonst zuschießen. Bei den meisten bleibt es ein Traum. Einer der sich diesen Traum erfüllt ist Sascha Peljhan. Man könnte es fast unter dem Motto „Gönn Dir“ sehen: Geboren in Essen, Fan von RWE, immer eine Dauerkarte für die Hafenstraße im Portemonnaie und seit dieser Woche offizieller „strategischer Partner“ bei seinem Herzensklub Rot-Weiss Essen. Ein Traum für ihn, eine fast explodierende Begeisterung voller Euphorie und Vorfreude was kommen mag bei den RWE-Fans. Der schlafende Riese ist trotz sportlichem Regionalliga-Mittelmaß wieder wachgeküsst worden.

Was ist passiert?

Die Saison ist für Rot-Weiss Essen bis auf die noch mögliche Option des Pokalgewinns (Niederrheinpokal-Halbfinale gegen den KFC Uerdingen am 2. April) wieder einmal gelaufen. Die Fans sind frustiert die Verantwortlichen auch, dabei ging es so gut los mit Tabellenplatz Eins noch bis Mitte September (Spieltag sieben). Über 10.000 Fans pilgerten zu den Heimspielen an die Hafenstraße und tausende fuhren auf die Dörfer, der schlafende Riese war angepickt. Sollte der Traum vom Aufstieg in die dritte Liga tatsächlich wahr werden nach Jahren der Trostlosigkeit? Nein, ab dem achten Spieltag ging es wieder abwärts auf das bekannte Niveau der vergangenen Jahre. Top Leistungen auf den Rängen, frustrierende und teils erschreckende sportliche Leistungen auf dem Rasen, die auch eine bei vielen Klubs bekannte Diskussion bzw. Überlegung frei machte: Ausgliederung und damit verbundende Investitionen als sportliche Chance.

Beim Thema Ausgliederung geht vielen aktiven Fans die Hutschnur hoch (siehe Beispiel Bochum) und auch in Essen organisierte sich schnell Widerstand, obwohl das Thema nicht direkt auf der Tagesordnung der Verantwortlichen stand (steht). Beim Heimspiel gegen den TV Herkenrath 09 Mitte Februar gab es entsprechende Spruchbänder von der Heimtribüne: "100 Prozent RWE / 100 Prozent e.V.. Wir lassen uns nicht verkaufen. Zwischen Kohle und Staub und Bolzplatztoren ist kein Platz für Investoren“ und eine passende Initiative (Essen unverkäuflich) formierte sich. Dass der Klub dieses Motto aktuell mitträgt und längst was im Köcher hatte, konnte keiner ahnen. Um dem Protest ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen und schon einmal eine neue Vision vorzugeben, ging der Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig mit einer Pressemeldung Anfang März auf die Fans zu: Demnach werde es „kurzfristig“ keine Ausgliederung geben und unter keinen Umständen würde der Verein zum Verkauf angeboten. Im Gegenteil die Klubführung arbeite intensiv an einer „Essener Lösung“ um den Weg aus der 4. Liga gemeinsam zu schaffen.

„Essener Lösung“, diese zwei Wörter brachte die Fans (vor allem im RWE Fanforum) in Wallungen – positiv gesehen. Der meistgeklickte und kommentierte Thread war in den letzten Wochen der „Sponsoren-Thread“. Hier durfte jeder mal seine Wunschvorstellungen von der „Essener Lösung“ posten. Von Deichmann über Aldi und Medion bis hin zu den Großkonzernen (Thyssen-Krupp, RWE, EON, Evonik) der Stadt fielen eigentlich alle Namen. Nur einige wenige waren eingeweiht und trugen den echten Namen nicht ins weite Rund. Interessant auch das die lokale Sportpresse (Funke Mediengruppe mit WAZ und Reviersport) ebenso still waren.

Die Spannung war bis zum 28. März um 19:07 Uhr für viele kaum auszuhalten. An diesem Abend stand ein Sponsoren-Meeting an auf dem der „Gönner“ benannt werden sollte. Klar stehen hinter Rot-Weiss Essen viel mehr Menschen („Gönner“) als nur die eine „Essener Lösung“. Viele weitere Sponsoren und „Kulturgutschützer“ unterstützen den Verein mit finanziellen Mitteln. Ohne Sponsoren kann Vereinsfußball nicht leben, das wissen große das wissen kleine Vereine. Hier mal ein Satz Trikots, da mal ein paar Kästen Bier (oder Wasser). Meist geschieht das aus starker Verbundenheit zum örtlichen Klub auch ohne große Gegenleistung wie ein Trikotsponsoring oder eine Werbebande.

