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Preußen Münster vs. Hansa Rostock: Gitterklettern, Auswärtssieg, der Blick auf Halle

 
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MB 15 März 2019
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Die Diskussion um Montagsspiele in den ersten drei Ligen ist ja im Moment irgendwie das Thema schlechthin. Insbesondere Leute, die so gut wie nie ins Stadion gehen oder in der Nähe wohnen und nur zu Heimspielen gehen, kommen oft mit dem Argument: „Englische Wochen gibt es schon seit Jahren und da regt sich doch auch keiner auf“. Diesen Experten sei gesagt, dass es einen sogenannten Rahmenspielplan gibt. Dieser wird weit vor Beginn der Saison veröffentlicht und zeigt somit schon einige Monate vorher an, wann mit Spielen unter der Woche zu rechnen ist. Montagsspiele dagegen sind schlechter planbar, da diese erst nach der jeweiligen Terminierungsrunde feststehen, für die sich insbesondere bei der 3. Liga gern sehr viel Zeit genommen wird.

Dass am 12./13. März eine englische Woche anstand, war somit schon fast ein Jahr im Voraus klar. Mit Erstellung des Spielplans für die 3. Liga musste man dann nur noch suchen, welches Spiel das betreffen sollte. Für Hansa bedeutete das, mal wieder unter der Woche nach Münster fahren zu dürfen. 

Für mich sind Spiele in Münster zwischenzeitlich in gewisser Weise etwas Besonderes geworden. Bedingt durch Studium und Ausbildung habe ich in den letzten Jahren einen nicht gerade unbedeutenden Teil meines Lebens dort verbracht. Und auch wenn ich mit der Stadt nie so richtig warm geworden bin, gibt es da doch das eine oder andere, woran ich gern zurückdenke. Ohne jetzt zu persönlich zu werden, hat das bei mir – wie sollte es auch anders sein – mit dem Fußball zu tun. Neu in eine Mannschaft zu kommen und sich dort sofort gut aufgenommen zu fühlen. Spaß am Fußball zu haben, weil die eigenen Schwächen in einer überragenden Mannschaft so sehr untergehen, dass man selbst irgendwie trotzdem fast nur positiv auffällt. Und natürlich einfach mal weg sein von Lernen, Klausuren und Prüfungen. 

Bis ich allerdings zurück nach Münster kommen sollte, verging erstmal eine fast schon wieder nervige Zugfahrt. Wie in „alten Zeiten“ gestaltete sich der Umstieg in Hamburg sehr schwierig, sodass es mit reichlich Chaos und ordentlich Verspätung in Richtung NRW weiterging. Endlich am Ziel angekommen, hatte ich dann mal genug Zeit, den endlich fertiggestellten Bahnhof zu bewundern. Schon verrückt, wenn man drei Jahre lang von einer Baustelle zu Hansa gefahren ist und dann auf einmal so ein Palast dort steht. 

Am Stadion bzw. am Gästeparkplatz angekommen konnte man froh sein, wenn man schon einmal vor Ort war und sich dort ein bisschen auskannte. Der Weg, der sonst als Durchgang von der Straße zum Gästeblock diente, war abgesperrt. Einen Hinweis, dass man scheinbar über die Gitter klettern sollte, gab es nicht so wirklich. Einige nicht ganz so ortskundige Gästefans steuerten dadurch am Gästeblock vorbei, direkt auf den Heimbereich zu. Um es diplomatisch zu formulieren, trifft es „ungünstig“ vielleicht ganz gut.

Nachdem der richtige Weg gefunden und die Verstärkung aus Münster eingesammelt war, ging es etwa eine halbe Stunde vor Anpfiff in den Gästeblock des Preußenstadions. Der für 18 Uhr angekündigte Regen blieb glücklicherweise erstmal aus, sodass einem schönen Fußballspiel zunächst nichts im Wege stand. 

„Zunächst“ trifft es dabei ganz gut, denn schön war dieses Spiel zu keinem Zeitpunkt. Jeder, der an diesem Tag eine Hand voll Torchancen gesehen hat, arbeitet entweder im Sägewerk oder hat sich stumpf verzählt. Der Kommentar „Ich hab noch nie so ein schlechtes Fußballspiel gesehen!“ traf an diesem Tag voll ins Schwarze. Münster hatte ziemlich früh im Spiel gleich doppelt die Chance in Führung zu gehen. Die Art und Weise, wie kläglich diese vergeben wurde, war sinnbildlich für den kompletten Spielverlauf. Vieles entstand durch Zufall und spätestens zwanzig Meter vor dem Tor war dann irgendwie immer Schluss. Die beiden Torhüter haben sich wahrscheinlich eine Erkältung eingefangen, weil sie einfach beschäftigungslos waren. 

Als Hansafan kennt man bei solchen Spielen zwei Standard-Szenarien. Die eine Möglichkeit ist das klassische 0:0. Die zweite ist das klassische Gegentor in der 90+x. Minute. Am besten noch durch einen Freistoß, der keiner war, aus einer Abseitsposition heraus oder durch ein nicht gepfiffenes Foul gegen uns. Diesmal war jedoch alles anders und einer meiner Begleiter hatte das mit den Kommentaren „Die heben sich das Tor für unsere Seite auf“ und „Die erste richtige Chance für Hansa sitzt“ schon vorhergesagt. In der 88. Minute kam es zu einem Zweikampf im Mittelfeld, über den sich die Münsteraner kurz aufregten. 

Der Ball landete irgendwie bei Soukou, der einen feinen Ball auf Hilßner spielte. Der konnte dann mit einer Kombination aus seiner Schnelligkeit und einem Tick Cleverness relativ ungehindert auf den Torwart zulaufen und den Ball im Kasten versenken. Die restlichen fünf Minuten (der Schiri hatte drei Minuten Nachspielzeit ausgewürfelt) vergingen diesmal irgendwie ohne dieses übliche Zittern, das bei Hansa sonst immer mit einem Ein-Tore-Vorsprung einhergeht. Das eine Tor war schon Zufall genug. Für ein zweites hätte es bei diesem Spiel schon ein Wunder gebraucht. 

Da standen wir also, hatten ein Spiel gewonnen, bei dem sich jeder schon mit einem öden 0:0 angefreundet hatte. Und keiner wusste so richtig, wieso und warum. 

Das witzige ist, dass man plötzlich auf dem 6. Tabellenplatz steht und gar nicht so richtig weiß, wie man da plötzlich hingekommen ist. Und auch wenn der Schein trügt, da der Abstand allein zum Relegationsplatz 8 Punkte beträgt, brechen einige schon wieder in Euphorie aus. Dieses „Wenn wir gegen Halle gewinnen, sind es nur noch fünf Punkte und dann sind ja noch 27 zu vergeben“ teile ich angesichts der Erfahrung, dass wir genau in solchen Momenten IMMER das folgende Heimspiel erfolgreich in den Sand setzen, nicht ganz. 

Aber wer weiß, vielleicht läuft es ja wie am Dienstag in der 88. Minute und es wird wieder alles anders als sonst.

Fotos: Matthias, Tom, Anika, Stefan Brunkhorst

> zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

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Mia :-)

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