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Das neue Fußballbuch über Montevideo: Wenn eklatante Wissenslücken geschlossen werden!

 
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MB 15 März 2019
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Einmal „Uruguay“ in die Suchmaske unserer Fotostrecken eingeben - das Ergebnis: Nada! Ningún resultado de búsqueda! Über wahrlich viele Fußballspiele und Vereine aus den verschiedensten Ecken der Erde gab es im Laufe der vergangenen zehn Jahre Berichte in unserem Magazin. Genauer gesagt aus 71 Ländern. Von Serbien bis Brunei Darussalam, von San Marino bis Armenien, von Äthiopien bis Kuwait. Ein Bericht über den Fußball in Uruguay? Eine klare Fehlanzeige. Das ist echt ein Ding! Einst Ende der 1990er Jahre lag Montevideo sogar auf der zuerst geplanten Route unserer Segeltour nach Australien. Es wurden sogar bereits Kontakte nach Montevideo geknüpft. Segelverband, Olympiastützpunkt, Botschaft. Ich selber tingelte wochenlang durch Brasilien, Berichte und Fotos aus Argentinien gingen ebenfalls bei uns online. Montevideo - das Herz des Fußballs?! Nix. Wie gesagt, nada. Nun liegt das neue Buch von Hardy Grüne vor mir - und ich kann die Rezension nicht einmal mit Fotos aus dem mittlerweile aus den Nähten platzenden Archiv schmücken. Es ist ja nix da. Macht ja nichts. Umso schöner ist es, Dank des Buches „Montevideo - Eine Reise in das Herz des Fußballs“ endlich einen tiefen Einblick zu bekommen.

Wer wurde 1930 erster Weltmeister? Richtig! Uruguay! Wer wurde 1950 nochmals Weltmeister? Richtig! Uruguay! Und das in Rio de Janeiro! Vor offiziell 173.850 Zuschauern (inoffiziell zirka 220.000 Zuschauer) wurde im Estádio do Maracanã im 3. Finalrundenspiel Brasilien mit 2:1 bezwungen. Juan Schiaffino und Alcides Ghiggia erzielten die Treffer für Uruguay, nachdem Friaça die Seleção in Führung gebracht hatte. Für Brasilien wurde dieses Spiel ein Trauma. Uruguay wurde indes weltberühmt. Der 3,3-Millionen-Staat (damals sicherlich noch weniger) war plötzlich eine ganz große Nummer. 

Und im Vereinsfußball? Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Gewinner der Copa Libertadores von 1960 (damals Copa Campeones de América) bis 2018. In der Rangliste sind ganz oben die argentinischen Vertreter CA Independiente und Boca Juniors zu finden, auf Rang drei folgt jedoch sogleich Peñarol Montevideo mit fünf Titeln (zehn Finalteilnahmen). Stadtrivale Nacional Montevideo konnte auch schon drei Titel holen (sechs Finalteilnahmen). Erfolgreichster brasilianischer Verein in der Copa ist bislang der FC São Paulo mit ebenso drei Titelgewinnen. Flamengo Rio de Janeiro konnte bislang erst einmal einen Titel (1981gegen CD Cobreloa) in diesem wichtigen Wettbewerb einfahren. Um auf die beiden großen Vereine aus Montevideo zurückzukommen: Nacional Montevideo konnte zuletzt 1988 die Copa Libertadores gewinnen, Erzrivale Club Atlético Peñarol im Jahr zuvor. 

Apropos, der erste Clásico zwischen Nacional und Peñarol wurde bereits am 15. Juli 1900 ausgetragen. Seitdem gab es sage und schreibe über 500 (!) Stadtduelle. Allerdings gibt es in Uruguay nicht nur Nacional und Peñarol, wobei diese ganz klar den Fußball des Landes dominierten und dominieren. 2013/14 konnte der Danubio FC (auch aus Montevideo), 2007/08 der Defensor Sporting Club (ebenfalls aus Montevideo) letztmals Meister werden. Ein uruguayischer Meister, der nicht aus Montevideo stammt? Den gab es bislang nicht, denn auch CA Bella Vista (1990 Meister), Central Español (1984 Meister) und CA Progreso (1989 Meister) kommen aus der Hauptstadt Montevideo.

Möchte man also ein Buch über den Fußball in Uruguay schreiben, tut man dies quasi über den Fußball in Montevideo. Die Hauptstadt ist nun mal der Schmelztiegel des uruguayischen Fußballs. Am Rande: Um den Titel der zweitwichtigsten Stadt des Landes wetteifern Salto (105.000 Einwohner) und Paysandú (77.000 Einwohner). Der Salto FC spielte von 2003 bis 2005 in der uruguayischen zweiten Liga. Das war´s dann aber schon. Paysandú Bella Vista gab kurzzeitig 2006 sein Stelldichein in der Segunda Division. Somit ist nicht verwunderlich, dass die Primera Division von den Hauptstadtvereinen dominiert wird. Ausnahmen gibt es aber derzeit: So kommt der Cerro Largo Fútbol Club aus 50.000-Einwohnerstadt Melo, und der Club Plaza Colonia de Deportes spielt in der 26.000-Einwohnerstadt Colonia del Sacramento am Río de la Plata.

Tolle Einblicke in das bunte Fußballleben in Montevideo bietet das neue Buch von Hardy Grüne, das im eigenen Haus - sprich unter dm Label „Edition Zeitspiel“ - erschien. Viele Fotos, viele Infos, viele Hintergründe. Hat man dieses Werk durch, so kann man sich sicher sein, eine ganze Portion neues Fußballwissen intus zu haben. Centro Atlético Fénix, Montevideo Wanderers, Liverpool Fútbol Club - klaffende Wissenslücken dürfen geschlossen werden. Für dieses Buch kann also eine absolute Kaufempfehlung abgegeben werden. Vorausgesetzt man hat wirklich Interesse für den Blick über den eigenen Tellerrand… 

Fotos: Marco Bertram

> direkt zur Seite von „Zeitspiel Magazin“

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