So ist es anscheinend auch mit Sascha Peljhan, der gar nicht den Weg in die Öffentlichkeit sucht. Kein russischer oder österreichischer Millionär der einen Traditionsverein und den deutschen Fußball mit Großinvestitionen rocken will und sich dazu in einen Klub einkauft oder ihn gleich übernimmt um seine Marke zu positionieren, ganz egal ob es die Fans interessiert oder nicht und dann  wenn er vom Spielzeug genug hat es wieder sich selbst überlässt. Nein der Mitbegründer des sehr erfolgreichen Essener Modelabels und der bei der Generation „U 30“ sehr beliebten Kultmarke Naketano (die den Betrieb Ende des letzten Jahres eingestellt hat) hat andere Visionen. Als Fan möchte er einen Beitrag leisten, um das verborgene Potenzial von RWE endlich zur Entfaltung kommen zu lassen, so heißt es in einer Pressemeldung des Klubs. Zudem sei er auch überzeugt vom nachhaltigen Wirtschaften des Vereins und dem Zukunftskonzept von Marcus Uhlig. Nach Angaben des Klubs habe der Vorstandsvorsitzende den Unternehmer vor einem halben Jahr kennengelernt und in regelmäßigen Gesprächen sich mit ihm darüber ausgetauscht, ob und wie RWE gemeinsam nachhaltig und substanziell weiterentwickeln werden könne.

Ein starkes Zeichen und eine starke Leistung von beiden, denn Medienberichten zufolge soll in den kommenden beiden Spielzeiten ein niedriger Millionenbetrag in den Klub fließen und so den Etat des Vereins signifikant erhöhen. Aktuell liegt der Etat des Klubs bei rund 1,6 Millionen Euro. Kritiker rufen sich auf den Plan und fragen nach der Gegenleistung für diese Art von Zuwendung. Laut RWE wurde eine Zusammenarbeit vereinbart die finanzieller und beratender Natur ist. Eine Tilgung der Unterstützung erfolge nur, wenn Rot-Weiss Essen in den Bereichen „Zuschauer-Einnahmen“ und „Sponsoring“ höhere Einnahmen erziele als geplant. Von diesen Mehreinnahmen erhalte Peljhan einen definierten Prozentsatz, der zudem der Höhe nach pro Saison gedeckelt sei. Herausgekommen sei eine Form der Zusammenarbeit, die in Fußball-Deutschland ihresgleichen sucht, so Marcus Uhlig.

Sehen die meisten Fans auch so, jedenfalls im RWE Fanforum, das am Donnerstagabend neue Besucherrekorde verzeichnete und förmlich explodierte vor euphorischer Posts. Der Rest der Saison wird nun zum Prolog was alles Positives kommen mag. Was gibt es besseres als einen Unterstützer, der sich wirklich mit dem Verein identifizieren kann, weil er ein echter Anhänger ist. Dies trifft auf Sascha Peljhan zu, aber auch auf Marcus Uhlig und auf noch einen über den die letzten Tage spekuliert und gehofft wurde: Andreas Rettig (bekennender RWE-Fan) und aktuell noch beim FC St. Pauli. Obwohl der Geschäftsführer den Kiezklub im Herbst verlässt, wird er aber wohl nicht an der Hafenstraße anfangen, sondern sich mehr seiner Familie in Köln widmen.

Obwohl dieser Wunschgedanke bei den Fans geplatzt ist, eins kommt aber anscheinend noch: Die „Essener Lösung“ die Marcus Uhlig Anfang März versprach ist übereinstimmenden Berichten noch nicht vollendet. Zur neuen Saison soll ein neuer Trikotsponsor den alten (Wettanbieter X-Tipp) ablösen, ebenfalls ein Unternehmen aus Essen. Die Fans sind angestachtelt und die Gerüchteküche im Fanforum brodelt weiter.

Viel Euphorie wieder an der Hafenstraße, bleibt zu hoffen, das diese nicht ähnlich schnell zerplatzt wie die „Hoch 3“ Euphorie: Innerhalb von drei Jahren sollte aufgestiegen werden dafür haben Fans und Sponsoren ein wenig mehr Geld zur Verfügung gestellt. Aber dieses zusätzliche Geld hat nicht mehr Tore geschossen. Diese Lehre muss mitgenommen werden. Bleibt abzuwarten ob der sehr gut eingefädelte Geldsegen dies diesmal schafft. Hier ist die sportliche Kompetenz des Klubs gefragt gute Spieler zu verpflichten, die zum Klub passen und die vor der Hafenstraße Atmosphäre immer alles geben und gewillt sind endlich aufzusteigen.

Glück auf!

> zur Rot-Weiss Essen Fotostrecke

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